Feeds:
Posts
Comments

Archive for Februar 27th, 2008

Das Institut für Demoskopie in Allensbach stellt alle paar Jahre folgende Frage an eine repräsentative Stichprobe der deutschen Bevölkerung: „Hier sind einige Berufe aufgeschrieben. Könnten Sie bitte die fünf davon heraussuchen, die Sie am meisten schätzen, vor denen Sie am meisten Achtung haben?“ Es folgt eine Liste mit 17 Berufen: Arzt, Pfarrer, Grundschullehrer, Rechtsanwalt, Politiker usw..

Der Arzt als Beruf liegt traditionell weit vorn in dieser Umfrage, bei der aktuellen Umfrage aus dem Jahre 2008 ergab sich ein Zustimmungswert von 78 % und ein Plus von 6 % gegenüber der letzten Umfrage aus dem Jahr 2003. Es folgen der Geistliche und Pfarrer mit 39 und der Hochschulprofessor mit 34 %. Ganz am Ende der Skala rangieren Gewerkschaftsführer mit 8 % (+1%), Politiker mit 6 % ( – 2%) und Buchhändler mit 5 % (ebenfalls – 2%).

Institut für Demoskopie Allensbach – Die Studie wird unter „Presseinformationen“ vorgestellt

Read Full Post »

Eine am 28. Februar 2008 in der Online Publikation PLoS Medicine veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die neuen Antidepressiva Fluoxetin, Paroxetin, Venlafaxin und Nefazodon (nicht mehr im Handel) allesamt nicht viel besser als Placebo wirken.

Die Forschergruppe um Irvin Kirsch von der Psychologischen Fakultät der englischen Universität Hull untersuchte Zulassungsunterlagen der amerikanischen staatlichen Arzneimittelzulassungsbehörde, der Food and Drug Administration. Viele Studien waren von den Herstellerfirmen eingereicht, aber bisher nie veröffentlicht worden.

Das Resultat der Analyse von 35 Studien: Alle vier genannten neueren Antidepressiva wirken bei leichten und mittelschweren Depressionen nicht besser als Plazebo. Nur bei sehr schweren Verlaufsformen der Erkrankung mit einem Hamilton Score von mehr als 28 zeigte sich ein zwar nur leichter aber signifikanter Vorteil gegenüber der Behandlung mit einem wirkungslosen Scheinmedikament.

„Diese Berichterstattung wird Menschenleben kosten“

Prof. Dr. Ulrich Hegerl von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Universitätsklinikum Leipzig und Sprecher des Kompetenznetzes Depression äußert sich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sehr besorgt über die Auswirkungen der Studie. Er befürchtet, dass manche Menschen die Medikamente absetzen, wieder in eine Depression verfallen und ihrem Leben ein Ende setzen könnten. Dass der Placebo-Effekt in klinischen Studien sehr hoch ist, sei bekannt, erklärte der Psychiater. Man könne von dieser speziellen Situation – in der die Patienten umsorgt und aktiviert werden – nicht auf den klinischen Alltag schließen.

„Würde man übrigens ähnlich strenge Kriterien an den Wirkungsnachweis der Psychotherapie anlegen, so wäre deren Wirksamkeit auch nicht belegt.“, erklärte Ulrich Hegerl im Interview.

Deutsches Ärzteblatt : „Meta-Analyse: Antidepressiva nur bei schwersten Depressionen wirksam“

Originalarbeit in Englisch auf PloS Medicine

Interview Professor Ulrich Hegerl mit der Süddeutschen Zeitung: Studie zu Antidepressiva
„Diese Berichte werden Menschenleben kosten“

Read Full Post »

Die Hamilton Skala (Ham D, exakt: Hamilton Rating Scale of Depression – HRSD -) ist ein standardisiertes diagnostisches Instrument für den Arzt zur Beurteilung des Schweregrades einer Depression. Die Hamilton Skala dient insbesondere dazu, die Wirksamkeit verschiedener Therapien, z.B. von Medikamenten in Zulassungsstudien, zahlenmäßig exakt zu erfassen. Die Skala wurde 1960 von dem deutschstämmigen englischen Psychiater Max Hamilton („Himmelschein“) eingeführt.

Aufbau

In der ursprünglichen, auch heute noch oft verwendeten Fassung, werden 21 Symptomenkomplexe systematisch vom Untersucher mit meist 0 bis 4 Punkten, manchmal auch von 0 bis 2 oder 0 bis 3 Punkten bewertet.

Untersuchungspunkte sind z.B. die depressive Stimmung (Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit, Wertlosigkeit), Schuldgefühle, Selbstmordgedanken, Schlafstörungen, körperliche Beschwerden, Sexualität, Gewichtsverlust.

Bewertung

Je höher die Punktzahl, um so stärker ist die Depression.

66 ist die höchste, 0 die niedrigste erreichbare Punktzahl. Es gibt keinen „Normalwert“, aber es hat sich eingebürgert, ab 10 Punkten von einer leichten, ab 20 von einer mittelschweren und ab 30 von einer schweren Depression zu sprechen.

Es existieren Kurzformen mit 17 und 7 statt 21 Untersuchungspunkten.

Max Hamilton: “A rating scale for depression”, 1960, Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry. vol 23 pp 56-62, Link zum Download der Originalarbeit als pdf

Die Hamilton Scale in Englisch zum Download – Testinstrument für Ärzte, ungeeignet zur Selbstdiagnose!

Read Full Post »