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Archive for Juni 26th, 2007

COPD (von engl.: chronic obstructive pulmonary disease, chronisch obstruktive Lungenerkrankung), alle Erkrankungen der Lunge, die mit einer Einschränkung (Obstruktion) des Atemflusses einhergehen, die nicht oder nur teilweise reversibel ist . Die Krankheitsbezeichnung deckt im wesentlichen die beiden Krankheiten Lungenemphysem und chronisch obstruktive Bronchitis ab. Das Asthma bronchiale fällt jedoch explizit nicht unter diese Definiton, da die Behinderung der Atmung beim Asthma br. reversibel ist.

Symptome

Husten, Auswurf und Atemnot sind die typischen Symptome. Anfangs wird die Luftnot nur bei starker Belastung empfunden und nicht als Krankheit bemerkt, sondern als normaler Alterungsprozess oder Trainingsmangel empfunden. Husten und Auswurf sind typische Symptome der chronischen Bronchitis, unter der jeder zweite Raucher über 40 Jahre leidet. Raucher halten den morgendlichen Husten oft für normalen Raucherhusten. Die Luftnot schreitet unaufhörlich voran, schließlich besteht sie auch in Ruhe. Typisch sind akute Verschlechterungen (Exacerbationen) der COPD im Rahmen grippaler Infekte, vor allem in den Wintermonaten.

Häufigkeit

Die genaue Häufigkeit für Deutschland ist nicht bekannt. Die WHO schätzt, dass die COPD die vierthäufigste Todesursache weltweit ist und diese Tendenz ansteigt. Die Häufigkeit der chronischen Bronchitis in Deutschland liegt bei etwa 10 bis 15 % der Erwachsenen. Wieviele dieser Patienten eine COPD entwickeln, ist unklar. In den USA wird die Häufigkeit der COPD auf 5 % der erwachsenen Bevölkerung geschätzt.

Diagnose

Die Diagnose ergibt sich bei allen Patienten mit Husten und Auswurf durch eine Prüfung der Lungenfunktion. Die Einsekundenkapazität (FEV1), d. h. die Menge an Luft, die der Patient in einer Sekunde nach maximaler Einatmung bei größter Anstrengung ausatmen kann, ist erniederigt. Anfangs ist die FEV1 nur relativ zur Vitalkapazität vermindert, d. h. der Prozentsatz der in einer Sekunde ausatembaren Luftmenge bezogen auf die gesamte Atemkapazität ist reduziert. Später sinkt auch der absolute Wert der FEV1.

Die Bestimmung von FEV1 und Vitalkapazität werden nach der Inhalation von Medikamenten, die die Bronchien erweitern, wiederholt. Im Gegensatz zum Asthma bronchiale verbessert sich die Lungenfunktion bei der COPD nicht oder nur teilweise nach Anwendung dieser Medikamente

Die Lungenfunktionsprüfung ist eine einfach durchzuführende Untersuchung mit einem geringen apparativen Aufwand und als echte Vorsorgeuntersuchung der COPD aufzufassen.

Ursachen

Hauptursache der COPD ist das Zigarettenrauchen. Daneben kommen berufliche und allgemeine Umweltbelastungen z. B. durch Feinstaub in Betracht. Nicht alle Raucher und nicht alle Menschen mit einer chronischen Bronchitis entwickeln eine chronisch obstruktive Bronchitis. Es wird angenommen, dass genetische Faktoren eine gewisse Rolle bei der Entstehung der COPD spielen.

Schweregrade

Die Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease ist eine Initiative der WHO und des National Institutes of Health (USA), zur Bekämpfung der COPD weltweit. Die Einteilung in Schweregrade folgt international den Publikationen dieser Initiative und reicht vom Gold Stadium 0 bis IV.

Die Einteilung richtet sich in erster Linie nach den Meßwerten der Lungenfunktion und teilweise auch nach den Symptomen des Patienten.

Im Stadium 0 liegt eigentlich (noch) keine COPD vor, es wird deswegen auch als Risikostadium bezeichnet. Die Patienten leiden unter Husten und Auswurf, die Lungenfunktion ist aber normal.

Im Stadium I ist die absolute FEV1 noch normal (über 80 %), aber der Quotient FEV1 / Vitalkapazität ist auf unter 70 % (normal 80 %) erniedrigt. In diesem Stadium merken viele Patienten noch nichts von ihrer Krankheit.

Im Stadium II liegt die Einsekundenkapizität zwischen 50 und 80 % der Norm, die Patienten bemerken eine deutliche Luftnot unter Belastung.

Im Stadium III mit einer FEV1 zwischen 30 und 50 % sinkt die Lebensqualität rapide, vor allem bei Verschlimmerungen (Exacerbation) durch akute Infekte, die meisten Patienten suchen in diesem (späten) Stadium den Arzt auf.

Das Stadium IV bezeichnet alle Patienten, die eine FEV1 unter 30 % der Norm aufweisen oder alle diejenigen, die unter 50 % des Normalwertes liegen, aber eine Unterversorgung des Blutes mit Sauerstoff aufweisen. Die Patienten sind in diesem Stadium zu keiner körperlichen Belastung mehr fähig, jede Exacerbation kann tödlich sein.

Behandlung

Ähnlich wie beim Asthma bronchiale kommen auch bei der COPD kurz- und langwirkende Beta-2-Sympatomimetika als Inhalation aus einem Dosieraerosol, Pulverinhalator oder Vernebler zur Anwendung. Diese Substanzen erweitern die verengten Bronchien durch Wirkung auf die Rezeptoren des sympathischen Nervensystems. Denselben Effekt, aber durch eine Wirkung auf den Parasympathikus haben die Parasympatholytika (Ipratropiumbromid und Oxitropiumbromid), die auch inhaliert werden.

Inhalierbare Corticosteroide (ICS) haben bei der COPD nicht den selben guten Effekt wie bei Asthma, werden aber eingesetzt, wenn im Einzelfall eine Besserung der Lungenfunktion nachweisbar ist. Sie werden auch in Tablettenform, vor allem bei akuten Verschlimmerungen, angewendet.

Die bronchialerweiternde Substanz Theophyllin verliert wegen vielfältiger Wechsel- und Nebenwirkungen bei geringer therapeutischer Breite zunehmend an Bedeutung, wird aber ab Stadium II der COPD bei fehlender Besserung eingesetzt.

Vor allem im Stadium IV kommt auch eine Langzeitbehandlung mit Sauerstoff (aus der Flasche, durch einen Sauerstoffkonzentrator) in Frage.

In allen Stadien sollten die auslösenden Faktoren (Rauchen) ausgeschaltet werden. Ebenfalls in allen Stadien erfolgt eine Behandlung mit Antibiotika bei Verschlechterung durch Bronchialinfekte.

Die Behandlung mit bronchialerweiternden Sprays, ggf. nur bei Bedarf im Stadium I, ist Basistherapie in allen Stadien der COPD. Ab Stadium II werden ICS auf ihren Effekt getestet und bei Erfolg weiter verordnet.

Die ein- oder beidseitige Lungentransplantation ist die Ultima ratio bei einer COPD des Stadiums IV, die nicht anders behandelbar ist.

Beim Lungenemphysem kommen auch die operative Entfernung größerer Emphysemblasen oder die Resektion stärker befallener Lungenbezirke in geeigneten Fällen in Frage.

Quellen und weiterführende Links

Deutsche Atemwegsliga: Leitlinie zur Behandlung der COPD

Selbsthilfegruppen COPD und Lungenemphysem

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Coitus interruptus

Der Coitus interruptus (lat.: unterbrochener Geschlechtsverkehr) ist eine der ältesten, aber auch die unsicherste Methode der Empfängnisverhütung.

Beim C. zieht der Mann den Penis vor dem Samenerguss aus der Scheide zurück. Bei 100 Paaren, die sich ausschließlich auf diese Methode der Empfängnisverhütung verlassen, werden mindestens 25 Frauen in einem Jahr schwanger. Die Ursachen hierfür sind vielfältig: Zum einen werden schon vor dem eigentlichen Samenerguss Spermien vom Mann abgegeben. Vielfach kann der Mann die Kontrolle trotz des besten Vorsatzes nicht aufrechterhalten. Spermien können auch zur Befruchtung führen, wenn sie sich nur in der Nähe der Scheide befinden. Darüber hinaus führt der C. zu einer psychischen Belastung beider Partner durch die (berechtigte) Angst vor dem Versagen der Methode und zu einer Ablenkung durch die notwendige willentliche Kontrolle der Ejakulation.

Eine der ältesten Berichte über den C. stammt aus der Bibel. Onan und Er sind Brüder. Als Er stirbt, ist Onan nach jüdischem Gesetz verpflichtet mit seiner Schwägerin Tamar (der Frau von Er) zu schlafen, um seinem verstorbenen Bruder Nachkommen zu zeugen.

Aber da Onan wußte, daß die Kinder nicht sein Eigen sein sollten, ließ er´s auf die Erde fallen und verderben, wenn er einging zu seines Bruders Frau, auf daß er seinem Bruder nicht Nachkommen schaffe. Dem HERRN mißfiel aber, was er tat, und er ließ ihn auch sterben. (Vergl. Gen. 38,9)

Onan wurde vermutlich fälschlicherweise zum Namensgeber der Onanie.

Quellen, Weblinks

Pro Familia

Magnus Hirschfeld Archiv für Sexualwissenschaft

bible-online.net

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Clusterkopfschmerz

Der Clusterkopfschmerz (syn: Bing-Horton-Syndrom, Horton-Neuralgie) ist ein vor allem bei Männern in Clustern (Anhäufungen) von Wochen bis Monaten auftretender Kopfschmerz mit beschwerdefreien Intervallen von Monaten und Jahren. Der Schmerz tritt halbseitig im Bereich der Schläfe und eines Auges auf, oft tränt gleichzeitig das Auge und die Nase läuft, ohne Behandlung währt die Schmerzattacke von 15 Minuten bis zu drei Stunden und mehr. Die Ursache ist unklar, etwa einer von 500 Menschen leidet unter dieser heftigsten Form des primären Kopfschmerzes.

Sumatriptan subkutan oder als Nasenspray sowie die Inhalation von reinem Sauerstoff helfen am besten in der Akutbehandlung. Zur Vorbeugung ist Verapamil, ein Kalziumantagonist, Mittel der ersten Wahl.

Patienteninitiative zum Clusterkopfschmerz

Leitlinien

Lancet: Epidemiology and genetics of cluster headache.

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img-320_gray516png.jpgDer Circulus arteriosus cerebri (von lat. circulus– Kreis und cerebrum (-ri) – Gehirn, auch: Circulus arteriosus Willisii) ist ein Verbindungssystem von Schlagadern an der Unterseite des Gehirns, das vorne von der Arteria carotis interna (einem Zweig der Halsschlagader) und hinten von der Arteria basilaris (Hirnbasisschlagader), die aus dem Zusammenfluss der beiden Vertebralarterien (Wirbelsäulenschlagadern) ensteht, gespeist wird.

Quellen und Weblinks

Duale Reihe Anatomie (pdf)

Medizininfo.de

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Cholinesterasen sind eine Gruppe von Enzymen, die den Abbau von Acetylcholin katalysieren.

Die echte Cholinesterase, auch Acetylcholinesterase genannt, kommt vor allem im Nervenzellgewebe und dort im synaptischen Spalt vor; sie katalysiert spezifisch den schnellen Abbau von Acetylcholin (Neurotransmitter).

Die Serumcholinesterase, oft auch einfach Cholinesterase oder Pseudocholinesterase genannt, katalysiert neben dem Abbau von Acetylcholin auch den Abbau anderer Cholinester (z. B. Succinylcholin), sie wird in der Leber produziert und an das Blut abgegeben. Die Serumaktivität der Serumcholinesterase ist ein Maß für die Syntheseleistung der Leber, wird z. B. erniedrigt bei Leberzirrhose gefunden.

Der Normwert liegt bei Frauen zwischen 3900 und 11000 U/l und bei Männern zwischen 4600 und 11500 U/l. (Kleinere Abweichungen je nach verwendeter Labormethode sind möglich.)

Quellen und Weblinks

Laborlexikon

Medizininfo.de

Roche Lexikon Medizin 4. Aufl.

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Chromosomen

Chromosomensatz eines MannesChromosomen sind unter dem Lichtmikroskop während der Zellteilung sichtbare, fadenförmige Bestandteile der Zelle, die aus DNA und Proteinen bestehen und die Gene der Zelle enthalten.

In eukaryoten Organismen liegen die C. von einer Membran umschlossen im Zellkern. Die Zahl der C. ist typisch für eine Spezies. Der C.-Satz bei Organismen, die sich sexuell fortpflanzen, ist in der Regel diploid, d. h. jedes C. ist paarweise vorhanden, nur in den Keimzellen findet sich der einfache, haploide C.-Satz.

Der Mensch besitzt 23 Chromosomenpaare, also insgesamt 46 C., zwei davon, X und Y, sind die Geschlechtschromosmen (Gonosomen: XX bei der Frau, XY beim Mann); die anderen C. werden Autosomen genannt.

C. haben die Fähigkeit, sich identisch zu verdoppeln. Während der Zellteilung (Mitose) setzt die Spindelfaser am Zentromer der C. an, um die entstandenen Tochterchromosomen (die Chromatiden) auseinander zu ziehen und das Erbmaterial auf die Tochterzellen gleichmäßig zu verteilen. Bei der Reifeteilung (Meiose) wird jeweils ein Chromosom von jedem C.-Paar auf die Tochterzellen verteilt, die C.-Zahl wird somit auf die Hälfte reduziert.

Quellen und weiterführende Links

Nationales Genomforschungsnetz – Glossar: Chromosomen

Fachbereich Medizin der Uni Mainz (Dr. med. Jastrow): Chromosomen

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Cholesterin

Cholesterin, auch: Cholesterol ist eine organische Verbindung aus der Stoffklasse der Steroide, die in allen tierischen Geweben und im Blutplasma vorkommt. C. ist Bestandteil jeder tierischen Zellmembran, Grundsubstanz für die Synthese von Gallensäuren, Vitamin D und Steroidhormonen.

Cholesterol
Strukturformel

C. ist in seiner reinen Form eine weiße, geruch- und geschmacklose kristalline Substanz mit der chemischen Summenformel C27H46O. C. wird vom Menschen mit der Nahrung aufgenommen aber auch von der Leber und anderen Organen selbst hergestellt.

Da C. sich schlecht im Wasser löst, wird es im Blut an Lipoproteine (spezielle Eiweißverbindungen) gebunden transportiert. Lipoproteine unterscheiden sich nach ihrer Größe und Dichte, wobei die Größe der Dichte umgekehrt proportional ist. Vor allem die Komplexe aus C. und Low densitiy Lipoproteinen (LDL) werden in Zusammenhang mit der Entstehung der Atherosklerose gebracht, wohin gegen die High Density Lipoprotein – Cholesterinkomplexe (HDL-Cholesterin) eine Schutzwirkung entfalten sollen.

Die Bestimmung des Cholesterinspiegels im Blut erfolgt häufig nicht so sehr, um eine Krankheit aufzudecken, sondern um die Risikofaktoren für Gefäßkrankheiten zu bestimmen. Der Normalwert für das C. im Serum entspricht also nicht wie bei anderen Blutuntersuchungen dem Durchschnittswert der Bevölkerung, sondern dem angestrebten Idealwert mit dem geringsten Risiko für atherosklerotische Gefäßerkrankungen. Nach den neusten Empfehlungen der ESC (European Society of Cardiology) sollte das gesamte C. nicht höher als 190 mg/dl, das an LDL gebundene C. nicht höher als 115 mg/dl liegen. Für Patientengruppen mit bestimmten zusätzlichen Risiken wie Diabetes mellitus, Zustand nach Herzinfarkt etc. werden noch niedrigere Werte empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie hält ein Gesamtcholesterin von unter 200 mg/dl für wünschenswert, ein LDL-Wert unter 100 wird als optimal betrachtet.

Quellen und weiterführende Weblinks

Umwelt und Gesundheit auf BR-online

Medizininfo.de

Med4you: Laborbefunde: Cholesterin

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Cholera

Die Cholera ist eine akute Durchfallerkrankung und wird verursacht durch das Bakterium Vibrio cholerae, in den Entwicklungsländern verbreitet ist sie ein Indikator für die Qualität der Trinkwasserversorgung.

Bedeutung

Weltweit traten 2003 nach Angaben der WHO 111 575 Fälle von Cholera auf, 1894 Menschen verstarben. Die WHO geht aber davon aus, dass die gemeldeten Zahlen nur 5 bis 10 % der tatsächlichen Choleraerkrankungen wiedergeben. Vermutlich erkrankten 2003 also 1 bis 2 Millionen Menschen an Cholera mit 200 000 bis 400 000 Todesfällen. In den Industrieländern Europas und in den USA treten Cholerafälle nur vereinzelt als eingeschleppte Erkrankung auf.

Erreger

Vibrio cholerae ist ein kommaförmig gebogenes, aerobes Stäbchenbakterium. Es gehört zur normalen Flora von Brackwasser – Gebieten. Nach bestimmten Eigenschaften ihrer Oberfläche, den Lipopolysaccharid-Antigenen, werden die Vibrionen in verschiedene Serovare unterteilt. Erreger der Cholera gehören normalerweise zum Serovar O1 . O1-Serovare lassen sich auf Grund biochemischer Merkmale in die Biovare cholerae und El Tor unterteilen. Das Biovar El Tor ruft einen leichteren Krankheitsverlauf hervor als das Biovar cholerae.

Krankheitsbild

Die Infektion erfolgt durch den Mund (peroral), durch verschmutztes Trinkwasser und Nahrung. Massenhafte Ausbrüche von C. gehen meist auf Trinkwasserverschmutzung zurück.

Nach einer kurzen Inkubationszeit von weniger als einem Tag bis hin zu 5 Tagen tritt eine massive, schmerzlose, wässerige Durchfallerkrankung auf, die oft von Erbrechen begleitet wird. Der Tod an Cholera tritt durch den enormen Verlust von Wasser (bis zu 25 l täglich) und Salzen ein. Der starke Salzverlust wird hervorgerufen durch ein von Vibrio cholerae produziertes Enterotoxin (Darmgift). Die Zeichen der Austrocknung (Exsikkose) des Patienten sind Heiserkeit und Wadenkrämpfe, später Blutdruckabfall, Koma, Herzrhythmusstörungen und Nierenversagen.

Therapie

Die Sterblichkeit an C. kann unbehandelt 50 % erreichen, mit Behandlung liegt sie unter 1 %. Vordringlich ist der Ersatz von Wasser und Salzen, in 80 bis 90 % der Fälle kann dies peroral (durch Trinken) erreicht werden. Kann der Patient nicht mehr schlucken, müssen Salze und Flüssigkeit durch intravenöse Infusion zugeführt werden.

Für die perorale Rehydratation hat die WHO eine Standardmischung aus 13,5 g Glucose (Traubenzucker), 2,5 g Natriumzitrat, 2,6 g Natriumchlorid (Kochsalz) und 1,5 g Kaliumchlorid, gelöst in einem Liter Wasser empfohlen. Diese Mischung steht als ORS (Oral Rehydration Salts, Oral Rehydration Solution) fertig abgepackt in Apotheken zur Verfügung. Antibiotika (Tetrazykline, Cotrimoxazol u. a.) können den Krankheitsverlauf abschwächen und abkürzen.

Vorbeugung

Ein Impfstoff steht zur Verfügung, schützt aber nur kurz (6 Monate) und unvollständig. Die WHO empfiehlt keine Impfung.

Allgemeine und persönliche Hygiene sind effektivere Maßnahmen zur Vorbeugung gegen C.. Dies betrifft die Klärung von Fäkalien, die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und die Nahrungsmittelhygiene.

C. – Erreger überstehen das Einfrieren, werden aber durch Erhitzung auf mehr als 70 ° Celsius abgetötet. Als sicheres Nahrungsmittel gilt daher alles, was gut durchgekocht ist, ferner Obst und Gemüse, das unmittelbar vor dem Essen abgeschält wurde. (peel it, cook it, or forget it) Für Reisende wird der Gebrauch von abgekochten Getränken oder solchen aus verschlossenen Flaschen empfohlen, vom Gebrauch von Eiswürfeln abgeraten. Fliegen können Vibrionen von infizierten Fäkalien auf das Essen übertragen, für Fliegenschutz in der Küche ist zu sorgen. Zur notwendigen persönlichen Hygiene gehört das Händewaschen mit Seife und Wasser vor dem Essen und nach dem Stuhlgang.

Diagnose

Die Diagnose der C. wird durch Nachweis des Erregers Vibrio cholerae gestellt. Bereits unter dem Mikroskop sind in einer Stuhlprobe massenhaft die typischen kommaförmigen Bakterien zu sehen.

Geschichte

Die C. ist in Indien seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. bekannt, insbesondere im Tal des Ganges. Erst seit dem 19. Jahrhundert breitet sie sie sich regelmäßig über den ganzen Globus in sog. Pandemien aus. Der ersten Choleraepidemie in Deutschland fiel 1832 u. a. Georg Wilhelm Friedrich Hegel zum Opfer, die letzte führte in Hamburg 1892 zu knapp 17.000 Erkrankungen und 8600 Todesfällen. 1883 identifizierte Robert Koch Vibrio cholerae als den Erreger der C.. Für die siebte, noch andauernde Pandemie ist der Vibrio cholerae 01 El Tor verantwortlich, der 1961 zuerst in Indonesien auftrat. Von dort aus breitete er sich über Südostasien, Indien, die Sowjetunion, Iran und Irak aus, bis er 1970 Afrika erreicht hatte, wo die C. seit 100 Jahren nicht mehr aufgetreten war. Mittlerweile werden über 90 % der Cholerafälle aus Afrika berichtet. 1991 erreichte der Erreger Lateinamerika, ebenfalls seit einem Jahrhundert Cholerafrei.

WHO zur Cholera

Ärzte ohne Grenzen zur Cholera

Centers for Disease Control and Prevention (CDC), USA, engl.: Cholera

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Chemische Verhütungsmittel sind Kontrazeptiva, die nach lokaler Anwendung in der Scheide die Spermien abtöten (Spermizide), ihre Beweglichkeit vermindern oder eine Barriere vor dem äußeren Muttermund bilden.

Das Spermien abtötende (spermizide) Nonoxinol-9 ist in Zäpfchen und Cremes enthalten. Weniger wirksam sind C.V. aus Milch- oder Zitronensäure, weil sie nur die Beweglichkeit der Spermien vermindern. Schaumzäpfchen oder Schaumsprays sowie der sog. Verhütungsschwamm enthalten meist spermizide Wirkstoffe und versperren zusätzlich den Spermien durch Bildung einer Barriere den Weg zum Muttermund. C.V. sind, alleine angewandt, sehr unsichere Verhütungsmittel. Die Versagerquote liegt pro Jahr zwischen 8 und 36 %.

Sie sollten aus diesem Grund mit anderen Verhütungsmethoden kombiniert werden wie z. B. dem Diaphragma. Die Sicherheit steigt dann auf beachtliche 92 bis 99 % . C.V. können Kondome zerstören, speziell wenn sie Fett enthalten. Die Gebrauchsanweisung sollte gründlich studiert werden. Manche C.V. sind sofort wirksam, bei anderen muss eine Wartezeit von ca. 15 Minuten eingehalten werden. C.V. sind nebenwirkungsarm, es können Allergien und lokale Reizungen auftreten. C.V. schützen nicht vor AIDS und anderen sexuell übertragenen Krankheiten, lt. einer Studie der WHO erhöht Nonoxinol sogar das Risiko einer HIV Infektion.

Pro Familia zum Thema Chemische Verhütungsmittel

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cornelius_celsus.jpgAulus Cornelius Celsus lebte im 1. Jh. n. Chr. und war ein römischer Autor der umfassendsten Schilderung der antiken Medizin in De medicina.

Über seine Person ist wenig bekannt, vermutlich war er römischer Patrizier. Es ist auch nicht bekannt, ob er praktizierender Arzt war. Seine Therapieschilderungen sind dermaßen detailliert, dass man sie einem Laien kaum zumuten würde. Andererseits ist das achtbändige Medizinhandbuch nur ein Teil einer umfassenderen Enzyklopädie, die auch das Kriegswesen, die Rhetorik, die Philosophie und die Landwirtschaft behandelt. Erhalten geblieben ist nur die medizinische Abhandlung und auch die war Jahrhunderte lang verschollen, Ende 1478 wurde sie nach ihrer Wiederentdeckung durch Papst Nikolaus V. zum ersten gedruckten Medizinbuch und löste gleich eine medizinische Sensation aus.

Die römische Verwirklichung privater und öffentlicher Hygiene in der Antike stellt alles in den Schatten, was bis zum 19. Jahrhundert in Europa danach geschaffen wurde. C. empfiehlt den antiseptischen Umgang mit Wunden, er schlägt Essig und Thymianöl als Desinfektionsmittel vor, auch die Reinigung von Händen und Fingernägeln wird immer wieder angemahnt. C. beschreibt die plastische Chirurgie inklusive der Hautverpflanzung, nennt eine Vielzahl operativer und medikamentöser Behandlungsweisen, gibt Ratschläge zur Diätetik und zur Hydrotherapie.

Sein Werk entstand zu einer Zeit, als der Stand der Ärzte im Römischen Reich sich zu konsolidieren begann. Zuvor war der Arztberuf fast ausschließlich von Griechen ausgeübt worden, zunehmend strebten jetzt auch junge Römer die Ausübung der Heilkunde an. Zwar war es damals üblich, als gebildeter Mensch Griechisch und Lateinisch zu sprechen, aber ein Werk in der eigenen Muttersprache mag mancher angehende Arzt der schwierigeren griechischen Lektüre vorgezogen haben. Das meiste, was wir über die praktizierte Medizin der Römer und Griechen wissen, verdanken wir heute der Darstellung des Celsus.

Das gesamte Werk „De medicina“ im lateinischen Originaltext und in englischer Übersetzung

Geschichtsverein Köngen zur antiken Römischen Medizin

Uniklinikum Giessen über Aulus Cornelius Celsus

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