Feeds:
Posts
Comments

Archive for Juli 2nd, 2007

Empfängnisverhütung (syn.: Kontrazeption, Antikonzeption), verschiedene Methoden mit dem Ziel, eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern.

Ethische Diskussion

In vielen politischen, ethischen und religiösen Auseinandersetzungen wird die E. kontrovers diskutiert.

Ablehnung jeder Art von E. außer sexueller Abstinenz und natürlicher Beobachtung des weiblichen Zyklus ist die zentrale Lehre der katholischen Kirche. Die Ehe ohne die Absicht, Kinder zu zeugen, ist nach katholischer Lehre keine gültige Ehe. E. verhindert die bedingungslose Hingabe der Partner.

Denselben Standpunkt vertraten die protestantischen Kirchen bis in die 1930er Jahre, vertreten auch von Luther und Calvin. Danach kam es bis heute zu einer differenzierten Betrachtungsweise mit dem Respekt vor der individuellen Entscheidung des Paares und einer weitgehenden Billigung der E.

Im Islam ist E. nicht grundsätzlich untersagt, außer der Sterilisation ohne medizinische Indikation. Im Iran, einem weitgehend durch Vorschriften des Islam geprägten Land, wird E. nicht nur für verheiratete, sondern auch für unverheiratete Paare propagiert.

Auch im Judentum gibt es kein grundsätzliches Verbot der E.. Erlaubt ist die E. vor allem dann, wenn die Frau wegen ihrer Jugend oder ihrer körperlichen Verfassung nicht schwanger werden sollte. Bevorzugt werden Mittel, die keine Barriere zwischen den Partnern aufbauen, die Pille an erster Stelle. Die Verschiebung der Menstruation auf einen Zeitpunkt nach der Hochzeitsnacht durch orale Kontrazeptiva ist häufig geübte Praxis, da der Geschlechtsverkehr während der Menstruation nach jüdischem Gesetz untersagt ist. Im Einzelfall wenden sich orthodoxe jüdische Paare an den Rabbi, um die passende Form der E. zu wählen.

In der Volksrepublik China ist E. Bestandteil der staatlichen, mit Sanktionen verbundenen Politik zur Begrenzung der Überbevölkerung. Auch in anderen Ländern Asiens und Afrikas wird die Geburtenkontrolle staatlich unterstützt.

Die WHO schätzt, dass weltweit etwa 38 % aller Schwangerschaften unerwünscht sind und dass 123 Millionen Frauen keinen Zugang zur E. haben, obwohl der dringende Wunsch danach besteht. 6 von 10 unerwünschten Schwangerschaften enden mit einer Abtreibung.

Die Auswahl der passenden E. ist eine gleichberechtigte Entscheidung beider Partner. Sie hängt von der Praktikabilität, der erwünschten Sicherheit, der persönlichen Ethik, dem Preis und den Nebenwirkungen ab. Mit 42 % ist die Pille das am häufigsten verwendete Mittel der E in Deutschland, es folgt das Kondom mit 18 %. Bis zum vollendeten 20. Lebensjahr übernimmt in Deutschland die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für die Antibabypille. Ab dem 18. Lebensjahr müssen Zuzahlungen geleistet werden.

Empfängnisverhütende Methoden

Coitus interruptus und Analverkehr gehören zu den ältesten und mit einer jährlichen Versagerquote von 25 % zu den unsichersten Methoden, eine ungewollte Schwangerschaft zu verhüten.

Kondom und Diaphragma versperren den Spermien auf mechanische Weise den Weg, bei geübter Anwendung sind Schutzraten von 97 bzw. 98 % zu erreichen. Zählt man alle Anwendungsfehler hinzu, sinkt der Schutz auf 82 bis 87 % pro Jahr, d. h. bei Paaren, die sich auf Kondom oder Diaphragma verlassen , werden jedes Jahr 13 bis 18 % der Frauen dennoch schwanger. Das Kondom ist das einzige Verhütungsmittel, das auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt.

Chemische Verhütungsmittel, also Cremes, Gels, Zäpfchen, Schwamm oder Schaum, die lokal in der Scheide angewendet werden, sind – alleine angewendet – sehr unsicher und sollten daher vorzugsweise mit Barrieremethoden wie z. B. dem Diaphragma kombiniert werden.

Ovulationshemmer bestehen aus einer Kombination von Östrogen und Gestagen, sie gehören zu den beliebtesten und sichersten Arten der E.: die jährliche Versagerquote liegt unter einem Prozent (0,1 bis 0,9%). Die Minipille ist mit einer Versagerrate von 0,5 bis 3 % weniger sicher, aber eine brauchbare Alternative für Frauen, die keine Östrogene nehmen dürfen wie z. B. in der Stillzeit. Das Hormonimplantat und die Dreimonatsspritze sind Alternativen zur Pille, wenn die regelmäßige Einnahme Probleme macht. Neuere Entwicklungen wie der Vaginalring und das Verhütungspflaster wirken wie die herkömmliche Pille, müssen ihre Bewährungsprobe aber noch bestehen. Ein hoch dosierter Ovulationshemmer kann als „Pille danach“ bis zu 72 Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr die unerwünschte Schwangerschaft verhindern, die „Spirale danach“ noch bis zu 5 Tage.

Die Pille für den Mann“ – hormonelle Empfängnisverhütung für Männer – wird frühestens 2008 zur Verfügung stehen.

Das Intrauterinpessar (IUP) als Kupferspirale erreicht die Sicherheit der Pille, die Hormonspirale übertrifft sie sogar und ist fast so sicher wie die Sterilisation. IUP sind wegen der möglichen Nebenwirkung Sterilität eher für Frauen mit abgeschlossener Kinderplanung geeignet.

Die Natürliche Familienplanung (NFP) kann als symptothermale Methode durchaus die Sicherheit der Pille erreichen, sie setzt aber intensive Schulung, viel Disziplin und möglichst einen stabilen Zyklus voraus. Aus diesen Gründen ist sie für Teenager eher ungeeignet, viele Frauen schätzen die Unabhängigkeit vom Arzt, die fehlenden Nebenwirkungen und die wachsende Kenntnis über die eigenen körperlichen Vorgänge. Die Sterilisation ist die sicherste Methode der E., kommt aber nur nach abgeschlossener Familienplanung in Frage.

Geschichte der Empfängnisverhütung

Der Papyrus petri (1550 v. Chr.) aus Ägypten beschreibt eine der ersten Anweisungen zur Empfängnisverhütung: Ein Tampon aus Gummi arabicum und Datteln soll die E. für drei Jahre garantieren. Pessare aus Metall, getrockneter Fisch und Baumwolle mit Zitronensaft werden etwa zur gleichen Zeit als Mittel zur E. verwendet.

Präservative werden vermutlich schon seit 2 bis 3 Jahrtausenden benutzt, die Renaissance der Kondome entsteht im 17. Jahrhundert mit dem Vorrücken der Syphilis. Im 18. Jahrhundert dienen Zitronenhälften, vaginal eingeführt, als frühe kombinierte chemische und Barriere Methode. Im 19. Jahrhundert werden Portiokappe und Pessar als schon sehr effektive Methoden der E. erfunden. Seit den 1830er Jahren werden saure Vaginalduschen zur E. populär, sind aber leider sehr ineffektiv.

In der Mitte des 19 Jahrhunderts werden die ersten Kondome aus vulkanisiertem Kautschuk hergestellt, die noch sehr unbequem und teuer sind. Zur Massenproduktion kommt es erst in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts.

1924 isoliert der deutsche Biochemiker und spätere Nobelpreisträger Adolph Butenandt das Östrogen, 1934 das Progesteron. 1951 synthetisiert der Wiener Chemiker Carl Djerassi das Norethisteron, das erste synthetische Gestagen, und weist nach, dass diese Substanz den Eisprung verhindert. 1956 führen Gregory Pincus et. al. die erste Studie an 60.000 Frauen durch und beweisen, dass Progesteron und Östrogen kombiniert in einer Pille sicher vor Empfängnis schützen. 1960 kommt die Pille in Amerika, 1961 in Deutschland auf den Markt, beworben anfangs als Mittel zur Zyklusregulierung und verheirateten Frauen vorbehalten.

Pro Familia

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Read Full Post »

Embolie

Embolie (griech.: ἐμβάλλω [emballo] – hineinwerfen), Verschluss eines Blutgefässes durch einen Embolus, einen in die Blutbahn verschleppten Fremdkörper, der nicht im Blutplasma löslich ist.

Einteilung nach dem Ort

Bei der Lungenembolie handelt es sich meist um einen verschleppten Thrombus aus einer tiefen Beinvenenthrombose. Eine arterielle Embolie hat ihren Ursprung meist im Bereich des Herzens (z. B. bei Vorhofflimmern) und der großen Schlagadern. Ein von dort verschlepptes Blutgerinnsel verstopft am häufigsten Arterien des Gehirns mit der Folge eines Schlaganfalls. Seltener sind Schlagadern der Beine oder der inneren Organe betroffen. Selten ist die paradoxe E., bei der ein Embolus durch ein offenes Foramen ovale vom rechten Herz ins linke Herz und in die arterielle Strombahn gerät und eine venöse Thrombose eine arterielle E. auslöst. Die retrograde E. ist noch seltener: Durch vorübergehende Strömungsumkehr führt eine Thrombose einer großen Vene zu einer E. in einer kleinen.

Einteilung nach dem Embolus

Bei einer Thromboembolie besteht der E. aus einem Blutgerinnsel (Thrombus). Eine Parenchymembolie entsteht, wenn Bestandteile innerer Organe in den Blutstrom gelangen, z. B. Teile der Leber nach einem Verkehrsunfall. Fett, Luft, Stickstoff oder andere Gase, Fruchtwasser, Fremdkörper oder Cholesterinkristalle sind weitere Substanzen, die einen Embolus formen und eine E. verursachen können.

Read Full Post »

eisenb.jpgJohann Andreas Eisenbarth (auch: Eysenbarth, Eisenbart, Doktor Eisenbart, Doktor Eisenbarth), (* 27. März 1663 in Oberviechtach; † 11. Nov. 1727 in Hannoversch Münden), umherziehender Wundarzt, bekannt durch das nach ihm benannte Spottlied, das aber erst um 1800 von Medizinstudenten komponiert wurde.

E. übte seine Tätigkeit des Starstechens und Blasensteinschneidens auf Jahrmärkten aus, begleitet von einer teilweise bis zu 120 Mann starken Truppe von Gauklern, Tänzern, Musikanten und Marktschreiern. In Magdeburg, wo er auch lange Zeit seinen Hauptwohnsitz hatte, produzierte er den Balsamischen Haupt-, Augen- und Gedächtnisspiritus, der gegen Kopfschmerzen, Ohrensausen und Augenleiden helfen sollte. Aus diesem Grund wird E. auch als Gründer des ersten Pharmaunternehmens angesehen. Seine marktschreierische Selbstglorifizierung, mit der er seine Kuren u. a. gegen Syphilis, Skorbut, Fieber, Karies und andere Krankheiten anpries, wird in dem berühmten Lied vom Doktor Eisenbart der Lächerlichkeit preisgegeben:

Ich bin der Doktor Eisenbarth,
Kurier‘ die Leut nach meiner Art,
Kann machen, dass die Blinden gehn,
Und dass die Lahmen wieder sehn.

Andererseits entwickelte E. selbst neue chirurgische Instrumente wie eine verbesserte Nadel zum Starstechen oder einen Haken zur Entfernung von Nasenpolypen, auch soll er als Chirurg sehr geschickt gewesen sein und mehr Zeit als andere umherziehende Kollegen auf die Nachsorge verwendet haben.

Alles dieses verschuf E. einen beträchtlichen Ruf zu Lebzeiten; der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. ließ sogar 1716 E. rufen, um einen seiner Offiziere am Auge zu operieren.

Die Stadt Oberviechtach berichtet über ihren berühmten Sohn

Read Full Post »

« Newer Posts