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Archive for Oktober 2008

Schnupfen, Halsschmerzen, Husten, Asthma, Entzündungen der Augen oder der Haut – alles dies soll Tonerstaub auslösen, sagt die Webseite Krank-durch-Toner.de. Der Staub stammt aus den Tausenden von Druckern, Faxgeräten und Kopierern, die in deutschen Büros und Haushalten stehen. Jetzt ist noch ein gravierender Verdacht hinzugekommen: Tonerstaub soll Lungenkrebs verursachen.

Geäußert hat diesen Verdacht der Rostocker Medizinprofessor Ludwig Jonas. Jonas erhielt ein ganz besonderes Erbe zugeschickt: Den Lungenkrebs eines Büromaschinentechnikers. Zu Lebzeiten war dem Techniker vom Arbeitgeber sogar das Tragen eines Mundschutzes untersagt worden, meldet die Süddeutsche Zeitung. Die Kunden sollten nicht beunruhigt werden. Nachdem die Diagnose feststand, legte der Patient in seinem Testament fest, dass seine Lunge nach seinem Tod untersucht werden sollte.

Professor Jonas untersuchte den Tumor mit dem Elektronenmikroskop und fand in den Tumorzellen massenhaft Kohlenstoffpartikel, die exakt den feinen Tonerpartikeln entsprechen, die ein Servicetechniker beim Wechsel einer Tonerkartusche einatmet. Für sich alleine sind diese Partikel vielleicht noch nicht krebserregend, aber sie transportieren eine Reihe giftiger Substanzen in das Zellinnere, die ansonsten dort nicht hingelangt wären.

Susanne Tautz, eine Doktorandin des Rostocker Professors, untersuchte zur gleichen Zeit Mäusezellen, die sie mit Tonerstaub zusammenbrachte. Sie konnte zeigen, dass Tonerstaub von den Zellen aufgenommen wird so wie das bei dem feinen, krebserregenden Asbeststaub passiert. Außerdem wies sie nach, dass der Feinstaub aus dem Drucker die Konzentration freier Sauerstoffradikale erhöht. Diese Substanzen können theoretisch das Erbgut der Zellen verändern und so Krebs auslösen, der endgültige Beweis hierfür steht allerdings noch aus.

Das Umweltministerium hat angekündigt, am 12. November eine Anhörung durchzuführen, wahrscheinlich werde man zusätzliche Untersuchungen zur Gesundheitsgefahr durch Tonerstaub durchführen.

Quellen

Krank-durch-Toner.de

Süddeutsche Zeitung vom 24.10.2008: Toner im Tumor

TU Berlin – Gesellschaft Arbeit und Ergonomie – online e.V.: Tonerstaub in Bürogeräten mit vielen praktischen Hinweisen und Links zur Vermeidung von Feinstaubbelastung bei der Verwendung von Laserdruckern

Bild: ©brit auf pixelio.de

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So harmlos wie sie scheinen, sind die vielen Präparate mit Vitaminen und Spurenelementen offensichtlich doch nicht. In den USA wurde jetzt eine Studie über Vitamin E und Selen abgebrochen: Die Teilnehmer, die das Vitamin E erhielten, erkrankten häufiger an Prostatakrebs, die Selengruppe an Diabetes.

Eigentlich sollte das Gegenteil bewiesen werden: Die Untersucher wollten prüfen ob Selen, Vitamin E oder beides zusammen Männer vor Prostatakrebs schützt.

Die Studie mit dem Namen SELECT (Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial) begann im Jahre 2001 an 400 verschiedenen Orten in den USA, Kanada und Puerto Rico. 35.000 Männer im Alter über 50 Jahren nahmen daran teil.

Nachdem Anstieg der Prostatakrebserkrankungen in der Vitamin-E-Gruppe und der Zahl der Diabetes-Erkrankungen in der Selen-Gruppe wurden die Teilnehmer informiert und gebeten, keine Studienpräparate mehr einzunehmen.

Quellen

Deutsches Ärzteblatt: Studie gestoppt: Vitamin E und Selen mit potenziellen Risiken in der Prävention des Prostatakarzinoms

Homepage der SELECT-Studie

South West Oncology Group: Der verantwortliche Forschungsverband

Foto: © Knipsermann auf Pixelio.de

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Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Stanford Universität in Kalifornien (USA) haben einen neuen Bluttest entwickelt, der es erlaubt, das Down-Syndrom beim Ungeborenen aus einem Bluttest der Mutter zu diagnostizieren.

Die Diagnose ist zur Zeit nicht ungefährlich für Mutter und Kind, es muss Fruchtwasser aus der Gebärmutter der Schwangeren durch eine Punktion entnommen werden. Infektion und Frühgeburt sind die Risiken. Das Down Syndrom ist eine angeborene Erkrankung, die u.a. mit verzögerter intellektueller Entwicklung, Herzfehlern und einem typischen Körperbau einhergeht. Die Ursache ist ein dreifach vorhandenes Chromosom mit der Nummer 21, normalerweise enthalten menschliche Körperzellen nur zwei davon in ihrem Zellkern. Daher stammt auch der Name Trisomie 21 für das Down Syndrom.

Im Blut der Schwangeren sind Spuren der Erbsubstanz des Ungeborenen zu finden, allerdings ist die Konzentration der kindlichen DNA sehr gering.

Die amerikanischen Forscher vermehrten ganz einfach sämtliches freies DNA-Material, das sie im Blut der Mutter finden konnten. Sie analysierten die Verteilung der unterschiedlichen Chromosomen in der Probe. Ein zuverlässiger Hinweis auf das Down Syndrom war ein gehäuftes Auftreten des 21. Chromosoms (oder Teile davon) im Blut der Mutter. Auch andere, seltenere Erbkrankheiten mit Vermehrung der normalen Chromosomenanzahl konnten auf diese Weise festgestellt werden.

Der Test ist relativ preiswert, die Kosten werden auf rund 500 € geschätzt. Bei einer routinemäßigen Anwendung z.B. bei älteren Schwangeren (bei denen das Risiko erhöht ist), dürften die Preise weiter sinken.

Quellen

Proceedings of the National Academy of Science of the United States of America (PNAS), 6.10.2008 online: Noninvasive diagnosis of fetal aneuploidy by shotgun sequencing DNA from maternal blood

Dialog Gentechnik: Bluttest zur Frühdiagnose des Down-Syndroms

Bild: Achtjähriger Junge mit Down Syndrom, gefunden auf Wikimedia Commons, Lizenz: creative commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

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Die Prostata ist eine kastaniengroße Drüse, die beim Mann unterhalb der Blase liegt und den Anfangsteil der männlichen Harnröhre umgibt. Die Prostata produziert ein milchiges Sekret, das einen Teil der Samenflüssigkeit bildet und für die Beweglichkeit der Samenzellen und für ihre Befruchtungsfähigkeit unentbehrlich ist.

Die Bezeichnung Prostata stammt vom griechischen Wort προστάτης (prostates) für Vorsteher, im Deutschen wird sie auch Vorsteherdrüse genannt.

Lage und Aufbau
Die Prostata liegt hinter der Schambeinfuge, an der sie durch ein Band befestigt ist und vor dem Enddarm, auf dem Beckenboden. Sie kann daher vom Enddarm aus getastet werden.

Hinter und seitlich der Prostata liegen die Samenbläschen, die ein weiteres Sekret produzieren, das der Samenflüssigkeit beigemengt wird. Ebenfalls von hinten laufen die Samenleiter auf die Prostata zu. Der Ausführungsgang der Samenbläschen und der letzte, erweiterte Teil der Samenleiter vereinigen sich im Bereich der Prostata zu einem gemeinsamen Gang, dem sog. Spritzkanälchen oder Ductus ejaculatoris. Dieser mündet im Bereich des Samenhügels (Collicus seminalis) in die Harnröhre.

Die Prostata besteht aus Drüsengewebe, elastischem und straffem Bindegewebe sowie einem großen Anteil Muskulatur. Die Muskulatur gehört zur glatten Muskulatur, d.h. sie kann nicht durch den Willen ihres Besitzers gesteuert werden sondern erhält ihre Befehle vom unbewussten, dem sog. vegetativen Nervensystem.

Die Prostata unterteilt sich in 30 bis 50 Einzeldrüsen. Die Ausführungsgänge dieser Drüsen münden neben dem Samenhügel jeweils einzeln in die Harnröhre.

Das Drüsengewebe ist ungleichmäßig verteilt. Direkt um die Harnröhre herum überwiegt Muskelgewebe, das sich bei der Ejakulation zusammenzieht und damit die Harnröhre in Richtung Blase verschließt, der Samenflüssigkeit somit den Weg in die Blase versperrt. Binde- und Muskelgewebe machen auch den Hauptanteil der äußersten Prostataschicht aus, direkt darunter liegen in der sog. peripheren Zone 70 % des Drüsengewebes. Hier finden sich auch die Mehrzahl der Carcinome, die hier mit dem Finger getastet werden können.

Allerdings entstehen 10 % der bösartigen Neubildungen in der zentralen Zone um die Harnröhre herum und 20 % in der sog. Übergangszone, einem kleinen Bereich neben der zentralen Zone, in dem nur etwa 5 % der Prostatadrüsen lokalisiert sind. In diesen beiden Bereichen sind die Tumore nicht mit dem tastenden Finger erreichbar.

Die sog. gutartige Prostatavergrößerung (die Prostatahyperplasie) entsteht ausschließlich in der Zone um die Harnröhre und in der Übergangszone, sie ist daher gut operativ von der Harnröhre aus zu behandeln.

Funktion der Prostata

Hauptaufgabe der Prostata ist die Bildung eines Sekrets, das der Samenflüssigkeit (dem Sperma) beigefügt wird, das Prostatasekret macht etwa 20 % des Spermas aus. Ohne das Prostatasekret können Spermien keine Eizelle befruchten. Es enthält Enzyme wie das PSA (Prostataspezifische Antigen), das den Samen verflüssigt. Das Spermin sorgt für die Beweglichkeit der Spermien und gibt der Samenflüssigkeit den typischen Geruch. Prostaglandine fördern die Kontraktion der Gebärmutter. Das Sekret ist leicht sauer (pH 6,4) und sieht milchig-trübe aus.

Die Muskulatur der Prostata führt zu Kontraktionen, dadurch wird das Sekret der Drüse vor der Ejakulation in die Harnröhre gepresst, wo es sich mit dem Sekret der Samenbläschen und den Samenzellen (Spermien) vermischt. Die Prostata unterstützt durch ihre Muskulatur und die Lage unterhalb der Blase die Kontinenz, also die Fähigkeit, das Wasser zu halten. Bei der Ejakulation, die in erster Linie durch die Beckenbodenmuskulatur und die Muskulatur um die Schwellkörper herum ausgelöst wird, sorgt die Prostata für einen Verschluss der Harnröhre zur Blase hin und verhindert dadurch eine „retrograde“ Ejakulation in die Harnblase. Beim Wasserlassen verschließt die Muskulatur der inneren Zone die Ausführungsgänge der Prostatadrüsen und der Spritzkanälchen, so dass kein Urin eindringen kann.

In der Prostata wird das männliche Geschlechtshormon, das Testosteron, in seine noch aktivere Form, das Dihydrotestosteron (DHT)umgewandelt.

Unter dem Einfluss von DHT wächst die Prostata mit Beginn der Pubertät, um beim 20jährigen Mann etwa ein Gewicht von 20 g zu erreichen. Ab dem 30ten Lebensjahr beginnt eine weitere Vergrößerung der Drüse vor allem im inneren Bereich, diese gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH) kann Prostatagewichte von 100g und mehr hervorbringen.

Bei vielen Männern ist die Prostata auch eine Quelle sexueller Lustempfindung („G-Punkt“ des Mannes).

Erkrankungen der Prostata: Prostatitis bei den Jungen, BPH bei den Älteren

Vor allem in den jungen Jahren des Mannes (bis etwa zum 40, 45. Lebensjahr) wird er gepeinigt von den vielen Spielformen der Prostataentzündung, der Prostatitis.

Bakterien verursachen akute Entzündung

Die akute Prostatitis wird von Bakterien hervorgerufen und gleicht in ihren Beschwerden denen einer Blasenentzündung: Schmerzhaftes und häufiges Wasserlassen beispielsweise. Allerdings tritt recht bald hohes Fieber hinzu, was untypisch für eine Blasenentzündung ist. Schmerzen am Damm, beim Stuhlgang und während der Ejakulation sind ebenfalls Anzeichen einer Prostatitis. Behandelt wird mit Antibiotika.

Chronische Prostatitis: Vielgestaltige Beschwerden

Die chronische Prostatitis tritt manchmal nach einer akuten auf, manchmal aber auch ohne Vorläufererkrankung. Die Beschwerden sind sehr vielgestaltig, betreffen das Wasserlassen, den Stuhlgang und die Sexualfunktion. Auch blutige Beimengungen zum Sperma (Hämatospermie) können Folge einer chronischen Prostatitis sein.

Die Behandlung erfolgt nach den ermittelten Ursachen, beispielsweise Antibiotika beim Nachweis von Bakterien, Regulierung des Stuhlgangs, krampflösende, entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente.

Das Chronisches Schmerzsyndrom – schwer zu behandeln

Sehr schwer in der Abklärung und der Therapie ist das chronische Schmerzsyndrom der Prostata, das häufig auch ohne Nachweis von Bakterien oder sonstigen Anzeichen von Entzündung auftritt.

Es wird auch als chronisches pelvines (= zum Becken gehörendes) Schmerzsyndrom (chronic pelvic pain syndrome, CPPS) bezeichnet. Eine Vielzahl von therapeutischen Verfahren von der Langzeitantibiose bis zur Prostatamassage wird bei dieser Erkrankung versucht. Die Vielzahl der Verfahren zeigt sicherlich auch, dass das CPPS nicht leicht zu behandeln ist.

Vergrößerte Prostata, erschwertes Wasserlassen

In den reiferen Jahren des Mannes treten Beschwerden durch die Vergrößerung der Prostata auf. Genauer gesagt: Beschwerden wie häufiges und erschwertes Wasserlassen werden vor allem durch die Vergrößerung der inneren, rund um die Harnröhre gelegenen Anteile der Prostata hervorgerufen. Die Vergrößerung der Drüse, auch Benigne Prostatahyperplasie (BPH) genannt, beginnt mit dem 30. Lebensjahr und jedes Jahr wird es schlimmer, im 90. Lebensjahr hat fast jeder Mann eine BPH. Die Vergrößerung muss aber nicht in jedem Fall auch Beschwerden machen, und nicht in jedem Fall muss behandelt werden. Trotzdem: An Beschwerden beim Wasserlassen durch Prostatavergrößerung, dem sogenannten Benignen Prostatasyndrom (BPS) leidet eine Vielzahl von Männern, je nach Untersuchung bis zu 30 % aller Probanden.

Keine Vorbeugung

Vorbeugen kann man dem BPS wohl kaum, es sei denn man ließe sich kastrieren: Bei Eunuchen gibt es auch im Alter keine vergrößerte Prostata. Dies weist auf die Hauptursache der häufigen Erkrankung hin: Es sind die männlichen Geschlechtshormone, besonders in ihrer aktivierten Form, dem Dihyhydrotestosteron. Aber auch ihre weiblichen Pendants, die Östrogene, spielen eine Rolle bei der Vergrößerung des inneren Prostataanteils. Östrogene werden beim Mann aus Testosteron gebildet.

Therapie des BPS: Medikamente und Operation

Zur Therapie des BPS gibt es eine Reihe von Medikamenten, am häufigsten verordnet und am wirksamsten ist das Tamsulosin. Tamsulosin ist ein Hemmstoff des unbewussten Nervensystems, genau gesagt eines Teils davon. Es hemmt die Auswirkungen des Sympathikus auf die Muskulatur der Prostata. Der Sympathikus, der aktivierende Teil des unbewussten Nervensystems, führt zu einer Kontraktion der glatten Muskulatur der Prostata rund um die Harnröhre. Dazu besitzen diese Muskelzellen spezielle Rezeptoren, Andockstellen für die Überträgerstoffe des Sympathikus. Tamsulosin blockt diese alpha-1-Rezeptoren, dies lässt die Muskeln in der Prostata erschlaffen und das Wasserlassen wird leichter.

Operiert wird, wenn Medikamente nicht mehr helfen. In der Regel wird durch die Harnröhre (Urethra) operiert, so dass kein äußerlicher Schnitt sichtbar bleibt. Goldstandard ist die sogenannte transurethrale Resektion der Prostata (TURP), in letzter Zeit wurden viele neue Verfahren entwickelt. Um die Hindernisse beim Wasserlassen zu entfernen, wird bei der TURP ein Teil des Prostatagewebes rings um die Harnröhre entfernt.

Prostatakrebs: Häufigster Krebs beim Mann

Der Krebs der Prostata ist mit 25,4 % in Deutschland die häufigste Krebserkrankung des Mannes, bei der Sterblichkeit an Krebs liegt er mit 10,1 % an dritter Stelle. Das Durchschnittsalter der Erkrankung liegt bei 69 Jahren, vor dem 50. Lebensjahr tritt er kaum auf.

Prostatakrebs macht im Frühstadium kaum Beschwerden. Treten solche Beschwerden wie Harnverhalt, Knochenschmerzen oder Blut im Urin auf, so handelt es sich in der Regel um weit fortgeschrittene Tumore.

Ursachen unbekannt, Risikofaktoren diskutiert

Die Ursachen des Prostatakarzinoms sind weitgehend unbekannt. In jüngeren Jahren spielen offensichtlich genetische Faktoren eine große Rolle, für die Tumore im höheren Alter werden Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen und fettreiche Ernährung als Risikofaktoren diskutiert.

Früherkennung heiß umstritten

Die gesetzlichen Krankenkassen bieten eine kostenlose Früherkennungsuntersuchung auf Prostatakrebs für alle versicherten Männer ab dem 45. Lebensjahr an. Der Arzt tastet dabei mit dem Finger die Prostata durch den Enddarm auf verdächtige Knoten ab. Karzinome der inneren Anteile der Prostata können dabei nicht erfasst werden, auch muss der bösartige Tumor eine gewisse Größe erreicht haben, bis er mit dem Finger gefühlt werden kann.

Vor allem Urologen empfehlen daher eine begleitende Bestimmung des Prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut des Patienten bei der Früherkennung. (Ein Prostatakarzinom entlässt mehr PSA ins Blut als die normale Prostata.) Ab einem bestimmten PSA-Wert muss dann eine Biopsie (Entnahme einer Probe) die Diagnose: „Krebs oder gesund?“ klären.

Aber nicht nur ein Karzinom kann den PSA-Wert erhöhen: Auch eine gutartige Vergrößerung der Prostata (die BPH, s.o.) führt zum Anstieg dieses Markers, ja sogar intensives Radfahren kann das PSA im Blut erhöhen.

Andererseits gibt es auch Prostatakarzinome mit niedrigem PSA-Wert.

Viele Patienten mit einem Prostatakarzinom im Frühstadium werden im Laufe ihres Lebens an einer anderen Erkrankung sterben, lange bevor das Karzinom ihnen Beschwerden macht. Das gilt vor allem für ältere Patienten: Untersuchungen nach dem Tod ergaben, dass 85 % aller 85jährigen ein Prostatakarzinom aufweisen, an diesem Leiden sterben aber nur 3,5 % in dieser Altersgruppe.

Die Diskussion um die Früherkennung durch PSA-Bestimmung wird teilweise recht heftig geführt. Vor allem von der Deutschen Gesellschaft für Urologie wird eine routinemäßige Messung des PSA dringend empfohlen. Andere Experten wie die des National Cancer Institute der USA sprechen sich gegen ein routinemäßiges Screening aus, weil sie befürchten, dass durch eine Therapie von Karzinomen, die dem Träger vielleicht nie Beschwerden gemacht hätten, mehr Schaden als Nutzen gestiftet werden könnte.

Aber auch Experten des Deutschen Krebsforschungsinstituts in Heidelberg weisen darauf hin, dass es immer noch nicht bewiesen sei, ob routinemäßige PSA-Bestimmungen einen Vorteil für das Überleben bieten oder nicht.

Zwei große Studien, eine in Europa und eine in den USA werden in den kommenden Monaten (hoffentlich) klare Aussagen über das PSA-Screening ermöglichen.

Quellen

Urologielehrbuch.de: Prostata: Anatomie, Histologie und Physiologie

Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID): Broschüre: „Krebs in Deutschland“ (als PDF-Datei zu laden)

The Cochrane Library: Screening for prostate cancer

BMJ. 2002 July 13; 325(7355): 61.PMCID: PMC1123626 „PSA screening leads to overdiagnosis, study says“

Die Zeit Nr. 34 vom 14.08.2008: Krebsvorsorge – Test oder Tombola

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Was viele schon immer vermuteten, wurde jetzt wissenschaftlich bestätigt: Durch regelmäßiges Eincremen wird die Haut trockener, es muss weiter eingecremt werden, die Haut wird „süchtig“ nach der Hautcreme.

Izabela Buraczewska fand in ihrer Doktorarbeit an der Universität von Uppsala in Schweden heraus, dass die Aktivitäten bestimmter Gene von der Hautcreme beeinflusst werden, die Haut produziert dadurch weniger Fett als vorher.

Es spielte keine Rolle, ob mineralische oder pflanzliche Fette verwendet wurden und auch nicht wie hoch der pH-Wert der Creme war: Immer zeigten die Hautproben den gleichen negativen Befund.

Nur einige hochkomplex zusammengesetzte Fette hatten keinen so stark austrocknenden Effekt. Hier sei weitere Forschung nötig, um Patienten mit Ekzemkrankheiten besser zu helfen, meinte die Doktorandin, die ihre Doktorarbeit morgen, am 24. Oktober, verteidigen muss.

Quelle

Sciencedaily.com: Skin Creams Can Make Skin Drier

Bild: © Clarissa Schwarz auf pixelio.de

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Das Lied der Bee Gees, das ausgerechnet den Titel „Stayin‘ Alive“„Am Leben bleiben“ trägt, kann offensichtlich Leben retten.

Das fanden Forscher der Universität von Ilinois heraus, wie die Zeitung Chicago Tribune berichtete.

Die Herzdruckmassage bei der Wiederbelebung stellt Ungeübte immer wieder vor ein Problem: Wie oft soll ich drücken und wie merk ich mir das? Die Antwort ist: 100 mal in der Minute und merken können Sie sich das, in dem sie im Takt von „Stayin‘ Alive“ (103/min) drücken. Für rhythmisch begabte Menschen ist das vielleicht eine brauchbare Merkhilfe.

Eine australische Krankenschwester warnte in einem Blogkommentar davor, das Lied zu singen, wenn Angehörige der Wiederbelebung zusehen….

Quellen

Chicago Tribune vom 21. Oktober 2008

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Seit dem Conterganskandal sind wir in Deutschland gebrannte Kinder. Lieber gar kein Medikament in der Schwangerschaft als das Risiko eingehen, dem Ungeborenen zu schaden.

Deutsche Beipackzettel sind sehr streng was die Schwangerschaft angeht. Die Informationen, welche Medikamente in der Schwangerschaft erlaubt sind und welche nicht, sind oft nur mühselig zu finden. Geht man nach den Beipackzetteln oder den Angaben in der Roten oder Gelben Liste, dann kann darf man fast keine Krankheit in der Schwangerschaft mehr guten Gewissens behandeln.

Der Krankenschwester-Blog zeigte mir jetzt eine neue Quelle: die Datenbank embryotox.de ist online für jeden verfügbar und zeigt an, welche Arzneimittel in der Schwangerschaft eingesetzt werden können und welche nicht. Die Informationen sind dabei nicht so sehr von juristischen Erwägungen abhängig wie in den Beipackzetteln, auch viele Erfahrungen aus dem Ausland werden berücksichtigt.

Es gibt zwei Suchrichtungen: Man kann Krankheiten angeben und nach passenden Medikamenten suchen, aber auch einzelne Medikamente auf ihre Eignung in der Schwangerschaft prüfen. Auch eine kostenlose, individuelle Beratung der Schwangeren ist möglich.

So erfahre ich z.B., dass niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (Aspirin100® u.a.) durchaus bei Schwangeren einzusetzen ist, während alle offiziellen Beipackzettel dies streng verbieten. (Niedrig dosiertes Aspirin dient zur Vorbeugung von Schlaganfällen und Herzinfarkten, nachdem bereits solche Erkrankungen oder Vorläufer aufgetreten sind.)

Mein Fazit: Eine sehr informative Informationsquelle, für Patienten und Ärzte geeignet.

Die Seite wird betrieben vom Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, einer Einrichtung des Berliner Betriebs für Zentrale Gesundheitliche Aufgaben, finanziell unterstützt vom Berliner Senat und vom Bundesgesundheitsministerium.

Quellen

Der Krankenschwester-Blog, obwohl die Schwester keine Ärzte mag

Embryotox.de – die Datenbank

Bild: Copyright by ichselbst! auf pixelio.de

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Es ist wieder soweit: Alle Frauen in meiner Praxis im Alter zwischen 50 und 69 Jahren erhalten in diesen Tagen eine Einladung zur Röntgenuntersuchung der Brust (Mammographie), die zur Früherkennung des Brustkrebses dienen soll.

Viele Frauen gehen hin, ohne mich zu fragen, andere lehnen das Angebot rundweg ab. Andere fragen mich: „Was soll ich tun?“ und erwarten von mir eine klare Antwort in der Art von „Hingehen!“ oder „Zu Hause bleiben!“.

Leider ist die Antwort nicht so einfach und ich will hier erklären, warum das so ist.

Wem nützt die Vorsorgemammografie?

Das vorsorgliche Röntgen der Brust nutzt den Frauen, die einen Brustkrebs haben, der durch diese Untersuchung entdeckt wird, sonst aber nicht entdeckt worden wäre. Das ist aber noch noch nicht alles: Der Brustkrebs muss so klein sein, dass er noch gut zu heilen ist und die Frau durch die Behandlung zusätzliche Lebensjahre geschenkt bekommt.

Die Cochrane Collaboration, eine internationale wissenschaftliche Vereinigung, hat alle bekannten Untersuchungen weltweit zum Thema Mammografie analysiert und kommt zu folgenden Ergebnissen.

Unter 2000 Frauen, die 10 Jahre lang mammografiert werden ist eine, deren Leben durch diese Untersuchung verlängert wird.

Wem schadet die Mammografie?

10 Frauen unter den oben genannten 2000 Untersuchten werden in den 10 Jahren eine Krebsdiagnose erfahren und behandelt werden, ohne dass ihr Leben dadurch verlängert wird. Sie werden also unnütz behandelt. Außer den Nebenwirkungen der Behandlung (Operation, Bestrahlung, Chemotherapie) gehen ihnen auch etliche Jahre unbeschwerten Lebens verloren, weil die Krebsdiagnose wie ein Damoklesschwert über ihnen schwebt.

200 Frauen aus der gleichen Gruppe der 2000 erhalten in 10 Jahren die Mitteilung, dass „irgend etwas nicht stimmt“. Dies bedeutet meistens, dass zusätzliche Untersuchungen erforderlich werden: Ultraschalluntersuchungen zum Beispiel oder Probeentnahmen. Die Erfahrung zeigt mir, dass viele Frauen alleine diese Mitteilung, „das irgend etwas nicht stimmt“, nur sehr schwer verkraften können. Manchen ist die Stimmung für ein paar Wochen versaut, andere leiden jahrelang unter dem Schock und der Angst.

Die Mammografie arbeitet mit energiereicher Röntgenstrahlung. Theoretisch kann diese selbst Brustkrebs verursachen. Das Risiko ist aber so klein, dass es schwer ist, verlässliche Zahlen darüber zu finden.

Manche Frauen empfinden den Druck, der auf die Brust durch das Gerät ausgeübt wird, als schmerzhaft.

25 % weniger Brustkrebstote durch Mammografie ?

„Durch die Früherkennungsmammografie wird die Sterblichkeit an diesem Krebs um 25 % gesenkt“, das ist eine häufige Aussage der Befürworter dieser Reihenuntersuchung.

Stimmt und stimmt nicht, möchte ich dagegen sagen. Sie stimmt, weil der Prozentsatz richtig ist, sie stimmt nicht, weil sie einen vollkommen falschen Eindruck erweckt.

Es verhält sich so: Von 1000 Frauen, die zehn Jahre lang regelmäßig zur Mammografie gehen, sterben sechs nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft an Brustkrebs, von 1000 anderen Frauen, die sich nicht untersuchen ließen, sterben acht. Tatsächlich wurde die Sterblichkeit um 25 % gesenkt – aber andererseits gingen 998 von 1000 Frauen zehn Jahre lang völlig überflüssig zum Röntgen, manchen von ihnen schadete dies sogar.

Nun verstehen Sie, liebe Patientinnen, vielleicht, warum die Antwort auf die Frage: „Hingehen oder zu Hause bleiben ?“ für ihren Arzt nicht so ganz einfach ist.

Quellen und weiterführende Links

Deutsche Krebsgesellschaft: Die Mammografie

Nationales Netzwerk Frauen und Gesundheit: Informationen zur Mammografie – eine Entscheidungshilfe (Broschüre als PDF-Datei herunterzuladen)

Deutsches Ärzteblatt vom 18.10.2006: Cochrane: Neue Zweifel am Wert der Mammographie

The Cochrane Library: [Review]
Screening for breast cancer with mammography

www.ein-teil-von-mir.de – Webseite der Kooperationsgemeinschaft Mammographie in der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung GbR

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Ratten werden dick von Fruchtzucker (Fruktose), Mäuse auch. Keiner weiß, ob dies auch für Menschen zutrifft, aber vieles spricht dafür.

Sicher ist: die Blutfette des Menschen steigen bei reichlicher Fruktosezufuhr, der (besonders ungesunde) Bauchspeck nimmt zu, mehr als die Fettpolster an anderen Stellen. 100g Fruchtzucker liefern genau so viel Kalorien wie 100g Traubenzucker, aber Traubenzucker macht den Menschen satt, Fruchtzucker weit weniger.

Die rasante Zunahme des Übergewichts in den Vereinigten Staaten soll wenigstens teilweise auf den rasant gestiegenen Fruchtzuckerverbrauch zurückzuführen sein. In Amerika werden Fruchtsäfte und Erfrischungsgetränke zunehmend mit dem sogenannten High Fructose Corn Syrup (HFCS) gesüßt. HFCS, in Deutschland als Maissirup oder Fructose-Glucose-Sirup deklariert, wird aus Maisstärke gewonnen. Der Anbau von Mais wird in den USA subventioniert, die Einfuhr von Rohrzucker dagegen mit Zöllen belastet. Das macht den High Fructose Corn Syrup zu einer außerordentlich preiswerten Zutat.

Maissirup enthält einen hohen Prozentsatz an Fruktose. Der Verbrauch an HFCS stieg in den USA zwischen 1970 und 1990 um rund 1000 Prozent an; vermutlich wird er auch in Deutschland zunehmend als Süßungsmittel verwendet, ohne dass dies extra deklariert werden müsste. Die Adipositasrate nahm in den USA zwischen 1960 und 2004 von 13 auf 32 % zu. (Von einer Adipositas spricht man ab einem Body-Mass-Index, BMI , von 30 kg/qm.)

Unklar war bisher, wie der genaue Mechanismus aussieht, mit der Fruktose das Gewicht steigert. Ein bisschen Licht ins Dunkel brachte jetzt, im Jahr 2008, eine Studie von Alexandra Shapiro und Mitarbeitern an der Universität von Florida. Sie teilte Versuchsratten in zwei Gruppen: Die eine Gruppe erhielt eine Diät mit reichlich Fruchtzucker, die andere überhaupt keine Fruktose.

Nach sechs Monaten unterschieden sich die beiden Gruppen kaum. Die mit Fruktose gefütterten Tiere wiesen etwas höhere Spiegel an Triglyceriden (Neutralfetten) auf. Insbesondere unterschieden sich die beiden Gruppen nicht in ihrem Körpergewicht. Auch der Spiegel von Leptin, Insulin, Glukose und Cholesterin war bei allen Ratten gleich.

Nur in einem Punkt unterschieden sich die mit Fruchtzucker verwöhnten von den Fruchtzucker-abstinenten Ratten: Die Fruktoseratten entwickelten eine deutliche Resistenz gegen Leptin.

Leptin ist ein Hormon, das üblicherweise von den Fettzellen des Körpers gebildet wird. Leptin drosselt das Hungergefühl. Das Hormon steigert aber auch die Fettverbrennung zum Beispiel durch Steigerung des Energieverbrauchs in Ruhe, des sogenannten Grundumsatzes.

Leptinresistenz bedeutet, dass der Körper unempfindlich wird gegen die Wirkung der hormonellen „Adipositasbremse“.

Und tatsächlich: Die zuvor mit Fruktose gefütterten Ratten nahmen erheblich mehr zu als die Kontrollgruppe und auch mehr als erwartet, als sie eine fetthaltige, hochkalorische Kost erhielten.

Natürlich handelt es sich hier nur um Ratten. Und nicht alles, was für Ratten gilt, ist auf den Menschen übertragbar. Trotzdem scheint die Beweislage ausreichend zu sein: Ein übermäßiger Konsum von Fruchtzucker in sogenannten Softdrinks ist ungesund, führt zu überhöhten Blutfetten und möglicherweise auch zu Übergewicht. Die Empfehlung an Diabetiker, Traubenzucker und Haushaltszucker durch reinen Fruchtzucker zu ersetzen, muss sicherlich revidiert werden.

Quellen

Bild: © hofschlaeger auf pixelio.de

Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) – Neuer Zusammenhang zwischen Fructose-Konsum und Gewichtszunahme entdeckt

wissenschaft.de: Fruchtzucker macht schneller dick

ärztliche Praxis vom 16.10.2008: Fructose steigert Gewichtszunahme

„Fructose-Induced Leptin Resistance Exacerbates Weight Gain in Response to Subsequent High Fat Feeding“ – Am J Physiol Regul Integr Comp Physiol (August 13, 2008). doi:10.1152/ajpregu.00195.2008 –

Ärztewoche online: Die schädliche Wirkung von hoher Fruktosezufuhr

wissenschaft.de: Weniger Fruktose, weniger Fett

Pharmazeutische Zeitung online: „Sättigung: Fructose macht nicht nur Zwerge dick“

stern.de/wissenschaft: „Die Fruktosefalle“

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Fructose

WebMD: „Fructose: Sugar’s Dark Side?
Study: Fructose Increases Heart Risk Factors — and Weight“

TAZ vom 8.8.2008: Wenn Fruktose zum Problem wird

University of Florida News: “
Fructose hampers hormone that controls appetite, UF study finds“

Alexandra Shapiro et al. :Fructose-Induced Leptin Resistance Exacerbates Weight Gain in Response to Subsequent High Fat Feeding in Am J Physiol Regul Integr Comp Physiol (August 13, 2008). doi:10.1152/ajpregu.00195.2008

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Guillaume Depardieu, der Sohn des berühmten französischen Schauspielers Gérard Depardieu starb kürzlich in Paris an einer Lungenentzündung. In 90 % der Fälle wird eine solche Pneumonie, wie die Lungenentzündung im Fachjargon genannt wird, durch Bakterien, am häufigsten durch Pneumokokken verursacht – kleine kugelige Krankheitserreger. Ihren Namen verdanken sie ihrer Form: kokkos heißt im griechischen Beere und die Vorsilbe Pneumo deutet auf die Lungenentzündung als häufige Erkrankung durch die kleinen Kugeln an.

Besonders gefährlich für kleine Kinder und alte Menschen

Pneumokokkenerkrankungen sind besonders gefährlich für kleine Kinder und sehr alte Menschen, natürlich auch für solche, die durch Krankheiten wie Diabetes etc. in ihrer Abwehr geschwächt sind. Pneumokokken verursachen nicht nur Lungenentzündungen, sondern auch Gehirnhautentzündung und Sepsis (Blutvergiftung). Eher „harmlosere“ Erkrankungen durch Pneumokokken sind Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung) und Otitis media (Mittelohrentzündung).

Harmlose Pneumokokken im Rachenraum

Der Nachweis von Pneumokokken in einem Abstrich des Rachens bedeutet aber nicht, dass der Betroffene jetzt schwer erkrankt ist – Pneumokokken kommen auch als ganz normale Besiedler des Nasenrachenraums vor.

Impfung für Risikogruppen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung gegen Pneumokokken für Kinder bis zum Alter von 2 Jahren und für alle Menschen über 60 sowie für alle, die durch eine Vorerkrankung wie Diabetes, Leukämie, Asthma oder AIDS besonders gefährdet sind.

90 Sorten Pneumokokken

Pneumokokken existieren in über 90 bekannten Varianten, sogenannten Serotypen, die Impfung schützt gegen die häufigsten von ihnen. Bruchstücke von insgesamt sieben verschiedenen Stämmen sind in der heute erhältlichen Kinderimpfung zusammengefasst. Die Impfung für Erwachsene gibt Schutz für 23 verschiedene Pneumokokken-Stämme.

Serotyp 19A: Die bösen Kokken nehmen überhand

Allerdings taucht jetzt ein neues Problem auf: Gerade in den Regionen der Vereinigten Staaten, in denen (Kinder) am häufigsten geimpft wurde, tauchen besonders aggressive Pneumokokken der Serogruppe 19A auf. Dumm, das die heute gängige Kinderimpfung diesen Typ nicht umfasst. Dumm auch, dass gerade diese Untergruppe sich als sehr resistent gegen die Impfung erweist.

Alexander S. Kekulé, der Direktor des Instituts für Mikrobiologie an der Universität Halle (Saale) glaubt nicht, dass es Zufall ist, dass die aggressiven Infektionen durch die Gruppe 19A gerade dort zugenommen haben, wo die meisten Kinder gegen Pneumokokken geimpft wurden.

Er glaubt eher an einen Verdrängungswettbewerb: Die Impfung habe die harmlosen Pneumokokken aus dem Nasen- und Rachenraum verdrängt, danach war dann mehr Platz für die bösen.

Aber dies ist nichts mehr als eine Vermutung.

Zulassung für neuen Impfstoff beantragt

In den USA wurde bereits die Zulassung eines neuen Kinderimpfstoffs mit Schutzwirkung gegen die Gruppe 19A – Pneumokokken beantragt.

Mal sehen, was sich die Pneumokokken dann „einfallen“ lassen….

In dem in Deutschland für Erwachsene zugelassenen Pneumokokkenimpfstoff ist der Serotyp 19A allerdings bereits enthalten.

Quellen

„Kugelförmige Killer“ – Alexander S. Kekulé kommentiert im Tagesspiegel

Robert Koch-Institut in Berlin: PneumoWeb: Laborsentinel invasiver Pneumokokken-Erkrankungen

Robert Koch-Institut in Berlin: Pneumokokken-Infektionen

Pressemitteilung der Wyeth-Lederle Pharma GmbH über neuen Pneumokokkenimpfstoff

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