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Archive for Februar 8th, 2008

Humanes Papillomvirus (HPV)

Papilloma Virus

Humanes Papillomvirus (auch: Humanes Papillomavirus, Warzenvirus des Menschen, Abk.: HPV), Doppelstrang – DNA – Virus der Papova-Gruppe mit zur Zeit etwa 100 bekannten Typen, verursacht Haut- und Schleimhautinfektionen, besonders Warzen der Haut und Schleimhaut, aber auch Karzinome, v.a. des Gebärmutterhalses, seltener des Kehlkopfs und der Haut.

Warzen und Feigwarzen

Antikörpernachweise legen den Verdacht nahe, dass ca. 60 % der Bevölkerung in Europa eine Infektion mit HPV haben oder hatten.

warzen.jpgWarzen, vor allem an Händen und Füßen, sind bei Kindern und Jugendlichen eine sehr häufige Erkrankung.

Warzen im Genitoanalbereich (Feigwarzen) und latente Infektionen mit den dafür verantwortlichen HPV – Typen 6 und 11 sind häufig bei sexuell aktiven Menschen, das Entartungsrisiko ist gering.

Gebärmutterhalskrebs

Einer Infektion mit den HPV Typen 16, 18, 31 und 45 wird dagegen ein hohes Risiko für Gebärmutterhalskrebs zugeschrieben, sie lassen sich in 95 % aller Fälle von Cervixcarcinom nachweisen. Ein mittleres Risiko (Nachweis bei 1 bis 5 %) besteht bei HPV 33, 35 und 39. Häufig wechselnde Partner erhöhen das Risiko für eine Infektion mit HPV und die Entwicklung eines Cervixcarcinoms bei der Frau.

Schutzimpfung

Eine Schutzimpfung gegen die Hochrisikotypen 16 und 18 des HPV steht seit Sept. 2006 unter dem Handelsnamen Gardasil ® zur Verfügung, sie ergab einen Schutz für 95 % der Impflinge. Gleichzeitig schützt der Impfstoff gegen die hauptsächlich Warzen erzeugenden Virustypen HPV 6 und 11.

Als Nebenwirkung treten häufig Fieber sowie Schmerzen, Schwellung und Rötung an der Injektionsstelle auf. Die Impfung wird besonders für Mädchen vor der Pubertät, auf jeden Fall vor dem ersten Geschlechtsverkehr, empfohlen. Erprobt wurde der Impfstoff im Alter zwischen 9 und 26 Jahren. Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland übernehmen generell die Kosten für die Impfung von Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren. Der Impfstoff muss innerhalb eines halben Jahres dreimal verabreicht werden, er kostet ca. 150 € pro Impfung. Die komplette Grundimpfung kostet somit in Deutschland rund 450 €, nach Angaben von profamilia in den USA z.B. nur umgerechnet 275 €.

Der Schutz umfasst allerdings nur etwa 70 % der krebserzeugenden HPV-Typen, eine regelmässige Vorsorgeuntersuchung ist daher weiterhin erforderlich.

Im Okober 2007 kam der Impfstoff Cervarix® auf den Markt, der eine Schutzwirkung gegen HPV 16 und 18 entfalten soll, also keinen zusätzlichen Schutz gegen Feigwarzen bietet.

Zwei ungeklärte Todesfälle nach Gardasil® – Impfung 2007

Im Jahr 2007 kam es in Deutschland und Österreich zu je einem plötzlichen, unerwarteten und letzlich ungeklärten Todesfall bei jungen Mädchen nach einer Gardasil®-Impfung. Das Paul-Ehrlich-Institut, in Deutschland zuständig für die Zulassung von Impfstoffen und die Europäische Arzneimittelzulassungsbehörde EMEA sehen keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Impfung und den beiden Todesfällen. Sie bewerten den Nutzen als weitaus höher als den potentiellen Schaden.

Der Bremer Arzneimittelforscher Gerd Glaeske hingegen warf den Herstellern der Impfung in einem Interview Verletzung der Sorgfaltspflichten vor. Nach der Zulassung der Impfstoffe seien zu wenige Untersuchungen über deren Verträglichkeit durchgeführt worden. Schon vor der Zulassung habe es Warnungen von Experten über mangelnde Verträglichkeit gegeben, sagte Glaeske. Er kritisierte, dass in der Ständigen Impfkommission die Diskussion um den Nutzen der Impfung zu kurz gekommen sei.

profamilia zum Thema HPV-Virusinfektionen

Robert Koch-Institut: Linkliste zum Thema HPV

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie der HPV-Infektion des weiblichen Genitale

Ärztewoche online aus Wien, 2/2007: Die HPV-Infektion im Analbereich

Detusches Ärzteblatt: Arzneimittelforscher Glaeske kritisiert Pharmaindustrie

Paul Ehrlich Institut: Gardasil: Stellungnahme zum unklaren Todesfall aus Deutschland in zeitlichem Zusammenhang zu einer Gardasil-Impfung

EMEA statement on the safety of Gardasil

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Dorothea Christiane ErxlebenDorothea Christiane Erxleben war die erste deutsche Ärztin mit einem Doktortitel. Sie wurde am November 1715 in Quedlinburg, einer kleinen Stadt am Nordrand des Harzes im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt – damals zu Preußen gehörig – , geboren.

Ihr Vater, Christian Polykarp Leporin, praktizierte als Arzt und war mit der Pastorentochter Anna Sophia Leporin verheiraretet. Weil die kleine Dorothea sehr kränklich war, war sie von der Hausarbeit befreit und wurde von ihrem Vater zusammen mit ihrem älteren Bruder unterrichtet. Später erhielt sie auch privaten Unterricht vom Direktor des örtlichen Gymnasiums – Mädchen war der Besuch dieser Schulen verboten. Ihr Vater führte sie in die praktische Medizin ein, nahm sie auch zu Hausbesuchen mit.

1741 genehmigten die preußischen Behörden im ersten Jahr der Regentschaft des aufgeklärten Friedrichs des Großen Dorothea als erster Frau das Medizinstudium an der Universität Halle. Als ihr Bruder, der mit ihr studieren wollte, sich jedoch durch Flucht dem preußischen Militärdienst entzog, traute sich Dorothea nicht mehr an die exklusiv männliche Einrichtung.

Dorothea gab ihre Studienpläne zunächst auf und heiratete den verwitweten Prediger Johann Christian Erxleben, der fünf Kinder mit in die Ehe brachte, vier eigene Kinder kamen im Laufe der Jahre noch hinzu.

Der Familie ging es finanziell schlecht, die vielbeschäftigte Mutter versuchte, durch die illegale Ausübung des Arztberufs das Familieneinkommen aufzubessern. Natürlich wurde sie von den eingesessenen Ärzten beim Quedlinburger Stiftshauptmann angeschwärzt, der ihr prompt das weitere Praktizieren ohne die damals dafür erforderliche Dissertation untersagte.

timbre_allemagne_60pf_dorothea_erxleben_1988.jpgAm 6. Januar 1754 – kurze Zeit nach der Geburt ihres vierten Kindes – war es dann soweit, Erxleben hat ihre Dissertation mit dem Titel: Academische Abhandlung von der gar zu geschwinden und angenehmen, aber deswegen öfters unsichern Heilung der Krankheiten fertiggestellt. Sie verteidigt die Doktorarbeit mit Bravour in flüssigem Latein vor den Professoren der Universität.

Mit Doktortitel durfte „Frau Dr.“ Erxleben nunmehr legal den Arztberuf ausüben und betrieb in Quedlinburg eine erfolgreiche Praxis, in der sie schwerpunktmäßig Frauen und Kinder behandelte, bis sie 1762 – viel zu früh im Alter von 46 Jahren – an einem Brustkrebs verstarb.

Bereits 1742 erschien ihre Abhandlung mit dem Titel: Gründliche Untersuchung der Ursachen, die das weibliche Geschlecht vom Studiren abhalten. Den Beweis ihrer Behauptung, dass Frauen ebenso wie Männer zu einer akademischen Laufbahn und Tätigkeit als Ärztin befähigt sind, hat sie mit ihrem eigenen Leben eindrucksvoll und zum ersten Mal in Deutschland erbracht.

Es dauerte dennoch über 100 Jahre, bis Frauen in Deutschland generell zum Medizinstudium zugelassen wurden – in Preußen erstmals zum Wintersemester 1908/1909.

Ausführlicher Lebenslauf auf der Geschichtsseite von Till Bergner

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