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Archive for April 2021

Eine ganze Menge! Weltweit mehr als 150, klinisch erprobt sind bisher 50, in der EU zugelassen sind 4, den Antrag gestellt haben weitere drei. Wir können uns also auf 7 Impfstoffe beschränken.

Welche Impfstoffe gibt es in Deutschland?

Im wesentlichen zwei: Vaxzevriza (R) von AstraZeneca und Comirnaty (R) von Biontech/Pfizer. Demnächst soll wohl noch je ein Impfstoff der beiden US-Firmen Moderna und Johnson & Johnson hinzukommen.

Ist ein Impfstoff besser als der andere?

Ja, Comirnaty hat ein wenig die Nase vorn. Er wirkt zu 90 %, Vaxzevria nur zu 60 %. Vor schweren Verläufen (also: Intensivstation, Tod) schützen beide aber zu 100 %. In puncto Nebenwirkungen tun sich beide nicht sehr viel: Bei manchen Menschen fühlt es sich so an, als ob sie Grippe hätten nach der Impfung, andere merken gar nichts. Der Arm tut natürlich auch manchmal weh, vielleicht wird die Stelle, wo gepikst wurde, rot und schwillt an. Nach drei Tagen bis spätestens nach einer Woche sollte unser Impfling aber wieder auf dem Damm sein. Natürlich: Ich war eine Woche krank, meine Frau merkte so gut wie gar nichts. Ja, aber da ist ja noch die Sache mit den Thrombosen im Kopf?

Schreckgespenst: Sinusthrombose

Von einer Thrombose spricht man, wenn sich in einem Blutgefäß ein Blutgerinnsel (ein „Thrombus“) bildet. Der Sinus oder genauer: Die Sinus durae matris sind große Venen im Gehirnschädel, sie verlaufen in der Hirnhaut, ja ihre Wände sind aus Hirnhaut gebildet. Sinus bedeutet Bucht, was die Größe dieser Gefäße betont. Dura bedeutet hart, und mater ist die Mutter. So lustig sind medizinische Begriffe bisweilen, denn übersetzt heißt Sinus durae matris „Bucht der harten Mutter“. Doch Spaß beiseite, das Thema ist ernst! Man kann sich vorstellen, dass eine Thrombose in den großen Venen des Gehirns ernste Folgen haben kann. Kopfschmerzen natürlich, aber auch Symptome eines Schlaganfalls, und in manchen Fällen sogar Tod! Vor allem bei jungen Frauen soll es in Folge einer Covid-19 Impfung mit dem AstraZeneca Impfstoff zu solchen Sinusthrombosen gekommen sein.

Wie häufig Sinusthrombose nach Impfung?

59 Sinus- und andere Hirnvenenthrombosen traten nach Angaben des Paul Ehrlich Instituts bis zum 15.April 2021 nach einer Impfung mit AstraZeneca auf. Von den 59 Betroffenen waren 45 Frauen, und darunter wiederum 40 Frauen jünger als 60 Jahre. 12 Todesfälle sind zu beklagen, 6 Frauen und 6 Männer. Bis zu diesem Zeitpunkt Mitte April waren etwas mehr als 4,2 Millionen Erstdosen von AstraZeneca verimpft worden. Wir haben also insgesamt 14 Fälle pro Million Impfungen zu beklagen, wobei rund jeder fünfte Fall tödlich endete. Für eine Impfung ist diese Rate von Nebenwirkungen eigentlich zu hoch, es bleibt zu hoffen dass die Einschränkung auf Menschen über 60 zu einer Besserung der Lage führt. Natürlich ist die Covid-19 Erkrankung ungleich folgenschwerer für eine viel größere Zahl von Menschen und wir haben nicht genug Impfstoff, deswegen ist die Fortführung der Impfung mit dem AstraZeneca Impfstoff gerechtfertigt. (Und auch ich habe mich damit impfen lassen.)

Wie funktionieren die Impfungen gegen Covid-19?

Die Impfstoffe von Biontech und Moderna sind sogenannte mRNA-Impfstoffe, der von AstraZeneca und Johnson & Johnson gehört zu den Vektorimpfstoffen. Der Impfstoff von Biocad aus Russland ist ebenfalls ein Vektorimpfstoff, seine Zulassung in der EU wird zur Zeit (Ende April21) geprüft. Noch ein weiterer mRNA Impfstoff steckt in der Zulassungsprozedur, das ist der von Curevac, einer deutschen Firma. Die Impfe von Novavax (USA) ist der siebte im Bunde, wird auch noch geprüft und verfolgt einen anderen Weg: Er ist ein sogenannter Eiweiß- oder subunit – Impfstoff.

mRNA – Impfstoffe

mRNA-Impfstoffe sind ein total neues Prinzip, wurden bisher noch gegen keine Krankheit eingesetzt. mRNA ist Englisch und heißt ausgeschrieben: messenger Ribo Nucleic Acid, zu deutsch: Boten Ribonukleinsäure. Alles klar? Wohl kaum!. mRNA kommt in allen menschlichen Zellen vor, sie wird im Zellkern gebildet und zwar als teilweise Kopie der Erbsubstanz des Zellkerns und vom Zellkern in die Zelle geschleust. Dort wird die mRNA an den Ribosomen, sehr kleinen Proteinmanufakturen, abgelesen und entsprechend der Bauvorschrift der RNA verschiedene Eiweißmoleküle hergestellt. Bei der Impfung nun nimmt man den DNA – Bauplan des Covid-19 Virus, also seine Erbsubstanz und stellt nach dieser Erbsubstanzvorlage mRNA her. Also nicht aus der ganzen Erbsubstanz, sonst würde man komplette Viren herstellen, sondern nur von einem kleinen Abschnitt. Und zwar von dem Abschnitt, der verantwortlich ist für die Herstellung der schönen Spikes, also der Stacheln oder Spitzen des Coronavirus, der ihm auch zu seinem Namen verholfen hat. (Corona = Krone) Nun wird diese mRNA in eine Hülle aus Fettmolekülen eingebettet, damit sie auch in die Zellen gelangt und als Impfung verabreicht. In den Zellen wird die Botschaft der RNA an den Ribosomen abgelesen und nun stellen die menschlichen Körperzellen das Spikeprotein des Coronavirus her. Der menschliche Organismus, genauer: sein Immunsystem merkt, dass hier ein fremdes Eiweiß zirkuliert und bildet Antikörper gegen dieses Eiweiß aus. Kommt nun der echte Virus, ist der Körper gewappnet und weiß schon, wie man so was mit Stacheln effektiv bekämpft.

Vektorimpfstoffe

Vektorimpfstoffe wurden bisher schon in kleinerem Maßstab eingesetzt: Gegen Ebola und gegen das Dengue Fieber. Der Vektor im Namen des Vektorimpfstoffs bedeutet einen harmlosen Virus, dem die Lust an der Vermehrung durch verschiedene Tricks genommen wurde. Meist handelt es sich auch um harmlose Schnupfenviren oder dergleichen. Der Vektor ist nun das trojanische Pferd, mit dem ein Teil der Coronavirus-Erbsubstanz in die menschliche Zelle geschleust wird. Wieder der Teil der Erbsubstanz (DNS oder DNÀ genannt), der verantwortlich ist für die Bildung der wunderhübschen Spitzen des fiesen Covid-19 – Erregers. Der Vektorvirus dringt in die Zelle ein, verliert seine Hülle, die Virus-DNA wird in die menschliche Erbsubstanz integriert. Nunmehr wird die mRNA nicht von außen zugeführt, sondern der Zellkern des Menschen selbst produziert sie. Der weitere Weg geht genau so wie oben bei den m-RNA Impfstoffen beschrieben. AstraZeneca benutzt bei Impfung und Wiederauffrischung denselben Vektor, der russische Sputnik V benutzt zwei verschiedene Viren. Auf diese Weise will man verhindern dass Antikörper gegen den Vektorvirus den Erfolg der zweiten Impfung abschwächt.

Eiweißimpfstoffe

Bei den Eiweißimpfstoffen, auch subunit- oder Untereinheit-Impfstoffe genannt, werden sehr kleine Teilchen mit Bestandteilen des Coronavirus verabreicht, auch hier wiederum bevorzugt die Spikes. Der Körper bildet Antikörper gegen die Spikes. Bei dieser Art von Impfung ist eine gute Verträglichkeit zu erwarten, wie gut der Schutz ist und wie lange er anhält, bleibt abzuwarten.

Quellen

Paul-Ehrlich-Institut – Coronavirus und COVID-19Coronavirus und COVID-19 (pei.de)

RKI – Infektionskrankheiten A-Z – COVID-19 und Impfen

Bisher 59 Fälle von Hirnthrombosen nach Astrazeneca-Impfung (aerzteblatt.de)

File:SARS-CoV-2 without background.png – Wikimedia Commons (Bild)

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