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Archive for Juni 2008

Die Strahlung der Sonne ist für den Menschen nur zum Teil sichtbar. Neben dem sichtbaren Sonnenlicht enthält sie die unsichtbare Ultraviolett- und die ebenfalls unsichtbare Infrarotstrahlung.

Die UV-Strahlung hilft dem Menschen, Vitamin D herzustellen und bräunt die Haut.

Sie verursacht Sonnenbrand, läßt die Haut schneller altern und steigert das Risiko für Hautkrebs. UV-Strahlung fördert die Entstehung eines Grauen Stars am Auge und schwächt das Immunsystem.

Aufgrund der Abnahme der Ozonschicht und der veränderten Freizeitgewohnheiten werden immer mehr Menschen einer immer höheren UV-Dosis ausgesetzt. Ein Resultat: Die Hautkrebsraten steigen rapide.

UV-A, UV-B und UV-C

Je nach Energie und Wellenlänge wird die UV-Strahlung in drei Bereiche unterteilt. Die energiereichste (und kurzwelligste) UV-C-Strahlung erreicht die Erde nicht, sie wird vollständig von der schützenden Erdatmosphäre verschluckt. Die UV-B-Strahlung ist weniger energiereich, sie wird zu 90 % von der Atmosphäre gefiltert. Die energieärmste UV-A-Strahlung ist auch die mit der größten Wellenlänge, sie kommt vollständig auf der Erdoberfläche an.

UV-Strahlung: Stärker im Somer und in Richtung Äquator

Wie stark die UV-Strahlung beim Weg durch die Atmosphäre verschluckt wird, hängt von vielen Faktoren ab. Um in Deutschland auf den Erdboden zu gelangen, müssen die Sonnenstrahlen einen schrägen Weg durch die Atmosphäre nehmen – im Sommer ist der Weg steiler und dementsprechend kürzer als im Winter. Je näher man dem Äquator kommt, um so steiler ist der Winkel, in dem die Sonnenstrahlen auf den Erdboden fallen, um so kürzer ist ihr Weg und um so geringer wird die UV-Strahlung abgeschwächt. Den kürzesten Weg von der Sonne zur Erde nehmen die Sonnenstrahlen direkt am Äquator – die UV-Strahlung ist hier am stärksten.

Aus dem gleichen Grund ist die UV-Strahlung am stärksten in den Mittagstunden zwischen 11 und 15 Uhr.

Auch Wolken am Himmel filtern UV-Strahlung.

Ozon“loch“: Immer mehr UV kommt durch

Durch die Verringerung der Ozon-Konzentration in 15 bis 35 km Höhe kommt es auch in Deutschland zu einer Zunahme der UV-(B)-Strahlung, weil das Ozon in der Erdatmosphäre wichtig für die Filterung des Sonnenlichts ist. Die UV-Strahlung in Deutschland stieg vor allem im Frühjahr und Frühsommer besonders steil an – gerade zu der Zeit, wo die Haut der Menschen besonders empfindlich ist, weil sie sich noch nicht abhärten konnte.

Die Ozonkonzentration in der Atmosphäre über Deutschland ist seit 1968 um 10 % gesunken, die Stärke der UV-B-Strahlung hat seitdem um 15 % zugenommen. Die Zerstörung der Ozonschicht ist Folge der Freisetzung von FCKW aus Treibmitteln in Sprays und Kühlmitteln. Selbst nach dem weitgehenden Verbot der FCKW-Produktion wird sich die Ozonkonzentration in diesem Jahrhundert vermutlich nicht mehr normalisieren.

Künstliches UV: Solarien und Schreibtischlampen

UV-Strahlung kommt nicht nur vom Himmel, sie wird auch künstlich erzeugt. In Solarien wird überwiegend UV-A-Strahlung eingesetzt, die die Haut ohne Sonnenbrand bräunen soll. UV-A ist aber keineswegs unschädlich für die Haut: Es dringt tiefer in die Haut ein als UV-B-Strahlung, begünsigt die Hautalterung und wird nach neueren Forschungsergebnissen in Zusammenhang gebracht mit der Enstehung des besonders bösartigen „schwarzen Hautkrebs“. Die UV-A-Strahlung der Sonnenstudies trägt auch nur wenig bei zur Bildung der sogenannten Lichtschwiele, durch die sich die Haut vor der Sonne schützt. Als Abhärtungsmaßnahme vor dem Urlaub sind daher Sonnenstudios ebenfalls wenig geeignet.

Auch Halogenstrahler z.B. in Schreibtischlampen produzieren UV-Strahlung. Im Nahabstand von weniger als 60 bis 30 cm können diese Lampen durchaus eine gesundheitliche Gefährdung darstellen, sie müssen aus diesem Grunde einen Schutzfilter aus Glas tragen.

Wie die Sonne die Haut schädigt

  • Die Bräune der Haut nach dem Sommerurlaub wird oft als ein Indiz für die gute Erholung angesehen. In Wirklichkeit, das weiß man heute, ist die Bräunung bereits ein erstes Anzeichen der Schädigung durch UV-B-Strahlung: die vermehrte Produktion von Melanin, dem dunklen Hautpigment,  entsteht als Folge vermehrter Mutationen in den Zellkernen der Melanin produzierenden Zellen, den sogenannten Melanozyten. Durch den gleichen Mechanismus entsteht aber auch der Hautkrebs.Die vermehrte Produktion von Farbstoff stellt einen Versuch der Haut dar, sich vor der UV-Strahlung zu schützen. Ein weiterer Mechanismus ist eine Verdickung der Hornschicht, die Bildung der sogenannten Lichtschwiele. Durch beide Schutzmaßnahmen kann sich die Empfindlichkeit der (weißen) Haut erheblich (bis hin zu 50fach) verringern.
  • Das Immunsysten des Menschen wird durch UV-Strahlung geschwächt. Dies ist heute sehr gut wissenschaftlich belegt. Für die Hypothese, dass mit geringerer Dosis eine Steigerung der Immunabwehr verbunden ist, fehlen Belege. (Sonniges Wetter löst oftmals eine gehobene Stimmung aus. Eine Stimmungsverbesserung ist immer auch eine Immunstärkung, die aber nicht auf der UV-Strahlung beruht, sondern trotz der UV-Strahlung auftritt.) Das beste Indiz für die Schächung des Immunsystems ist das gehäufte Auftreten von Herpesbläschen an der Lippe nach einem ausgedehnten Sonnenabd: Das Aufflackern einer latent im Körper vorhandenen Herpesinfektion ist ein deutliches Zeichen für eine geschwächte Immunabwehr.
  • UV-Strahlung lässt die menschliche Haut schneller altern. Die Elastizität geht durch Zerstörung der Kollagenfasern verloren, die Haut wird runzelig.
  • Vor allem UV-A-Strahlung führt zur Polymorphen Lichtdermatose (Sonnen“allergie“, Sonnenekzem), einer Erkrankung, die im Frühsommer immer häufiger auftritt.
  • Sonnenbrände werden in erster Linie durch UV-B-Strahlung hervorgerufen. Gehäufte Sonnenbrände im Kindes- und Jugendalter stellen einen erheblichen Risikofakto für die Entwicklung eines schwarzen Hautkrebses (des malignen Melanoms) im späteren Lebensalter dar.
  • Der „weiße Hautkrebs“ hängt direkt mit der Menge an Sonne zusammen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens „getankt“ hat. Wie der schwarze nimmt auch der weiße Hautkrabs in allen westlichen Industrieländer in den letzten Jahrzehnten rapide zu. In Australien, einem Land, in dem eine vorwiegend weiße Bevölkerung einer hoher UV-Bestrahlung ausgesetzt ist, liegt die Rate zehnmal so hoch wie in Europa.
  • Wie der weiße Hautkrebs, so hängt auch der graue Star, die Linsentrübung (Katarakt), direkt von der Lebenszeitdosis an UV-Strahlung ab. Die amerikanische Umweltbehörde schätzt, dass die Zahl der Katarakte um 0,3 bis 0,6 % steigt, wenn die Ozonkonzentration der Atmosphäre um 1 % abnimmt.

Nicht jede Haut ist gleich empfindlich


Der Hauttyp entscheidet, wie empfindlich ein Mensch auf die Sonne reagiert. Hautkrebs und Sonnenbrand sind eine sehr seltene Erscheinung bei den Einwohnern Afrikas und den Ureinwohnern Australiens. Schwarze Haut wird dem Hauttyp VI zugerechnet, während der empfindlichste Hauttyp I einen hellen Teint, rote Haare, helle (blaue) Augen und viele Sommersprossen aufweist. Hauttyp I ist am anfälligsten für Sonnenbrand – braun wird er nie – und Hautkrebs. Typ II ist blond, mit blauen oder grünen Augen. Er wird braun, aber nur langsam – auch er ist noch recht anfällig für die schädlichen Auswirkungen der Sonne. Hauttyp III ist da schon besser dran: Er kann ungberäunt schon fast eine halbe Stunde in der prallen Sonne ohne Sonnenbrand verbringen (zum Vergleich: Hauttyp I: 10 Minuten, Typ II 20 Minuten). Der Hauttyp III ist dunkelblond und hat braune Augen. Noch weniger anfällig ist der Hauttyp IV (dunkle Haare/braune Augen) , er kann er die Sonne (ungewöhnt) 40 Minuten ohne Sonnenbrand ertragen. Typ V entspricht dem arabischen/indischen Hauttyp, seine Haut kann 60 Minuten oder mehr der Sonne trotzen, ohne dass sie sich schmerzhaft rötet.

Die Mehrzahl der Deutschen (über 70 %) lassen sich dem Hauttyp III zuordnen. Die Einteilung in Hauttypen sollte nicht schematisch verwendet werden – die Grenzen sind fließend, Haar- und Augenfarbe Indizien, aber keine Beweise für die Empfindlichkeit gegenüber der UV-Strahlung.

Wie stark brennt die Sonne heute? – Der UV-Index

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagt jeden Tag voraus, wie stark die Sonne die Haut schädigen, wie stark also die UV-Strahlung auf der Erdoberfläche sein wird. Hierzu verwendet er den international akzeptierten UV-Index als Maß. In Deutschland schwankt dieser Index zwischen 0 und 8, im Extremfall erreicht er auch schon mal 9, in den Tropen liegt er zwischen 6 und 13, auf den Gipfeln der Anden können es auch schon mal 16 sein.

Ab einem UV-Index von 3 ist Sonnenschutz für den Menschen zu empfehlen, ab einem Index von 8 sollte man den Aufenthalt im Freien am besten völlig vermeiden.

Schutz vor der Sonne

Der beste Sonnenschutz ist der Schatten. Aber auch der ist nicht vollständig: Immer noch 50 % der UV-Strahlung wirkt auch dort. Besser als Sonnenschutzcreme wirken (blick)dichte Textilien, ergänzt durch einen Hut mit breiter Krempe und einer Sonnenbrille, die UV-Strahlen effektiv absorbiert.

Vor allem bei hohem UV-Index sollte die Sonne zwischen 11 und 15 Uhr gemiedern werden: In dieser Zeit ist die UV-Strahlung am intensivsten.

Sonnencremes schützen, aber nur wenn sie richtig verwendet werden. Häufig werden sie zu dünn aufgetragen oder der Auftrag wird nach dem Baden nicht erneuert. Der Lichtschutzfaktor (LSF) gibt an, wie gut die Haut gegen UV-B-Strahlung geschützt wird. Ein Lichtschutzfaktor von 10 verzehnfacht die Zeit, die man ohne Sonnenschutzmittel UV-B-Strahlung ohne Sonnenbrand ertragen kann. Die Schutzwirkung gegen UV-A wird mit dem Lichtschutzfaktor nicht erfasst! Dennoch sollte man beim Kauf einer Sonnencreme auf den UV-A-Schutz achten, Hautalterung, Sonnenekzem und Förderung des schwarzen Hautkrebses gehen schließlich auf Kosten dieses Anteils der Sonnenstrahlung.

Quellen und Links

Bildnachweis

Pixelio.de: Sonne im Sand, Pixelio.de: Sonnenbrand, Pixelio.de: Sonnenuntergang; Krebsliga der Schweiz: Hauttypen

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Zu heftigen Diskussionen zwischen den Gesundheitspolitikern der regierenden Koalition und den Vertretern der organisierten Ärzteschaft kam es in den letzten Tagen zum Thema Ärztezahlen in Deutschland.

Ärztestatistik 2007

Wie jedes Jahr hatte die Bundesärztekammer die Ärztestatistik für das Jahr 2007 vorgelegt. Das Ergebnis in Kürze:

  • Ende 2007 waren in Deutschland rund 414.000 Ärzte bei den Ärztekammern gemeldet, das sind 1,4 % mehr als im Vorjahr, 315.000 sind als Arzt berufstätig.
  • Rund 2400 Ärzte haben Deutschland im Jahre 2007 verlasen, 77 % davon waren Deutsche, 23 % Ausländer. Am liebsten wanderten die deutschen Ärzte in die Schweiz aus, gefolgt von Österreich und den USA.
  • Die Zahl der nach Deutschland zugewanderten ausländischen Ärzte stieg um 921 oder 4,7 % auf rund 20.000 Ärzte, die meisten kamen aus Österreich, Rumänien, Griechenland und der Slowakei, den größten Anteil am Bestand stellen die Ärzte aus der ehemaligen Sowjetunion.
  • Der Anteil der weiblichen Mitglieder des ärztlichen Berufsstandes nimmt weiter zu: 2007 zählte die Bundesärztekammer 42,4% Ärztinnen, 1996 lag ihr Anteil an der Gesamtärzteschaft nur bei 38 %.

Ulla Schmidt: „Noch nie so viele Ärzte“

Die Bundesminsterin für Gesundheit, Ulla Schmidt, rechnete in einem Brief an die Abgeordneten der Großen Koalition die Abwanderung der deutschen Ärzte ins Ausland mit der Zuwanderung ausländischer Ärzte nach Deutschland auf. Sie sieht insgesamt kein Problem mit der ärztlichen Versorgung in Deutschland, zumal die Zahl der Ärzte insgesamt so hoch liege wie noch nie.

Prof. Hoppe: „Vorhergesagter Ärztemangel längst Wirklichkeit“

Der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Hoppe, verweist in seinem Kommentar auf die Tatsache, dass in den östlichen Bundesländern jede zweite freie Arztstelle im Krankenhaus nicht mehr besetzt werden könne, in den westlichen sei es jede vierte.

„Hausärzte fehlen auf dem Land im Norden und im Osten“

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Köhler, wies vor allem auf die Überalterung der niedergelassenen Ärzteschaft und die jetzt schon bestehende Unterversorgung mit Hausärzten auf dem Lande in Nord- und Ostdeutschland hin.

Marburger Bund: „Volkswirtschaftlicher Irrsinn“

Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke, meinte, dass die Sprachprobleme einem uneingeschränkten Einsatz ausländischer Ärzte in Deutschland entgegenstünden.

„Es ist schlicht volkswirtschaftlicher Irrsinn, für ein Medizinstudium hierzulande rund 250.000 Euro an Steuergeldern aufzuwenden, um die hier teuer und sehr gut ausgebildeten Ärzte dann mit schlechten Arbeitsbedingungen ins Ausland zu vertreiben“, sagte Henke nach einer Meldung des Deutschen Ärzteblattes.

Quellen

Bundesärztekammer: Ärztestatistik 2007

Tagesspiegel: Ärzte wandern aus

Deutsches Ärzteblatt: „Marburger Bund fordert bessere Arbeitsbedingungen gegen Ärzteflucht“

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Beim Menschen treten im wesentlichen drei Arten von Hautkrebs auf: Das Basaliom, das Spinaliom und das Maligne Melanom.

Das Basaliom: Der häufigste und der gutartigste Hautkrebs

Die weitaus häufigste Form ist das Basaliom. Das Basaliom, auch Basalzellkarzinom genannt, tritt zu 80 % im Bereich von Kopf und Hals auf. Besonders häufig betroffen sind ältere Menschen. Hellhäutige haben ein größeres Risiko als dunkelhäutige, rothaarige ein größeres als Menschen mit brauner Haarfarbe. Neben erblicher Veranlagung und einigen krebserregenden Substanzen wie Arsen spielt vor allem die ultraviolette Strahlung durch die Sonne (und Solarien) die größte Rolle bei den Ursachen.

Die genaue Häufigkeit des Basalioms in Deutschland ist nicht bekannt. Sie wird geschätzt auf 50 bis 100 Neuerkrankungen im Jahr pro 100 000 Einwohner. Die Häufigkeit nimmt in der ganzen westlichen Welt zu, das Erkrankungsalter sinkt – es sind immer mehr und immer jüngere Menschen betroffen. Zurückgeführt wird dies meistens auf die veränderten Freizeitgewohnheiten: vermehrtes Sonnenbaden mit viel nackter Haut und Solariumsbesuch.

Das Basaliom entwickelt praktisch nie Metastasen (Tochtergeschwülste). Man stirbt in der Regel nicht an einem Basaliom. Lokal wächst der Tumor zwar zerstörend, er frißt sich immer tiefer durch alle Schichten des Gewebes – ist er aber einmal entfernt, so ist der Patient in der Regel geheilt. Leider ist es oft schwer, ihn im Gesicht zu entfernen, weil dort an vielen Stellen nur wenig „überschüssige“ Haut zur Verfügung steht. Eine rechtzeitige Erkennung des Tumors macht die Operation, die meist ambulant in loakaler Betäubung durchgeführt wird, erheblich einfacher.

An zweiter Stelle: Das Spinaliom, der „Stachelzellenkrebs“

Das Spinaliom wird auch Stachelzellenkrebs, Plattenepithel– oder Spindelzellkarzinom genannt und ist der zweithäufigste Hautkrebs in Deutschland, es sollen rund 25 bis 30 Menschen pro 100 000 Einwohner jedes Jahr an diesem Tumor erkranken. Auch das Spinaliom ist ein recht gutartiger Krebs – er metastasiert spät und selten, aber er verläuft etwas bösartiger als das Basaliom.

Am häufigsten ist das Spinaliom am Kopf zu finden, z.B. an der Unterlippe, auf der Glatze, an der Ohrmuschel oder auf der Stirn. Männer sind doppelt so häufig betroffen wie Frauen, das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 70 Jahren. Wie auch beim Basaliom besteht ein eindeutiger Zusammenhang mit der Hautschädiung durch die Sonne.

Manchmal tritt das Spinaliom aber auch an Stellen auf, die selten von der Sonne beschienen werden: an den äußeren Schamlippen zum Beispiel, an der Eichel des Penis oder in der Mundschleimhaut. Diese Spinaliome verlaufen in der Regel bösartiger, die Humanen Papillomviren (HPV) sollen eine Rolle bei ihrer Entstehung spielen.

Der seltenste, aber der bösartigste Hautkrebs: Das maligne Melanom

Der weitaus seltenste Hautkrebs ist der sogenannte schwarze Hautkrebs oder das Maligne Melanom. Das Maligne Melanom tritt jährlich bei rund 12 Menschen von 100 000 Einwohnern auf, die Sterblichkeit beträgt bei Männern 2,6 pro 100.000 und bei Frauen 1,6 pro 100 000 und Jahr.

Im Gegensatz zu den beiden anderen Hautkrebsarten, die auch als „weißer Hautkrebs“ zusammengefaßt werden, metastasiert der schwarze Hautkrebs sehr viel früher und häufiger. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt weitaus niedriger als beim schwarzen Hautkrebs – Mittfünfziger sind am häufigsten betroffen, Melanome finden sich aber auch schon bei jungen Erwachsenen, 2 % aller Erkrankten sind jünger als 20 Jahre.

Auch bei der Enstehung des malignen Melanoms spielt die UV-Strahlung eine große Rolle: Sowohl die Anzahl der Sonnenbrände in der Kindheit als auch die gesamte UV-Belastung der Haut im Laufe des Lebens sind Risikofaktoren. (Das Melanom entsteht  weitaus häufiger als der weiße Hautkrebs an Stellen des Körpers, die nicht oder nur wenig dem Sonnenlicht ausgesetzt waren.)

Aber auch Menschen mit sehr vielen Muttermalen und solche mit mehreren sehr großen und sonst auch ungewöhnlich aussehenden Muttermalen tragen ein erhöhtes Risiko.

Auch der schwarze Hautkrebs ist, wenn er rechtzeitig erkannt wird, mit einer einfachen Operation – der Entfernung des Tumors – zu heilen. Schwierig wird die Behandlung, wenn er bereits Tochergeschwülste gebildet hat – dann sind z.B. Chemotherapie, Immuntherapie und Bestrahlung notwendig, die Aussicht auf Heilung ist drastisch reduziert.

Ab 1. Juli 2008 gibt es eine neue Hautkrebsvorsorge

Zusammengefaßt gilt für alle drei Hautkrebsarten: Hautkrebs ist in 100 % der Fälle durch eine einfache, ambulant durchzuführende Operation heilbar, wenn er früh genug erkannt wird.

Ab dem 1. Juli 2008 wird eine flächendeckende Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs in Deutschland eingeführt. Diese Untersuchung wird für alle gesetzlich Krankenversicherten angeboten, die älter als 35 Jahre sind, sie sollte alle zwei Jahre wiederholt werden.

Die Hautkrebsvorsorge wird von speziell geschulten Hausärzten und Dermatologen durchgeführt. Bisher haben 10 000 der 45 000 Hausärzte die vorgeschriebenen Kurse besucht.

Bei der Untersuchung wird die gesamte Haut von Kopf bis Fuß inspiziert , für die Versicherten ist die Teilnahme kostenlos.

Quellen und weiterführende Links

P. Altmeyer: Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie, Umweltmedizin, Online Version, Stichworte: Melanom, malignes; Basalzellkarzinom; Karzinom, spinozelluläres

Hautkrebs-Screening.de

Krebsinformationsdienst.de – Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums für Patienten, hier zum Theam Hautkrebs

Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention zum Thema Hautkrebsscreening

Das Robert Koch-Institut in Berlin zum Thema Häufigkeit von Hautkrebs

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Kaffeetrinken schadet vielleicht dem Schlaf, aber nicht der Gesundheit. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Esther Lopez-Garcia und Mitarbeiter von der Universität Madrid jetzt vorlegten.

Sie werteten dabei die Daten zweier großer amerikanischer Studien aus: Die Nurses‘ Health Study untersuchte 84.214 Krankenschwestern, die Health Professionals Follow-up Study 41.736 männliche Angehörige der Gesundheitsberufe. In der spanischen Studie wurden die Antworten zum Kaffeekonsum herangezogen, die die Teilnehmer in der Zeit von 1980 bis zum Jahre 2004 auf die Befragung im Zweijahresrhythmus angaben.

Die Höhe des Kaffeekonsums wurde in Beziehung gesetzt zur Sterblichkeit. Und siehe da: Die Sterblichkeit sank sogar mit der Höhe des Verbrauchs ab! In der Gruppe mit dem höchsten Konsum (6 Becher am Tag) fanden die Untersucher die geringste Sterblichkeit. Vor allem die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Leiden war geringer, während die Rate der tödlichen Krebserkrankungen denen der Kaffee-Verächter entsprach.

Die Unterschiede sind insgesamt gering. Sie reichen aber sicher dazu aus, allen unseren Patienten, die Kaffee vertragen, ihr Lieblingsgetränk auch zu gestatten, auch solchen mit hohem Blutdruck beispielsweise.

Menschen, die bisher noch nie Kaffee getrunken haben, sollten jetzt nicht unbedingt damit anfangen – diese Schlußfolgerung kann aus der Studie nicht gezogen werden. Es ist durchaus denkbar, dass eine dritte, unbekannte Variable im Spiel ist, die sowohl den Kaffeekonsum als auch das längere Überleben fördert.

Quellen

Annals of Internal Medicine, 17 June 2008 | Volume 148 Issue 12 | Pages 904-914, The Relationship of Coffee Consumption with Mortality, (Zusammenfassung auf Englisch)

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Warzen sind gutartige Hauttumore, die durch Viren hervorgerufen werden.
Die verantwortlichen Viren gehören zu den Humanen Papillomviren (HPV), von denen rund 100 Untertypen bekannt sind.

Warzen sind ansteckend, die Viren werden von Mensch zu Mensch übertragen, aber auch von einer Hautstelle zu einer anderen bei ein- und demselben Menschen. Die Inkubationszeit schwankt zwischen einem bis acht Monaten, im Extremfall bis zu 20 Monaten.

Gewöhnliche Warze: Verruca vulgaris

Je nachdem, wie sie aussehen und wo sie auftreten, erhalten die Warzen unterschiedliche Bezeichnungen. Die häufigste Warze ist die gewöhnliche Warze (Verruca vulgaris), die vor allem bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr häufig an den Händen und Füßen auftritt.

Wie sehen Warzen aus?

Gewöhnliche Warzen sind 2 bis 8 mm große Knötchen, sie stehen manchmal alleine, manchmal in Gruppen und sie sind hautfarben oder grau-gelb. Die Oberfläche ist eigentümlich zerklüftet. Das Aussehen ist so typisch, dass man andere Hautveränderungen in der Dermatologie als verrucös – warzenähnlich – beschreibt.

Manchmal schon an der Oberfläche sichtbar, bei stärkerer Verhornung erst in der Tiefe der Warze sind kleine schwarze Punkte zu finden, die von punktförmigen Einblutungen herrühren.

Warzen mit Stiel, flache Warzen

An bestimmten Körperstellen wachsen gewöhnliche Warzen deutlich anders als an Händen und Füßen – in der Nasenschleimhaut z.B. haben sie lange Stiele, an der Lippe sind sie ganz flach.

Warzen an der Fußsohle heißen Dornwarzen

Unter dem Fuß, an der Fußsohle, können Warzen nicht nach außen wachsen. Durch den ständigen Druck des Körpergewichts werden sie zu einem Wachstum nach innen gezwungen. Das Laufen kann durch diese Dornwarzen (Verrucae plantares) schmerzhaft werden.

Sonderfall: Feigwarzen

Im Genitalbereich und rund um den After wachsen bei Mann und Frau gewöhnliche Warzen als Feigwarzen, die auch als Genitalwarzen, Kondylome oder medizinisch als Condylomata acuminata bezeichent werden. Feigwarzen gehören zu den sexuell übertragbaren Krankheiten, sie unterscheiden sich in der Behandlung von den Warzen an anderen Regionen des Körpers.

Dellwarzen: Keine gewöhnlichen Warzen

Nicht zu den gewöhnlichen Warzen zählen die vor allem bei Kleinkindern auftretenden Dellwarzen (Mollusca contagiosa). Sie werden nicht von den Humanen Papillomviren, sondern von den Mollusca Contagiosa Viren (MCV) aus der Gruppe der Pockenviren hervorgerufen. Auch ihre Therapie ist grundlegend anders als die der gewöhnlichen Warze.

Behandlung der gewöhnlichen Warze: Hohe Rate von Spontanheilungen

Gewöhnliche Warzen sind eine sehr häufige Erkrankung mit einer sehr hohen Rate an Spontanheilung. Leider fehlen wirklich aussagekräftige Studien über die exakte Häufigkeit und über den Prozentsatz der Warzen, die ohne jede Behandlung von alleine verschwinden.

Schätzungen besagen aber, dass mehr als dreiviertel aller Menschen in Deutschland irgendwann in ihrem Leben meist in der Kindheit, eine Warze hatten. Weiterhin sollen etwa 65 % alle Warzen nach zwei Jahren ohne Therapie verschwunden sein.

Diese hohe Rate an Spontanheilungen macht es schwer, verschiedene Therapieverfahren hinsichtlich ihrer Wirksamkeit zu beurteilen: War nun die Therapie oder der Zufall verantwortlich für das Verschwinden der Warze?

Für die Behandlung folgt, dass die Verfahren nie so eingreifend sein sollten, dass sie zu Narben oder anderen Komplikationen führen. Operationen sind nach Möglichkeit zu vermeiden, konservative Verfahren oder die Spontanheilung abwarten, das sind bessere Optionen.

Hausmittel: Schlecht untersucht, oft Placeboeffekt wahrscheinlich

Für die Behandlung der Warzen existiert eine Reihe von Hausmitteln. Sie sind zwar nie auf ihre Wirksamkeit hin wissenschaftlich untersucht worden, die hier angeführten sind aber allesamt völlig unschädlich und daher einen Versuch wert.

Ein Placeboeffekt liegt wahrscheinlich vor, wenn Warzen durch Besprechen verschwinden oder dadurch, dass in einer Vollmondnacht eine Schnecke darüber kriecht.

Auch normale Schulkreide, zerrieben und mit einem Pflaster fixiert, ist sicher unschädlich. In die gleiche Kategorie gehört das Betupfen mit Zitronensaft oder einer Mischung aus Salz und Essig (mehrfach täglich).

Auf die gleiche Weise soll Holunderbeersaft, der weiße Saft aus den Blütenstängeln des Löwenzahns oder der Saft des Schöllkrauts sowie frischer Knoblauch wirken.

Vom Teebaumöl ist eher abzuraten, zu häufig sieht man schwere Allergien nach der Anwendung.

Bananenschale: Die weiße Seite zur Haut geklebt

Vor allem bei Kindern scheint nach Einzelbeobachtungen die Bananenschale zu helfen. Ein Stückchen der Schale (möglichst Biobanane verwenden) wird mit der weißen Seite auf die Warze geklebt, z.B. mit Leukoplast®. Nach 24 Stunden wird der Verband erneuert, aufgelöste Warzenbestandteile werden vorher vorsichtig mit einem stumpfen Gegenstand oder einem Bimsstein entfernt.

Höllenstein: Silbernitrat ätzt und macht schwarze Flecken

Silbernitrat (Argentum nitricum) ist als Höllensteinsteinstift in der Apotheke frei erhältlich. Mit ihm kann man Warzen verätzen. Aber Vorsicht: der Stift macht schwarze Flecken – in der Haut, in der Kleidung und anderswo. Für Warzen an den Händen ist er also vielleicht nicht so das Mittel der Wahl.

Der Höllensteinstift trägt eine Wachsbeschichtung, die vor der ersten Anwendung an der Spitze mit einem scharfen Messer vorsichtig entfernt werden muss. Die Wirkung tritt erst auf, wenn etwas Wasser vorhanden ist, die Spitze muss etwas angefeuchtet werden – am besten indem der Stift in einem Glas Wasser eingetaucht wird (auch hier: Vorsicht Flecken!).

Am besten untersucht: Salicylsäure

Am besten untersucht sind Behandlungen mit Salicylsäure, die rezeptfrei als Pflaster und Tinkturen erhältlich sind. Die Erfolgsraten liegen bei 73 %, in den Kontrollgruppen mit Placebo oder ohne Behandlung bei 48 %.

Ebenfalls gut untersucht sind Präparate, die aus einer Kombination von Salicylsäure und Fluorouracil (z.B. Verrumal®) bestehen.

Cremes, die eine Kombination aus Dithranol und Salicylsäure enthalten, erwiesen sich in einer Studie ebenfalls als wirksam.

Nach Möglichkeit sollten die obersten Schichten der Warze zu Beginn und im Verlauf der Behandlung immer wieder – möglichst unblutig – abgetragen werden. Das Aufweichen der Warze durch ein warmes Fußbad erleichtert die Entfernung der obersten Hornschicht, durch die die Warze immer wieder vor dem Einwirken des Medikaments geschützt wird. Auch eingetrocknete Reste des aufgetragenen Medikaments müssen nach Möglichkeit entfernt werden, bevor neuer Wirkstoff aufgetragen wird.

Bei jeder Warzenbehandlung ist Geduld erforderlich

Die Reaktion auf die Behandlung setzt sehr langsam ein, zwar ist die Zeitdauer im Einzelfall sehr unterschiedlich, aber vor zwei Monaten ist in der Regel kein Erfolg zu erwarten.

Imiquimod (in Deutschland als Aldara® Creme im Handel) scheint wirksam zu sein, angesichts des sehr hohen Preises und der dürftigen Beweislage kommt es heute eher bei der Behandlung der ansonsten schwierig zu behandelnden Feigwarzen zum Einsatz.

Etwas schmerzhaft: Laser und Vereisen

Schmerzhaft ist das Vereisen mit flüssigem Stickstoff oder eine Behandlung mit dem Kohlendioxid- oder Farbstoff-Laser, manchmal ist eine Lokalanästhesie erforderlich. Die Behandlung mit dem Laser ist sehr teuer und nicht eindeutig den anderen Verfahren überlegen. Er kommt in erster Linie zum Einsatz, wenn die sehr hartnäckigen und manchmal schmerzhaften Warzen der Fußsohle jeder anderen Behandlung trotzen.

Operation: Narben und Rückfallgefahr

Eine chirurgische Behandlung mit tiefer Ausschneidung der Warzen wird heute meist abgelehnt. In bis zu 80 % der Fälle kommen die Warzen wieder, es entstehen Narben, die vor allem an den Fußsohlen ein Leben lang Beschwerden bereiten können.

Vorsicht – Verwechselungsgefahr

Viele andere Hauterkrankungen, darunter auch bösartige, können für den Laien so aussehen wie Warzen. Im Zweifelsfall suchen Sie daher immer ihren Hausarzt auf. Kann er die Diagnose nicht auf den ersten Blick stellen, wird er eine Probe entnehmen oder Sie zu einem Spezialisten (Hautarzt) überweisen.

Quellen und weiterführende Links

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Eine gestern im British Medical Journal veröffentlichte englische Studie zeigt eine hohe Komplikationsrate beim Bodypiercing. Body – das waren in der Untersuchung alle Körperstellen außer dem Ohrläppchen.

Befragt wurden 10 503 Briten aus allen Regionen, 10 % aller Erwachsenen über 16 Jahre hatten sich an verschiedenen Körperregionen piercen lassen. Am häufigsten trugen junge Frauen zwischen 16 und 24 fest installierten Körperschmuck – fast jede zweite hatte sich so verzieren lassen.

31 % aller Gepiercten berichteten über Komplikationen, 15 % suchten deswegen den Arzt auf und 0,9 % mußten ins Krankenhaus. Blutungen, Infektionen und Schwellungen waren die häufigsten Beschwerden.

Quelle

BMJ: Body piercing in England: a survey of piercing at sites other than earlobe

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Der HbA1 – Wert ist jedem interessierten Diabetiker bekannt: Er spiegelt den Blutzuckerwert der letzten zwei bis drei Monate wieder. Der Zielwert des HbA1 für die Einstellung des Erwachsenen (Typ II) – Diabetes liegt nach den deutschen Leitlinien unter 7 %, die berühmte St. Vincent Deklaration – 1989 von führenden Diabetes Experten unter Schirmherrschaft der WHO erstellt – fordert schon weniger als 6,5 %.

In diesen Tagen wurden auf der 68. Tagung der Amerikanischen Diabetes Vereinigung die Ergebnisse der ACCORD – Studie vorgestellt. Sie führte zu angeregten Diskussionen darüber, ob die angestrebten HbA1-Zielwerte für die Typ II -Diabetiker nicht ein wenig zu ehrgeizig sind und möglicherweise mehr schaden als nutzen.

ACCORD-Studie: Aggressive Behandlung schädlich?

Die ACCORD Studie wurde in den USA und Kanada durchgeführt, an ihr nahmen mehr als 10.000 Typ II – Diabetiker mit hohem Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen teil. In der Studie sollte untersucht werden, ob die Senkung des HbA1 auf unter 6 % (den Normalwert des Gesunden!), die intensive Behandlung des Blutdrucks und/oder die Senkung der Bluttfette die bekannte erhöhte Anfälligkeit der Diabetiker für Herzinfarkte und Schlaganfälle senken könnte.

Vorzeitige Beendigung der radikalen HbA1 Senkung

Geplant war eine Studiendauer von 5,6 Jahren für alle Studienarme. Der Studienarm mit der Untergruppe „radikale HbA1 – Senkung“ wurde nach 3,5 Jahren vorzeitig beendet, weil die Studienteilnehmer in diesem Arm häufiger verstarben als ihre Kontroll-Probanden, deren HBA1 „nur“ auf Werte von 7 bis 7,9 % gesenkt wurde.

In der aggressiv behandelten Gruppe verstarben 5 % der Teilnehmer, während dieses Schicksal nur 4 % der „mild“ Behandelten traf. (In absoluten Zahlen: 257 Tote in der strengen Gruppe gegenüber 203 in der Standardgruppe in drei Jahren und einem halben – macht einen Unterschied von 54 Todesfällen.)

Es war nach statistischer Analyse unwahrscheinlich, dass dieser Unterschied auf Zufall beruht. Aus ethischen Gründen wurde daher die radikale Strategie komplett verlassen.

Die Experten können nach gründlicher Analyse keinen Grund für die Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppen geben.

ADVANCE-Studie: HbA1-Senkung schützt die Nieren

Die ADVANCE – Studie, international kurz zuvor durchgeführt in Europa, Asien, Australien, Neuseeland und Amerika, hatte mehr als 11.000 Teilnehmer. Auch hier wurde in einer Untergruppe angestrebt, das HbA1 unter 6,5 % zu senken. Resultat: Typ II – Diabetiker mit einer intensiven Therapie hatten die gleiche Rate an Herzinfarkten/Schlaganfällen wie die laxer therapierten. Allerdings konnte die Häufigkeit von Nierenkomplikationen um 21 % gesenkt werden – im Gegensatz zur ACCORD – Studie lohnte sich eine intensive Blutzuckersenkung also durchaus!

ADVANCE: Blutdrucksenker wirkt herzschützend für Diabetiker

Bereits vorher war ein anderes Ergebnis der ADVANCE-Studie veröffentlicht worden: Durch die Gabe eines ACE-Hemmers in Kombination mit einem Diuretikum kann die Rate von Herzinfarkten und Schlaganfällen bei Typ-II Diabetikern um 9 % gesenkt werden, unabhängig von der Höhe des Blutdrucks. (ACE-Hemmer in Kombination mit einem wassertreibenden Mittel wurden bisher zur Behandlung des Bluthochdrucks eingesetzt.)

Wie weit muss der HbA1 jetzt runter?

ACCORD und ADVANCE werden die Diskussion unter den Experten sicherlich noch einige Zeit anheizen. Warum führte in der einen Studie die energische Behandlung zu vermehrter Sterblichkeit, in der anderen jedoch nicht? Sofort ins Auge springt die Zahl der verwendeten Medikamente: Die ACCORD – Patienten in der Gruppe mit dem niedrigen HbA1 erhielten weitaus häufiger (zu 52%) drei und mehr Medikamente zur Behandlung als die Teilnehmer der Kontrollgruppe (nur 16 % erhielten drei und mehr). Waren Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten die Ursache der erhöhten Sterblichkeit?

Ein anderer Unterschied: Der neue Wirkstoff Rosiglitazon wurde von 90 % der HbA1-ACCORD – Besten genommen, aber nur von 58 % der Vergleichsgruppe und von nur 20 % der ADVANCE-Teilnehmer. Rosiglitazon steht aber im Verdacht, schädlich fürs Herz zu sein – so darf es z.B. bei Herzschwäche nicht eingesetzt werden. „Völlig überinterpretiert – das geben die Studienergebnisse nicht her“ – sagen die Experten.

Wir hoffen auf neue Ergebnisse zum Wohl der Patienten und werden (aus vielen Gründen) den bisherigen Kurs (vorerst) beibehalten.

Quellen und Links

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Impotenz ist der umgangssprachliche Begriff für die fehlende oder mangelnde Erektionsfähigkeit des Penis. Das männliche Glied wird nicht groß oder steif genug, um einen befriedigenden Geschlechtsverkehr zu ermöglichen.

Das Wort Impotenz kommt vom lateinischen Impotentia und bedeutet so viel wie Unvermögen. Um den negativen Beigeschmack dieser Diagnose zu vermeiden und um das Problem exakter auf den Punkt zu bringen, spricht man in der Medizin meist von der erektilen Dysfunktion, abgekürzt e.D..

Ein „gelegentliches Versagen“ ist noch keine e.D. sondern ein völlig normaler Vorgang, der ohne jeden Grund oder z.B. bei Müdigkeit und Stressbelastung häufiger auftritt. Sechs Monate Dauer, dabei in 70 % der Versuche kein befriedigender Geschlechtsverkehr möglich – so lautet etwa die Definition der Deutschen Gesellschaft für Urologie.

Häufigkeit: Wie viele Männer sind betroffen?

Die Angaben über die Häufigkeit schwanken sehr stark, liest man die unterschiedlichen Untersuchungen zum Thema. In der international angelegten Males – Studie , veröffentlicht im Jahre 2004, wurde eine durchschnittliche Häufigkeit in allen Ländern von 16% im Alter von 20 bis 75 Jahren angegeben, sie schwankte von 22 % in den Vereinigten Staaten bis hin zu 10 % in Spanien. 1998 fand eine Kölner Untersuchung eine Häufigkeit (Prävalenz) von 19 % bei Männern im Alter zwischen 30 und 80 Jahren. Allerdings: Nur ein gutes Drittel der Betroffenen – 6,9 % – leiden unter diesem Mangel, natürlich sind nur diese Männer behandlungsbedürftig.

Je älter der Mann, um so häufiger tritt die e.D. auf: Berichteten (in der Kölner Studie) nur 2 % aller Befragten im Alter von 30 bis 39 Jahren von Schwierigkeiten, so taten dies 53 % im Alter von 70 bis 80. Weniger stark stieg die Anzahl der therapiebedürftigen Patienten, nämlich nur von 1,1 % in der Gruppe 30 bis 39 Jahre bis auf 7,7 % in der Gruppe der befragten Männer im Alter zwischen und 70 Jahren.

Nur etwas mehr als die Hälfte aller betroffenen Männer, die unter der e.D. leiden, sucht den Arzt auf.

Was sind die Ursachen?


  • 20 % aller Fälle sind auf Gefäßprobleme zurückzuführen: Arteriosklerose, Rauchen oder ein venöses Leck verhindern eine ausreichende Füllung mit Blut oder führen zu einem vorzeitigen Abstrom bei der Venenleckage.

  • Nervenerkrankungen finden sich in einem weiteren Fünftel der Fälle: Nervenschädigungen durch einen Diabetes mellitus, zuviel Alkohol oder eine Multiple Sklerose wirken sich negativ aus. Operationen oder Unfälle können für die Erektion wichtige Nerven im Bereich des Beckens oder der Wirbelsäule beschädigen.
  • Auch ohne nachweisbaren Nervenschaden kann Alkohol eine e.D. verursachen: Der Verzicht auf Alkohol verbessert die Potenz in der Hälfte aller Fälle, bei rund 20 % ist einzig und allein zuviel Alkohol die Ursache für die fehlende Erektion.

  • Psychische Faktoren – früher als Hauptursache angesehen – dürften nach heutigen Erkenntnissen für ein Fünftel aller Fälle von Erektionsproblemen verantwortlich sein. Allerdings spielen bei allen betroffenen Männern psychische Probleme eine Rolle – das Selbstgefühl sinkt und es kann zu Störungen in der Paarbeziehung durch die e.D. des Mannes kommen.
  • Hormonelle Störungen – beispielsweise ein Mangel an männlichem Geschlechtshormon oder eine Unterfunktion der Schilddrüse sind für 10 % verantwortlich. Eine Erhöhung des Prolaktinspiegels kann ebenfalls zu Potenzproblemen führen, selbst bei normalem Testosteronwerten – der genaue Mechanismus ist unbekannt.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten werden bei weiteren 10 % als Ursache gefunden. Die Reihe von möglichen Kandidaten ist lang: Vor allem Mittel gegen Bluthochdruck, Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie Psychopharmaka spielen in der täglichen Praxis eine große Rolle. (Beim Bluthochdruck sollte man nicht vergessen, dass der Bluthochdruck selbst ein Auslöser von Potenzstörungen sein kann. Die sogenannten ACE-Hemmer und Calciumantagonisten sollen weniger Potenzstörungen verursachen.)

Welche Untersuchungen sind notwendig?

Die Erhebung der Vorgeschichte und eine gründliche körperliche Untersuchung bilden die Basis. Blutzucker, Blutfette, Kreatinin (Nierenfunktion), Testosteron und Prolaktin werden im Blut untersucht. Je nach Verdacht helfen weitere Laboruntersuchungen, z.B. die Bestimmung der Schilddrüsenwerte.

Diese Basisuntersuchungen sollten in der Mehrzahl der Fälle eine tragfähige Diagnose ermöglichen, Patienten über 50 können in Diagnostik und Therapie weiterhin von ihrem Hausarzt versorgt werden. Jüngere Patienten unter 50 sollten nach der hausärztlichen Basisabklärung einmal gründlich beim Facharzt für Urologie untersucht werden.

Therapie: Was kann man tun?

Risikofaktoren stoppen

Verzicht auf Alkohol und Nikotin, Einstellung von Blutzucker, Blutdruck und Blutfetten sind die Basis jeder Impotenzbehandlung.

Die Viagra®-„Revolution“

Sildenafil wurde 1998 von der amerikanischen Firma Pfizer unter dem Namen Viagra® auf den Markt gebracht und sorgte für eine Revolution der therapeutischen Möglichkeiten. Sildenafil wirkt bei annähernd 75 % der Patienten bei meist tolerablen Nebenwirkungen.

Kein Lifestyle-Medikament: Tödliche Zwischenfälle

Als Lifestylemedikament ist Sildenafil trotzdem nicht geeignet. Immer wieder wird von Todesfällen infolge eines plötzlichen Herztodes, eines Herzinfarkts oder anderer akuter Herzerkrankungen berichtet, in den kontrollierten Studien vor der Zulassung kam es nach Berichten des Arzneitelegramms „zu einem Todesfall bei einem von 200 bis 500 Anwendern“. Besonders häufig (aber nicht nur) tritt ein solcher Zwischenfall auf, wenn der Patient gleichzeitig ein sogenanntes „Nitrat“ eingenommen hat. Nitrate nennt man eine Gruppe von Medikamenten zur Behandlung von Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefässe.

Hör- und Sehstörungen

Über Sehstörungen wie Schleiersehen, Störungen der Farbwahrnehmung (Blausehen) berichten 11 % der Patienten, nachdem sie die allgemein übliche Dosis von 50 bis 100 mg eingenommen haben. Diese Art von Sehstörung bildet sich wieder zurück, wenn die Wirkung des Medikaments abklingt. In seltenen Fällen wurde aber auch von dauerhaften Seh- und Hörstörungen berichtet.

Verstopfte Nase, rotes Gesicht

Recht häufig aber harmlos sind dagegen das Gefühl der verstopften Nase, eine Rötung des Gesichts, Kopfschmerzen, Schwindel und Herzklopfen.

Wer darf kein Viagra® nehmen?

Patienten mit schweren Herzerkrankungen, nach kürzlich zurück liegendem Herzinfarkt oder Schlaganfall und bestimmten Augenerkrankungen sollten kein Viagra® einnehmen.

Vorsicht: Schwarzmarkt!

Auf keinen Fall sollte auf dubiose Angebote aus dem Internet zurückgegriffen werden: Viele der angebotenen Präparate enthielten gar keine wirksame Substanz, andere waren höher dosiert als angegeben. Jeder Mann, der Viagra® einnehmen will, sollte zuvor mit seinem Hausarzt darüber sprechen, ob dieses Medikament für ihn geeignet ist und welche Vorsichtsmaßnahmen er persönlich einhalten sollte.

Levitra® und Cialis® – die Viagra®-Nachfolger

Nach dem riesigen Erfolg von Viagra® kamen 2002 und 2003 Tadalafil (Cialis®) und Vardenafil (Levitra®) auf den Markt. Sie haben den gleichen Wirkmechanismus wie Sildenafil (Viagra®), aber eine längere Wirkdauer. Bisweilen ist dies von Vorteil – sexuelle Aktivität kann sich so spontaner entfalten und ist nicht auf ein enges Zeitfenster beschränkt. Von Nachteil ist diese längere Wirkdauer aber dann, wenn Nebenwirkungen auftreten. Wird der empfohlene Zeitabstand bei der Einnahme einer weiteren Tablette unterschritten, kann es zu einer Anhäufung (Kumulation) mit deutlich erhöhter Häufigkeit und Schwere der Nebenwirkungen kommen.

Hoher Preis

Nachteil aller dieser drei Medikamente, die nach ihrem Wirkmechanismus Phosphodiesterasehemmer (PDE-Hemmer) genannt werden, ist ihr hoher Preis. So kosten vier Tabletten Cialis® 20mg 61,99 €, vier Tabletten Levitra® 20mg 60,98 € und vier Tabletten Viagra® 100mg 60,32 € (Apothekenpreise in Deutschland laut Roter Liste online, Juni 2008). Mit sinkenden Preisen ist wohl erst nach Ablauf der weltweiten Patente auf die Herstellung von Viagra® in den Jahren 2011 – 2013 zu rechnen.

SKAT: Schwellkörperautoinjektionstherapie

Patienten, die nicht auf die Therapie mit PDE-Hemmern ansprechen oder die solche Medikamente nicht einnehmen dürfen, können in bis zu 95 % der Fälle noch erfolgreich mit der Schwellkörper-Auto-Injektions-Technik (SKAT) behandelt werden. Dabei injiziert sich der Patient vor dem Geschlechtsverkehr ein Medikament, meist Alprostadil (Prostaglandin PGE1), selbst in den Schwellkörper des Penis.

Alprostadil führt zu einer Entspannung der glatten Blutgefäßmuskulatur, dadurch strömt vermehrt Blut in die Schwellkörper.

Schmerzen und Blutergüsse, Priapismus

Nebenwirkungen sind Schmerzen und Blutergüsse. Eine Dauererektion, der sog. Priapismus, muß dringend behandelt werden, wenn dieser Zustand länger als vier Stunden anhält. Durch die Punktion von Blut aus dem Schwellkörper oder der Injektion von geeigneten Gegenmitteln lässt sich diese gefährliche Komplikation beben und eine dauerhafte Schädigung des Schwellkörpergewebes verhindern.

MUSE: „SKAT ohne Spritze“

Alprastodil steht auch in der Form von Stäbchen zur Verfügung , die in die Harnröhre eingeführt werden (Handelspräparat: Muse® – Abk. von medicated urethral system for erection). Wirkung und Nebenwirkungen ähneln der SKAT.

Testosteron: Bei Mangel hilfreich, aber kein Wundermittel

Wenn ein Mangel an männlichem Geschlechtshormon nachgewiesen werden konnte, dann kann auch der Ersatz von fehlendem Testosteron die e.D. bessern. Die Wirkung ist insgesamt aber eher schwach ausgeprägt, am ehesten ist eine Verstärkung der anderen Therapiemaßnahmen zu erwarten.

Rein mechanisch: Das Vakuum

Die Vakuumtherapie funktioniert ganz mechanisch: Zunächst wird ein Zylinder über den Penis gestülpt und durch Abpumpen des Zylinders ein Unterdruck erzeugt – das Blut strömt, passiv dem Unterdruck folgend, in das männliche Glied und erzeugt die Erektion. Der vorzeitige Abfluss wird durch einen elastischen Ring an der Penisbasis verhindert. Schmerzen sind eine häufige Nebenwirkung.

Operationen: Gefäße und Penisprothese

Operationen an den Schlagadern und Venen des Penis werden immer seltener durchgeführt, die neuen Medikamente zeigen bessere Ergebnisse.

Wenn alle genannten Behandlungsverfahren keinen Erfolg zeigen, dann kommt das Einsetzen einer Penisprothese in Frage. Einfach einzusetzen sind biegsame Prothesen aus Silikonstangen, der Nachteil ist eine ständige Erektion. Die Operation ist komplizierter und sie sind störanfälliger, hydraulische Systeme sind aber wesentlich komfortabler. Sie werden aus Pumpe, Wasserbehälter, unter der Haut verlegten Schläuchen und dem eigentlichen Implantat zusammengesetzt.

Quellen und weiterführende Links

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Den Ausverkauf des deutschen Gesundheitswesens an Kapitalgesellschaften befürchtet der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbands Wolfgang Hoppenthaler. Hoppenthaler sagte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung:

„Sogenannte Medizinische Versorgungszentren mit angestellten Ärzten sollen überall auf der grünen Wiese als Patientenlieferanten für deren Klinikketten entstehen und erst uns Hausärzte und dann auch die niedergelassenen Fachärzte ersetzen. Über die Versorgungszentren wird man dann die Betten der konzerneignen Kliniken füllen. Der Patient wird zum Objekt der Wertschöpfung, Gesundheit und Krankheit verkommen zur Ware.“

Abgeordnete durchschauten unser komplexes Gesundheitssystem nicht und nickten alle Gesetzesänderungen ab, die den Umbau dieses Systems nach dem amerikanischen Vorbild bewirken sollen, das Hoppenthaler das unsozialste und teuerste Gesundheitssystem der Welt nannte.

Der bayerische Hausärzteverband ruft zu einer Protestdemonstration der Patienten gegen die aktuelle Gesundheitspolitik auf. Der Vorsitzende des Verbandes erwartet für die Protestveranstaltung am morgigen Samstag, dem 7.6.2008 im Münchener Olympiastadion über 30.000 Patienten. Die Veranstaltung soll um 11:00 beginnen.

Nachtrag vom 8.6.2008: 25.000 sind gekommen

Von 25.000 Teilnehmern – Hausärzten und Patienten – spricht der Bayerische Rundfunk auf seiner Homepage – eine beachtliche Teilnehmerzahl.

Quellen

Interview der Süddeutschen Zeitung mit Walter Hoppenthaler 06.06.2008, 15:45

Bayerischer Hausärzteverband

Patient informiert sich.de mit Aufruf zur Veranstaltung im Olympiastadion

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Von Bettnässen (Enuresis nocturna) spricht man, wenn ein Kind nach seinem fünften Geburtstag nachts sein Wasserlassen noch nicht kontrollieren kann und regelmäßig sein Bett nass macht. Bettnässen ist weitaus häufiger, als viele Eltern oder betroffene Kinder glauben, im Alter von fünf Jahren sind nach verschiedenen Untersuchungen zwischen 15 und 25 % aller Kinder noch nicht trocken.

Primäres Bettnässen beschreibt den Zustand, dass ein Kind noch nie richtig trocken war, während sekundäres Bettnässen definitionsgemäß nach einer mindestens sechsmonatigen Trockenperiode auftritt.

Primäres Bettnässen hat fast nie psychische Ursachen, bei sekundärem Bettnässen kommt dies häufiger vor. Auch körperliche Erkrankungen sind sehr selten die Ursache der primären Enuresis, bei der sekundären Form ist die Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung der Nieren, der Blase oder eines Diabetes mellitus viel höher.

Die genauen Ursachen des Bettnässens sind nicht bekannt, die familiäre Veranlagung spielt eine große Rolle.

Bettnässen kann eine große psychische Belastung für die betroffenen Kinder und ihre Eltern bedeuten. Bevor man eine Therapie beginnt, sollte immer auch bedacht werden, dass sich das Problem in den allermeisten Fällen von alleine löst: Pro Jahr werden 15 % aller Bettnässer auch ohne Therapie trocken, allerdings nässen auch nach dem 18. Lebensjahr immer noch 1 % regelmäßig ein.

Wirksam sind eine Behandlung mit Klingelhose / Klingelmatte und mit dem Antidiuretischen Hormon (ADH). Die Behandlung mit dem Antidepressivum Imipramin ist zwar ebenfalls effektiv, aber umstritten wegen der Nebenwirkungen.

Ursachen

Viele Bettnässer:

  • schlafen tief und fest, sie werden nicht von der vollen Blase und auch von anderen Störungen wie z.B. Lärm nicht so leicht geweckt,
  • produzieren nachts ungewöhnlich viel Urin,
  • haben Eltern oder andere nahe Verwandte, die ebenfalls spät trocken wurden.

Andere Ursachen sind dagegen selten: Ein Diabetes mellitus kann zum Bettnässen führen, ebenso eine Blasenentzündung oder eine Verstopfung, bei der harter Stuhlgang im Enddarm die Blase reizt.

Diagnose

Aus der Vorgeschichte und mit einer einfachen körperlichen Untersuchung können schon eine Reihe recht seltener Ursachen ausgeschlossen werden. Eine Untersuchung des Urins schließt eine Blasenentzündung und eine Zuckerkrankheit aus, eine Ultraschalluntersuchung von Niere und Blase angeborene Mißbildungen.

Therapie

Bevor man mit der Behandlung beginnt, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass das Problem Bettnässen in der Regel von alleine verschwindet. Bei Kindern unter 5 Jahren und wenn das Kind weniger als einmal pro Woche einnässt, ist Abwarten die beste Therapie.

Auf jeden Fall sollte die Eltern Strafen vermeiden, es nutzt nichts und führt zu weiteren, psychischen Problemen.

Die wirksamste Behandlungsmethode sind sogenannte Alarmgeber, also Klingelhose oder Klingelmatte. Eine Sensor spürt die Feuchtigkeit, wenn das Kind nachts einnässt und gibt einen akustischen Alarm. Dadurch soll das Kind aufgeweckt und ein Lernprozess in Gang gesetzt werden: „Bei voller Blase wache ich auf!“.

Die Anwendung dieser Alarmgeräte erfordert viel Geduld bei Eltern und Kind. Bettnässer schlafen fest, oft wird das Kind zu Anfang gar nicht wach, die Eltern müssen es wecken. Der Erfolg stellt sich erst nach Wochen oder Monaten ein.

Schneller hilft Desmopressin, eine Substanz die wie das körpereigene ADH wirkt. Desmopressin wird nur noch in Tablettenform verabreicht, das früher übliche Nasenspray zeigte zu viele Nebenwirkungen. Desmopressin führt zu einer geringeren Urinproduktion in der Nacht. Nach der Einnahme von Desmopressin am Abend darf das Kind nichts mehr trinken, sonst ensteht eine Wasservergiftung, die sich durch Kopfschmerzen, aber auch durch Krampfanfälle und Bewußtlosigkeit äußern kann.

Desmopressin ist das ideale Medikament, wenn das Kind im Kindergarten oder bei Freunden übernachten will oder die Klassenfahrt ansteht. Ansonsten kommt es auch zum Einsatz, wenn es mit der Klingelhose nicht klappt, weil z.B. Kind und Eltern nicht aufwachen.

Antidepressiva wie Immipriamin wurden früher eingesetzt, weil man einen psychischen Hintergrund des Bettnässens vermutete. Die Wirkung der Antidepressiva beruht aber nicht auf ihrer Wirkung auf die Psyche, in der Tat ist der Wirkmechanismus im einzelnen unbekannt. Da die Nebenwirkungen aber zum Teil erheblich sind, wird diese Therapie nicht mehr so häufig eingesetzt.

Quellen

Deutschlandfunk – Sprechstunde – Radiolexikon Bettnässen

eMedicine: Enuresis (engl.)

Cochrane Review, Zusammenfassung zur Behandlung auf Deutsch

NHS Health Encyclopaedia: Bedwetting(engl.)

Evidence based Medicine – Guidelines für Allgemeinmedizin, Deutscher Ärzteverlag 2007, Online Version (kostenpflichtig): Kindliche Enuresis, 12.05.2007

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