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Archive for November 2010

Foto © Wikipedia, Lizenz: hier

Der alte Landarzt ist in Rente. Jetzt sucht das Dorf Lette einen neuen. Lette liegt im südlichen Münsterland, in der Nähe von Warendorf. Nach unseren (ostfriesischen) Maßstäben ist Lette gar nicht so klein: 2250 Einwohner hat der westfälische Flecken.

Die Letter wollen sich nicht damit abfinden, dass sich kein neuer Arzt in ihrem schönen Ort niederlassen will. Radio WAF (Radio Warendorf) startete eine Kampagne, um doch noch ärztlichen Nachwuchs zu finden.

Der Metzger will Würstchen spenden, der Hotelier die Übernachtung, die Friseuse die Frisur, die Floristin die Blumen und der Bürgermeister die Schirmherrschaft. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen Lippe winkt ab: Der Ort sei viel zu klein, den Nachwuchs ziehe es in die großen Städte. Die Arbeit eines Landarztes sei extrem arbeitsintensiv, vermeldet die Kassenärztliche Vereinigung.

Schönes Medienecho hat Radio WAF ausgelöst, man konnte das Würstchen/Frisur/Blumen/Hotel – Angebot von der Nordsee über Nürnberg bis in die Alpen lesen.

Herr Minister Rösler, unser Gesundheitsminister, hat angekündigt, das Problem des Mangels an Landärzten lösen zu wollen, mit einer Kommission, darin sitzen die Vertreter der Krankenkassen, der Länder, der Ärztekammern usw. usw.. Die Kommission soll beraten und dann soll daraus ein Gesetzentwurf werden.

Hausbesuche sollen besser bezahlt werden, sagt Herr Minister Rösler

Herr Minister Rösler will unter anderem „Hausbesuche besser bezahlen“. Ich kann mir nun einfach nicht vorstellen, dass Herrn Minister Rösler nicht bekannt ist, dass Hausbesuche in der Regel überhaupt nicht bezahlt werden.

Das hausärztliche Honorar ist budgetiert, wenn ein Patient mit einer chronischen Krankheit zweimal im Quartal einen persönlichen Arztkontakt hatte, dann ist das Budget voll. Auch wenn der Landarzt diesen Patienten noch zwanzig Mal im Quartal besucht (keine Seltenheit), bekommt er dafür keinen müden Euro.

Bezahlt werden Wegepauschalen, die sind nicht budgetiert. Wegepauschalen sind kein Honorar, Wegepauschalen sollen Erstattungen für Kosten sein. Ich will Sie nicht langweilen, indem ich die Pauschalen einzeln aufzähle. Sie können Sie hier oder auch hier nachsehen.

Kurz zusammengefasst: Der Landarzt reist mit eigenem Auto an in der Nacht für maximal 13,20 €, am Tag für etwas über 9,00 €. Egal wie weit. Hausbesuche bedeuten für mich schon mal Wegestrecken von 10 bis 20 km oder mehr – einfache Strecke. Ein Taxi fährt nicht für diesen Preis, er gilt übrigens für Hin- und Rückfahrt. PKW-Kosten lassen sich damit nicht decken. Vom Arbeitslohn, wie sie auch jedem Taxifahrer zustehen würde, ganz zu schweigen.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich liebe meinen Beruf, ich mache für mein Leben gern Hausbesuche und ich lebe gerne auf dem Land. Aber ich kann den Nachwuchs gut verstehen, der diese Arbeit für diesen Lohn nicht mehr verrichten möchte. Und, liebe Letter, ich sehe schwarz – das könnt ihr auch mit ein paar Würstchen nicht mehr raus reißen.

Quelle

Raido waf: Retter für die Letter

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Die Stiftung Warentest hat Blutdruckmessgeräte zur Selbermessung getestet und kam insgesamt zu einem guten Ergebnis: „Im Test schnitten von 13 Messgeräten 9 mit „gut“ und 3 mit „befriedigend“ ab. Für ein „gutes“ Gerät muss man nicht immer viel bezahlen. Am besten schnitt Panasonic EW-BW 10 ab, das in der unteren Preiskategorie liegt und nur 36 Euro kostet. Die Ergebnisse sind in der Dezember-Ausgabe der Zeitschrift test veröffentlicht,“ schreibt die Stiftung Warentest.

Es ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob man in der Ellenbeuge oder am Handgelenk misst: Die Blutdruckmessung war gleich zuverlässig. Es gibt allerdings immer wieder Menschen, bei denen klappt das nicht mit dem Selbermessen. Das konnte auch die Stiftung Warentest feststellen. Das hat nichts mit Dummheit zu tun, sondern hängt eher mit der besonderen Anatomie des Arms bei verschiedenen Menschen zusammen. Manche sind eben nicht so gebaut, dass eine Selbstmessung zuverlässig funktioniert.

Wenn Sie sich ein neues Gerät gekauft haben und wissen wollen, ob Sie den Blutdruck korrekt bestimmen, kommen Sie doch einfach in die Hausarztpraxis. Bringen Sie Ihr Gerät mit, erst messen wir, dann sind Sie dran.
Foto: ©Dieter Schütz auf pixelio.de
Nicht vergessen: Wenn Sie den Blutdruck am Handgelenk messen, dann muss das Handgelenk in Herzhöhe liegen. Und: Zum Blutdruckmessen muss man sich in einem Zustand körperlicher und seelischer Ruhe befinden. Der Blutdruckwert sollte unter 130/80 mmHg liegen, Werte bis zu 140/90 mmHg kann man tolerieren. Wenn Ihre Werte höher legen, wird es Zeit, einen Termin bei Ihrem Hausarzt zu vereinbaren.

Quelle

Blutdruckmessgeräte: Kaum Fehlanzeigen, test 12/2010

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Foto: Kopflaus unter dem Mikroskop, © Wikipedia (By M123 at en.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons)

Sie sind nur ungefähr 3 mm groß, wenn sie erwachsen sind; sie kommen in den besten Familien vor und sie sind ganz auf den menschlichen Kopf spezialisiert. Mit speziellen Mundwerkzeugen ritzen sie die Haut an und trinken unser Blut, alle 2 – 4 Stunden. Aus dem Mund sondern sie einen Speichel ab, der verhindert, dass das Blut gerinnt. Der Speichel enthält Substanzen, die Juckreiz verursachen. Unwillkürlich kratzt sich der Geplagte am Kopf. Dadurch wird die Sache noch schlimmer: Bakterien dringen in die frische Wunde ein, es bilden sich Krusten aus Blut, Eiter und Schmutz.

Männliche und weibliche Kopflaus, © Wikimedia Commons, Lizenz dort

Die Rede ist von der Kopflaus, „Pediculus humanus capitis“. (Pediculus heißt die Laus auf Lateinisch, humanus bedeutet „menschlich“ und capitis „des Kopfes“) Im Gegensatz zu ihren beiden Schwestern, der Filzlaus und der Kleiderlaus ist die Kopflaus auch bei uns in Deutschland noch weit verbreitet und weit entfernt davon, eine bedrohte Art zu werden.

Wegen ihr wurden schon ganze Kindergärten geschlossen, weil man der Plage einfach nicht Herr wurde. Dabei ist es ganz einfach, die Laus wieder los zu werden. Man muss nur mit ein paar Vorurteilen aufräumen und ein paar ganz einfache Regeln beachten. Wir fangen mit den Vorurteilen an:

Vorurteil 1: Die Kopflaus vermehrt sich nur auf ungewaschenen Köpfen

Waschen hat nichts mit Kopfläusen zu tun. Man kann sich die Haare waschen so oft man will – Kopfläuse kann man trotzdem bekommen und wenn man sie hat, gehen sie auch vom Waschen nicht weg. (Übrigens: Kinder mit Migrationshintergrund haben seltener Kopfläuse als Kinder deutscher Eltern, das ergab kürzlich eine Studie an rund 1900 Erstklässlern in Braunschweig. Kopfläuse haben auch nichts mehr mit Armut zu tun, wie es früher einmal der Fall war, „Kopfläuse gibt es in den besten Kreisen“.)

Vorurteil 2: Die Kopflaus springt von Kopf zu Kopf

Die Kopflaus springt nicht, kann sie gar nicht. Sie ist ein Insekt mit sechs Beinen, an den Beinen sind spezielle Klauen, mit denen klammert sie sich an die Haare und krabbelt vorwärts. Man muss schon die „Köpfe dicht zusammenstecken“ um eine Kopflaus zu übertragen. Übrigens: Auch die Übertragung durch Gegenstände ist sehr selten, vor allem auf glatten Oberflächen krabbelt sie kaum.
Vorurteil 3: Eine Behandlung gegen Kopfläuse reicht aus

Es gibt chemische Mittel gegen Kopfläuse (sie enthalten Nervengifte) und solche, die die Läuse mit einem Film überziehen und sie ersticken. Auch das Auskämmen der nassen Haare mit einem speziellen Kamm („Staubkamm“) kann Läuse, Larven und Eier entfernen. Alle Methoden haben Vor- und Nachtteile, am wirksamsten sind chemische Methoden, am unsichersten das Auskämmen. Aber bei allen drei Methoden gilt: Sie müssen mehrfach durchgeführt werden, um Erfolg zu haben.

Diagnose: Wie finde ich die Läuse?
Foto: © Wikimedia. commons, Lizenz siehe dort

Am besten finden Sie Läuse und Nissen (die ans Haar festgeklebten Läuse – Eier in ihrer Hülle), wenn Sie die nassen Haare mit einem Staubkamm auskämmen. (Pflegespülung oder Shampoo steigert den Erfolg der Suche.) Den Kamm streichen Sie auf einem Stück Küchenrolle oder einem weißen Handtuch aus. Auf diese Weise sehen Sie die Läuse, die Nissen und die Larven am besten. Sie können auch die Haare Strähne für Strähne in hellem Licht untersuchen. Am ehesten finden Sie Läuse und Nissen in den Haaren hinter den Ohren und im Nacken, die Eier werden rund 1 cm oberhalb der Kopfhaut abgelegt. Wenn Sie „Nissen“ in 3 cm Entfernung von der Kopfhaut entdecken, dann handelt es sich vermutlich um leere Eihüllen – das Haar wächst einen Zentimeter im Monat, die jungen Larven sind nach den 2 Monaten längst geschlüpft.

Man muss nicht Arzt sein, um die Diagnose Kopfläuse zu stellen. Das kann auch jede erfahrene Mutter oder Vater und jede Erzieherin oder Erzieher.

Therapie: Wie werde ich die Läuse los?

Es gibt eine ganze Reihe von Mitteln, die gegen Kopfläuse wirken. Eine Gruppe enthält Insektizide, die Läuse werden durch ein Nervengift abgetötet. Eine andere Gruppe enthält Dimeticon, ein Silikonprodukt, welches die Läuse erstickt, in dem es die Atemöffnungen verstopft. Beachten Sie die Gebrauchsanweisung, jedes Mittel wird etwas anders angewendet.

Ganz wichtig: Das Mittel, ganz gleich welches, muss am neunten oder zehnten Tag ein zweites Mal angewendet werden. Der Grund: Eier können die erste Kur überleben, die Larven schlüpfen nach sieben bis acht Tagen, nach 11 Tagen sind sie selbst wieder zu geschlechtsreifen Kopfläusen herangewachsen, die ihrerseits wieder Eier legen können.

Die häufigsten Gründe, warum die Kur gegen Läuse fehlschlägt sind: zu wenig Mittel, Mittel schlecht verteilt, zu stark im allzu nassen Haar verdünnt und die zweite Behandlung vergessen. Vereinzelt soll es auch in Deutschland zu Resistenzen der Kopfläuse gegen Insektizide gekommen sein, im europäischen Ausland gibt es schon viele Berichte darüber.

Durch regelmäßiges Auskämmen der nassen Haare kann der Erfolg der Läusekur noch gesteigert werden. Etwa alle vier Tage, 17 Tage lang, beginnend direkt nach Anwendung des Anti-Läusemittels sollte diese bei langen Haaren etwas schwierige Prozedur durchgeführt werden. Der dazu verwendete Kamm: Staub- oder Nissenkamm genannt, ist ein Kamm mit eng und fest stehenden Zinken, man erhält ihn jeder Drogerie und Apotheke, er kostet etwa ein bis drei Euro und ist manchmal auch gleich dem Entlausungsmittel beigefügt.

Schwangere und Stillende sollten versuchen, der Läuseplage mit reinem (nassem) Auskämmen Herr zu werden.

Mützen und Schals, Unterwäsche und Bettzeug sollten bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Alles, was nicht so heiß gewaschen werden kann (Kuscheltiere!), kommt für drei Tage in eine verschlossene Plastiktüte – nach dieser Zeit sind alle Läuse tot. In der Tiefkühltruhe (ab minus 10 Grad) leben sie nur noch zwei Tage. Kämme und Bürsten werden am besten ausrangiert.

Übrigens: Mittel zur Behandlung von Kopflausbefall sind nicht rezeptpflichtig, bis zum vollendeten 11. Lebensjahr werden die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, wenn sie ein Rezept von Ihrem Arzt in der Apotheke vorlegen.

Wann darf mein Kind wieder in den Kindergarten oder in die Schule?

Wenn Sie das Kind korrekt nach Gebrauchsanweisung mit dem Läusemittel behandelt haben, kann es am nächsten Tag wieder in den Kindergarten/ in die Schule. Eine Ansteckung ist nicht mehr zu befürchten, aber denken sie an das regelmäßige nasse Auskämmen mit dem Staubkamm alle vier Tage und die zweite Anwendung des Mittels nach neun Tagen !

Ob Sie eine Bescheinigung des Arztes brauchen oder ihr eigenes Wort ausreicht, entscheidet der Kindergarten oder die Schule, unter Umständen in Absprache mit dem Gesundheitsamt.

Quellen und weiterführende Links

Gesundheitsinformation.de. Merkblatt Kopfläuse

Robert Koch-Institut: Kopflausbefall, Merkblatt für Ärzte

Deutsche Pediculosis Gesellschaft e.V.

Pediculosis capitis im Kindesalter : epidemiologische und sozialmedizinische Erkenntnisse einer Reihenuntersuchung von Schulanfängern – Abstrakt auf Englisch

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Thema Kopfläuse: Arbeitsmaterialien für die Praxis

„Kopfläuse- Was tun?“ – Broschüre der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Bestellen und auch als Download (pdf)

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Zink ist ein wichtiger Bestandteil der Nahrung, ohne Zink kann kein Mensch, kein Tier und keine Pflanze existieren. Zink ist ein chemisches Element, der Mensch braucht es nur in kleinen Mengen, es wird daher als Spurenelement bezeichnet. (Andere lebenswichtige („essentielle“) Spurenelemente sind z.B. Kupfer und Eisen.) Zink ist ein Bestandteil vieler Enzyme im Körper des Menschen, eine Vielzahl von Krankheiten kann auftreten, wenn Zink fehlt. Andererseits ist eine Überdosis von Zink giftig, paradoxerweise löst eine Überdosis oft die gleichen Symptome aus wie ein Zinkmangel. Weltweit fehlt Millionen von Menschen ausreichend Zink in der Nahrung, in Deutschland und den westlichen Industriestaaten ist die Zinkversorgung mit der Nahrung jedoch meist ausreichend. Alkoholiker, Menschen mit chronischen Darmerkrankungen und angeborener Störung der Zinkaufnahme sind in Gefahr, durch einen Mangel an Zink zu erkranken.

Wieviel Zink brauche ich?

Nach europäischen Empfehlungen sollten Frauen rund 7 mg und Männer etwa 9 mg Zink mit der Nahrung aufnehmen. Zink steckt in sehr vielen Nahrungsmitteln, ein Zinkmangel bei einer ausgewogenen Mischkost ist daher sehr unwahrscheinlich. Obwohl rotes Fleisch sehr viel Zink enthält, brauchen auch Vegetarier keinen Mangel befürchten: Nüsse, Linsen und Vollkorngetreide enthalten jede Menge dieses wichtigen Spurenelements. Vor allem Vegetarier, die sich „ovo-lacto-vegetabil“ ernähren, erhalten zusätzliche Zinkzufuhr aus Eiern und Milchprodukten.

Wie kann Zinkmangel festgestellt werden?

Leider gibt es bis heute keine zuverlässige Labormethode, mit der man Zinkmangel zuverlässig diagnostizieren könnte. Bestimmungen der Zinkkonzentration im Blut sind sehr ungenau und nur bei sehr starkem Mangel oder heftiger Zinkvergiftung aussagekräftig. Der größte Teil des Zinks im Körper befindet sich, gebunden an Eiweiß, im Inneren der Zelle und nur sehr wenig (0,1 % des gesamten Bestandes) kreist ungebunden im Blut.

Die Diagnose wird also wesentlich durch die Symptome bestimmt.

Die extremste Form eines Zinkmangels ist angeboren: Aufgrund eines angeborenen Defekts wird bei der Acrodermatitis enteropathica zu wenig Zink aus dem Darm des Säuglings aufgenommen. So kommt es schon im ersten Lebensjahr zu schuppenden und bläschenförmigen Hautausschlägen, eingerissenen Mundwinkeln, zu starken Durchfällen, Infektanfälligkeit, Appetitlosigkeit, später zu geistiger und körperlicher Entwicklungsverzögerung, Störungen des Geschmacks, Impotenz und Wundheilungsstörungen.

Alle diese Symptome treten auch in wechselnder Ausprägung bei leichterem Zinkmangel auf. Leider sind sie nicht charakteristisch für Zinkmangel, deswegen wird eine gründliche Untersuchung in jedem Fall nötig sein, der Arzt wird dabei die Risikofaktoren für Zinkmangel berücksichtigen. Alkohol stört die Zinkaufnahme und fördert die Ausscheidung von Zink über die Nieren. Alle Patienten mit chronischen Darmerkrankungen sind anfällig für Zinkmangel, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn aber auch der Magenbypass bei übergewichtigen Patienten kann zu Mangelerscheinungen führen.

Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Bedarf; Kinder, die nach dem 6.Lebensmonat ausschließlich gestillt werden, bekommen häufig zu wenig Zink mit der Nahrung angeboten. Vegetarier haben ebenfalls einen erhöhten Zinkbedarf, wenn sie sehr große Mengen Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte zu sich nehmen. Diese enthalten Phytate, die in der Lage sind, Spurenelemente wie Zink und Eisen zu binden und dadurch die Aufnahme durch den Darm zu verhindern. Käse und andere Milchprodukte können hier Abhilfe schaffen, auch das Backen mit Sauerteig oder das Einweichen der Hülsenfrüchte und der Genuss von Getreide- und Bohnenkeimlingen.

Auch ältere Patienten mit mehreren Erkrankungen, schlechter (einseitiger) Ernährung und vielen Medikamenten (vor allem wassertreibende Mittel) neigen zu Zinkmangel.

Hilft Zink gegen Erkältungen?

Zu dieser Frage gibt es Studien mit sehr widersprüchlichen Ergebnissen: Die einen sehen eine (meist sehr diskrete) Verbesserung, die anderen keinen Effekt. Vor allem in den USA wurde bekannt, dass Patienten ihren Geruchssinn zeitweise oder sogar ständig verloren, nachdem sie zinkhaltige Nasensprays verwendet hatten.

Stärkt Zink das Immunsystem?

Ja, aber nur wenn ein ausgeprägter Zinkmangel besteht. Zink ist erforderlich, damit der Körper eine wichtige Sorte weißer Blutkörperchen, die T-Lymphozyten bilden und aktivieren kann. Auch die Bildung von Komplement wird durch Zinkmangel gestört. (Das Komplementsystem besteht aus löslichen Eiweißen, die im Blut zirkulieren und der Abwehr von Infektionserregern dienen.) Vielleicht ist dieser Umstand die Erklärung für die hohe Anfälligkeit von Kindern in Entwicklungsländern und von alten Leuten für Lungenentzündungen und Durchfallerkrankungen. Kindern mit Durchfall in Afrika, die Zink zusätzlich zur sonstigen Behandlung erhielten, wurden schneller wieder gesund als die Vergleichsgruppe nur mit Standardbehandlung. Aus diesem Grund empfiehlt die WHO die zusätzliche Zinkgabe bei Durchfall zumindest in den unterentwickelten Ländern.

Hilft Zink bei Wunden?

Bei älteren Menschen, die unter offenen Unterschenkelgeschwüre und ausgeprägtem Zinkmangel litten, half die Zinkgabe bei der Heilung der Wunden. Bei den anderen ohne Zinkmangel zeigte sich kein Effekt. In vielen Salben zur Wundbehandlung und zur Vorbeugung gegen Wundsein ist Zink enthalten und sie werden seit langem mit gutem Erfolg eingesetzt.

Hilft Zink bei Makuladegeneration?

Die Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist eine Augenerkrankung, die zur Erblindung führen kann und aufgrund der Zunahme älterer Menschen in unserer Gesellschaft immer häufiger auftritt. In einer amerikanischen Studie (AREDS) wurde der Effekt einer kombinierten Zink und Vitamingabe auf das Fortschreiten der Erkrankung geprüft. Die Effekte waren mäßig, sie konnten bei den Patienten, die bereits an einer AMD im fortgeschrittenen Stadium litten, das weitere Fortschreiten um 19% verhindern. Dabei waren hohe Dosen von 500 mg Vitamin C, 400 mg Vitamin E und 15 mg Beta-Karotin erforderlich. Zusätzlich wurden 80 mg Zink und 2 mg Kupfer verabreicht. Die Zinkdosierung ist sehr hoch; das Kupfer kam hinzu, weil eine solch hohe Dosis Zink die Aufnahme von Kupfer aus dem Darm verhindert, was zur Anämie führen kann.

Eine Vorbeugung der AMD war mit diesem Präparat jedoch nicht möglich. Da diese Dosierungen auch schädliche Folgen haben können, sollten sie die Anwendung mit Ihrem Arzt besprechen: Es gibt z.B. Hinweise dafür, dass Vitamin E und Beta-Karotin das Lungenkrebsrisiko bei Rauchern erhöhen können.

Eisen, Zink und Kupfer

Eisen, Zink und Kupfer werden durch dasselbe Transportsystem aus dem Darm aufgenommen. Sie behindern sich dabei z.T. gegenseitig. Zink verhindert die Aufnahme von Kupfer, Eisen die Aufnahme von Zink. Aus diesem Grund werden hohe Dosen von Zink häufig mit Kupfer kombiniert, Eisen sollte zwischen den Mahlzeiten eingenommen werden, dann behindert es nicht die Zinkaufnahme aus der Nahrung.

Zinkvergiftung

Symptome der akuten Zinkvergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Durchfall und Kopfschmerzen. Schon ab 150 mg Zink pro Tag zeigen sich Symptome der chronischen Zinkvergiftung, eine Immunschwäche ist das typische Symptom.

Eine weitere Folge der chronischen Zinkvergiftung ist ein Mangel an Kupfer, möglicherweise resultiert daraus eine Blutarmut. Zu viel Zink kann auch den Spiegel des HDL-Cholesterins senken. Das HDL gebundene Cholesterin ist das gute („Hab Dich Lieb“-Chlolesterin), der Schutz vor Gefäßverkalkung mit all seinen Folgen kann also durch zu viel Zink gebremst werden.

Fazit

Nehmen Sie niemals irgend ein Präparat ein, das Zink enthält, ohne mit ihrem Arzt darüber gesprochen zu haben. Es kann sein, das Sie Ihr Geld zum Fenster raus schmeißen. Es kann aber auch sein, dass Sie Ihrer Gesundheit damit schaden. Bemühen Sie sich um eine ausgewogene Ernährung mit reichlich frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Käse, Eiern und Fisch. Damit decken Sie Ihren Zinkbedarf in den meisten Fällen ausreichend.

Quellen

Office of Dietary Supplements (NIH) : Zinc (engl.)

American Macular Degeneration Foundation: AGE-RELATED EYE DISEASE STUDY (AREDS)

A. Hahn: Zink, in: Ernährungsmedizin, Prävention und Therapie, Urban und Schwarzenberg, 2003

EUFIC: Zink – Ein Super – Nährstoff?

Arzneitelegramm, 11/2001: Hilft Zink bei Erkältungen?

Arzneitelegramm 41/2010: Zur Marktrücknahme zinkhaltiger Prothesenhaftcremes

Arzneitelegramm 11/2003: VITAMINE A, C, E UND BETAKAROTIN: WIE NÜTZLICH SIND ANTIOXIDANZIEN? (II)

Medline Plus: Minerals

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Eine Hypoglykämie tritt auf, wenn der Blutzuckerspiegel auf Werte fällt, die tiefer als die Norm liegen. Unterzuckerungen sind normalerweise Komplikationen der Behandlung des Diabetes mellitus. Eine Hypoglykämie bei einem Gesunden oder einem Menschen, der kein Insulin spritzt oder bestimmte Medikamente gegen Diabetes nimmt, ist sehr, sehr selten – obwohl das Gegenteil oft vermutet wird.

Die Symptome der Unterzuckerung sind sehr vielfältig, folgen aber einem gleichmäßigen Schema. Die körperlichen Anzeichen einer Hypoglykämie sind Folgen zweier Prozesse: Das Gehirn verlangt nach Traubenzucker (Glukose) und der Körper schüttet alle möglichen Hormone aus, die den Zuckerspiegel im Blut wieder ansteigen lassen sollen.

Es gibt nur ein Hormon, welches den Blutzuckerspiegel senkt: das Insulin. Im Körper des Menschen werden dagegen sehr viele Hormone ausgeschüttet, die den Blutzuckerspiegel ansteigen lassen. Dazu gehören das Adrenalin, das Cortison, das Wachstumshormon, das Glukagon und andere.

Bei einer Unterzuckerung bemerkt der Mensch zunächst die Wirkung des Adrenalins, des „Kampf – oder Flucht -Hormons“: Herzrasen, Angst, Schwitzen, Unruhe. Wird die Unterzuckerung ernster, dann treten Funktionsstörungen des Gehirns ein, weil dem Gehirn der Brennstoff Traubenzucker fehlt: Konzentrationsstörungen, Denkstörungen, Sehstörungen, Störungen der Bewegung, Krämpfe, schließlich Bewusstlosigkeit und (manchmal sogar) Tod.

Diese Symptome sind nicht beweisend, von einer Hypoglykämie sollte man erst sprechen, wenn Symptome aufgetreten sind und die Gabe von Traubenzucker diese Symptome beseitigen konnte.

Bei welchen Blutzucker – Werten tritt eine Hypoglykämie auf? Der normale Blutzuckerspiegel liegt nüchtern zwischen 60 und 100 mg/dl. Unter 50 mg/dl treten in der Regel leichte Symptome der Unterzuckerung auf, unter 40 mg/dl ist eine schwere Hypoglykämie zu erwarten. Typ II-Diabetiker, die erst im Erwachsenenalter zuckerkrank wurden, spüren oft schon Symptome der Unterzuckerung bei wesentlich höheren Werten. Bei der Wahrnehmung der Unterzuckerung scheint es sich ähnlich zu verhalten wie bei der Wahrnehmung der Temperatur: Wenn der Zuckerwert oder die Temperatur schnell abfallen, so wird dies deutlicher empfunden als bei einem langsameren Wechsel. Bei Typ I – Diabetikern, die meist bereits in der Kindheit erkrankten, ist dagegen die Wahrnehmung der Unterzuckerung oft sehr schlecht. So kann als erstes das Bewusstsein schwinden, ohne dass irgend welche Warnzeichen diesen lebensbedrohlichen Zustand ankündigten. Geschieht dies häufiger, sollte der Diabetiker eine Spritze mit Glucagon zu Hause haben, ein Hormon der Bauchspeicheldrüse, welches den Zuckerspiegel steigert. Diese Spritze muss dann ein Angehöriger verabreichen, das Einflößen von Traubenzucker ist zu gefährlich, wenn das Bewusstsein getrübt ist.

Hypoglykämien treten beim Diabetiker in der Regel nur auf, wenn er mit Insulin oder einem Sulfonylharnstoff behandelt wird, der wichtigste Vertreter der Sulfonylharnstoffe ist das Glibenclamid. Diät, Bewegung oder die Behandlung mit z.B. Metformin führen dagegen in der Regel nicht zur Unterzuckerung.

Hypoglykämien stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit des Diabetikers dar. Neuere Studien zeigen, dass bereits drei schwere Hypoglykämien das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, verdoppelt. (Als „schwere Hypoglykämie“ wurden in dieser Studie solche Unterzuckerungen genannt, die einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machten.)

Hypoglykämien scheinen die Überlebenszeit des Patienten mit Diabetes zu verkürzen. So jedenfalls kann das Ergebnis der ACCORD – Studie interpretiert werden. In dieser Studie wurde bei einem Teil der diabetischen Versuchspersonen der HbA1C – Wert auf Werte unter 6 % gesenkt, das entspricht dem Normwert bei Gesunden. Dieser Arm der Studie wurde vorzeitig beendet – die Sterblichkeit in der streng behandelten Gruppe war höher als in der weniger streng therapierten Vergleichsgruppe! Waren Hypoglykämien die Ursache? Die Ursache ist unklar, auch das in der Vergleichsgruppe häufiger eingesetzte und jetzt wegen Herznebenwirkungen vom Markt genommene Rosiglitazon könnte eine Rolle gespielt haben.

In seltenen Fällen produziert ein (meist gutartiger) Tumor der Bauchspeicheldrüse Insulin unabhängig von der Höhe des Blutzuckerspiegels. Hypoglykämien sind das wichtigste Symptom, eine Operation kann die Krankheit heilen.

Alkohol im Übermaß kann Hypoglykämien verursachen. Die Leber speichert Zucker in Form von Glykogen. Fehlt Zucker im Blut, dann wird das Glykogen der Leber zu Traubenzucker abgebaut und ins Blut abgegeben. Der Alkoholabbau lastet die Leber jedoch komplett aus, der Glykogenabbau stockt deswegen, auch wenn Zucker dringend benötigt wird.

Viele Menschen erleben drei bis vier Stunden nach einer Mahlzeit einen Abfall des Blutzuckerspiegels, der aber kaum zu ernsthaften gesundheitlichen Störungen führt. Eine kleine Zwischenmahlzeit behebt das Problem. Eine eigenständige Krankheit „Hypoglykämie“ existiert nicht, Unterzuckerungen sind immer Symptom anderer ernsthafter Erkrankungen oder Vergiftungen.

Die erste Hilfe bei Hypoglykämie: Zucker geben, solange der Patient bei Bewusstsein ist und noch schlucken kann. Bei Bewusstlosigkeit steht die stabile Seitenlage und der Notruf (112) im Vordergrund. Jeder Diabetiker, der Insulin spritzt, sollte Traubenzucker bei sich tragen – egal wo er sich befindet. Wenn er sich nicht wohl fühlt und seinen Blutzucker nicht schnell messen kann, sollte er Zucker zu sich nehmen. Wenn er seinen Zucker messen kann, sollte er seinen Blutzucker auf Werte über mindestens 70 mg/dl anheben. Zucker steckt in Traubenzuckerplättchen, aber auch in (normaler) Cola oder in Apfelsaft. Zwei Schnitt Brot danach sorgen dafür, dass der Blutzucker nicht so schnell wieder im Keller landet.

Quellen

Universimed.com: Hypoglykämie

Medline Plus: Hypoglycemia (engl.)

Deutsches Ärzteblatt, News vom 7.10.2010: Typ-2-Diabetes: Hypoglykämie als Vorbote von Spätkomplikationen

National Diabetes Information Clearinghouse: Hypoglycemia (engl.)

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(Foto: © Zaubervogel auf pixelio.de)

„Herr Doktor, ich kann nicht schlafen, schreiben Sie mir mal was auf..“ Diesen Satz höre ich nicht selten in der täglichen Praxis. Leider geht das nicht so einfach. Der Schlafmangel ist ein kompliziertes gesundheitliches Problem mit vielen verschiedenen Ursachen und vielen verschiedenen Therapien.

Rund 10 % der Bevölkerung leidet an dauernden Schlafstörungen, rund 30 % sind hin und wieder unzufrieden mit der Länge und/oder der Qualität ihres Schlafs.

Ältere Leute brauchen weniger Schlaf

Vor allem viele ältere Leute haben unrealistische Vorstellungen davon, wie lange sie schlafen müssten. Es gibt keine einheitliche Schlafdauer für jeden. Der eine ist mit 5 Stunden ausgeschlafen, der andere braucht mindestens acht. Unbestreitbare Tatsache ist aber: Der Mensch braucht im Laufe seines Lebens zunehmend weniger Schlaf, um morgens erfrischt und ausgeruht dem Tag entgegen zu sehen. Älteren Menschen wird der Tag aber oft zunehmend beschwerlich, oft auch einsam, da soll der Schlaf Entlastung bringen. Wer aber mit 80 Jahren abends um 21 Uhr ins Bett geht, ist möglicherweise um 2 Uhr nachts ausgeschlafen. Schlaftabletten helfen hier nicht, erhöhen möglicherweise nur das Risiko für einen Sturz.

Körperliche Erkrankungen können schlaflos machen

Viele körperliche Erkrankungen können den Schlaf stören: Schilddrüsenerkrankungen, Asthma und chronische Bronchitis, Herzleiden und die Parkinson Erkrankung sind nur ein paar Beispiele dafür. Es nützt nicht: Zur Diagnose bei Schlafstörungen gehört eine gründliche allgemeinärztliche Untersuchung, manchmal sind weiterführende diagnostische Prozeduren wie eine Blutabnahme, Röntgen oder eine Ultraschalluntersuchung erforderlich.

Schlafapnoe

Manche Patienten „vergessen“ im Schlaf zu atmen. Meist sind es Schnarcher, bei denen im Schlaf die Atmung aussetzt. Schlafapnoe nennt man diese Krankheit, Apnoeheißt ohne Atmung auf Altgriechisch. Durch den Mangel an Sauerstoff wird der Patient mehrfach in der Nacht „geweckt“. (Oft wird er nicht richtig wach, nur der Tiefschlaf wird verhindert, die oberflächlichen Schlafstadien nehmen zu.) Der Patient fühlt sich am Tage unausgeschlafen, hat manchmal den unbedingten Wunsch jetzt sofort einzuschlafen und tut dies bisweilen sogar, obwohl er es nicht sollte – z.B. am Steuer eines LKW auf gerader Strecke am helllichten Tage.

Ein kleines Gerät, das der Patient eine Nacht mit sich trägt und zu Hause schläft, dient dem „Screening“, also der Suche nach einem oder mehreren Atemstillständen in der Nacht. Zeigt der Screeningtest längere und häufige Stillstände der Atmung, dann ist eine Untersuchung im Schlaflabor zur genauen Abklärung fällig.

restless legs – die ruhelosen Beine

Es zuckt und schmerzt in der Wade, im Bein, vor allem, wenn der Patient zur Ruhe kommt, erst recht, wenn er im Bett liegt und einschlafen will. Das Syndrom der unruhigen Beine, das Restless Legs Syndrom ist oft eine Quelle hartnäckiger Einschlafstörungen. Über die Ursache wissen wir nicht viel, aber wir können es gut behandeln, mit Medikamenten, die auch gegen die Parkinsonkrankheit helfen. Mit Parkinson haben die restless legs dennoch nichts zu tun.

Eng verwandt scheint das Syndrom der periodischen Beinbewegungen im Schlaf zu sein. Beine und Arme des Patienten zucken im Abstand von 20 bis 40 Sekunden, der Patient wird immer wieder aufgeweckt.

Psychisch Kranke schlafen meistens schlecht

Für die Depression typisch ist das früh-morgendliche Erwachen, daran schließt sich das morgendliche Stimmungstief an. Oft kündigt das morgendliche Erwachen die depressive Episode an. Aber auch Ein-und Durchschlafstörungen können Symptome der Depression sein. Bei den Schizophrenien und Angsterkrankungen ist oft der Schlaf nachhaltig gestört. Alkoholiker klagen oft über Schlafmangel, während der Erkrankung, aber auch im Entzug und in der Rehabilitation, das gleiche gilt für Medikamenten- und Drogenabhängigkeit. Demenzpatienten sind oft gerade des nachts besonders unruhig.

Kaffee, Tee, Zigaretten, Medikamente und Alkohol

Viele Medikamente können den Schlaf stören, besprechen Sie dieses Problem mit Ihrem Hausarzt, wenn Sie meinen, nach einem neu verordneten Medikament schlechter schlafen zu können. Alkohol ist kein gutes Schlafmittel: Das Einschlafen wird leichter, aber die Schlafqualität leidet. Schwarzer Tee, Kaffee und Zigaretten wirken oft bis zu acht Stunden lang aufputschend. (Manchmal hilft eine Tasse Kaffee jedoch einem Demenzkranken zum Einschlafen – altes Nachtschwestern-Rezept ohne jeden wissenschaftlichen Nachweis.)

Schlaflos ohne erkennbare Ursache: „Primäre Insomnie“

In den Fällen, in denen keine Ursache gefunden werden kann, spricht man von „primärer“ Schlaflosigkeit („Insomnie“).

Manchmal ist eine primäre Insomnie auch eine Folge schlechter Angewohnheiten – zunächst hat eine Krankheit Schlaflosigkeit hervorgerufen, jetzt raubt die Angst vor Schlafmangel und der regelmäßige Mittagsschlaf oder die Abhängigkeit von Schlafmitteln den erquickenden Schlaf in der Nacht.

In anderen Fällen scheinen die Gene schuld zu sein, Schlafstörungen häufen sich in bestimmten Familien.

Bisweilen liegt auch gar keine Schlafstörung vor sondern nur eine unrealistische Erwartung an die Schlafdauer. Manche Menschen glauben, sie müssten so und so viel Stunden schlafen, um gesund leben zu können. Dabei ist die Menge an Schlaf, die jeder Mensch braucht, durchaus unterschiedlich. Es gibt Erwachsene und vor allem ältere Menschen, die nach fünf Stunden ausgeschlafen sind, andere brauchen mehr als neun. Die erste Frage, die man sich selber stellen sollte, ist also: „Bin ich tagsüber müde?“ Wenn keine Tagesmüdigkeit vorliegt, dann ist der Schlaf ausreichend, auch wenn er nur kurz währt.

Behandlung von Schlafstörungen

Die Behandlung von Schlafstörungen kann sehr einfach sein, manchmal hilft ein einziger Rat. Manchmal ist es ein sehr schwieriger Prozess, der sich über Jahre hinzieht und manche Menschen werden ihre Schlafstörung nie los.

In allen Fällen, in denen eine Krankheit – sei sie körperlicher oder seelischer Natur – vorliegt, steht die Therapie der Krankheit im Vordergrund. Einige allgemeine Ratschläge gelten bei fast allen Formen der Schlaflosigkeit.

Schlafmangel bringt mich nicht um

Viele Patienten schlafen nur deshalb schlecht, weil sie krampfhaft versuchen, einzuschlafen. Sie befürchten körperliche Schäden, wenn sie nicht genug schlafen. Angeheizt werden die Befürchtungen noch durch reißerische Veröffentlichungen der Presse. Einschlafen geht aber nicht auf Befehl, Angst verhindert das Einschlafen. Natürlich fühlt man sich am nächsten Tag nicht so gut, wenn man zu wenig geschlafen hat.  Die  Konzentration und vor allem die Reaktionsfähigkeit können schlechter sein, aber oft sind die Auswirkungen minimal.

Keinen Schlaf nachholen!

Viele Schlaflose legen sich nach einer schlecht durch geschlafenen Nacht am nächsten Mittag ins Bett oder gehen am nächsten Abend früher schlafen. Diese Reaktion ist grundverkehrt und kann eine Schlaflosigkeit chronisch machen.  Gehen Sie am nächsten Abend zur gewohnten Zeit ins Bett, der Körper gleicht das Schlafdefizit durch einen intensiveren Schlaf aus. Das Gleiche gilt für das Ausschlafen am Wochenende. Oft führt diese gemütliche Angewohnheit zu Schlafstörungen am Montag und Dienstag.

Auf den Rhythmus achten !
Jeder Mensch hat seinen eigenen Rhythmus:  es gibt „Eulen“, die abends nicht rein und morgens nicht raus kommen und „Lerchen“, die abends früh müde und morgens früh wach werden. In gewissen Grenzen lassen sich durch Training Umstellungen erreichen, das Grundmuster läßt sich aber nicht nachhaltig verändern. Es ist besser, man gehorcht seinem Rhythmus und sucht sich eine Arbeit, die im Arbeitsbeginn und Ende dem eigenen Schlaf-Wachverhalten am besten entspricht.

Leider ist das vielen Menschen nicht möglich, besonders die Schicht- und Nachtarbeit ist für eine Vielzahl von Schlafstörungen verantwortlich. Auch der Schulbeginn ist zu früh, warnen viele Schlafforscher. Die unselige Sommerzeit sorgt in schwächerer Form zu Beginn des Sommers für einen kleinen Jetlag bei einer Vielzahl von Menschen.

Rituale helfen

Bei Kleinkindern ist es das Vorlesen oder Singen nach dem Abendessen und dem Zähne putzen. Auch bei Erwachsenen wird das Einschlafen durch all abendliche Rituale günstig beeinflusst.  Wer sich abends nicht von seinen Sorgen trennen kann, der sollte sie in ein Buch schreiben, damit er am nächsten Morgen wieder darüber nachdenken kann. Das Ritual sollte nicht zu lange dauern, etwa eine halbe Stunde reicht aus und natürlich sehen sie bei jedem anders aus.  Bei dem einen ist es der Rundgang durchs Haus, der andere bevorzugt eine (am besten nicht zu spannende) Lektüre, Radio- oder Musik hören.

Das Bett ist nur zum Schlafen da …

Patienten mit Schlafstörungen wälzen sich oft stundenlang im Bett herum, ohne (wieder) einschlafen zu können. Genauso wie uns beim Anblick einer leckeren Mahlzeit  „das Wasser im Munde zusammen läuft“, genauso soll uns der Anblick unseres Bettes müde machen. Und nicht an die letzte und vorletzte schlaflose Nacht erinnern. Also: Wenn Sie nicht einschlafen könne, raus aus dem Bett! Gehen Sie irgend einer langweiligen Beschäftigung nach: Bügeln z.B. oder Wäsche zusammen legen.

Fernsehen oder am Computer spielen ist nicht so optimal, macht nicht so müde, kann eher aufregend wirken.

Außer sexueller Aktivität sollte das Bett wirklich nur zum Schlafen benutzt werden, wenn sie unter Schlaflosigkeit leiden. Diskutieren Sie bloß nicht die Probleme des Tages oder gar Eheprobleme abends vor dem Einschlafen. Sehen Sie im Bett nicht fern, essen Sie nicht im Bett, grübeln Sie nicht.

Bloß keine Schlafmittel, Alkohol hilft auch nicht

Schlafmittel sollen das Einschlafen erleichtern und das Durchschlafen garantieren, heute gehören sie meistens zur Stoffgruppe der Benzodiazepine. Benzodiazepine sind gut verträglich, ihre Einführung war ein echter Fortschritt gegenüber den Barbituraten. Mit Barbituraten konnte man sich umbringen, mit Benzodiazepinen ist dies kaum noch möglich. Das Gefährliche an der Stoffgruppe der Benzodiazepine: Sie können innerhalb kürzester Zeit eine schwere Abhängigkeit erzeugen. Sie helfen auch nicht wirklich. Der Patient schläft länger, aber nicht besser. Der Schlaf ist nicht so erquickend wie der Schlaf ohne Schlafmittel. Und schließlich braucht man das Schlafmittel nur, um die Beschwerden des Entzugs zu lindern. Ein Symptom des Entzugs: Die Schlaflosigkeit!

Klar, Benzodiazepine haben noch einen Nutzen: Am Abend vor der Operation etwa. Aber bitte nie länger als 14 Tage einnehmen. Und am besten in der zweiten Woche nur jeden zweiten Tag.

Auch frei verkäufliche Schlafmittel helfen nicht. Sie stören die Schlaf“architektur“ – das ist die Abfolge von Leichtschlaf, Traumschlaf und Tiefschlaf, die sich jede Nacht in immer wiederkehrenden Zyklen wiederholt. Das gleiche gilt für die Wirkung von Alkohol: Er erleichtert das Einschlafen, aber er erschwert das Durchschlafen. Zu Beginn der Nacht werden die Traumphasen weniger, in der zweiten Hälfte vermehren sich die Träume, der Schlaf wirkt nicht mehr so erholsam wie ohne Alkohol.

Bei depressiven Erkrankungen werden oft schlafanstoßende Antidepressiva zur Nacht gegeben, die Aktivität steigernde dagegen morgens. Antidepressiva sind keine Schlafmittel, obwohl sie den Schlaf fördern können. Bei der Depression und auch in der Therapie chronischer Schmerzen sind sie eine echte Bereicherung, sie erzeugen in der Regel keine Abhängigkeit.

Autogenes Training

Das autogene Training und andere Techniken zur Entspannung sind in vielen Fällen sehr empfehlenswert. Oft werden Kurse in der Volkshochschule und von den Krankenkassen angeboten. Sie sind hilfreich, wenn – wie so oft – die Erwartungsangst (Ob ich wohl heute wieder nicht schlafen kann?) das Einschlafen verhindert.

Früh genug zum Arzt

Wenn dies alles nichts hilft, suchen Sie Ihren Hausarzt auf. Jeder schläft mal schlecht, jeder hat mal Sorgen. Wenn aber Hausmittel und alle Tricks nichts mehr helfen, dann wird es Zeit, einen Termin beim Hausarzt zu machen. Natürlich hat der auch kein Patentrezept. Aber er wird abklären, ob es körperliche oder seelische Gründe für Ihre Schlaflosigkeit gibt, die behandelbar sind. Möglicherweise wird er Sie an einen Spezialisten verweisen, vielleicht noch einige Untersuchungen veranlassen.

Warten Sie nicht zu lange, chronische Schlafstörungen sind schwer zu behandeln, je länger eine Schlaflosigkeit andauert, um so schwieriger wird die Therapie.

Quellen

Schlafgestört.de – von Schlafmedizinern geschriebene Seite, völlig unabhängig (auch von Werbung), hervorragende Darstellung, praxisorientiert und leicht verständlich, in einigen Punkten nicht ganz aktuell

Schlafmedizinisches Zentrum München, umfassende Information, eher etwas für den Fachmann

Leitlinie: „Nicht erholsamer Schlaf/ Schlafstörungen“ – Leitlinie der Schlafmediziner kann hier als pdf-Datei heruntergeladen werden – sie ist 160 Seiten lang und auch eher was für Ärzte

Das Schlafmagazin – habe hier viele nützliche Tipps entdeckt

Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin – mit Links zu guten Patienteninformationen

National Institutes for Health – amerikanische Website des nationalen „Gesundheitsamts“ der USA. Wer englisch kann, dem wird hier gut geholfen.

„Gut schlafen kann man lernen“ – Ein sehr informativer Artikel des Österreichischen Fernsehns – kurz und knapp, gut verständlich.

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