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Möchten Sie die Antwort gerne kurz? Hier ist sie: Zur Zeit (Ende Mai 21) eher nicht! Bei schwer kranken Kindern kann man evtl. zu einer anderen Ansicht kommen, aber im Moment ist das Risiko/Nutzen -Verhältnis für gesunde Kinder viel zu unklar.

Wie gefährlich ist Covid-19 für Kinder?i

Covid-19 Erkrankungen im Kindesalter verlaufen selten schwer, führen selten zu Folgeschäden, viel seltener als bei Erwachsenen. Bis zum 9.5.21 mussten in Deutschland 1487 Kinder wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden, 74 auf der Intensivstation, 5 Todesfälle mit Covid-19 wurden gemeldet. Jeder Todesfall ist natürlich einer zu viel, trotzdem: Knapp 1500 Erkrankte und 5 Todesfälle unter 14 Millionen Kindern und Jugendlichen – im Vergleich zur Zahl der Erkrankten und Toten bei Erwachsenen ist das extrem wenig! In der Grippesaison 2018/19, das gibt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin zu bedenken, mussten 7461 wegen Grippekomplikationen stationär behandelt werden und 9 Kinder verstarben in einem Winter. Man sollte Todesfälle nicht gegeneinander aufrechnen, diese Zahlen können aber vielleicht dem einen oder anderen besorgten Elternpaar zur korrekten Beurteilung der Situation helfen.

Und wie gefährlich ist die Impfung?

Bis heute ist keine einzige Studie zu Nebenwirkungen von Comirnaty (dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff) bei der Impfung von Kindern veröffentlicht. Alles was wir wissen, müssen wir aus den Daten der Zulassung in Kanada und den USA beziehen. Demnach stützt sich die Zulassung dort auf eine noch nicht abgeschlossene Phase III – Studie, 1983 Teilnehmer, davon 1005 geimpft. Das ist nicht viel, auch die Beobachtungsdauer ist nicht sehr lang. Ich möchte hier an die Nebenwirkung Narkolepsie (die „Schlafkrankheit“) nach Schweinegrippe-Impfung erinnern. Diese Nebenwirkung war eigentlich selten, aber sie trat gehäuft bei Kindern und mit einer Latenz von 42 Tagen bis hin zu 2 Jahren auf. 1300 Fälle von Narkolepsie nach Schweinegrippeimpfung mit Pandemrix bei 60 bis 90 Millionen Impfungen. Das war nicht viel, es reichte aber, um den Schweden z.B. den Appetit auf Impfungen jeder Art nachhaltig zu verderben. Die Zulassungsstudie von Comirnaty bei Kindern reicht sicher nicht aus, um eine derartige Nebenwirkung sicher zu erkennen.

Mehr Nebenwirkungen bei Kindern

Aber eines konnten diese Studien dennoch schon jetzt zeigen: Schwere Nebenwirkungen treten bei Kindern vermutlich wesentlich häufiger auf als bei Erwachsenen. Nach den Unterlagen der kanadischen Behörden erlitten Kinder nach der Impfung in 3,5 % der Fälle schwere Nebenwirkungen, bei Erwachsenen soll die Rate nach Angaben der deutschen STIKO bei 0,6 % liegen.

Und die Ansteckungsgefahr?

Bei der Virusgrippe wurde schon oft vorgeschlagen, doch lieber die Enkel zu impfen, um den Opa oder die Oma zu schützen. Schließlich sind diese die Hauptverbreiter von Erkältungsviren aller Art im Winter. Dies scheint aber nach der aktuellen Studienlage bei Covid-19 nicht der Fall zu sein. Zwar gibt es Widersprüche in den verschiedenen Untersuchungen zum Thema, aber das Robert Koch Institut zum Beispiel sieht “ keine substanzielle treibende Kraft“, die bei der Verbreitung von Covid-19 von Kindern ausgeht. Also die Enkelin impfen, damit Oma nicht krank wird? Ethisch fragwürdig und bei Covid wahrscheinlich ohne Wirkung.

Noch etwas anderes kommt hinzu: Bisher ist völlig unklar, in welchem Umfang Geimpfte die Krankheit übertragen können . Klar scheint lediglich; Ja, auch Geimpfte können andere anstecken. Wahrscheinlich wird die Ansteckungsfähigkeit reduziert, man munkelt so um die 30 bis 50 %, aber genaue Daten fehlen.

Mein Fazit

Kinder sollten zur Zeit außer im Falle schwerer Erkrankungen zur Zeit noch nicht gegen Covid-19 geimpft werden, weil:

  • die Studienlage dünn ist
  • Kinder mehr Nebenwirkungen als Erwachsene zeigen
  • Kinder selten schwer an Covid-19 erkranken
  • auch die Ausbreitung der Pandemie nicht sicher dadurch gebremst wird.

Quellen

1.) Bild: File:Children meadow grass read.jpg – Wikimedia Commons

2.) Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin zur Covid-19 Impfung bei Kindern

3.)https://www.dgkj.de/fileadmin/user_upload/Meldungen_2021/210518_CoronaTaskForce_Schutzimpfung.pdf Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin zu Covid-19 Impfung bei Kindern

Eine Covid-19-Erkrankung in der Schwangerschaft birgt einige zusätzliche Risiken für Mutter und Kind. Außerdem scheinen Erkrankungen jetzt häufiger in der Schwangerschaft vorzukommen als das noch im letzten Jahr der Fall war. Das ist möglicherweise eine Folge der weiteren Verbreitung der englischen Variante B.1.1.7. . Diese Corona Variante ist nun mal ansteckender auch für jüngere Menschen als das „alte“ Originalvirus. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch Instituts rät (noch nicht) generell zur Impfung aller Schwangeren, lehnt sie aber auch nicht ab. Die Fachgesellschaften der Frauenärzte sind dagegen der Meinung, dass sich alle Schwangere impfen lassen sollten. Auch sollte eine Priorisierung für Schwangere eingeführt werden.

A_new_beginning_at_the_end_of_the_day._-_Flickr_-_Munroe_Photography.jpg (3888×2592) (wikimedia.org) Creative Commons — Attribution 2.0 Generic — CC BY 2.0

Warum ist eine Covid-19 Erkrankung riskanter in der Schwangerschaft?

Von 100.000 Frauen, die in der Schwangerschaft an Covid-19 erkranken, sterben 149; außerhalb der Schwangerschaft nur 5. Auch haben Schwangere mit Covid Erkrankung ein höheres Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wie Thrombose, Embolie und Schwangerschaftsvergiftung („Präeklampsie“). Aber auch für das Ungeborene steigt das Risiko für Komplikationen. Frühgeburt und Totgeburt sind weitaus häufiger, wenn die Mutter unter Covid-19 leidet. Die Wahrscheinlichkeit für das Neugeborene, nach der Geburt auf einer Neugeborenen – Intensivstation zu landen ist um das 3fache höher.

Impfung mit mRNA-Impfstoffen

In Belgien und Israel, in Großbritannien und in den USA wurden bereits eine große Zahl von Schwangeren mit mRNA-Impfstoffen geimpft. In Europa zur Zeit zugelassene Impfstoffe mit diesem Wirkprinzip sind die von Biontech/Pfizer und Moderna. Bei den Impfungen in der Schwangerschaft wurden nicht mehr Nebenwirkungen als bei nicht schwangeren Frauen beobachtet. Auch typische Schwangerschaftskomplikationen traten nicht vermehrt auf. Die von der Mutter gebildeten Antikörper können auf das Ungeborene übergehen, damit erhält das Neugeborene schon vom ersten Tag an einen Schutz gegen Covid-19.

Und in der Stillzeit?

Ähnliches beobachtete man in diesen Ländern auch bei der Impfung stillender Mütter. Auch hier kommt es zu einer Übertragung mütterlicher Antikörper gegen Covid-19 über die Muttermilch an den Säugling.

Empfehlung der Fachgesellschaften

Die Fachgesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe empfehlen daher, Schwangere mit Vorzug („priorisiert“) gegen Covid-19 zu impfen. Verwendet werden sollte ein mRNA-Impfstoff. Auch enge Kontaktpersonen (Partner/in) und betreuende Hebammen und Frauenärzte und Frauenärztinnen sollten schnellstmöglich immunisiert werden. Auch in der Stillzeit wird den Müttern eine Impfung empfohlen. Besonders wichtig ist diese Empfehlung natürlich für Frauen mit Risikofaktoren für einen schweren Verlauf der Covid Erkrankung wie z.B. Diabetes, Übergewicht, Hypertonie oder chronische Bronchitis.

Quellen

Empfehlung der COVID-19-Impfung für schwangere und stillende Frauen – Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (dggg.de)

Fachgesellschaften: Covid-19-Impfempfehlung für alle Schwangeren | PZ – Pharmazeutische Zeitung (pharmazeutische-zeitung.de)

Immer mehr Menschen, die eine Covid-19 Erkrankung durchgemacht haben, erholen sich auch nach längerer Zeit nicht richtig. Sie klagen über eine Vielzahl verschiedener Beschwerden. Luftnot bei Anstrengung gehört genau so dazu wie Konzentrationsstörungen und Schwierigkeiten, das richtige Wort zu finden. Aber auch Diabetes, Bluthochdruck, Magen-Darm-Beschwerden, depressive Verstimmungen und das Gefühl einer allgemeinen Erschöpfung gehören zu diesem völlig unklaren Krankheitsbild. Sicher, auch nach einer Grippe gab es immer schon Patienten, die Schwierigkeiten hatten, sich zu erholen. Und schon länger kennt man das Krankheitsbild der chronischen Erschöpfung, das chronic fatigue syndrome (CFS). Junge Sportler, die eine relativ harmlose Mandelentzündung mit dem Ebstein-Barr- Virus (EBV) überstanden hatten, mussten ihre Karriere beenden. Andere waren noch schlimmer betroffen: Im Extremfall konnten die Kranken das Bett nicht verlassen oder waren zumindest lange arbeitsunfähig oder schließlich sogar erwerbsunfähig. Jetzt aber scheinen Erkrankungen aus diesem Spektrum sehr viel häufiger zu werden und auch die Symptome werden vielfältiger, betreffen fast jedes Organ.

File:SARS-CoV-2.pink.P1067513.jpg – Wikimedia Commons

Wer wird krank?

Grundvoraussetzung ist natürlich eine durchgemachte Covid-19-Erkrankung. Aber nicht nur schwere Erkrankungen führen zu Long-Covid, auch ganz leichte können hartnäckige Verläufe nach sich ziehen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer und häufig sind sie sehr jung: Zwischen 20 und 40 Jahren alt. Prof. Dr. med. Carmen Scheibenbogen vom Institut für Medizinische Immunologie an der Charité Berlin schätzt, dass etwa 1- 2% der Covid-Patienten später ein Long-Covid entwickeln werden. Das klingt erstmal nach nicht viel, es werden aber viele, wenn man sich vergegenwärtigt, wie viele Patienten im Moment positiv getestet werden. Also höchstwahrscheinlich werden wir auch nach Ende der Corona Pandemie noch viele Tausend kranke Menschen zu versorgen haben.

Was ist die Ursache für Long Covid?

Leider weiß man das überhaupt nicht. Leider werden viele Patienten mit dieser Erkrankung auch nicht richtig ernst genommen, psychosomatische Ursachen oder gar Simulation vermutet. Es scheint sich um eine Erkrankung zu handeln, bei der das Immunsystem eine große Rolle spielt. Es könnte sich um eine Autoimmunkrankheit handeln, bei der das Immunsystem des Menschen durch die Corona Erkrankung durcheinander gebracht wurde und sich jetzt gegen seinen eigenen Körper richtet.

Gibt es eine Therapie?

Nein, eine sicher wirksame Behandlung gibt es nicht. Viele Patienten werden von alleine wieder gesund werden, auch wenn sie Monate lang krank waren. Je jünger der Patient, desto größer ist die Chance, dass er wieder völlig gesund wird. Manche berichten von einer positiven Wirkung der Corona-Impfung auf die Long Covid-Erkrankung, aber auch das ist nicht sicher. Auf jeden Fall sollte man sich an die Empfehlung des Robert Koch Instituts halten: Dort empfiehlt man eine Impfung 6 Monate nach einer Corona Erkrankung.

Quellen

Long-COVID: Morbidität und Mortalität auch nach leichten Erkrankungen… (aerzteblatt.de)

Corona-Langzeitfolgen: „Wer Fatigue hat, schafft es oft kaum noch, ins Badezimmer zu gehen“ | ZEIT ONLINE

Prof. Dr. med. Carmen Scheibenbogen: Institut für Medizinische Immunologie – Charité – Universitätsmedizin Berlin (charite.de)

RKI – Impfen – COVID-19 und Impfen: Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ)

Eine ganze Menge! Weltweit mehr als 150, klinisch erprobt sind bisher 50, in der EU zugelassen sind 4, den Antrag gestellt haben weitere drei. Wir können uns also auf 7 Impfstoffe beschränken.

Welche Impfstoffe gibt es in Deutschland?

Im wesentlichen zwei: Vaxzevriza (R) von AstraZeneca und Comirnaty (R) von Biontech/Pfizer. Demnächst soll wohl noch je ein Impfstoff der beiden US-Firmen Moderna und Johnson & Johnson hinzukommen.

Ist ein Impfstoff besser als der andere?

Ja, Comirnaty hat ein wenig die Nase vorn. Er wirkt zu 90 %, Vaxzevria nur zu 60 %. Vor schweren Verläufen (also: Intensivstation, Tod) schützen beide aber zu 100 %. In puncto Nebenwirkungen tun sich beide nicht sehr viel: Bei manchen Menschen fühlt es sich so an, als ob sie Grippe hätten nach der Impfung, andere merken gar nichts. Der Arm tut natürlich auch manchmal weh, vielleicht wird die Stelle, wo gepikst wurde, rot und schwillt an. Nach drei Tagen bis spätestens nach einer Woche sollte unser Impfling aber wieder auf dem Damm sein. Natürlich: Ich war eine Woche krank, meine Frau merkte so gut wie gar nichts. Ja, aber da ist ja noch die Sache mit den Thrombosen im Kopf?

Schreckgespenst: Sinusthrombose

Von einer Thrombose spricht man, wenn sich in einem Blutgefäß ein Blutgerinnsel (ein „Thrombus“) bildet. Der Sinus oder genauer: Die Sinus durae matris sind große Venen im Gehirnschädel, sie verlaufen in der Hirnhaut, ja ihre Wände sind aus Hirnhaut gebildet. Sinus bedeutet Bucht, was die Größe dieser Gefäße betont. Dura bedeutet hart, und mater ist die Mutter. So lustig sind medizinische Begriffe bisweilen, denn übersetzt heißt Sinus durae matris „Bucht der harten Mutter“. Doch Spaß beiseite, das Thema ist ernst! Man kann sich vorstellen, dass eine Thrombose in den großen Venen des Gehirns ernste Folgen haben kann. Kopfschmerzen natürlich, aber auch Symptome eines Schlaganfalls, und in manchen Fällen sogar Tod! Vor allem bei jungen Frauen soll es in Folge einer Covid-19 Impfung mit dem AstraZeneca Impfstoff zu solchen Sinusthrombosen gekommen sein.

Wie häufig Sinusthrombose nach Impfung?

59 Sinus- und andere Hirnvenenthrombosen traten nach Angaben des Paul Ehrlich Instituts bis zum 15.April 2021 nach einer Impfung mit AstraZeneca auf. Von den 59 Betroffenen waren 45 Frauen, und darunter wiederum 40 Frauen jünger als 60 Jahre. 12 Todesfälle sind zu beklagen, 6 Frauen und 6 Männer. Bis zu diesem Zeitpunkt Mitte April waren etwas mehr als 4,2 Millionen Erstdosen von AstraZeneca verimpft worden. Wir haben also insgesamt 14 Fälle pro Million Impfungen zu beklagen, wobei rund jeder fünfte Fall tödlich endete. Für eine Impfung ist diese Rate von Nebenwirkungen eigentlich zu hoch, es bleibt zu hoffen dass die Einschränkung auf Menschen über 60 zu einer Besserung der Lage führt. Natürlich ist die Covid-19 Erkrankung ungleich folgenschwerer für eine viel größere Zahl von Menschen und wir haben nicht genug Impfstoff, deswegen ist die Fortführung der Impfung mit dem AstraZeneca Impfstoff gerechtfertigt. (Und auch ich habe mich damit impfen lassen.)

Wie funktionieren die Impfungen gegen Covid-19?

Die Impfstoffe von Biontech und Moderna sind sogenannte mRNA-Impfstoffe, der von AstraZeneca und Johnson & Johnson gehört zu den Vektorimpfstoffen. Der Impfstoff von Biocad aus Russland ist ebenfalls ein Vektorimpfstoff, seine Zulassung in der EU wird zur Zeit (Ende April21) geprüft. Noch ein weiterer mRNA Impfstoff steckt in der Zulassungsprozedur, das ist der von Curevac, einer deutschen Firma. Die Impfe von Novavax (USA) ist der siebte im Bunde, wird auch noch geprüft und verfolgt einen anderen Weg: Er ist ein sogenannter Eiweiß- oder subunit – Impfstoff.

mRNA – Impfstoffe

mRNA-Impfstoffe sind ein total neues Prinzip, wurden bisher noch gegen keine Krankheit eingesetzt. mRNA ist Englisch und heißt ausgeschrieben: messenger Ribo Nucleic Acid, zu deutsch: Boten Ribonukleinsäure. Alles klar? Wohl kaum!. mRNA kommt in allen menschlichen Zellen vor, sie wird im Zellkern gebildet und zwar als teilweise Kopie der Erbsubstanz des Zellkerns und vom Zellkern in die Zelle geschleust. Dort wird die mRNA an den Ribosomen, sehr kleinen Proteinmanufakturen, abgelesen und entsprechend der Bauvorschrift der RNA verschiedene Eiweißmoleküle hergestellt. Bei der Impfung nun nimmt man den DNA – Bauplan des Covid-19 Virus, also seine Erbsubstanz und stellt nach dieser Erbsubstanzvorlage mRNA her. Also nicht aus der ganzen Erbsubstanz, sonst würde man komplette Viren herstellen, sondern nur von einem kleinen Abschnitt. Und zwar von dem Abschnitt, der verantwortlich ist für die Herstellung der schönen Spikes, also der Stacheln oder Spitzen des Coronavirus, der ihm auch zu seinem Namen verholfen hat. (Corona = Krone) Nun wird diese mRNA in eine Hülle aus Fettmolekülen eingebettet, damit sie auch in die Zellen gelangt und als Impfung verabreicht. In den Zellen wird die Botschaft der RNA an den Ribosomen abgelesen und nun stellen die menschlichen Körperzellen das Spikeprotein des Coronavirus her. Der menschliche Organismus, genauer: sein Immunsystem merkt, dass hier ein fremdes Eiweiß zirkuliert und bildet Antikörper gegen dieses Eiweiß aus. Kommt nun der echte Virus, ist der Körper gewappnet und weiß schon, wie man so was mit Stacheln effektiv bekämpft.

Vektorimpfstoffe

Vektorimpfstoffe wurden bisher schon in kleinerem Maßstab eingesetzt: Gegen Ebola und gegen das Dengue Fieber. Der Vektor im Namen des Vektorimpfstoffs bedeutet einen harmlosen Virus, dem die Lust an der Vermehrung durch verschiedene Tricks genommen wurde. Meist handelt es sich auch um harmlose Schnupfenviren oder dergleichen. Der Vektor ist nun das trojanische Pferd, mit dem ein Teil der Coronavirus-Erbsubstanz in die menschliche Zelle geschleust wird. Wieder der Teil der Erbsubstanz (DNS oder DNÀ genannt), der verantwortlich ist für die Bildung der wunderhübschen Spitzen des fiesen Covid-19 – Erregers. Der Vektorvirus dringt in die Zelle ein, verliert seine Hülle, die Virus-DNA wird in die menschliche Erbsubstanz integriert. Nunmehr wird die mRNA nicht von außen zugeführt, sondern der Zellkern des Menschen selbst produziert sie. Der weitere Weg geht genau so wie oben bei den m-RNA Impfstoffen beschrieben. AstraZeneca benutzt bei Impfung und Wiederauffrischung denselben Vektor, der russische Sputnik V benutzt zwei verschiedene Viren. Auf diese Weise will man verhindern dass Antikörper gegen den Vektorvirus den Erfolg der zweiten Impfung abschwächt.

Eiweißimpfstoffe

Bei den Eiweißimpfstoffen, auch subunit- oder Untereinheit-Impfstoffe genannt, werden sehr kleine Teilchen mit Bestandteilen des Coronavirus verabreicht, auch hier wiederum bevorzugt die Spikes. Der Körper bildet Antikörper gegen die Spikes. Bei dieser Art von Impfung ist eine gute Verträglichkeit zu erwarten, wie gut der Schutz ist und wie lange er anhält, bleibt abzuwarten.

Quellen

Paul-Ehrlich-Institut – Coronavirus und COVID-19Coronavirus und COVID-19 (pei.de)

RKI – Infektionskrankheiten A-Z – COVID-19 und Impfen

Bisher 59 Fälle von Hirnthrombosen nach Astrazeneca-Impfung (aerzteblatt.de)

File:SARS-CoV-2 without background.png – Wikimedia Commons (Bild)

Einer meiner Leser, Aribert Deckers (twitter: @aribertdeckers) konnte es nicht glauben: Waren tatsächlich sowenig Kinder im LK Görlitz komplett geimpft? Ich habe ihm die Quelle genannt: http://www.vacmap.de und er hat selber nachgeschaut. Die Karte müsste unbedingt in den Beitrag, meinte Aribert Deckers. Ich bin nicht so ein Internet-Experte, deswegen hat er mir geholfen und für mich einen Screenshot erstellt. Sehen Sie selbst: Ich habe nicht übertrieben – und vielen Dank an Aribert Deckers für die Mühe, es hat ihn einige Stunden Arbeit gekostet!

 

 

 

2017 könnte in Deutschland das Jahr der Masern werden . Die Zahl der Erkrankungen nimmt rapide zu: Bis zum 13. April waren bereits 368 Masernfälle gemeldet worden, im gesamten letzten Jahr waren es nur 329. Und das obwohl im Jahre 2015 die Masern in Deutschland hätten ausgerottet sein sollen. Und warum sind sie immer noch da? Weil zu wenig Kinder gegen Masern geimpft werden!

Ist es nicht besser, Masern durchzumachen?

Auf eine Art: ja! Der Schutz gegen Masern ist super gut, wenn man die Erkrankung  durchgemacht hat. (Ich spreche da aus eigener Erfahrung, ich habe als Kind selber Masern  gehabt und mich bei meinen kleinen Patienten nie angesteckt!) Andererseits: Der gute Schutz wird teuer erkauft! Bei jedem 5. Masernkind kommt es zu ernsthaften Komplikationen: Mittelohrentzündung und Lungenentzündung sind da an erster Stelle zu nennen. Ok, auch das stecken ansonsten gesunde Kinder meist ganz gut weg. Wesentlich seltener, dafür umso ernster ist eine andere Komplikation: Eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), die in 10-20% der Fälle tödlich endet, in 20-30% der Fälle zu dauerhaften Behinderungen führt. Ist es das wert?

Aber die Impfung soll doch so gefährlich sein, hört man ?

Das ist absoluter Quatsch. Ich bin 34 Jahre lang als Arzt tätig gewesen, 25 Jahre davon als Landarzt im schönen Ditzum an der Ems. In dieser Zeit habe ich unzählige Kinder gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft. Und ich habe in der ganzen Zeit nicht eine einzige ernsthafte Nebenwirkung gesehen. Klar, manchmal schwillt das Ärmchen oder Beinchen an, vielleicht entsteht auch eine kleine, heiße und rote Beule. Nach drei Tagen spricht man schon nicht mehr drüber. Und ja, manchmal war die Temperatur erhöht, vielleicht war das Kind am nächsten Tag ein bisschen quengelig, aber das kann bekanntlich viele Gründe haben. Aber sonst: Schwerwiegende Nebenwirkungen? Fehlanzeige! Diese persönliche Erfahrung darf man natürlich nicht verabsolutieren – aber diese persönliche Erfahrung wird durch die Wissenschaft gestützt. Impfnebenwirkungen sind meldepflichtig, die Auswertung der berichteten Nebenwirkungen unterstützt meinen persönlichen Eindruck voll und ganz. Hier beim Robert Koch-Institut kann man das ganz genau nachlesen.

Ganz unterschiedliche Impfraten in Deutschland

Erstaunlicherweise ist die Beteiligung an der Masernimpfung in Deutschland ganz unterschiedlich. Besonders negativ hebt sich das Land Sachsen mit Impfquoten im Kreis Görlitz von 12,1 % (für die zweite Impfung) vom Rest der Republik ab! Aber auch mein Heimatkreis, der Landkreis Leer, liegt mit 73,8 % der korrekt geimpften Kinder nur ganz knapp über dem Bundesdurchschnitt von 73,7 %, aber steht doch wesentlich schlechter da als Hamburg mit 81,1 %!

Zweimal impfen!

Man weiß heute, dass eine Impfung gegen Masern nicht ausreicht. Eine Impfung schützt zwar über 80 % aller Kinder, aber zwei Impfungen schützen  (fast) alle! Die Impfung sollte frühestens im 11. Lebensmonat beginnen, spätestens zwei Monate nach dem ersten Geburtstag sollten alle  Kinder die erste Impfung erhalten haben. Nur wenn die Kinder schon im ersten Lebensjahr in die Kinderkrippe kommen, beginnt man mit der Impfung auch schon im 9. Lebensmonat. Der Grund dafür sind die Antikörper der Mutter gegen Masern, die auf den Säugling übergehen. Diese „Leih“Antikörper sind es, die einen Erfolg der Impfung verhindern, die Impfung ist unwirksam, wenn sie zu früh erfolgt. Die zweite Impfung kann frühestens nach 4 Wochen erfolgen. Vor dem zweiten Geburtstag sollten alle Kinder geimpft sein. Wenn dann irgendwann mehr als 95 % der Kinder vorschriftsmäßig geimpft sind, dann besteht Hoffnung, dass wir die Masern durch die Impfung ausrotten können. Viel Leid könnte dadurch verhindert werden.

Erwachsene aus dem Jahrgang 1970 oder jünger nachimpfen!

Erwachsene, die 1970 geboren wurden oder jünger sind, sollten eine Auffrischimpfung erhalten, wenn sie bisher nur einmal oder gar nicht geimpft worden sind. Die Jahrgänge, die älter als der Jahrgang 1970 sind, brauchen keine Impfung, in über 95 % der Fälle haben sie die Masern bemerkt oder unbemerkt durchgemacht. Wenn der Impfausweis weg ist und niemand mehr weiß, ob der junge Mann/ die junge Frau geimpft wurden, dann sollte man ganz einfach auffrischen. Die Impfung ist viel zu gut verträglich, die Erkrankung viel zu gefährlich, als dass  man hier ein Risiko eingehen sollte.

In den USA gilt: Keine Impfung – keine Schule, auch kein Austausch

In vielen Bundesstaaten der USA werden Kinder, die nicht ausreichend geimpft sind, nicht zum Unterricht an öffentlichen Schulen zugelassen, auch am Schüleraustausch können Schüler, die nicht richtig geimpft sind, nicht teilnehmen. Ich weiß nicht, ob diese Maßnahmen auch in Deutschland angebracht wären, manchmal denke ich: Ja! Dann kommt aber wieder meine Abneigung gegen alle staatlichen Zwangsmaßnahmen durch. Ich meine, es sollte doch möglich sein, alle Menschen von der Notwendigkeit der Masernimpfung zu überzeugen.

Argumente gegen die Masernimpfung? Bitte hier eintragen!

Ich habe eine Bitte an meine Leser: Wenn Ihr der Meinung seid, eine Impfung gegen Masern wäre Quatsch, überflüssig oder gar gefährlich, dann schreibt dies bitte hier in den Kommentar. Ich verspreche, dass ich innerhalb weniger Tage darauf antworten werde, wenn Ihr mir gute Gründe nennen könnt. Und ich verspreche, ich werde nicht die Moralkeule rausholen oder mich gar lustig machen. Lasst uns diskutieren!

 

Quellen

* Hier fand ich das Bild von dem kranken Kind (Masern)
* Robert Koch-Institut: Ratgeber Masern (für Ärzte)
* Sie lesen nicht gerne, schauen aber gerne Filme? Hier werden sSie fündig – zum Thema Masernimpfung
* Steckbrief Masern – Gut verständlich!
* noch mal Robert Koch: Nebenwirkungen der Masernimpfung
* Die Ärztezeitung berichtet über Masernwelle in Deutschland
* Vacmap.de: Soviel Kinder werden in Deutschland geimpft
* Paul Ehrlich – Institut: Antworten auf Impfkritik
* noch mal Paul Ehrlich: Nebenwirkungen der Masernimpfung
* Deutsche Apothekerzeitung: Panencephalitis (nach Masern) häufiger als angenommen

Süßstoff wurde schon oft beschuldigt: Krebserzeugend sollte er sein, Diabetes (Zuckerkrankheit) begünstigen und Übergewicht fördern, sprich: Er spart zwar Kalorien ein, macht aber soviel Hunger, dass unter dem Strich mehr Kalorien verzehrt werden als wenn man gleich Zucker verwendet hätte.

Nun kommt ein neuer Vorwurf hinzu, das Deutsche Ärzteblatt berichtete in diesen Tagen darüber: Süßstoff soll das Risiko für Schlaganfall und Demenz erhöhen! Und zwar gleich um das Dreifache! (Ein ähnliches Risiko konnte für zuckerhaltige Getränke nicht gefunden werden.)

Es handelt sich hier natürlich um einen rein statistischen Zusammenhang, der nichts über die Ursache aussagt. Will sagen: Es muss nicht der Süßstoff sein, der Schlaganfall und Demenz verursacht, es kann auch sein, dass die Menschen, die viel Süßstoff zu sich nehmen, andere Risikofaktoren aufweisen, die die genannten Erkrankungen begünstigen. Und tatsächlich ist es ja so, dass vor allem Übergewichtige und Diabetiker zu Light-Getränken greifen. Und die haben von vorn herein und sowieso ein erhöhtes Risiko. Oder: Jemand wird durch Süßstoffe dick und hat dadurch und nicht wegen des Zuckerersatzes das erhöhte Risiko. Alles klar? Auf jeden Fall glauben die Menschen, die mehr von Statistik verstehen als Du und ich, dass der Effekt doch noch darüber hinaus geht. Also: Vorsichtig vor allem mit künstlich süß gemachten Getränken, lieber das zuckerhaltige Original oder noch besser: Wasser trinken! (Jedenfalls solange die Forschung die Süßstoffe freispricht – und das kann dauern…)

Quellen (für alle, die mir nicht glauben oder einfach noch mehr wissen wollen)

* Deutsches Ärzteblatt zum Thema
* Das ganze kurz, aber auf Englisch zusammengefaßt in der Zeitschrift „Stroke“ – Schlaganfall
* Alzheimer and Dementia – zum selben Thema auf Englisch


Lange Zeit konnte ich hier nicht schreiben, weil meine eigene Krankheit und meine Landarztpraxis zusammen genug waren und keine Kraft für den Blog übrig blieb. Zum Schluss habe ich mich fast ein bisschen geschämt, weil ich so lange nicht mehr am Blog gearbeitet habe….
Nun, die Praxis habe ich jetzt nicht mehr, nur noch die Krankheit…
Auf jeden Fall habe ich mir vorgenommen, meine alten Beiträge zu überarbeiten und hin und wieder auch einen neuen folgen zu lassen. Bitte habt ein wenig Geduld mit mir, ein halbes Jahr oder so und der Blog erstrahlt in neuem Glanz! Bis später, Euer

Günter Schütte, Landarzt im Ruhestand.

Aufruf…

Angelina Jolie bekannte in einem Artikel in der New York Times: Ich habe mir aus Furcht vor Brustkrebs beide Brustdrüsen entfernen lassen. Die bekannte Schauspielerin leidet an einer Mutation des BRCA1-Gens, ihr Brustkrebsrisiko lag bei 80 %, ihre Mutter starb im Alter von 54 Jahren an Brustkrebs. Durch die Operation reduzierte Angelina Jolie ihr Brustkrebsrisiko auf unter 5 %.

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Zum Glück leiden nur 0,2 % aller Frauen an einer Mutation des BRCA1 oder BRCA2-Gens, die beide ein hohes Risiko für Brustkrebs bedeuten. Aber nicht nur das Risiko an Brustkrebs zu erkranken, ist erhöht, auch an Eierstockkrebs erkranken die betroffenen Frauen weitaus häufiger.

Betroffen von der Mutation sind vor allem Frauen aus Familien, in denen Brustkrebs bei jungen Frauen gehäuft auftrat, beidseitiger Brustkrebs sowie Brust- und Eierstockkrebs bei der gleichen Verwandten diagnostiziert wurde sowie Brustkrebs bei männlichen Verwandten auftrat. Frauen aus betroffenen Familien sollten mit ihrem Arzt besprechen, ob eine genetische Testung und Beratung für sie sinnvoll oder sogar notwendig ist.

Keineswegs müssen alle betroffen Frauen den Weg wählen, den Angelina Jolie vorgezeichnet hat. In 15 Zentren deutschlandweit wird ein intensiviertes Vorsorgeprogramm für Frauen angeboten, die von der Risikomutation betroffen sind. Die intensivierte Vorsorge besteht aus Selbstuntersuchungen der Brust, Tastuntersuchungen durch den Arzt, Sonografie, Kernspintomografie und Mammographie.

Leider gibt es keine vernünftige Vorsorge für den Eierstockkrebs. Hier bleibt nur die vorsorgliche Entfernung der Eierstöcke nach Abschluss der Familienplanung bei den betroffenen Frauen. Hierdurch sinkt auch das Risiko für den Brustkrebs um 50 %.

Quellen und weiterführende Links

* Uniklinik Köln: Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs

* New York Times vom 14.5.2013: Angelina Jolie: My Medical Choice

* Dtsch Arztebl Int 2011; 108(19): 323-30; DOI: 10.3238/arztebl.2011.0323: Familiäres Mamma- und Ovarialkarzinom: Neue Gene, neue Therapien, neue Konzepte

* Deutsches Ärzteblatt, Nachrichten vom 15.5.2013: Vorsorgliche bilaterale Mastektomie: Individuelle Entscheidung