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Archive for Januar 4th, 2008

Organspende

Lebenswichtige Organe wie Nieren, Leber, Herz, Lunge, Dünndarm, Haut oder Bauchspeicheldrüse werden vom Organspender auf schwerkranke Menschen mit Erkrankungen dieser Organe, die nicht anders behandelt werden können, verpflanzt (transplantiert). Auch Gewebe wie die Augenhornhaut oder Sehnen werden transplantiert. Die Organspende geschieht meist nach dem (Hirn)tod des Spenders, bisweilen aber auch zu Lebzeiten, wenn dies für den Spender gefahrlos möglich ist.

Gesetzliche Regelungen

Verschiedene Länder kennen unterschiedliche gesetzliche Regelungen der Organspende, in Deutschland gilt nach Verabschiedung des Transplantationsgesetzes 1997 die sog. erweiterte Zustimmungslösung. Sie besagt, dass Organe nach dem Tod entnommen werden können, wenn der Spender einen Organspendeausweis bei sich trägt oder sonst seinen Willen eindeutig festgelegt hat. Wenn dies nicht der Fall ist – wie bei der Mehrzahl der Deutschen – , dann werden die Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen gefragt.

Andere Länder wie z.B. Österreich, Spanien oder Italien haben die Widerspruchslösung eingeführt: Organentnahmen sind demnach erlaubt, wenn der Verstorbene zu seinen Lebzeiten nicht schriftlich widersprochen hat. Die erweiterte Widerspruchslösung, wie sie z.B. in Frankreich gilt, räumt auch den Angehörigen ein Widerspruchsrecht ein.

Die Notstandslösung wie sie in Bulgarien praktiziert wird, erlaubt den Ärzten, Organe auch gegen den erklärten Willen des Verstorbenen und/oder seiner Angehörigen zu entnehmen.

Ablauf der Organspende

Als Organspender kommen in erster Linie solche Patienten in Frage, deren Gehirnfunktionen z.B. nach einem Unfall erloschen sind, deren Atmung und Blutkreislauf aber noch funktionieren, allerdings nur noch mit technischer Hilfe durch das Beatmungsgerät und meist noch weiteren medizinisch-technischen Apparaturen.

Zwei Ärzte, die nichts mit der geplanten Organverpflanzung zu tun haben dürfen, müssen unabhängig voneinander den sog. Hirntod feststellen.

Die Bundesärztekammer hat genaue Richtlinien darüber erlassen, wie die der endgültige, nicht behebbare Ausfall der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms festzustellen sind.

Ist der Hirntod festgestellt und sollen dem Verstorbenen Organe entnommen werden, ist in Deutschland das Gespräch mit den Angehörigen zwingend erforderlich, wenn der Patient nicht einen Organspendeausweis oder eine ähnliche Willenserklärung vor seinem Tod ausgefüllt hat. Die Angehörigen werden in diesem Fall gebeten, die Entscheidung zur Organspende in dem Sinne zu treffen, wie es der Verstorbene vermutlich selbst getan hätte. Dies ist gewiss eine sehr schwierige Aufgabe, sowohl für die Angehörigen, als auch für den Arzt, der das Gespräch führen muß.

Liegt die Einverständniserklärung vor, dann wird die Deutsche Stiftung Organtransplantation informiert, die nach dem Gesetz für die Organisation der Organspende in Deutschland zuständig ist.

Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Deutschland, Slowenien, Österreich und Kroatien sind übereingekommen, die Vermittlung zwischen Organspender und Organempfänger der gemeinnützigen Stiftung Eurotransplant in der holländischen Universitätsstadt Leiden zu übertragen. Diese wählt nach verschiedenen Gesichtspunkten den Empfänger aus, der am besten zu dem gespendeten Organ passt. Die Anzahl der Gesichtspunkte, die hierbei zu berücksichtigen sind, wuchs im Laufe der Jahre zunehmend an. Der Zuteilungsprozess bei Eurotransplant ist mittlerweile so kompliziert geworden, dass selbst Experten Schwierigkeiten haben, ihn vollständig zu durchschauen. Entscheidungskriterien sind u.a. die Blutgruppe, die Gewebeverträglichkeit (sog. HLA-Kompatibilität), die Körpergröße, die Wartezeit des Empfängers, die Dringlichkeit, die Entfernung zwischen Entnahme- und Transplantationsklinik sowie die Vermeidung eines größeren „Organimportüberschusses“ einzelner Länder. Patienten mit sehr seltenen Gewebeeigenschaften werden bevorzugt, weil sie sonst nie eine Chance auf die Vermittlung eines bestverträglichen Organs hätten.

Eurotransplant benachrichtigt das Transplantationszentrum über das vorhandene Organ, die Ärzte der Transplantationsklinik entscheiden darüber, ob sie das Organ annehmen wollen. Ist dies der Fall, dann wird der Organempfänger baldmöglichst einbestellt und vorbereitet – noch bevor das Spenderorgan entnommen wurde. Es steht bislang noch nicht eindeutig fest, wie lange ein gespendetes Organ außerhalb des Körpers ohne Schaden gelagert werden kann. Es ist jedoch unumstritten, dass die Verkürzung dieser “kalten Ischämiezeit“ (cold ischemic time – Abk.: cit) die Chance für eine problemlose Funktion des neuen Organs erhöht.

Abstoßungsreaktion

Nach der Transplantation wird das verpflanzte Organ vom Immunsystems des Empfängers als fremd erkannt.

Tage bis Wochen nach der Operation wandern spezialisierte weiße Blutkörperchen in das neue Organ ein und können es in der akuten Abstoßungsreaktion zerstören. Der Patient kann dabei Fieber oder Schmerzen haben aber auch beschwerdefrei sein – die Abstoßung wird dann nur durch die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) nachgewiesen.

Die Abstoßung verläuft um so milder, je besser die Gewebeeigenschaften von Spender und Empfänger zusammenpassen.

Vermeiden lässt sie sich aber nur durch die regelmäßige Einnahme von Immunsuppressiva, Medikamenten, die das körpereigene Immunsystem unterdrücken. Vor der Entwicklung dieser Medikamente in den 1960ern konnte eine Verpflanzung von Organen nicht langfristig erfolgreich sein, es sei denn unter eineiigen Zwillingen.

Natürlich haben diese Medikamente Nebenwirkungen – sie schwächen die Infektabwehr, fördern die Entwicklung bösartiger Tumore, können Leber und Niere schädigen. In der Regel wird eine Kombination verschiedener Medikamente verabreicht, anfangs in einer hohen, später einer geringeren Dosis.

Die chronische Abstoßungsreaktion setzt später ein als die akute, oft erst nach Monaten oder Jahren, sie ist viel schwieriger zu behandeln. Die genaue Ursache ist unklar, eine unregelmäßige Medikamenteneinnahme soll das Risiko erhöhen. Es kommt zu einem Verlust der Organfunktion, häufig durch Schädigung der Blutgefässe, die sich an einem transplantierten Herzen z.B. in einem Herzinfarkt äußern kann.

Die hyperakute Abstoßungsreaktion setzt noch während der Operation ein und führt in der Regel zum Organverlust; durch sorgfältige Auswahl der Empfänger und damit höherer Gewebeverträglichkeit ist sie heute sehr selten geworden.

Tod auf der Warteliste

Im Jahr 2007 spendeten 1.258 Deutsche Organe nach ihrem Tod, wie das Deutsche Ärzteblatt berichtete. Es wurden 4.372 Organe verpflanzt – darunter 2.329 Nieren, 1.041 Lebern, 377 Herzen, 486 Lungen und 148 Bauchspeicheldrüsen. Das sind mehr Organspender als je zuvor, aber immer noch zuwenige, wenn man an die 12.000 Menschen denkt, die auf der Warteliste für ein neues Organ stehen.

Viele dieser wartenden Patienten sterben, weil für sie kein passendes Spenderorgan gefunden werden kann. Betroffen hiervon sind vor allem die schwerkranken Patienten, die auf ein Spenderherz- oder eine Spenderlunge warten.

Nach Expertenschätzungen könnte die Rate an Organspenden in Deutschland verdoppelt werden, vielen Menschen würde dadurch das Leben gerettet, anderen das Leben erleichtert.

Nach Umfragen befürworten 80 % der Deutschen die Organspende – d.h. sie würden im Falle ihres Hirntodes ein Organ spenden und auch ein gespendetes Organ im Falle einer Krankheit annehmen. Andererseits tragen schätzungsweise nur 12 % einen Organspendeausweis mit sich.

Auch die Kooperationsbereitschaft vieler deutscher Kliniken, auf deren Intensivstationen der Hirntod diagnostiziert wird, lässt zu wünschen übrig. Spanien zeigt, wie es besser gemacht werden kann: Durch eine straffe Organisation konnte die Rate der Organtransplantationen auf 30 pro eine Million Einwohner gesteigert werden – eine Zahl, die doppelt so hoch liegt wie in Deutschland.

–wird fortgesetzt–

organspende-info.de – Eine Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V.

Bundesamt für Gesundheit der Schweiz: Zustimmungsmodelle in Europa

Bundesärztekammer: Richtlinien zur Organtransplantation

„Geschichte & Ethik der Verteilungsverfahren von Nierentransplantaten durch Eurotransplant“ (Dissertation von Daniel Galden, 2007)

Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz: Transplantation, Seite für potentielle Organempfänger

Mein Herz ist Dein Herz – Der Artikel der Zeit zeigt wie die Organspende im europäischen Ausland abläuft – er beschreibt ausführlich das spanische Erfolgsmodell

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