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Archive for Juli 2007

Phenylketonurie

Phenylketonurie (Abk.: PKU), Föllingsche Erkrankung, Phenylbrenztraubensäureschwachsinn, autosomal rezessiv vererbte Stoffwechselerkrankung der essentiellen Aminosäure Phenylalanin. Unbehandelt kommt es zu schwerer geistiger Behinderung und anderen neurologischen Störungen.

Die PKU tritt in Deutschland mit einer Häufigkeit von 1:12.000 Neugeborenen auf, in Europa schwankend von 1:4500 in Irland bis hin zu 1:40.000 in Finnland.

Verantwortlich für den Ausbruch der Erkrankung ist eine mangelnde Aktivität des Leberenzyms Phenylalaninhydroxylase, das die Umwandlung von Phenylalanin in die Aminosäure Tyrosin katalysiert. Die Phenylalanin-Konzentration im Blut steigt stark an und schädigt auf bisher unbekannte Weise die sich entwickelnden Gehirnzellen. Es kommt zur vermehrten Ausscheidung eines anderen Stoffwechselprodukts des Phenylalanins, der Phenylbrenztraubensäure (Phenylketon), im Urin, die der Krankheit den Namen gegeben hat.

Die Behandlung besteht in einer phenylalaninarmen Diät, die so früh wie möglich einsetzen muss und am besten lebenslang beibehalten wird. Mit dieser Diät ist eine völlig normale Entwicklung und eine normale Lebenserwartung möglich. Die Erkrankung wird in Deutschland im Rahmen des am dritten Lebenstag durchgeführten Neugeborenenscreening aus einem Blutstropfen diagnostiziert.

Deutsche Gesellschaft für das Neugeborenenscreening

Deutsche Interessengemeinschaft PKU und verwandte Stoffwechselstörungen e.V (DIG-PKU)

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pawlow.jpgIwan Petrowitsch Pawlow (russ. Иван Петрович Павлов, * 14. Sept. 1849 in Rjasan; † 27. Feb. 1936 in Leningrad, heute Petersburg), russischer Arzt und Physiologe, erhielt 1904 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für seine Arbeiten über die Physiologie der Verdauung. Weltweit am meisten bekannt ist er aber für sein Konzept des bedingten Reflexes.

Jugend, Ausbildung, Heirat

P. verbrachte seine Jugend in Rjasan, als Sohn eines Priesters wollte er auch diesen Beruf ergreifen und besuchte zunächst das theologische Seminar am Ort. 1870 überlegte er es sich anders, zog nach St. Petersburg um, um dort Chemie und Physik zu studieren. Ein anschließendes Medizinstudium schloss er 1879 ab.

1881 heiratete er Serafima Wasiliewna Karchewskaja, eine spätere Lehrerin und Tochter eines Arztes der Schwarzmeerflotte. Aufgrund ihrer Armut mussten sie nach der Hochzeit zunächst getrennt leben. Er schrieb seiner Frau einen großen Teil seines Erfolgs zu, sie war von ausgleichendem Temperament, sehr religiös und bescheiden. Das Ehepaar hatte vier Söhne und eine Tochter.

Nach seiner Promotion studierte er von 1884 bis 1886 in Deutschland bei den Physiologen Carl Ludwig in Leipzig und Rudolf Heidenhain in Breslau.

Als Schüler von Ludwig wandte er sich zunächst der Erforschung der Steuerung des Herzens durch das Nervensystem zu. Seit seiner Habilitation 1890 und auch schon in seiner Breslauer Zeit bei Heidenhain war sein Hauptforschungsgebiet der Verdauungstrakt. Er erhielt in dieser Zeit den Auftrag, die Physiologische Abteilung des Instituts für Experimentelle Medizin in St. Petersburg aufzubauen, gleichzeitig wurde er Professor für Pharmakologie, später Physiologie an der Militärmedizinischen Akademie. Diesen Lehrstuhl behielt er bis zu seinem Ruhestand 1924.

Physiologie der Verdauung am lebenden Tier

Die neue Arbeitsweise Pawlows bestand in der Untersuchung von Verdauungsdrüsen beim lebenden, gesunden Tier. Schon mit Heidenhain hatte er eine Operationstechnik entwickelt, um einen kleinen Separatmagen vom Hauptmagen operativ abzutrennen, in dieser Seitentasche konnte er die Verdauungssekrete beim lebenden Tier während seines ganzen Lebens studieren. Andere Verdauungssekrete wie die der Mund- und Bauchspeicheldrüse wurden durch Fisteln, die teilweise von Metallrohren gebildet wurden, nach außen geleitet und analysiert.

Der bedingte Reflex

Während der Untersuchung der Speicheldrüsen entdeckte P., dass die von ihm untersuchten Hunde bereits Speichel absonderten, wenn sie das Essen nur sahen, lange bevor sie es im Maul hatten. Er betrachtete dieses Verhalten zunächst als Störung seiner Forschung und stopfte den Tieren das Futter ohne Umweg ins Maul. Später machte er die Störung zu seinem neuen Forschungsgebiet. Er stellte fest, dass die Hunde schon auf das Läuten einer Glocke mit Speichelfluss reagierten, wenn zuvor der Klang der Glocke mit der Fütterung kombiniert worden war. Der von Pawlow erforschte Lernprozess wird heute klassisches Konditionieren genannt: Der Hund reagiert auf den natürlichen Reiz Futter mit der natürlichen (angeborenen) Reaktion Speichelfluss. Nach einer mehrmaligen Kombination des Reizes Futter mit dem Reiz Glocke, kann schon der unnatürliche Reiz Glocke alleine den Speichelfluss auslösen. Natürlich kann auch jedes andere Signal wie das Erscheinen des Versuchsleiters, ein Metronom oder die Tageszeit zu der Reaktion Speichelfluss führen, wenn es nur einige Mal zuvor mit der Futtergabe zeitlich zusammen aufgetreten war. Genau so kann ein Hund die Konditionierung wieder verlernen, wenn der Reiz (z. B. Glockenklang) einige Male ohne nachfolgendes Futter auftrat. P. versuchte dieses Konzept zur Erklärung sehr komplexer Gehirntätigkeiten wie der Sprache, der Geisteskrankheiten und Neurosen heranzuziehen.

Verhältnis zu den Kommunisten

P. nahm nie ein Blatt vor den Mund, wenn es um die Auseinandersetzung mit den politischen Autoritäten nach der Oktoberrevolution ging. Berühmt ist sein Ausspruch aus dem Jahre 1923, gerichtet an die Kommunisten: Für die Art des sozialen Experiments, das ihr durchführt, würde ich nicht das Hinterbein eines Frosches opfern!. Lenin lehnte 1922 sein Gesuch ab, sein Labor ins Ausland verlegen zu dürfen. Lenin und auch Stalin schätzten seine Forschung über alle Maßen, sein Labor wurde ständig mit außergewöhnlichen Mitteln ausgestattet und es wurden nie größere Pressionen auf den unbotmäßigen Wissenschaftler ausgeübt. P. war von einer ausgeprägten Pedanterie, verpasste nie einen Termin und legte auch bei seinen Mitarbeitern großen Wert auf Pünktlichkeit. Obwohl er selber ungläubig war, beneidete er seine Frau nach eigenem Bekunden um ihre große Frömmigkeit.

Die offizielle Website der Nobelstiftung berichtet allgemeinverständlich, aber leider nur auf Englisch, über Pawlov und seine Entdeckungen

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Paul-Ehrlich-Institut (Abk.: PEI), staatliche deutsche Einrichtung, die dem Bundesministerium für Gesundheit untersteht. Das PEI ist u. a. zuständig für die Zulassung von Impfstoffen und Antiseren (Antikörper enthaltende Arzneimittel), für die Überwachung der Impfstoffchargen und der Sicherheit von Blut und Blutprodukten. Es führt auch eine eigene experimentelle Forschungstätigkeit durch.

Der Institutssitz ist in Langen bei Frankfurt (Main), es wurde 1896 als Institut für Serumforschung und Serumprüfung in Berlin-Steglitz gegründet, sein erster Direktor war Paul Ehrlich.

Homepage des Paul-Ehrlich-Instituts

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Paracetamol

Paracetamol (syn.: Acetaminophen), Arzneimittel mit fiebersenkender und schmerzstillender, aber kaum entzündungshemmender Wirlung; bei korrekter Dosierung sehr nebenwirkungsarm, aufgrund der leichten Verfügbarkeit und der geringen therapeutischen Breite kommt es jedoch häufig zu absichtlichen oder versehentlichen Vergiftungen durch Überdosierung.

Struktur von Paracetamol

Die korrekte chemische Bezeichnung ist N-Acetyl-para-aminophenol, alternativ wird auch die Bezeichnung 4′-Hydroxyacetanilid gebraucht, die Summenformel lautet C8H9NO2.

paracetamol-skeletal.png

P. ist in Deutschland rezeptfrei erhältlich, aber apothekenpflichtig. Es wird als Monosubstanz in Form von Tabletten, Kapseln, Brausetabletten und Zäpfchen verkauft (z. B. ben-u-ron®). Auch eine (rezeptpflichtige) Zubereitung als Infusion ist im Handel.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl fester Kombinationen von P. mit anderen Wirkstoffen. Als Schmerzmittel wird es häufig mit Codein und Coffein kombiniert (z. B. Azur compositum®), dadurch wird eine Verstärkung der schmerzstillenden Wirkung erreicht. Zur Behandlung der Migräne wird oft ein Mittel gegen Erbrechen hinzugefügt (z. B. Metoclopramid in Migränerton®), bei der Therapie krampfartiger Schmerzen im Bauchbereich ein krampflösendes Mittel (z. B. Butylscopolamin in Buscopan comp.®). Auch viele Kombinationspräparate gegen grippale Infekte enthalten P. als Partner.

P. wird speziell zur Fiebersenkung bei Virusinfekten im Kindesalter empfohlen, weil Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin®) in diesem Alter das lebensbedrohliche Reye-Syndrom auslösen kann. Bei älteren Menschen wird es mitunter als Schmerzmittel bei z. B. Verschleißerkrankungen der Gelenke bevorzugt, weil es weniger Magengeschwüre erzeugt als die sog. nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Außerdem ist die Rate an Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gering. Auch in der Schwangerschaft und Stillzeit ist P. einsetzbar.

Aufnahme, Verteilung, Ausscheidung

Nach oraler Gabe wird P. zu 70 bis 90 % aufgenommen. Die Wirkung beginnt bereits nach 10 Minuten, sie hat ihr Maximum nach 30 bis 60 Minuten. Nach rektaler Gabe werden 60 bis 80 % aufgenommen, die maximale Wirkung wird erst nach drei bis vier Stunden erreicht. P. wird in der Leber zu unwirksamen Verbindungen abgebaut, indem es hauptsächlich an Glucuron- und Schwefelsäure gebunden und so über die Nieren ausgeschieden wird. Zu 4 bis 5 % wird P. auch unverändert über die Nieren ausgeschieden. In kleinen Mengen enstehen beim Abbau von P. die giftigen Stoffwechselprodukte p-Aminophenol und N-Acetyl-p-benzochinonimin. Diese werden durch Bindung an Glutathion und Cystein in der Leber unschädlich gemacht.Die Zeit, nach der die Hälfte der eingenommen P.-Dosis aus dem Körper entfernt wurde, die sog. Eliminationshalbwertszeit von P. beträgt 1,5 bis 2,5 Stunden. Bei Leber- und Nierenfunktionsstörungen, bei Überdosierungen und bei Neugeborenen ist diese Zeit verlängert.

Wirkungsweise

Die genaue Wirkungsweise ist bis heute – mehr als 100 Jahre nach Entdeckung – noch nicht geklärt. P. vermindert die Bildung von Prostaglandinen (PG) im Gehirn, vermutlich durch Hemmung einer cerebralen Form des Enzyms Cyclooxygenase (COX), das für die Bildung der PG erforderlich ist. Dadurch wird die Weiterleitung des Schmerzes im Gehirn gebremst.

Die im übrigen Körper stattfindende PG-Synthese wird dagegen kaum gehemmt, P. zeigt kaum Wirkung auf die Isoenzyme COX-1 oder COX-2. Dies erklärt die fehlende antientzündliche Wirkung, aber auch die gute Magenverträglichkeit.

Darüber hinaus hemmt P. die Wirkung vom menschlichen Körper selbst erzeugter, fiebersteigender Substanzen (endogener Pyrogene) am Hypothalamus.

Dosierung

Im allgemeinen werden 10 – 15 mg P. pro kg Körpergewicht als Einzeldosis gegeben, die Tageshöchstdosis liegt bei 50 mg/kg, das Dosierungsintervall beträgt sechs bis acht Stunden, d. h. es können drei bis vier Einzeldosen am Tag verabreicht werden. Bei Leber- und Nierenerkrankungen muss niederiger dosiert oder das Intervall zwischen zwei Gaben verlängert werden. Das gleiche gilt für Patienten, die an der Meulengracht-Krankheit leiden.

Nebenwirkungen

Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sind Nebenwirkungen von P. äußerst selten. Es kann zu allergischen Reaktionen, Blutbildveränderungen oder der Auslösung eines Asthma-Anfalls kommen.

Patienten, die einen Hemmstoff der Blutgerinnung wie z. B. Marcumar® einnehmen, können bei akuten Schmerzen oder Fieber P. gebrauchen, ohne dass Wechselwirkungen zu befürchten sind. Bei langfristiger Einnahme (über eine Woche) sind Wechselwirkungen nicht ganz auszuschließen, die Gerinnungswerte müssen dann engmaschig überwacht werden.

Vergiftung

Die akute Vergiftung mit P. ist lebensbedrohlich, bereits ab 6 g P. sind tödliche Verläufe durch akutes Leberversagen und anschließendes Leberkoma beschrieben worden. Der gleichzeitige Genuss von Alkohol und die Einnahme von Medikamenten, die in der Leber als Enzyminduktoren wirken (bestimmte Schlafmittel oder Medikamente gegen Epilepsie), können dazu führen, dass sonst nicht giftige Mengen von P. leberschädigend wirken.

Die Vergiftung entsteht durch die giftigen Stoffwechselprodukte (s.o.) des P., die üblicherweise durch Glutathion und Cystein entgiftet werden. Bei einer Überdosierung stehen in der Leber keine ausreichende Mengen dieser sog. SH- (Sulfhydryl-)Donatoren mehr zur Verfügung. In der Therapie der Vergiftung steht daher die Gabe von N-Acetylcystein oder anderen SH-spendenden Verbindungen im Vordergrund. Bei der akuten Vergiftung kann bis zu sechs Stunden nach einer oralen Aufnahme eine Magenspülung die weitere Aufnahme verhindern. Eine Dialyse (Blutwäsche) kann die Konzentration von P. im Blut senken.

Die akute Vergiftung kommt häufig in suizidaler Absicht vor, selten als versehentliche Überdosierung. Oft war den betroffenen Patienten vorher nicht bewusst, dass nicht der sofortige Tod, sondern ein mitunter langes Leiden im Leberkoma oder eine Lebertransplantation die Folge der Vergiftung ist.

Bei längerfristiger Anwendung (ab ca. 3 g/Tag über ein Jahr) können durch P. chronische Vergiftungen mit Schädigungen der Leber auftreten. Es besteht der Verdacht auf eine Schädigung der Nieren bei chronischem Gebrauch.

Open Drug Database (ODDB): Paracetamol

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pille.jpgOvulationshemmer, (weitgeh. synonym: orale Kontrazeptiva, Antibabypille, Pille), Medikament zur Empfängnisverhütung, das die beiden weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen in kombinierter Form enthält.

Wirkungsweise

O. wirken auf drei Wegen empfängnisverhütend: Sie verhindern durch Einwirkung auf das Regelsystem HypothalamusHypohyseOvar den Eisprung. Sie verändern den Schleim im Kanal des Gebärmutterhalses (Cervix) derart, dass Spermien diesen kaum passieren können und sie verhindern, dass die Gebärmutterschleimhaut regelrecht aufgebaut wird – ein evtl. befruchtetes Ei (die Zygote) kann sich nicht einnisten und zum Embryo heranwachsen.Dieser dreifache Ansatz erklärt die überaus effektive Wirkung der O.: Bei korrekter Einnahme über ein Jahr wird die Schwangerschaft in 99,1 bis 99,9 % verhindert . (Pearl Index: 0,1 bis 0,9).

Zusammensetzung

Die weiblichen Geschlechtshormone werden nicht in ihrer natürlichen sondern in einer chemisch veränderten Form verabreicht. Diese Modifikation ist unvermeidlich: Die Hormone würden sonst nach der Aufnahme aus Magen und Darm in der Leber zerstört.

Als synthetisches Derivat (Abkömmling) des natürlichen Östrogens kommt in der Regel Äthinylöstradiol (englisch: Ethinylestradiol, Abk.: EE) zur Anwendung. Es werden viele verschiedene Gestagene verwendet, alle mit etwas unterschiedlichen Wirkungen und Nebenwirkungen.

Die Östrogendosis ist seit der Premiere der Pille 1960 immer geringer geworden. Es zeigte sich nämlich, dass die Sicherheit auch mit der geringeren Dosis gleich hoch blieb aber Nebenwirkungen seltener auftraten. Die meisten neu verordneten Pillen enthalten nur 20 bis 35 µg EE , die höchstdosierten in Deutschland noch erhältlichen 50 µg.

Einphasenpräparate enthalten in jeder Pille die gleiche Menge Östrogen und Gestagen, bei Zweiphasenpräparaten ist das Gestagen nur in der zweiten Hälfte der Packung enthalten, in der ersten Phase wird nur das Östrogen eingenommen.

Zwei- oder Dreistufenpräparate enthalten zwei bzw. drei verschiedene Kombinationen von Östrogen und Gestagen.

Einnahme

In der Regel enthält eine Pillenpackung 21 Pillen. Nach 21 Tagen kontinuierlicher Einnahme folgen 7 Tage Pause, in der meist die Monatsblutung stattfindet. Bei Packungen mit 22 Pillen gelten entsprechend 22 Tage Einnahme und 6 Tage Pause. O. mit 28 Pillen pro Packung enthalten 6 oder 7 Tabletten ohne Wirkstoff, sie sollen die Einnahmesicherheit verbessern.

Die Ersteinnahme erfolgt heute meist am ersten Tag des Zyklus (dem ersten Tag der Regelblutung). Gegenüber dem früher üblichen 5. Tag wird damit ein Schutz vor Empfängnis schon im ersten Zyklus erreicht, es treten aber auch häufiger Zwischenblutungen auf.

O. müssen regelmäßig alle 24 Stunden eingenommen werden. Wird die Pille vergessen, so kann sie bei Einphasen- und 2- oder 3- Stufenpräparaten noch 12 Stunden später eingenommen werden, ohne die Verhütungssicherheit zu gefährden. (Allerdings sollte dies nicht mehrfach im Zyklus vorkommen.) Bei Zweiphasenpräparaten ist das Zeitfenster nur 6 Stunden groß, bei der Minipille nur 2 Stunden. Sind diese Zeitspannen überschritten, sollten zusätzliche Verhütungsmittel, z. B. das Kondom, angewendet werden. Der Rest der Packung sollte bei Überschreiten der Zeitspanne und auch völligem Vergessen dennoch aufgebraucht werden, um Zyklusunregelmäßigkeiten zu vermeiden.

Erbrechen und Durchfall können die Sicherheit der O. verringern. Einige Antibiotika, Antiepileptika aber auch frei verkäufliche Johanniskrautpärate u. a. können die Wirksamkeit von O. herabsetzen.

Minipille und östrogenfreie Ovulationshemmer

Die Minipille besteht nur aus einem Gestagen, der Östrogenanteil fehlt. Minipillen hemmen nur bei einem Teil der Frauen den Eisprung, sie sind also keine Ovulationshemmer im eigentlichen Sinne. Sie wirken empfängnisverhütend, in dem sie den Zervikalschleim für Spermien unpassierbar machen und den regelrechten Aufbau der Gebärmutterschleimhaut (des Endometriums) behindern. Minipillen sind nicht so sicher, sie schützen nur in 97 bis 99,5 % pro Anwendungsjahr vor einer unerwünschten Schwangerschaft. Außerdem führen Minipillen sehr häufig zu Zwischenblutungen. Minipillen sind vor allem für stillende Frauen (Östrogene hemmen die Muttermilchproduktion) und für Frauen, die wegen einer Krankheit keine Östrogene erhalten dürfen, geeignet.

So genannte östrogenfreie O. bestehen ebenfalls nur aus einem Gestagen, das aber hier so gewählt ist, das sie ebenso wie herkömmliche Kombinationspräparate den Eisprung hemmen. Die Sicherheit ist demnach größer als bei anderen Minipillen, es fehlen aber noch längerfristige Erfahrungen.

Hormonimplantat und Dreimonatsspritze

Das Hormonimplantat ist seit Mitte 2000 in Deutschland zugelassen. Ein kleines Gestagenhaltiges Stäbchen wird unter die Haut des Oberarms eingepflanzt. Über die Zeitdauer von 3 Jahren wird das Gestagen aus dem Depot freigesetzt. Die Sicherheit und die Nebenwirkungen ähneln denen anderer O. Häufiger treten allerdings unregelmäßige Blutungen auf, bei 20 % der Frauen kommt es zur Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung). Es fehlen Langzeiterfahrungen, Studien an Frauen unter 18 Jahren sind bisher noch nicht durchgeführt worden. Hormonimplantate sind v.a. für Frauen geeignet, die Schwierigkeiten mit der regelmäßigen Einnahme der O. haben.

Ähnlich wirkt die Dreimonatsspritze. Ein lang wirksames Gestagen wird in die Oberschenkelmuskulatur alle drei Monate injiziert. Vor allem, wenn sie bei jungen Frauen angewendet wird, kann diese Form der O. später zur einer Osteoporose führen. Nach Absetzen der Dreimonatsspitze dauert es oft sehr lange, bis sich der Zyklus der Frau normalisiert und die Fruchtbarkeit wieder hergestellt ist.

Vaginalring und Verhütungspflaster

Der Vaginalring ist seit Februar 2003 in Deutschland zur Empfängnisverhütung zugelassen. Er besteht aus einem flexiblen Kunststoff, der mit Östrogen und Gestagen imprägniert ist. Der Vaginalring wird von der Frau in die Scheide eingeführt und verbleibt dort für drei Wochen. Nach einer Woche Pause, in der die Regelblutung auftritt, wird ein neuer Ring auf die gleiche Weise verwendet. Östrogen und Gestagen des Vaginalrings werden über die Vaginalschleimhaut aufgenommen, die Wirkungsweise entspricht dem der herkömmlichen Kombinationspräparate. Die niedrige Östrogendosis (15 µg EE) wird u. a. als Vorteil der sehr sicheren Methode angesehen, auch hier fehlen noch langfristige Erfahrungen.

Das Verhütungspflaster wird einmal pro Woche auf die Haut z. B. des Oberarms geklebt. Nach drei Pflastern folgt eine Woche Pause mit der Regelblutung. Das Verhütungspflaster setzt Östrogene und Gestagene frei, die von der Haut resorbiert werden. Die Wirkung und die Sicherheit entsprechen dem der herkömmlichen Einphasenpräparate. Verhütungspflaster kommen vor allem bei chronischen Darmerkrankungen in Betracht, bei denen die Aufnahme herkömmlicher O. nicht sicher ist.

Nebenwirkungen

Nichtrauchende, gesunde Frauen können O. bis zum Eintritt der Menopause (dem Beginn der Wechseljahre) einnehmen. Pillenpausen haben einen eher negativen Effekt auf die Zyklusregulation und werden heute nicht mehr empfohlen.

Bei Frauen, die rauchen oder bei Frauen mit anderen schwerwiegenden Risikofaktoren für Herzkeislauferkrankungen (z.B, schlecht eingestellter Bluthochdruck) treten Herzinfarkte und Schlaganfall häufiger auf.

Frauen, die nach Einnahme von O. Kopfschmerzen, Sprachstörungen, Bewusstseinsstörungen oder andere Symptome von Seiten des ZNS entwickeln, sollten O. sofort absetzen.

Erhöhungen des Blutdrucks werden der Östrogenkomponente zugeschrieben, Bringt ein Wechsel des Präparats keine Besserung, muss der O. abgesetzt werden. Der Blutdruck normalisiert sich danach in den meisten Fällen, Nach der heute geltenden Meinung sollten Frauen, die über 35 Jahre alt sind und rauchen, keine O. anwenden.

Durchbruchblutungen können durch einen Wechsel auf ein Präparat mit höherer Östrogendosis behoben werden. Übelkeit, Spannungsgefühl in der Brust und Wassereinlagerung lassen sich unter Umständen mit einer geringeren Östrogendosis vermeiden Akne, Nervosität, und Gewichtszunahme werden der Gestagenkomponente zugeschrieben, evtl. hilft ein Wechsel auf ein Präparat mit niedriger Gestagendosis oder einem Gestagen mit anderem Wirkprofil. Einige O. mit speziell wirksamen Gestagen werden sogar bei Akneproblemen junger Frauen mit Kontrazeptionswunsch erfolgreich eingesetzt.

Die Einnahme von O. führen nicht zu einer Verminderung der Fertiltität (Fruchtbarkeit), eine versehentliche Einnahme von O. führt nicht zu Missbildungen des Embryos.

Komplikationen durch Thrombose und Embolie kommen bei Frauen unter O. etwa 4fach häufiger vor als bei Frauen, die keine Hormone einnehmen. Vor und nach einer (geplanten) Operation sollten O. aus diesem Grund abgesetzt werden. O. lösen keinen Diabetes mellitus aus, können aber die Entwicklung eines Diabetes beschleunigen bzw. die Diabetes-Einstellung verschlechtern und Gefäßkomplikationen bei Diabetikern fördern. O. führen nicht zu einer Neubildung von Gallensteinen, können aber das Wachstum fördern.

Depressionen und Schlafstörungen werden bei 1 – 2% der Frauen, die O. einnehmen, ausgelöst.

Das Chloasma, eine Hauterkrankung mit verstärkter Pigmentierung, kann unter O. auftreten. Diese seltene Nebenwirkung erfordert das sofortige Absetzen der O., da eine Behandlung nur sehr schwer möglich ist.

Das Risiko, an einem Karzinom der Eierstöcke oder der Gebärmutterschleimhaut (Korpuscarcinom) zu erkranken, ist unter der Einnahme von O. vermutlich um bis zu 50 % vermindert.

Das Risiko, ein Karzinom des Gebärmutterhalses zu entwickeln, ist vielleicht erhöht. Der ursächliche Zusammenhang ist nicht gesichert, da dieser Tumor bei sexuell aktiven Frauen unabhängig vorn der Art der Verhütung häufiger vorkommt.

Brustkrebserkrankungen treten unter langjähriger Einnahme von O. möglicherweise etwas häufiger auf, gutartige Veränderungen der Brustdüse seltener.

Bei aktiven Lebererkrankungen sollten O. nicht eingesetzt werden, sehr selten ( 1:30.000 bis zu 1:50:000) können O. gutartige Lebertumore erzeugen.

Entzündungen der Eileiter, Extrauteringravidität (Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter), Blutarmut durch Eisenmangel, Prämenstruelles Syndrom und Eierstockzysten treten unter O. seltener auf, nach amerikanischen Studien werden dadurch 50.0000 stationäre Einweisungen/Jahr in den USA vermieden. Nach dem heutigen Wissenstand kann angenommen werden, dass O. nicht zu einer verminderten Lebenserwartung führen.

Menstruationsverschiebung

Eine Menstruationsverschiebung ist mit O. möglich. Bei Einphasenpräparaten wird die folgende Packung direkt nach der ersten ohne Pause eingenommen. Die kontrazeptive Wirkung ist dadurch nicht behindert. Gegenstand klinischer Studien ist die Langzeiteinnahme von O. über einen Zeitraum von 12 Wochen. Die Langzeiteinnahme könnte Vorteile für Frauen bieten, die besonders in der Pillenpause über Beschwerden klagen.

Gesellschaftliche Auswirkungen der Pille

Mit der Antibabypille stand erstmals ein wirklich sicheres Verhütungsmittel zur Verfügung, was sich im Absinken der Geburtenraten in den Industrieländern seit den 1960er Jahren abzeichnet. „Die Pille“ ging zudem Hand in Hand mit der sexuellen Revolution, einer dramatischen Veränderung in der Sexualmoral, die sich ebenfalls im Laufe der 1960er Jahre abspielte. Durch den vereinfachten Zugang zu sicheren Verhütungsmitteln sank in den westlichen Ländern auch die Zahl der ungewollten Schwangerschaften und dadurch die Abtreibungsquote und die Anzahl von Kindstötungen und -aussetzungen.

Pro Familia: Verhütungsmethoden: Die Pille – als pdf downloadbar

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Opium

schlafmohn.jpgOpium, aus der Samenkapsel des Schlafmohns gewonnene Substanz, Rauschgift und historisches Arzneimittel, Ausgangsprodukt zur Herstellung von Morphin, Codein und Heroin.

anritzen.jpgO. wird gewonnen, indem die unreife Samenkapsel des Schlafmohns (Papaver somniferum) leicht angeritzt wird, nachdem die Blütenblätter abgefallen sind. Die Samenkapseln scheiden eine milchige Flüssigkeit aus, die nach einiger Zeit gerinnt und sich an der Luft in eine braune, gummiartige Masse verwandelt.

rohopium.jpgDieses Rohopium wird in Klumpen, in Platten, in Blöcken oder zermahlen als Pulver gehandelt oder gleich zu Derivaten wie Morphin, Codein und Heroin weiter verarbeitet. Opium und die im Opium enthaltenen Alkaloide Morphin, Codein etc. werden als Opiate bezeichnet.

Das wichtigste Alkaloid des Opiums ist das Morphin, es macht durchschnittlich 10 % des Gewichts von Rohopium aus. Die Alkaloide des Opiums lassen sich in zwei Gruppen unterteilen, die sich in der chemischen Struktur und in ihrer Wirkung voneinander unterscheiden: Morphin, Thebain und Codein repräsentieren den Typ, der auf das Zentralnervensystem wirkt; Papapaverin und die meisten anderen Alkaloide entspannen die glatte, unwillkürliche Muskulatur, z. B. im Magen Darm Trakt.

Opiate wirken in erster Linie auf Gehirn und Rückenmark, sie können Schmerzen lindern oder ganz unterdrücken. Sie wirken auch Angst lösend, erzeugen Benommenheit und oft einen Zustand der Euphorie. Opiate verlangsamen die Atmung und den Herzschlag und unterdrücken den Hustenreflex.

Opiate erzeugen eine körperliche Form der Abhängigkeit: Fehlt die Droge, werden Entzugssymptome provoziert, die nur verhindert werden können, wenn weiter konsumiert wird. Im Laufe der Zeit entwickelt der Körper eine Toleranz gegenüber den Opiaten, so dass zunehmend größere Mengen gebraucht werden, um Unruhe, Schmerzen, Durchfall und andere Zeichen des Entzugs zu vermeiden. Morphin und vor allem Heroin haben eine stärkere suchterzeugende Wirkung als Opium und Codein. Der chronische Missbrauch von O. und anderen Opiaten vermindern den Appetit und führen dadurch zu Fehl- und Mangelernährung. Die geistige Regsamkeit und das Interesse an der Umwelt lassen nach. Eine Überdosis von O. kann eine tödliche Atemlähmung hervorrufen.

Die schmerzstillende und beruhigende Wirkung von Opium beruht in erster Linie auf dem Gehalt an Morphin, das der westfälische Apotheker F.W.A. Sertürner 1804 zum ersten Mal aus dem Opium isolierte. 1875 wurde Morphin mit Essigsäureanhydrid aufgekocht, das Resultat war Heroin, vier bis acht mal stärker schmerzlindernd und suchterzeugend als Morphin.

friedrich_wilhelm_adam_sertuerner.jpg

Friedrich Wilhelm Adam Sertürner

Die anderen Alkaloide des Opiums sind viel schwächer wirksam als Morphin; Codein hat nur 1/16 der Wirkstärke und wird in erster Linie zur Linderung von Reizhusten eingesetzt.

Seit den 1930er Jahren werden zunehmend vollsynthetische Abkömmlinge des Morphin entwickelt, z. B. das Fentanyl, das 50- bis 100-mal stärker wirkt als Morphin.

Opiate wirken auf das Gehirn, weil sie in ihrer chemischen Struktur körpereigenen Endorphinen ähnlich sind, die Schmerz unterdrücken und die Stimmung verbessern, in dem sie sich an spezielle Rezeptoren von Neuronen binden, die für die Weiterleitung von Schmerzimpulsen zuständig sind.

Der Schlafmohn stammt ursprünglich aus dem Gebiet der heutigen Türkei. Schon in medizinischen Schriften der alten Assyrer wird sowohl der Schlafmohn als auch das Opium erwähnt. In seiner Abhandlung De Materia Medica, einer grundlegenden Abhandlung der Pharmakologie für viele Jahrhunderte, beschreibt der griechische Arzt Dioscorides im 1. Jahrhundert nach Christus die Anwendung des Opiums detailliert.

Der Anbau von Schlafmohn zur Opiumgewinnung verbreitete sich von Mesopotamien und Griechenland aus ostwärts. Im 7. Jahrhundert erreichte das Wissen um den Schlafmohn China. Opium wurde in Form von Tabletten oder aufgelöst in Getränken aufgenommen. Die orale Aufnahme von Rohopium scheint keine weit verbreitete Sucht zu der damaligen Zeit in Asien ausgelöst zu haben.

Erst nachdem die ersten Europäer in Nordamerika das Tabakrauchen von den Indianern übernommen hatten, wurde diese Technik auch auf den Konsum von Opium ausgeweitet. Nach China kam das Opiumrauchen im 17. Jahrhundert und verbreitete sich schnell. Der Verkauf von Opium wurde von den chinesischen Behörden verboten, aber niemand hielt sich daran.

Im 18. Jahrhundert fanden europäische Kaufleute es sehr lukrativ, chinesische Seide und Tee mit O. aus dem britisch beherrschten Indien zu tauschen. Der Versuch der chinesischen Regierung, diesen Handel zu unterbinden, führte zu Konflikten mit den Engländern, die ohnedies den chinesischen Markt für ihre Produkte öffnen wollten. Nach der Niederlage in den Opiumkriegen wurde China 1858 gezwungen, den Import von Opium zu legalisieren. Die Opiumsucht blieb ein Problem der chinesischen Gesellschaft bis 1949, als die kommunistische Revolution das Problem endgültig beseitigte.

In Europa geriet O. als wirksames Arzneimittel im christlich dominierten Mittelalter fast völlig in Vergessenheit, wurde oft als Werk des Teufels verdammt.

Erst mit Beginn der Neuzeit führte der deutsche Arzt Paracelsus (1493–1541) und nach ihm der englische Arzt Thomas Sydenham (1624–1685) das O. als alkoholische Tinktur, Laudanum genannt, wieder in die medizinische Therapie ein.

bayer_heroin_bottle.jpgIm folgenden 18. und 19. Jahrhundert waren Opium und die Abkömmlinge – die Opiate wie Heroin – Bestandteil vieler Arzneimittel und ohne jede gesetzliche Einschränkung völlig frei verkäuflich.

pare.jpgParegoric, eine Mischung aus Opium, Campher u. a. wurde gegen Schmerzen und Durchfall, aber auch zur Beruhigung von Kindern eingesetzt.. Auch die bekannten Hoffmannstropfen, 1845 von Dr. Heinrich Hoffmann erfunden, enthielten fünf Prozent O. und wurden bis 1924 so hergestellt.

Erst seit den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde der Konsum von Opiaten gesetzlich geregelt. O. in all seinen Formen untersteht in Deutschland heute dem Betäubungsmittelgesetz (BtmG).

O. wird auch heute noch illegal gehandelt und als Rauschgift gegessen, geraucht und injiziert. Das Opiumprodukt Heroin ist ein weitaus größeres Problem geworden.

Schlafmohn zur Herstellung von O. und Heroin wird seit Ende des 20. Jahrhunderts hauptsächlich in Myanamar (ehemals Burma), Afghanistan, Laos, Iran und Pakistan angebaut.
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Schlafmohnfeld in Myanmar

Quelle

Aktories et. al., Pharmakologie und Toxikologie, Elsevier, 9. Aufl. 2004

Encyclopædia Britannica

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Onkologie

Onkologie ( von griech. Όγκος die Schwellung und λόγος die Lehre), Teilgebiet der Medizin, das sich mit der Diagnose und Therapie der Krebserkrankungen beschäftigt.

Nach der deutschen Musterweiterbildungsordnung (MWBO) für Ärzte ist die Onkologie zusammen mit der Hämatologie ein Schwerpunkt im Gebiet der Inneren Medizin und der Pädiatrie (Kinderheilkunde). Die Chemotherapie wird im wesentlichen von diesen beiden Berufsgruppen durchgeführt. Auch im Fach Gynäkologie ist die Weiterbildung im Schwerpunkt Onkologie geregelt.

Die Bestrahlung bösartiger Tumore übernimmt ein Facharzt für Strahlentherapie, bei der inneren Anwendung radioaktiver Substanzen auch ein Arzt für Nuklearmedizin. Tumoroperationen nehmen die Spezialisten in den jeweiligen chirurgischen Gebieten (Allgemeine Chirurgie, Viszeralchirurgie (Bauchchirurgie) bei Tumoren im Bauchraum, Neurochirurgie bei solchen am Nervensystem, Thoraxchirurgie im Brustkorb usw.) vor. Ein Spezialgebiet Onkologie ist hier nicht vorgesehen.

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO)

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Novaminsulfon (syn.: Metamizol), gut schmerzstillendes, stark fiebersenkendes und krampflösendes, aber nur gering entzündungshemmendes Arzneimittel aus der Gruppe der nicht opioiden Analgetika, also der Schmerzmittel, die keine Ähnlichkeit mit Opium und seinen Abkömmlingen zeigen. Wegen der seltenen, aber lebensbedrohlichen Nebenwirkungen Schock und Agranulozytose (dem plötzlichen Verschwinden der weißen Blutkörperchen) erfolgt die Anwendung beim Menschen nur bei Tumorschmerzen, starken Schmerzen nach Verletzungen und Operationen sowie bei Fieber, das auf andere Behandlungsmaßnahmen nicht anspricht.

Anwendung

N. ist in Deutschland als Tablette, Brausetablette, Zäpfchen für Erwachsene und Kinder, Tropfen und Injektionslösung nur nach ärztlicher Verordnung erhältlich. Kombinationspräparate wie Baralgin®, die früher oft zur Behandlung von Nierenstein- und Gallenkoliken eingesetzt wurden, besitzen keine Zulassung mehr.

In der Schwangerschaft sollte N. nicht eingenommen werden, im ersten Drittel wegen dem ungeklärten Mißbildungsrisiko, im letzten Drittel wegen eines möglichen vorzeitigen Verschlusses des Ductus Botalli. (Im mittleren Drittel ist eine Anwendung u. U. möglich.)

N. geht in die Muttermilch über, 48 Stunden nach Einnahme sollte nicht gestillt werden.

Kinder können ab dem 3. Lebensmonat mit N. behandelt werden, wenn keine anderen Alternativen zur Verfügung stehen.

Die Dosis beim Erwachsenen liegt bei etwa 500 bis 1000mg als Einzeldosis mit einer Höchstdosis von 4 g am Tag, bei Kindern 8 bis 16 mg pro kg Körpergewicht als Einzeldosis.

Wirkungsmechanismus, Aufnahme und Ausscheidung

Der Wirkungsmechanismus von N. ist noch nicht aufgeklärt, vermutlich hemmt N. ähnlich wie Paracetamol die Synthese der Prostaglandine im zentralen Nervensystem.

Die Substanz wird aus dem Magendarmtrakt schnell und zu 90 % aufgenommen, nach der Aufnahme fast vollständig zum ebenfalls wirksamen Stoffwechselprodukt 4-N-Methylaminoantipyrin (MAA) umgewandelt. Die Wirkung setzt bei oraler Aufnahme nach etwa 30 bis 60 Minuten, nach parenteraler Gabe nach 30 Minuten ein.

N. wird zu 95 % mit dem Urin und zu 5 % über den Stuhl ausgeschieden. Bei Leberzirrhose und eingeschränkter Nierenfunktion sowie bei älteren Menschen ist der Abbau verlangsamt, deswegen sollten in diesen Fällen höhere Dosen vermieden werden.

Nebenwirkungen

Risiko Agranulozytose

N. wurde 1920 in den Hoechst-Werken in Frankfurt/Main zum ersten Mal hergestellt und unter dem Markennamen Novalgin® auf den Markt gebracht. In den 1970er Jahren entstanden zunehmend Vermutungen über ein gehäuftes Auftreten von Agranulozytose unter Novalgin®. Die 1986 veröffentlichte Boston Studie sollte diese Frage klären. In mehr als 300 Kliniken aus verschiedenen Ländern wurde 221 Agranulozytose – Patienten mit 1425 Kontrollpersonen verglichen. Die Boston Studie ergab eine Häufigkeit der Agranulozytose von 6,2 Fällen auf 1 Million Einwohner, 1,1 Fälle davon sollten nach der statistischen Kalkulation auf N. entfallen. In Deutschland war ein Viertel aller Fälle von Agranulozytose auf N.-Einnahme zurückzuführen, in Rumänien und Israel erstaunlicherweise keiner. Die Studie war von der Firma Hoechst finanziert, aber von unabhängigen Fachwissenschaftlern durchgeführt worden. Das Risiko veranlasste die deutschen Behörden dazu, N. unter Rezeptpflicht zu stellen. In vielen anderen Ländern der Welt wie z. B. Großbritannien, den USA, Kanada und Australien ist es aus diesem Grunde nicht zugelassen. In vielen Ländern Afrikas und Lateinamerikas sowie Russland ist N. hingegen rezeptfrei erhältlich und stellt einen Großteil des OTC-Verkaufs an Schmerzmitteln. In Deutschland kommt es pro Jahr zu ca. 5 Millionen Verordnungen.

Spätere Untersuchungen ergaben ein von der Boston Studie abweichendes Bild. Eine 2002 veröffentlichte schwedische Untersuchung ergab eine Häufigkeit von einem Fall auf 1439 Verordnungen. Die beiden Untersuchungen sind nicht direkt vergleichbar: In Schweden wurden Fälle aus dem Krankenhaus nicht berücksichtigt, in der Boston Studie waren es nur stationär behandelte Patienten.

Das Risiko, an einer Agranulozytose zu sterben, wird in der Fachliteratur mit 9 bis 23 % angegeben.

Risiko Kreislaufschock

Der Kreislaufschock nach der Gabe von N. tritt vor allem nach parenteraler Gabe auf, ist aber auch bei oraler Aufnahme nicht ausgeschlossen. Die parenterale Anwendung sollte sehr langsam erfolgen und nur dann, wenn sie unvermeidlich ist Der Schock kann vor allem bei unzureichender Behandlung tödlich enden, die Häufigkeit wird mit einem Fall auf 1000 Anwendungen geschätzt.

Allergie

Wie auch andere Arzneimittel aus der Gruppe der Nicht-opioiden-Analgetika kann auch N. einen Asthma-Anfall auslösen. Allergische Reaktionen von Hautausschlägen bis hin zum anaphylaktischen Schock sind ebenfalls möglich.

Zusammenfassung der Boston Studie auf Pubmed (engl.)

Schwedische Metamizol Studie auf Pubmed (engl.)

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medalliejpg.jpgNobelpreis für Physiologie oder Medizin (schwedisch: Nobelpriset i fysiologi eller medicin), seit 1901 jährlich von der Nobelversammlung des Karolinska Institutet entsprechend dem Testament von Alfred Nobel verliehener Nobelpreis.

Physiologie und Medizin

Der Preis wird oft abgekürzt als Medizinnobelpreis bezeichnet. Dies ist nicht ganz korrekt, weil Alfred Nobels 1895 niedergelegter letzter Wille ausdrücklich die Physiologie einschließt. Die Physiologie umfasste damals aber einen weitaus größeren Bereich als die medizinische Physiologie, Gebiete, die heute vor allem der Biologie, aber auch der Chemie oder Physik zugerechnet würden. So hatte das Karolinska Institutet, die schwedische medizinische Universität in der Nähe Stockholms, schon immer einen großen Spielraum in der Auswahl der Bewerber. Der Preis 1973 für Konrad Lorenz gehört z. B. in das Gebiet der Biologie (Verhaltensforschung).

Statistik

Der Preis wurde von 1901 bis 2005 in insgesamt 96 Jahren an 184 Preisträger verliehen, sieben davon an Frauen. Er kann an bis zu 3 Personen gleichzeitig vergeben werden. Von 1915 bis 1918, in den Jahren 1921 sowie 1925 und von 1940 bis 1942 fand keine Verleihung statt, das Preisgeld wanderte zurück in den Fundus. Erster Preisträger war Emil von Behring.
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Der erste Preisträger 1901: Emil Adolf von Behring

Fast alle Preisträger wohnten oder arbeiteten in den USA, Europa und Australien. Je einmal ging der Preis je an einen Südafrikaner und einen Japaner, je zweimal nach Argentinien, Kanada und Russland. Nach dem zweiten Weltkrieg stellten die USA die meisten Preisträger.

„Entdeckung, die den größten Nutzen für die Menschheit gebracht hat“

Nach dem Willen von Alfred Nobel sollte der Preis an denjenigen verliehen werden, der im letzten Jahr mit seiner Entdeckung den größten Nutzen für die Menschheit erbracht hat. Das Wort Entdeckung bevorzugt in der Medizin immer die Grundlagenfächer, da in der klinischen Medizin der Fortschritt in der Regel nicht als plötzlicher Erkenntnisschub, sondern in sehr kleinen Schritten erfolgt. Und in der Tat erfolgten weitaus mehr Preisverleihungen an Forscher in der Immunologie, der Genetik oder Neurobiologie als an die in der Pharmazie, der Diagnose oder sogar der praktischen Therapie.

Welche Entdeckung den größten Nutzen für die Menschheit erbracht hat, ist immer noch Gegenstand vieler Diskussionen. Die Entwicklung des DDT durch den Schweizer Chemiker und Nobelpreisträger 1948 Paul Hermann Müller wird vom heutigen Standpunkt aus oft kritisiert. Die Anwendung von DDT ist wegen seiner Giftigkeit für Mensch und Tier mittlerweile verboten, dennoch konnten durch seine Anwendung nach Schätzungen der WHO ca. 25 Millionen Menschenleben gerettet werden. Das heute bekannte Ausmaß der Giftigkeit war weder dem Erfinder noch der Nobelversammlung zum Zeitpunkt der Preisverleihung bewusst.

Ein weiteres Handicap ist der Zusatz im letzten Jahr in Nobels Testament. Im allgemeinen dauert es einige Zeit, bis wissenschaftliche Erkenntnisse veröffentlicht werden; es dauert eine weitere Zeit, bis diese Erkenntnisse von der Fachwelt aufgenommen und akzeptiert werden: Manchmal beträgt diese Zeitspanne mehrere Jahrzehnte. So erhielt Oswald T. Avery nie einen Nobelpreis, obwohl seine Erkenntnis, dass die DNA der Träger der Erbinformation ist, mit Sicherheit eine Jahrhunderterkenntnis war. Es dauerte nur sehr viele Jahre bis die Wissenschaft diese Erkenntnis akzeptierte. Avery war mittlerweile verstorben und posthum darf niemand mehr für den N. nominiert werden.

Karolinska Institutet, Nobelversammlung, Nobelkomitee

Alfred Nobel hatte in seinem letzten Willen festgelegt, dass das Karolinska Institutet den Preis in Physiologie oder Medizin vergibt. 1901 wurde die Auswahl aus den Nominationen von allen 19 Professoren der medizinischen Fakultät besorgt. Sie wählten aus ihrer Reihe ein Nobelkomitee mit dem Präsidenten der Karolinska als Vorsitzendem. 1918 wurde Professor Göran Liljestrand zum Sekretär des Nobelkomitees gewählt, der diesen Posten 42 Jahre lang behielt.

1977 wurde die Nobelversammlung am Karolinischen Institut eingerichtet, weil die Zahl der Dozenten inzwischen stark angestiegen war. Eine Gesetzesänderung in Schweden, die alle Papiere staatlicher Einrichtungen öffentlich machte, hätte zudem die Geheimhaltung des Auswahlprozesses bedroht. Die Nobelversammlung ist völlig unabhängig vom Staat, sie wird auschließlich von der Nobelstiftung finanziert, obwohl alle 50 Mitglieder Professoren der Karolinska sind. Mit 65 gehen sie in den Ruhestand, neue Mitglieder werden von der Versammlung gewählt.

Das Nobelkomitee wird von der Nobelversammlung gewählt und besteht aus 5 Mitgliedern und einem Geschäftsführer. Jedes Mitglied kann zweimal für die Dauer von drei Jahren gewählt werden, der Geschäftsführer dreimal für die Dauer von 4 Jahren. Um die Kontinuität der Arbeit zu gewährleisten, wird jedes Jahr nur ein Teil der Mitglieder neu gewählt, einer der Mitglieder wird für drei Jahre Vorsitzender.

Sobald die Nominierungen vom Komitee geprüft worden sind, wird ein Ad-hoc- Komitee mit 10 Mitgliedern bestimmt, die für die Dauer von 9 Monaten die Nominierungen bewerten. Die Mitglieder des Ad-hoc-Komitees müssen nicht Mitglieder der Nobelversammlung sein.

Zeitplan

Komitee und Versammlung halten mehrere Treffen im Laufe des Jahres ab, so dass die Versammlung zum Zeitpunkt der Abstimmung über den Auswahlprozess und die wissenschaftlichen Verdienste der Kandidaten gut informiert sind. Die Entscheidung der Nobelversammlung erfolgt in der ersten Hälfte des Oktobers, eine einfache Mehrheit reicht aus.

Der Zeitplan ist seit 1901 der gleiche geblieben: Im September des Vorjahres werden 2500 bis 3000 Wissenschaftler von medizinischen Fakultäten außerhalb Skandinaviens nach einem rotierenden System ausgewählt und um ihre Kandidaten-Vorschläge für das nächste Jahr gebeten.

Vorschlagsrecht

Alle Träger des Nobelpreises für Physiologie oder Medizin und alle Professoren der Medizin in skandinavischen Ländern haben ein regelmäßiges Nominierungsrecht. Die letzte Frist für Nominierungen ist der 31. Januar. Im Frühjahr gibt es eine gemeinsame Sitzung mit dem Nobelkomitee für Chemie, um zu vermeiden, dass ein Preisträger zwei Preise erhält.

Nobelprize.org (engl.)

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Nikotinsucht

aschenbecher.jpgNikotinsucht, körperliche und psychische Abhängigkeit von Nikotin, einem Alkaloid des Tabaks, das meistens durch Zigarettenrauchen aufgenommen wird.

Häufigkeit

Im Jahr 2003 rauchten in Deutschland 33 % der Bevölkerung über 18 Jahre, 37 % der Männer und 31 % der Frauen. Im Durchschnitt beginnen Jugendliche zwischen dem 15. und 16. Lebensjahr mit dem regelmäßigen Rauchen, 90 % aller Raucher haben vor dem 20. Lebensjahr damit begonnen. Niedriger sozialer und ökonomischer Status begünstigt die Entwicklung der Sucht. Zwischen dem 20. und 44. Lebensjahr erreicht der Anteil der Raucher seinen Höhepunkt, danach sinkt er kontinuierlich ab. Der Anteil der Raucher unter den Männern nimmt in den letzten 15 Jahren ab, dafür steigt er bei den Frauen und den Jugendlichen zwischen dem 15. und 17. Lebensjahr an.In der Europäischen Union sind die Raucherraten sehr unterschiedlich, sie liegen zwischen 45 % in Griechenland und 22 % in Schweden. Weltweit rauchen etwa ein Drittel der Männer in den westlichen Industriestaaten verglichen mit 50 % in den Entwicklungsländern. Besonders hohe Raten an männlichen Rauchern mit über 60 % verzeichnen China und die Länder der ehemaligen UDSSR. Bei den Frauen sind es 22 % in den westlichen Ländern und 9 % in denen der sog. Dritten Welt.

Suchtentwicklung

Bereits der Genuss einer oder einiger weniger Zigaretten kann zur Sucht führen. Rauchen soll die Konzentration steigern, wach machen, Hunger und andere Unlustgefühle vertreiben sowie in Stresssituationen entspannen. Wie bei allen anderen Drogen auch, konsumiert der Nikotinabhängige nach einiger Zeit nicht mehr, um angenehme Empfindungen zu erzielen, sondern um die unangenehmen Auswirkungen des Entzugs zu vermeiden, der sich in Unruhe und dem unstillbaren Verlangen nach einer Zigarette (dem craving) äußert. Die psychischen Wirkungen des Nikotins sollen durch Beeinflussung von Nervenzellrezeptoren entstehen, die sonst auf den körpereigenen Botenstoff Acetylcholin ansprechen mit der Folge einer vermehrten Freisetzung des Neurotransmitters Dopamin. Mit der Entwicklung der Sucht wurde eine Vermehrung der nikotinsensiblen Rezeptoren an den Nervenzellen beschrieben. Wird das Rauchen eingestellt, führt der resultierende Dopaminmangel zu Unlustgefühlen. Auch das Rauchzeremoniell scheint eine Bedeutung bei der Aufrechterhaltung der Sucht zu haben.

Gesundheitliche Folgen

In Deutschland sterben ca. 140.000 Menschen vorzeitig an den Folgen des Rauchens, weltweit sind es 3,5 Millionen. Rauchen ist einer der bedeutsamsten Risikofaktoren für Krebserkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfall sowie chronische Atemwegserkrankungen. Mindestens 30 % aller Krebserkrankungen, 25 % aller Herzinfarkte, 10 % aller Schlaganfälle sowie 90 % aller chronischen Atemwegserkrankungen sind durch Rauchen bedingt. Zigarettenrauch enthält neben dem Nikotin ca. 4000 andere chemische Substanzen, darunter 40 bekannte hochpotente Karzinogene, Kohlenmonoxid, eine Vielzahl giftiger und die Atemwege reizender Substanzen. Das Rauchen führt vor allem zu Krebserkrankungen der Lunge, des Kehlkopfs, der Speiseröhre und der Mundhöhle: Mehr als 80 % der von diesen Erkrankungen betroffenen Patienten sind Raucher.
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Drastische Krebswarnung auf belgischer Zigarettenpackung

Aber auch bei Blasen– und Zervixkarzinom sowie einer ganzen Reihe von Krebserkrankungen anderer Organe, die keinen direkten Kontakt mit dem Zigarettenrauch haben, spielt das Rauchen eine wesentliche Rolle als Verursacher. Rauchen fördert die Krebsbildung durch andere Karzinogene, z. B. Asbest und Radon.

Bei den Gefäßerkrankungen potenziert das Rauchen die Auswirkung anderer Risikofaktoren wie der Erhöhung des Cholesterins und dem Bluthochdruck. Bei den nicht durch Diabetes mellitus verursachten Durchblutungsstörungen der Beinschlagadern ist das Rauchen in 90 % der Fälle die Hauptursache. Zigarettenrauchen fördert die Faltenbildung, den Eintritt der Menopause und die Osteoporose bei der Frau sowie die Impotenz der Männer.

Rauchen in der Schwangerschaft erhöht das Risiko einer Fehl- und Frühgeburt, die neugeborenen Kinder weisen eine erhöhte Sterblichkeit, ein verringertes Geburtsgewicht und eine Entwicklungsverzögerung in den ersten Lebensjahren auf.

Passivrauchen ist das unfreiwillige Inhalieren von Tabakrauch, ohne selbst Raucher zu sein. Hiervon sind v.a. Gaststättenbesucher und -angestellte sowie Kinder rauchender Eltern betroffen. Passivrauchen führt ebenso zu einer Erhöhung der Krebsrate sowie zu einer Förderung von Herzkreislauf- und Atemwegserkrankungen.

Die gesundheitliche Verfassung bessert sich nach Abstinenzbeginn schon innerhalb weniger Stunden und Tage: Durch den Abfall der Kohlenmonoxidkonzentration im Blut verbessert sich die Sauerstoffversorgung und das Leistungsvermögen, durch die Normalisierung der Blutgerinnung sinkt das Risiko für Herzkreislaufkomplikationen. In jedem Jahr der Abstinenz verbessert sich das Risikoprofil, in Bezug auf Herzinfarkt und Schlaganfall hat der Exraucher das gleiche Risiko wie der Nichtraucher nach 15 Jahren erreicht. Das Krebsrisiko nähert sich nach 20 Jahren der normalen Rate an, bleibt aber leicht erhöht.

Raucherentwöhnung

Mehr als 70 % der Raucher haben den Wunsch, aufzuhören; fast ein Drittel versucht jedes Jahr, sich von der Abhängigkeit zu befreien. Die meisten, die es schließlich schaffen, haben mehrere erfolglose Versuche hinter sich. Eine Kombination von Verhaltenstherapie und Nikotinersatzpräparaten (Pflaster, Spray, Kaugummi) können dem abstinenzwilligen Raucher den Entzug erleichtern. In manchen Fällen können zusätzlich Antidepressiva hilfreich sein.

Prävention

Das Vorbild der Eltern, die Werbung, Stärkung des Selbstbildes durch Imitation erwachsener Vorbilder, Lust am Experimentieren – alles dies sind Motive, die Kinder und Jugendliche zur ersten Zigarette verleiten. Da die überwiegende Zahl der Raucher vor dem 20. Lebensjahr mit dem Rauchen beginnt, muss die Prävention im Kindesalter beginnen. Der Verbot der Zigarettenwerbung und die soziale Stigmatisierung des Rauchens schon im Kindergarten sind erprobte Verfahren. Der Zugang kann durch ein Verkaufsverbot an unter 18jährige, das Verbot von Zigarettenautomaten sowie einen hohen Preis wirkungsvoll erschwert werden.

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) e.V.: Tabakabhängigkeit (pdf)

WHO: The Tobacco Atlas (pdf)

Deutsche Krebshilfe e.V.: Rauchen und Krebs

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