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Archive for Mai 2021

Möchten Sie die Antwort gerne kurz? Hier ist sie: Zur Zeit (Ende Mai 21) eher nicht! Bei schwer kranken Kindern kann man evtl. zu einer anderen Ansicht kommen, aber im Moment ist das Risiko/Nutzen -Verhältnis für gesunde Kinder viel zu unklar.

Wie gefährlich ist Covid-19 für Kinder?i

Covid-19 Erkrankungen im Kindesalter verlaufen selten schwer, führen selten zu Folgeschäden, viel seltener als bei Erwachsenen. Bis zum 9.5.21 mussten in Deutschland 1487 Kinder wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden, 74 auf der Intensivstation, 5 Todesfälle mit Covid-19 wurden gemeldet. Jeder Todesfall ist natürlich einer zu viel, trotzdem: Knapp 1500 Erkrankte und 5 Todesfälle unter 14 Millionen Kindern und Jugendlichen – im Vergleich zur Zahl der Erkrankten und Toten bei Erwachsenen ist das extrem wenig! In der Grippesaison 2018/19, das gibt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin zu bedenken, mussten 7461 wegen Grippekomplikationen stationär behandelt werden und 9 Kinder verstarben in einem Winter. Man sollte Todesfälle nicht gegeneinander aufrechnen, diese Zahlen können aber vielleicht dem einen oder anderen besorgten Elternpaar zur korrekten Beurteilung der Situation helfen.

Und wie gefährlich ist die Impfung?

Bis heute ist keine einzige Studie zu Nebenwirkungen von Comirnaty (dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff) bei der Impfung von Kindern veröffentlicht. Alles was wir wissen, müssen wir aus den Daten der Zulassung in Kanada und den USA beziehen. Demnach stützt sich die Zulassung dort auf eine noch nicht abgeschlossene Phase III – Studie, 1983 Teilnehmer, davon 1005 geimpft. Das ist nicht viel, auch die Beobachtungsdauer ist nicht sehr lang. Ich möchte hier an die Nebenwirkung Narkolepsie (die „Schlafkrankheit“) nach Schweinegrippe-Impfung erinnern. Diese Nebenwirkung war eigentlich selten, aber sie trat gehäuft bei Kindern und mit einer Latenz von 42 Tagen bis hin zu 2 Jahren auf. 1300 Fälle von Narkolepsie nach Schweinegrippeimpfung mit Pandemrix bei 60 bis 90 Millionen Impfungen. Das war nicht viel, es reichte aber, um den Schweden z.B. den Appetit auf Impfungen jeder Art nachhaltig zu verderben. Die Zulassungsstudie von Comirnaty bei Kindern reicht sicher nicht aus, um eine derartige Nebenwirkung sicher zu erkennen.

Mehr Nebenwirkungen bei Kindern

Aber eines konnten diese Studien dennoch schon jetzt zeigen: Schwere Nebenwirkungen treten bei Kindern vermutlich wesentlich häufiger auf als bei Erwachsenen. Nach den Unterlagen der kanadischen Behörden erlitten Kinder nach der Impfung in 3,5 % der Fälle schwere Nebenwirkungen, bei Erwachsenen soll die Rate nach Angaben der deutschen STIKO bei 0,6 % liegen.

Und die Ansteckungsgefahr?

Bei der Virusgrippe wurde schon oft vorgeschlagen, doch lieber die Enkel zu impfen, um den Opa oder die Oma zu schützen. Schließlich sind diese die Hauptverbreiter von Erkältungsviren aller Art im Winter. Dies scheint aber nach der aktuellen Studienlage bei Covid-19 nicht der Fall zu sein. Zwar gibt es Widersprüche in den verschiedenen Untersuchungen zum Thema, aber das Robert Koch Institut zum Beispiel sieht “ keine substanzielle treibende Kraft“, die bei der Verbreitung von Covid-19 von Kindern ausgeht. Also die Enkelin impfen, damit Oma nicht krank wird? Ethisch fragwürdig und bei Covid wahrscheinlich ohne Wirkung.

Noch etwas anderes kommt hinzu: Bisher ist völlig unklar, in welchem Umfang Geimpfte die Krankheit übertragen können . Klar scheint lediglich; Ja, auch Geimpfte können andere anstecken. Wahrscheinlich wird die Ansteckungsfähigkeit reduziert, man munkelt so um die 30 bis 50 %, aber genaue Daten fehlen.

Mein Fazit

Kinder sollten zur Zeit außer im Falle schwerer Erkrankungen zur Zeit noch nicht gegen Covid-19 geimpft werden, weil:

  • die Studienlage dünn ist
  • Kinder mehr Nebenwirkungen als Erwachsene zeigen
  • Kinder selten schwer an Covid-19 erkranken
  • auch die Ausbreitung der Pandemie nicht sicher dadurch gebremst wird.

Quellen

1.) Bild: File:Children meadow grass read.jpg – Wikimedia Commons

2.) Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin zur Covid-19 Impfung bei Kindern

3.)https://www.dgkj.de/fileadmin/user_upload/Meldungen_2021/210518_CoronaTaskForce_Schutzimpfung.pdf Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin zu Covid-19 Impfung bei Kindern

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Eine Covid-19-Erkrankung in der Schwangerschaft birgt einige zusätzliche Risiken für Mutter und Kind. Außerdem scheinen Erkrankungen jetzt häufiger in der Schwangerschaft vorzukommen als das noch im letzten Jahr der Fall war. Das ist möglicherweise eine Folge der weiteren Verbreitung der englischen Variante B.1.1.7. . Diese Corona Variante ist nun mal ansteckender auch für jüngere Menschen als das „alte“ Originalvirus. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch Instituts rät (noch nicht) generell zur Impfung aller Schwangeren, lehnt sie aber auch nicht ab. Die Fachgesellschaften der Frauenärzte sind dagegen der Meinung, dass sich alle Schwangere impfen lassen sollten. Auch sollte eine Priorisierung für Schwangere eingeführt werden.

A_new_beginning_at_the_end_of_the_day._-_Flickr_-_Munroe_Photography.jpg (3888×2592) (wikimedia.org) Creative Commons — Attribution 2.0 Generic — CC BY 2.0

Warum ist eine Covid-19 Erkrankung riskanter in der Schwangerschaft?

Von 100.000 Frauen, die in der Schwangerschaft an Covid-19 erkranken, sterben 149; außerhalb der Schwangerschaft nur 5. Auch haben Schwangere mit Covid Erkrankung ein höheres Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wie Thrombose, Embolie und Schwangerschaftsvergiftung („Präeklampsie“). Aber auch für das Ungeborene steigt das Risiko für Komplikationen. Frühgeburt und Totgeburt sind weitaus häufiger, wenn die Mutter unter Covid-19 leidet. Die Wahrscheinlichkeit für das Neugeborene, nach der Geburt auf einer Neugeborenen – Intensivstation zu landen ist um das 3fache höher.

Impfung mit mRNA-Impfstoffen

In Belgien und Israel, in Großbritannien und in den USA wurden bereits eine große Zahl von Schwangeren mit mRNA-Impfstoffen geimpft. In Europa zur Zeit zugelassene Impfstoffe mit diesem Wirkprinzip sind die von Biontech/Pfizer und Moderna. Bei den Impfungen in der Schwangerschaft wurden nicht mehr Nebenwirkungen als bei nicht schwangeren Frauen beobachtet. Auch typische Schwangerschaftskomplikationen traten nicht vermehrt auf. Die von der Mutter gebildeten Antikörper können auf das Ungeborene übergehen, damit erhält das Neugeborene schon vom ersten Tag an einen Schutz gegen Covid-19.

Und in der Stillzeit?

Ähnliches beobachtete man in diesen Ländern auch bei der Impfung stillender Mütter. Auch hier kommt es zu einer Übertragung mütterlicher Antikörper gegen Covid-19 über die Muttermilch an den Säugling.

Empfehlung der Fachgesellschaften

Die Fachgesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe empfehlen daher, Schwangere mit Vorzug („priorisiert“) gegen Covid-19 zu impfen. Verwendet werden sollte ein mRNA-Impfstoff. Auch enge Kontaktpersonen (Partner/in) und betreuende Hebammen und Frauenärzte und Frauenärztinnen sollten schnellstmöglich immunisiert werden. Auch in der Stillzeit wird den Müttern eine Impfung empfohlen. Besonders wichtig ist diese Empfehlung natürlich für Frauen mit Risikofaktoren für einen schweren Verlauf der Covid Erkrankung wie z.B. Diabetes, Übergewicht, Hypertonie oder chronische Bronchitis.

Quellen

Empfehlung der COVID-19-Impfung für schwangere und stillende Frauen – Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (dggg.de)

Fachgesellschaften: Covid-19-Impfempfehlung für alle Schwangeren | PZ – Pharmazeutische Zeitung (pharmazeutische-zeitung.de)

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Immer mehr Menschen, die eine Covid-19 Erkrankung durchgemacht haben, erholen sich auch nach längerer Zeit nicht richtig. Sie klagen über eine Vielzahl verschiedener Beschwerden. Luftnot bei Anstrengung gehört genau so dazu wie Konzentrationsstörungen und Schwierigkeiten, das richtige Wort zu finden. Aber auch Diabetes, Bluthochdruck, Magen-Darm-Beschwerden, depressive Verstimmungen und das Gefühl einer allgemeinen Erschöpfung gehören zu diesem völlig unklaren Krankheitsbild. Sicher, auch nach einer Grippe gab es immer schon Patienten, die Schwierigkeiten hatten, sich zu erholen. Und schon länger kennt man das Krankheitsbild der chronischen Erschöpfung, das chronic fatigue syndrome (CFS). Junge Sportler, die eine relativ harmlose Mandelentzündung mit dem Ebstein-Barr- Virus (EBV) überstanden hatten, mussten ihre Karriere beenden. Andere waren noch schlimmer betroffen: Im Extremfall konnten die Kranken das Bett nicht verlassen oder waren zumindest lange arbeitsunfähig oder schließlich sogar erwerbsunfähig. Jetzt aber scheinen Erkrankungen aus diesem Spektrum sehr viel häufiger zu werden und auch die Symptome werden vielfältiger, betreffen fast jedes Organ.

File:SARS-CoV-2.pink.P1067513.jpg – Wikimedia Commons

Wer wird krank?

Grundvoraussetzung ist natürlich eine durchgemachte Covid-19-Erkrankung. Aber nicht nur schwere Erkrankungen führen zu Long-Covid, auch ganz leichte können hartnäckige Verläufe nach sich ziehen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer und häufig sind sie sehr jung: Zwischen 20 und 40 Jahren alt. Prof. Dr. med. Carmen Scheibenbogen vom Institut für Medizinische Immunologie an der Charité Berlin schätzt, dass etwa 1- 2% der Covid-Patienten später ein Long-Covid entwickeln werden. Das klingt erstmal nach nicht viel, es werden aber viele, wenn man sich vergegenwärtigt, wie viele Patienten im Moment positiv getestet werden. Also höchstwahrscheinlich werden wir auch nach Ende der Corona Pandemie noch viele Tausend kranke Menschen zu versorgen haben.

Was ist die Ursache für Long Covid?

Leider weiß man das überhaupt nicht. Leider werden viele Patienten mit dieser Erkrankung auch nicht richtig ernst genommen, psychosomatische Ursachen oder gar Simulation vermutet. Es scheint sich um eine Erkrankung zu handeln, bei der das Immunsystem eine große Rolle spielt. Es könnte sich um eine Autoimmunkrankheit handeln, bei der das Immunsystem des Menschen durch die Corona Erkrankung durcheinander gebracht wurde und sich jetzt gegen seinen eigenen Körper richtet.

Gibt es eine Therapie?

Nein, eine sicher wirksame Behandlung gibt es nicht. Viele Patienten werden von alleine wieder gesund werden, auch wenn sie Monate lang krank waren. Je jünger der Patient, desto größer ist die Chance, dass er wieder völlig gesund wird. Manche berichten von einer positiven Wirkung der Corona-Impfung auf die Long Covid-Erkrankung, aber auch das ist nicht sicher. Auf jeden Fall sollte man sich an die Empfehlung des Robert Koch Instituts halten: Dort empfiehlt man eine Impfung 6 Monate nach einer Corona Erkrankung.

Quellen

Long-COVID: Morbidität und Mortalität auch nach leichten Erkrankungen… (aerzteblatt.de)

Corona-Langzeitfolgen: „Wer Fatigue hat, schafft es oft kaum noch, ins Badezimmer zu gehen“ | ZEIT ONLINE

Prof. Dr. med. Carmen Scheibenbogen: Institut für Medizinische Immunologie – Charité – Universitätsmedizin Berlin (charite.de)

RKI – Impfen – COVID-19 und Impfen: Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ)

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