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Archive for Juli 7th, 2008

Sterbehilfe

Sterbehilfe, das sind alle Handlungen eines Arztes oder anderer Menschen, die einen schwer Kranken auf seinen eigenen Wunsch hin vorzeitig sterben lassen. Manchmal, aber selten, wird unter Sterbehilfe auch die Linderung der Beschwerden, die mit dem Sterben verbunden sind, verstanden.

Passive und indirekte Sterbehilfe
Die sogenannte passive Sterbehilfe besteht darin, dass der Arzt bestimmte Behandlungsmaßnahmen, die das Leben verlängern könnten, nicht durchführt. Oft nimmt der Arzt in Kauf, dass Medikamente zur Schmerzlinderung das Leben verkürzen können, solche Handlungen werden indirekte Sterbehilfe genannt.

Euthanasie: Aktive Sterbehilfe

Bei der aktiven Sterbehilfe gibt der Arzt dem Patienten ein Gift, um ihn damit zu töten. Die aktive Sterbehilfe wird auch Euthanasie genannt. Das Wort Euthanasie stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie schöner Tod. Menschen, die der Ansicht sind, die aktive Sterbehilfe sollte in Deutschland zugelassen werden, hören das Wort Euthanasie in diesem Zusammenhang nicht gern. Es erinnert zu sehr an die Tötung von geistig und körperlich Behinderten und seelisch Kranken zur Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945. Im Ausland, z.B. in Holland ist aber die Bezeichnung Euhanasie für die aktive Sterbehilfe weit verbreitet.

Aktive Sterbehilfe in Deutschland verboten

Die Euthanasie ist in Deutschland verboten. Kann die Einwilligung des Patienten nachgewiesen werden, wird sie als Tötung auf Verlangen nach § 216 des Strafgesetzbuchs bestraft. Das Strafmaß für die Tötung auf Verlangen liegt zwischen sechs Monaten und fünf Jahren Gefängnis. Der Arzt darf in der Regel seinen Beruf lebenslang nicht weiter ausüben.

Kann die Einwilligung des Patienten zur Tötung durch den Arzt nicht sicher nachgewiesen werden, dann wird die Euthanasie als Totschlag (fünf Jahre bis lebenslänglich Gefängnis) bestraft. Kommen niedere Beweggründe wie Mordlust oder Habgier ins Spiel, dann kommt nur die lebenslange Freiheitsstrafe für Mord in Frage.

Wille des Patienten ist entscheidend

Etwas schwieriger für den Richter zu beurteilen sind die passive und die indirekte Sterbehilfe. Der Fall liegt recht eindeutig, wenn der Patient seinen Willen äußern kann und er selbst bestimmt hat, dass die Behandlung nicht mehr weitergeführt werden soll. Der Arzt muß in einem solchen Fall auf jeden Fall dem Willen des Patienten folgen. Tut er das nicht und behandelt den Patienten gegen seinen Willen weiter, dann begeht er eine Körperverletzung. Dem Wunsch des Patienten nach Abbruch der Behandlung muß der Arzt auch dann folgen, wenn die Therapie den Patienten voraussischtlich heilen könnte.

Hat ein Helfer ein Gift besorgt, das der Patient selbst einnimmt, dann wird der Helfer nicht bestraft. Schließlich ist Selbstmord in Deutschland nicht verboten, somit kann auch die Beihilfe zum Selbstmord nicht bestraft werden. Für Ärzte ist die Rechtslage unklar: Zumindest verstoßen sie möglicherweise gegen das Standesrecht, wenn sie ein Gift zur Selbsttötung verordnen.

Bleibt der Helfer beim Patienten und unternimmt nichts, nachdem er durch das Gift bewußtlos wurde, dann kann er wegen unterlassener Hilfeleistung verurteilt werden.

Wenn der Patient sich nicht mehr äußern kann…

Was aber, wenn der Patient seinen Willen nicht mehr äußern kann? Wenn eine Patientenverfügung vorliegt, dann kann diese dem behandelnden Arzt als Richtlinie dienen. Allerdings: Es muß sichergestellt sein, dass die Patientenverfügung den aktuellen Willen des Patienten widerspiegelt. Zweifel können aufkommen, wenn die Patientenverfügung schon sehr alt ist oder den konkreten Fall, die konkrete Erkrankung mit ihren besonderen Umständen, nicht berücksichtigt.

Im Zweifelsfall muss sich der behandelnde Arzt an das zuständige Gericht wenden. Das gilt auch dann, wenn ein Betreuer verlangt, die Behandlung abzubrechen und der Patient selbst sich nicht äußern kann.

Euthanasie in den Niederlanden erlaubt

In den Niederlanden ist die Euthanasie seit April 2002 gesetzlich erlaubt. Es gibt bestimmte Regeln, an die sich der ausführende Arzt halten muß. Dazu gehört unter anderem die Meldung jeder Euthanasie an die Behörden. Im Jahr 2005 wurden 1993 Euthanasien gemeldet. Aber selbst die holländische Regierung vermutet, dass eine Vielzahl der Ärzte der Meldepflicht nicht nachkommt, Schätzungen gehen von rund 4000 Fällen im Jahr aus.

In manchen Fällen sollen auch Euthanasien ohne Einwilligung des Patienten durchgeführt worden sein. Meldungen hierüber veranlasste manche ältere niederländische Bürger, einen Ausweis bei sich zu tragen, in dem sie Sterbehilfe für sich ausdrücklich ablehnen.

Die überwiegende Mehrheit der niederländischen Bevölkerung und auch der Ärzteschaft sind aber mit der Regelung der Euthanasie in ihrem Land einverstanden.

Mehrheit der Deutschen für aktive Sterbehilfe

In Deutschland wünscht sich die Mehrheit (mehr als 70 %) der Bevölkerung eine ähnliche Liberalisierung der Sterbehilfe wie in Holland. Dies haben mehrere Umfragen gezeigt. In der Ärzteschaft ist aber nur eine Minderheit für eine Freigabe der aktiven Sterbehilfe. Die Bundesärztekammer lehnt die Euthanasie regelmäßig strikt und in scharfem Ton ab.

Quellen und weiterführende Links

1000fragen.de: „Sterbehilfe“

„Sterbehilfe und Euthanasie“ –
Referat im Rahmen des Philosophieunterrichts der Stufe 12

Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften: „Blickpunkt Sterbehilfe“

Deutsches Ärzteblatt, 27.04.2006: „Niederlande: Mehr Fälle von aktiver Sterbehilfe“

Grundsätze der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung

Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben e.V. (DGHS): Umfragen zur Sterbehlfe in Deutschland

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