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Archive for the ‘Gesundheitspolitik’ Category

„Mich nimmt doch bestimmt keine Krankenkasse mehr an, ich in meinem Alter und mit meinen Krankheiten…“, so oder ähnlich denken viele gesetzlich Krankenversicherte. Diese Ansicht ist nicht zutreffend! Jede (gesetzliche) Krankenkasse, die sich bundesweit geöffnet hat, ist verpflichtet, alle Antragsteller aufzunehmen, unabhängig von ihrem Alter, ihrer Gesundheit oder ihrem Einkommen.

© Claudia Hautumm / pixelio.de


Hier können sie eine Liste herunterladen, die die BKK für Heilberufe ins Netz gestellt hat: In dieser Datei (PDF) sind alle Krankenkassen aufgeführt, die allen Versicherten offen stehen. (Die BKK für Heilberufe ist nach der City BKK die zweite Krankenkasse, die nach der neuen Gesundheitsreform wegen Geldmangel zum 31.12.2011 geschlossen wird.)

95 % aller Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen sind gesetzlich vorgeschrieben, der Beitragssatz ist einheitlich, die Unterschiede zwischen den einzelnen Kassen sind also nicht riesig groß. Trotzdem gibt es Gründe zum Wechseln. Vielleicht gefällt Ihnen der Service Ihrer Krankenkasse nicht, oder sie möchten einen Zuschuss für einen Gesundheitskurs zum Abnehmen oder für Ihre Rückenprobleme erhalten? Manche Krankenkassen sind auch großzügiger in der Bewilligung von Haushaltshilfen bei eigener Erkrankung oder sie zahlen einen Bonus in bar, wenn sie an Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen. Viele übernehmen die Kosten für Reiseimpfungen.

Informieren Sie sich am besten auf den Seiten der Stiftung Warentest über die Vor- und Nachteile der Krankenkassen für sie persönlich. Andere Produktfinder im Netz sind oft nicht ganz vollständig.

Die Kündigung selbst ist ganz problemlos. Sie können mit einer Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Monatsende kündigen. Wenn Sie also heute, am 21.11.11, kündigen, dann endet ihre Mitgliedschaft zum Ende des Monats Januar 2012. Ab dem 1. Februar 2012 sind Sie dann Mitglied Ihrer neuen Wunschkasse. Voraussetzung für die Kündigung ist lediglich, dass Sie bereits 18 Monate Mitglied Ihrer Krankenkasse sind.

Wenn Ihre Krankenkasse einen Zusatzbeitrag erhebt haben sie ein Sonderkündigungsrecht. Die Krankenkasse muss Sie auf dieses Sonderkündigungsrecht hinweisen, auf keinen Fall müssen Sie den Zusatzbeitrag zahlen, wenn Sie rechtzeitig nach der Ankündigung ihre Mitgliedschaft gekündigt haben.

Die Kündigung schicken Sie am besten per Einschreiben mit Rückschein oder Sie geben die Kündigung persönlich in der Geschäftsstelle ab. Spätestens nach 14 Tagen muss Ihre alte Krankenkasse Ihnen eine Bestätigung zugeschickt haben. Diese Bestätigung bekommt die neue Kasse, die wiederum eine Mitgliedsbestätigung ausstellt. Falls Sie angestellt berufstätig sind, braucht Ihr Arbeitgeber diese Bescheinigung, um Ihre Sozialabgaben korrekt verbuchen zu können. (Später gibt’s dann auch eine neue Karte.)

Quellen

Stiftung Warentest: Produktfinder Gesetzliche Krankenkassen: Die beste Kasse für Sie (teilweise kostenpflichtig)

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Das Übergewicht bei Kindern in Deutschland und Europa nimmt ständig zu. In den letzten Tagen wurden einige interessante Daten der IDEFICS-Studie veröffentlicht. Die IDEFICS-Studie untersuchte die Ursachen von Übergewicht an 16224 Kindern im Alter zwischen 2 und 10 Jahren in Belgien, Schweden, Estland, Deutschland, Ungarn, Spanien, Zypern und Italien.

Lecker Tomate! © Steffi Pelz/ http://www.pixelio.de

Die dicksten Kinder leben in Italien, Spanien und Zypern, die dünnsten in Belgien, Schweden und Estland. Deutschland nimmt eine Mittelstellung ein: Rund 16 % der Kleinen bei uns waren übergewichtig oder sogar adipös (BMI über 30), in Italien waren dies 42 %. Eindeutig war der Süden Europas stärker als der Norden betroffen, das Problem existiert aber in allen Ländern Europas.

Die Forscher aus ganz Europa fanden folgende Besonderheiten heraus, wenn ie dicke mit normalgewichtigen Kindern verglichen:

1.) Kinder, die zu wenig schlafen, werden dick! Vorschulkinder, die weniger als 9 Stunden schliefen, hatten ein um 300 % erhöhtes Risiko an Übergewicht zu erkranken, schliefen sie weniger als 11 Stunden, war das Risiko immer noch um 30 % höher. Die Zeit, in der sie hätten schlafen sollen, verbrachten viele Kinder vor dem Fernseher, vor dem Computer oder vor dem Videospiel.

2.) Kinder, die sich nicht bewegen, werden dick. War allgemein bekannt, oder? Kinder werden zu mehr Bewegung angeregt, wenn das Umfeld bewegungsfreundlich ist, wenn z.B. Spiel- und Sportplätze mit dem Rad oder zu Fuß leicht erreichbar sind.

3.) Armut als Risiko für Übergewicht? Kinder aus armen Familien hatten ein um 50 % höheres Risiko als die Kinder aus besser gestellten.

4.) Viel Obst und Gemüse, wenig Süßigkeiten und wenig süße Getränke hält auch Kinder schlank! Bei Erwachsenen wissen wir es schon lange, die IDEFICS-Studie zeigt, dass dies auch für Kinder gilt. So aßen die dünnen schwedischen Kinder viel öfter rohes und gekochtes Gemüse sowie Obst als die im Durchschnitt dickeren italienischen. Die Mittelmeerdiät mit viel Obst und Gemüse ist scheinbar bei den Kindern in den Norden Europas abgewandert!

Auch das Essen vor dem Fernsehen und das Trinken süßer Limonaden und Fruchtsäfte ist ein Risiko für Übergewicht.

Übergewicht bei Kindern hat viele schwerwiegende gesundheitliche Folgen: Diabetes bei Kindern nimmt zu, ebenso Gelenkbeschwerden und Bluthochdruck. Wenn es nicht gelingt, die Adipositas-Epidemie zu stoppen, dann ist zu befürchten, dass die jetzt heranwachsende Generation die erste seit Jahrhunderten ist, die kürzer lebt als ihre Eltern.

Quellen

EUFIC: Wie man Fettleibigkeit bei Kindern vermeiden kann – Neues von der IDEFICS-Studie

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2500 Dokumente psychisch kranker Patienten aus Schleswig Holstein und aus Baden Württemberg waren monatelang online für jeden einsehbar. Die Daten konnten heruntergeladen und somit auch beliebig weiter verbreitet werden.

Riesiges Leck entdeckt


Es handelt sich um Briefe aus psychiatrischen und anderen Kliniken, psychologische Dokumentationen und Behördenbriefe.

Wie das passieren konnte, ist nach Auskunft der zuständigen Internetdienstleister – Firma, der Rebus GmbH, völlig unklar. Man denkt an einen „Konfigurationsfehler“, aber auch ein Hacker-Angriff sei denkbar.

Dietmar Katzer, Landes-Chef des Ersatzkassenverbandes, bezeichnet den Vorfall als „unfassbar und unentschuldbar“, melden die Lübecker Nachrichten.

Möglicherweise haben wir hier einen Vorgeschmack auf die neue Gesundheitskarte erhalten. Auch hier sollen – noch nicht jetzt, aber langfristig – Patientendaten ins Netz gestellt werden. Viele Kritiker der neuen E-Card befürchten genau das, was jetzt passiert ist: Plötzlich stehen wir alle splitternackend dar, weil jeder unsere Krankenakten lesen und herunterladen kann.

Die Betreiber und Befürworter der Gesundheitskarte werden nachher wieder erklären, wie unfassbar das alles war und schärfste Untersuchungen sowie Konsequenzen fordern.

Besser wäre es vielleicht, solche Datensammlungen mit Anbindung an das Netz gar nicht erst entstehen zu lassen.

Quellen

Lübecker Nachrichten: Sensible Patientendaten im Internet abrufbar

Lübecker Nachrichten: Daten-Skandal: Psychisch Kranke im Internet bloßgestellt

Heise online: Datenpanne mit sensiblen Patientendaten

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In den nächsten Tagen geht es los: Dann kommen die ersten neuen Versichertenkarten. Die 153 gesetzlichen Krankenkassen sind vom Gesetzgeber verpflichtet worden, bis zum Jahresende an 10 % ihrer Kunden die neue Karte auszustellen. Die gesetzlichen Krankenkassen haben rund 69 Millionen Mitglieder, also müssen bis zum Jahresende 2011 6,9 Millionen neue Karten fertig sein. Schafft eine Krankenkasse es nicht, die vorgeschriebene Zahl an Karten auszugeben, muss sie Strafe zahlen.

Von den 153 Krankenkassen haben bis jetzt 130 einen Antrag auf Zulassung ihrer Karte gestellt, erst 14 Kassen haben die Freigabe zur Produktion erhalten. Ob sich wohl die Reihe von Verzögerungen fortsetzt, die die Gesundheitskarte schon bisher begleitet hat? Die Einführung war immerhin schon für das Jahr 2006 eingeplant, eine ganze Reihe von Streitereien, technischen und organisatorischen Pannen hat die Einführung bis heute verzögert.

Elektronische Gesundheitskarte © siehe Link unten


Was kann die neue Karte, was die alte nicht kann?

Zum jetzigen Zeitpunkt leistet die neue Gesundheitskarte nicht mehr als die alte Versichertenkarte. Auf ihrer Vorderseite klebt ein Foto des Versicherten, sonst ändert sich nichts. Ihre Krankenkasse fordert sie auf, das Foto einzusenden, prüft aber nicht, ob sie das auch wirklich sind auf dem Bild.

Bis jetzt hat die Einführung der neuen Karte 600 Millionen Euro gekostet. Das ist eine Schätzung, es können auch mehr sein. Alle Arztpraxen mussten sich neue Lesegeräte anschaffen. Diese Lesegeräte sollten die neue Karte lesen können – ob sie es wirklich können, wissen wir nicht. Wir konnten das bisher noch nicht testen, weil wir noch keine neue Karte zum Testen in der Praxis hatten.

Unsere Praxis geht nicht online

Hätten wir ein Gerät angeschafft, das die neue Gesundheitskarte und damit unsere Praxis-EDV mit dem Internet verbindet, dann hätten wir eine Förderung einstreichen können, die uns sogar einen kleinen Gewinn gebracht hätte. Bei klugem Einkauf des Geräts war die Förderung höher als der Einkaufspreis des Geräts.

Wir haben uns nach langem Abwägen dazu entschieden, ein Gerät zu kaufen, das nicht online gehen kann. Die Kosten für dieses Gerät mussten wir selber tragen (er war nicht sehr hoch), aber wir können unseren Patienten guten Gewissens versichern: Ihre Daten bleiben bei uns in der Praxis! Keiner außer uns, den Sprechstundenhilfen und dem Arzt, und Ihnen, den Patienten, kann sie einsehen.

Und wenn Sie möchten, dass gewisse Einträge gelöscht werden aus unserer elektronischen Akte, dann werden sie auch gelöscht und es schwirrt nicht irgendwo im Internet eine Kopie herum, die wir nicht mehr beeinflussen können.

Ja, so was ist geplant mit der neuen Gesundheitskarte: Eine Kopie der Patientenakte im Internet. Dort ist sie sicher gelagert, sagen alle Datenschützer, wie zum Beispiel der Datenschutzbeauftragte des Bundes, Peter Schaar. Andere, wie der Chaos Computer Club behaupten: Stimmt nicht!

Sollen alle Ärzte alles wissen über Sie?

Geplant ist: Ihre Krankenakte lagert auf einem zentralen Computer außerhalb der Arztpraxis. Ein Zugang zu dieser Krankenakte ist nur möglich, wenn sie ihre Gesundheitskarte vorlegen, ihre PIN eingeben und der Arzt seinen elektronischen Ausweis ebenfalls einsteckt. Das hört sich sicher an. Aber: Sind nicht bisher auch schon vermeintlich sichere Daten durch Hacker ans Licht der Öffentlichkeit gekommen?

Möchten Sie wirklich jedem Arzt, jeder Ärztin ihre komplette Vorgeschichte offenbaren? Soll Ihr Augenarzt wirklich erfahren, dass sie vor 20 Jahren einen Selbstmordversuch unternahmen oder vor 30 Jahren an einem Tripper erkrankten? Gut, dann gebe ich meine PIN einfach nicht ab, sagen sie. Und was denkt jetzt ihr Augenarzt über Sie?

Ich bin kein Experte für Datensicherheit, aber mir leuchtet unmittelbar ein, dass jede Speicherung von sensiblen Daten aus dem ganz persönlichen Arzt-Patienten-Gespräch auf Rechnern außerhalb der Praxis Misstrauen bei den Patienten hervorruft. Trauen Sie sich noch, alles ehrlich Ihrem Arzt anzuvertrauen, wenn Sie wissen, dass es außerhalb der Praxis gespeichert wird? (Auch wenn die Experten sagen, dass es dort sicher lagert?)

Bei der Einführung der Praxis-EDV vor 19 Jahren in unserer Praxis habe ich allen Patienten versprochen, dass die Daten in unserer Praxis bleiben und von außen nicht einzusehen sind. Dieses Versprechen möchte ich gerne aufrecht erhalten. Und ich kann das auch: Auch wenn Sie die neue Gesundheitskarte haben – bei uns geht nichts von Ihren Daten „online“.

Bis jetzt: Alles sicher

Noch mal, damit keiner verunsichert wird: Bis jetzt zeigt die neue Karte nur ein Bild von Ihnen, sonst ändert sich nichts. Keine der neuen Funktionen ist bisher möglich: Kein elektronisches Rezept, keine Notfalldaten wie Blutgruppe oder Allergien, kein elektronischer Arztbrief und auch keine Akte im Netz.

Wenn Sie sich weiter über das Für und Wieder informieren, möchten, klicken Sie hier:

Gematik – Das ist die Gesellschaft, die die neue Karte entwickelt

Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen, begrüßt die neue Karte

Der Chaos Computer Club zur Gesundheitskarte

Deutsches Ärzteblatt aktuell zur Einführung der Gesundheitskarte

„Stoppt die e-card“ – Hier sprechen die Kritiker

Lizenz vom Foto oben auf wikimedia commons

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IGEL, das ist die Abkürzung für Individuelle Gesundheitsleistungen. IGEL-Leistungen werden Kassenpatienten angeboten, weil sie der Arzt für notwendig hält, die gesetzliche Krankenversicherung aber nicht bezahlt
Igel (Lizenz unten)

Das DIMDI, das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information ist eine Behörde, die dem Gesundheitsministerium untersteht. Neben anderen Aufgaben soll das DIMDI medizinische Behandlungen und Untersuchungen bewerten. Bewertet werden soll der Nutzen für den Patienten. Dazu sammelt das DIMDI alle verfügbaren Daten aus wissenschaftlichen Untersuchungen.

Jetzt haben sich die Wissenschaftler dieses Instituts zwei der am häufigsten verkauften IGEL-Leistungen vorgenommen: Die Messung des Augeninnendrucks beim Augenarzt und die vaginale Ultraschalluntersuchung beim Gynäkologen. In den meisten Fällen muss der (Kassen-)Patient für diese Untersuchungen zur Früherkennung selbst bezahlen. Die Augenärzte halten die Druckmessung für so wichtig, dass sie oft Patienten, die diese Früherkennung ablehnen, bitten, ein Formular zu unterschreiben. Der Patient bestätigt in diesem Formular, dass er die vom Augenarzt empfohlene Früherkennung des Glaukoms (des sogenannten Grünen Stars) durch Augendruckmessung auf eigene Kosten ablehnt.

Und was meint das DIMDI dazu? Nach eingehender Durchforstung und Bewertung der international vorliegenden Studien sei weder eine vorsorgliche Druckmessung am Auge noch eine Ultraschalluntersuchung der Unterleibsorgane von der Scheide aus medizinisch sinnvoll.

Dieses Ergebnis wird in den kommenden Wochen sicher noch für lebhafte Diskussionen sorgen. Ich werde Sie auf dem Laufenden halten. Hier die

Quellen:

* Unten auf der Seite: PDF mit der Studie des DIMDI

* Hier informiert das DIMDI über seine Arbeit

* Die Cochrane Collaboration erklärt, was die Arbeit des DIMDI zu diesem Thema ist: ein HTA = Health Technology Assessment (Bewertung einer Gesundheitstechnologie)

* Lizenz für das Foto auf Wikipedia

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schutz

Kostendämpfung im Gesundheitswesen ist in aller Munde. Wir sollen sparen. So sollen die Krankenkassenbeiträge niedrig gehalten werden.

Ein Artikel auf Spiegel online bringt mich auf einen neuen Spargedanken. Die „Impfung gegen Gebärmuterhalskrebs“, also die Impfung gegen die Humanen Papillomviren bei jungen Mädchen kostete im letzten Jahr 244 Millionen Euro, pro Person waren das 477 Euro, über 500.00 junge Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren haben sich gegen das Virus impfen lassen.

Impfung in der Schweiz und in den USA kostet fast nur die Hälfte

In anderen Ländern ist das Impfen deutlich preiswerter. Die Schweiz zahlt 244 und die USA 257 Euro.

Bald sind Wahlen. Bitte, fragen Sie die Kandidaten in Ihrem Wahlkreis, warum Schweizer und Amerikaner mit der Pharmaindustrie über Preise verhandeln, in Deutschland jedoch jeder geforderte Preis bezahlt wird.

Quellen

Spiegel online: HPV-Impfung in Deutschland besonders teuer

Deutsches Ärzteblatt: HPV-Impfung in Deutschland besonders teuer

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ArzneimittelHeute erschien der neue Arzneimittelreport der Gmünder Ersatzkasse (GEK) 2009, der die Arzneimittelausgaben der Ersatzkasse im Jahr 2008 analysiert. Das Resultat: Die Ausgaben für Arzneimittel stiegen auch im letzten Jahr wieder kräftig, diesmal um 9 %.

Hauptursache sind die Kostensteigerungen durch die sogenannten „Biologicals“. Biologicals sind biotechnologisch hergestellte Arzneimittel gegen Rheuma, Krebs oder Multiple Sklerose. In vielen Fällen, in denen herkömmliche Präparate nicht ausreichend wirken, entfalten sie eine segensreiche Wirkung.

Professor Gerd Glaeske von der Uni Bremen, Hauptautor der Studie, meint dazu:

„Dass die Pharma-Unternehmen ihre Preise noch immer selbst festlegen dürfen, wirkt auf die Versorgung der Gesetzlichen Krankenversicherung systemsprengend.“

Der Versorgungsforscher Glaeske fordert, dass kein Arzneimittel mehr ohne Preisverhandlung auf dem GKV-Markt zugelassen wird.

Mir kommt der Gedanke: Geht vielleicht die jetzige Kostendämpfungspolitik, die jeden einzelnen Patienten und jeden Arzt unter unerträglichen Druck setzt, nicht in die völlig falsche Richtung? Soll hier nur die Feigheit der Politik verdeckt werden, den wirklichen Ursachen der immensen Kostensteigerungen bei den Arzneimitteln durch entsprechende Gesetzgebung entgegen zu wirken?

Quelle

Pressemitteilung der GEK zum Arzneiverordnungsreport 2009

Bild: ©Gloekchen auf pixelio.de

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schreibtisch_09022007_002_116636_by_claudia-hautumm_pixeliodeDie internationale Wirtschaftsberatungsagentur Ernst & Young veröffentlichte in diesen Tagen eine Studie zur Patientenzufriedenheit in Deutschland.

Die ganze Studie kann auf der Internetseite von Ernst und Young heruntergeladen werden.

Interessant an den Ergebnissen der Studie: Die befragten Deutschen vertrauen in medizinischen Dingen am ehesten ihrem Hausarzt, mehr als dem niedergelassenen Facharzt und mehr als der Uniklinik. Auch in der Behandlung bekommen die Hausärzte durchweg gute Noten: Mehr als 90 % bewerteten die Behandlung beim Hausarzt als positiv, mehr als bei jeder anderen Einrichtung im Gesundheitssystem.

41 % sehen Verschlechterung im letzten Jahr

Obwohl 85 % der Befragten sich insgesamt zufrieden mit der gesundheitlichen Versorgung zeigten, bemerkten doch 41 % eine Verschlechterung im letzten Jahr, nur 14 % gaben eine Verbesserung an, der Rest sah keine Veränderung.

Übrigens unterscheidet sich die Zufriedenheit auf dem Land und in der Stadt kaum, auch bei den Bundesländern sind die Unterschiede minimal: Am zufriedensten sind die Patienten im Norden und Westen der Republik.

Quellen

Pressebericht und Link zum Download der Studie „Gesundheitsbarometer 2009“

Bild: ©Claudia35 auf pixelio.de

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updHeute morgen konnte man es in allen Zeitungen lesen: Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) hat eine kostenlose Telefonnummer geschaltet: Unter 0800 0 117722 können Patienten hier anrufen und sich beraten lassen.

Hier kann man nach allem fragen, was mit Krankheit zu tun hat

Fragen kann man hier offensichtlich (fast) alles, was irgendwie mit Krankheit zusammenhängt. Informationen über regionale Therapieangebote erhält man hier beispielsweise oder auch Hilfe, wenn man glaubt, der behandelnde Arzt habe sich einen Kunstfehler zu Schulden kommen lassen.

Die UPD selbst gibt es schon seit zwei Jahren, sie wurde als Modellprojekt der Gesundheitsreform Anfang 2006 gestartet und wird von den Krankenkassen, also den Mitgliedsbeiträgen der Versicherten, finanziert.

Wer ist der Berater?

Leider kann man im Internetangebot nicht herausbekommen, wer eigentlich berät. „Unabhängigkeit“ und „Kompetenz“ wird versprochen. Unabhängig ist die Beratung ganz sicher von ärztlicher Kompetenz: Ärzte sind im Beratungsteam offensichtlich nicht vertreten.

Welche Qualifikation die Berater nun aber im einzelnen aufweisen, darüber schweigt sich die Website aus.

Eine Anfrage für 100 Euro ?

Billig ist die Angelegenheit auch nicht: 100. 000 Anfragen habe man in zwei Jahren bearbeitet, wurde heute stolz verkündet. 5,1 Millionen Euro kostet die UPD pro Jahr, meldet der Marburger Bund in einer Pressemitteilung schon Anfang 2006. 100.000 Anfragen für 10 Millionen Euro, das macht 100 Euro pro Anfrage – für dieses Geld betreut Ihr Hausarzt sie sechs Monate lang rund um die Uhr. Wahrscheinlich ist die UPD jetzt schon teurer geworden, auch die kostenlose Telefonnummer wird nicht umsonst zu haben sein.

Viel Kompetenz, gut verständlich, nicht fehlerfrei

Die Qualität der Telefonberatung konnte ich noch nicht testen, habe aber einige „Beratungsfälle des Monats“ und das Archiv der Pressemitteilungen durchstöbert. Dort sind viele gut verständliche und kompetente Informationen vertreten. Fehler gibt es auch: Die neu eingeführte Kindervorsorge U7a kann z.B. sowohl beim Kinderarzt als auch beim Allgemeinarzt durchgeführt werden und nicht ausschließlich beim Pädiater, wie die UPD meint.

Rufen Sie an!

Trotzdem, ich werde die UPD meinen Patienten empfehlen. Rufen Sie an, liebe Leser! Fünf Millionen Euro müssen genutzt werden (wahrscheinlich sind es noch mehr). Berichten Sie mir über Ihre Erfahrungen!

Sie vermuten einen Kunstfehler – was tun?

Übrigens: Wenn Sie vermuten, dass Ihr Arzt Sie falsch behandelt hat, suchen Sie zunächst das Gespräch mit Ihm selbst. Reden Sie ganz offen über Ihren Verdacht. Auch uns Ärzten ist es (mittlerweile) bewusst, dass wir Fehler machen. Wir wollen sogar aus unseren Fehlern lernen, oder noch besser: Aus den Fehlern anderer, bevor wir sie selbst machen.

Wenn das Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt nichts bringt, fragen Sie einen anderen. Auch Angehörige gesetzlicher Krankenkassen haben das Recht auf eine „zweite Meinung“, die Sie übrigens am besten vor einer Operation oder einer anderen riskanten Behandlung einholen sollten.

Und dann gibt es da noch die Schlichtungsstellen der Ärztekammern. Die Ärztekammer ist so etwas wie die Innung bei den KFZ-Werkstätten. Jeder Arzt ist Mitglied einer Ärztekammer. Die Ärztekammer bietet bei einem Kunstfehlerverdacht eine kostenlose und unverbindliche Begutachtung und Schlichtung an.

Beide Seiten: Arzt und Patient, müssen mit dem Schlichtungsverfahren einverstanden sein. Der Ausgang der Schlichtung lässt Ihnen den Prozessweg offen, aber die Schlichtung erspart Ihnen möglicherweise viel Geld für Rechtsanwälte, Gutachten und Gerichte.

Quellen

Unabhängige Patientenberatung Deutschland – Homepage

Marburger Bund kritisiert „Unabhängige Patientenberatung Deutschland“

Deutsches Ärzteblatt 6/2007: Patienteninformation: Guter Rat ist teuer

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abreiseMehr als 70 % aller Medizinstudenten denken daran, im Ausland als Arzt zu arbeiten. Schlechte Arbeitszeiten, beschränkte Budgets und mageres Honorar werden als Hauptgründe genannt. Skandinavien, die Schweiz, England, Österreich, die USA und Australien werden als Auswanderungsziele genannt.

Nur 17 % aller befragten angehenden Mediziner wollen in Zukunft als Hausarzt arbeiten.

Dies sind die Ergebnisse einer Studie, die ein Forscherteam unter der Leitung von Dorothea Osenberg vom Institut für Allgemeinmedizin an der Ruhr Universität Bochum durchgeführt hat.

Die Studie ist noch nicht komplett veröffentlicht, es handelt sich um Vorabmeldungen der Pressestelle der Universität in Bochum.

Befragt wurden 4000 Studenten der Medizin, 1300 davon aus Bochum.

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hatte in der letzten Woche in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung die Ministerpräsidenten der Länder aufgefordert, Stipendien an Medizinstudenten zu vergeben, um dem Ärztemangel auf dem Land entgegen zu wirken.

Das Land solle das Studium finanzieren und der Stipendiat sich im Gegenzug bereiterklären, auch als angestellter Arzt für fünf oder sechs Jahre an einem unterversorgten Ort zu arbeiten. „Ich bin überzeugt, 80 Prozent dieser Mediziner bleiben“, sagte die Ministerin wörtlich.

Ich habe meine Zweifel, ob dies tatsächlich etwas am Problem ändern wird. (Ganz abgesehen davon, dass es sich nur um einen Appell handelt und keine wirkliche Maßnahme.)

Ein Medizinstudium ist sehr teuer, es kostet den Steuerzahler mehrere hunderttausend Euro. Können wir es uns wirklich leisten, Ärzte in erster Linie für den Bedarf im Ausland auszubilden?

Der schrittweise Abbau der hausärztlichen Versorgung, insbesondere im ländlichen Bereich, ist überall sichtbar – niedergelassene Hausärzte finden keine Nachfolger mehr. Sind die Praxen erstmal dicht, dauert es Jahrzehnte, bis die ärztliche Versorgung wieder aufgebaut werden kann: Die Ausbildung eines Allgemeinarztes dauert (mindestens) 11 Jahre.

Ein Arzt, der seinen Leben in England oder Australien, in den USA oder Dänemark aufgebaut hat, kehrt nicht so einfach zurück.

Die Zeit zum Handeln ist jetzt gekommen und ich denke, meine Meinung wird von der oben genannten Studie unterstützt.

Quellen

Zeit online: Medizinstudenten – Nach dem Abschluss ab ins Ausland

WAZ: Ärzte als Auswanderer

IDW online: 70 Prozent der angehenden Ärzte können sich vorstellen auszuwandern

Bild: ©captureware auf pixelio.de


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