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Archive for the ‘Gesundheitspolitik’ Category

Im Januar 1999 beschloss der Deutsche Bundestag, dass Ärzte mit dem 68. Lebensjahr keine Kassenpatienten mehr behandeln dürfen. (Privatpatienten aber unbegrenzt!) Für den Januar 2009 plant die Bundesregierung, diese Regelung wieder abzuschaffen.

1999 dachte man wohl: Weniger Ärzte – weniger Kosten. Jetzt erkennt man: Die ärztliche Versorgung auf dem Land ist bald nicht mehr gesichert, wenn alle Landärzte mit 68 Jahren zwangspensioniert werden.

In Bayern hat man die Konsequenz gezogen und im Vorgriff auf die neue Regelung zumindest den Kassenzahnärzten erlaubt, auch nach dem 68. Lebensjahr eine Kassenpraxis zu führen.

Eine Internistin (67 Jahre) und ein Zahnarzt (68 Jahre) aus Berlin hatten Pech. Heute wurde ein Urteil des Bundessozialgerichts bekannt: Die Zwangs – Verentung der beiden Kläger ist rechtens und verstößt auch nicht gegen das Grundgesetz und EU-Recht.

Zumindest der Zahnarzt könnte jetzt nach Bayern umziehen ….

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Alle Welt spricht vom Bürokratieabbau. „Wir nicht“ – so heißt es in der Praxis des Kassenarztes. (Pardon – der heißt jetzt neuerdings „Vertragsarzt“.)

Seit 1985 fülle ich Kuranträge („Anträge auf Leistungen zur medizinischen Rehabilitation“) für meine Patienten aus. Sie wurden mal bewilligt, mal nicht. Warum ein Kurantrag mal abgelehnt wurde und mal nicht, konnte ich noch nie verstehen. Ich hätte das Ergebnis auch auswürfeln können.

Sensation: Formularinkompetenz nach 20 Jahren aufgedeckt!

Im Jahre 2005 hat man festgestellt, dass ich diese Anträge nicht mehr ausfüllen kann.

Entweder musste ich einen Fortbildungskurs besuchen, in dem mir erklärt wird, wie ich das richtig mache. Oder ich musste nachweisen, dass ich so und so viele Kuranträge schon ausgefüllt habe.

Mir kommt es so vor, als ob ich in den 20 Jahren zwischen 1985 und 2005 Millionen von Kuranträgen ausgefüllt hätte. „Kurantrag ausfüllen“ ist nicht lustig, es macht keinen Spaß. Ich habe es nur gemacht, um meinen Patienten zu helfen.

Im besagten Jahr 2005 sollte ich nun 15 Kuranträge nachweisen. Wollte ich nicht. (Glaubt eigentlich irgend jemand, dass ein Allgemeinarzt in 20 Jahren keine 15 Kuranträge zusammen bekommt?) Zur Fortbildung wollte ich aber auch nicht und meine Kollegen in der Nachbarschaft hatten auch keine Lust. (Haben wir eigentlich nichts besseres zu tun?)

Genehmigung zur Verordnung von Leistungen zur medizinischen Rehabilitation gemäß der Rehabilitations-Richtlinie nach § 92 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 SGBV vom 16.03.2004 in Verbindung mit der Qualitätssicherungsvereinbarung gemäß § 135 Abs. 2 SGBV vom 01.03.2005 – so heißt übrigens die Lizenz zum Kur – Verordnen.

Keiner will mehr Kuranträge ausfüllen

Also blieb ich ohne Genehmigung zur Verordnung von Leistungen zur medizinischen Rehabilitation gemäß…. Ich erkundigte mich bei den zuständigen Stellen, wer denn noch dem Patienten zur Kur verhelfen dürfte.

Die Liste mit zehn Adressen kam postwendend. Meine Sprechstundenhilfen telefonierten sich die Finger wund. Der eine Kollege wollte nicht, der andere war verstorben, der dritte durfte gar nicht – er stand nur aus Versehen auf der Liste.

Schließlich blieben zwei übrig. Der eine war der Meinung, mein Patient braucht gar keine Kur. Der andere durfte zwar Kuren beantragen, wollte dies aber nicht mehr für andere übernehmen.

Also bin ich zu Kreuze gekrochen, habe 15 Kuranträge irgendwo zusammengesucht und den Antrag gestellt.

Nunmehr darf ich, der schon seit 20 Jahren Kuranträge stellt, dies auch weiterhin tun.

Ärzte können keine zwei Formulare unterscheiden

Man hat aber festgestellt, dass Ärzte nicht wissen können, welches Formular das richtige ist.

Deshalb hat man das „Formular Nr. 60“ erfunden. Das Formular Nr. 60 ist – man glaubt es nicht – der Antrag auf einen Kurantrag. (In Wirklichkeit heißt es natürlich viel bedeutender, das habe ich aber vergessen.) Das Formular Nr. 60 geht zur Krankenkasse, dann erhält man postwendend das Formular Nr. 61, wenn die Krankenkasse zuständig ist. Ist stattdessen z.B. die Rentenversicherung zuständig, dann wird das entsprechende Formular für die Deutsche Rentenversicherung geschickt. Kann aber auch sein, dass die Krankenkasse nur mitteilt, man möge doch lieber dort das Formular anfordern.

Kurz zusammengefasst: Das Formular Nr. 60 wurde erfunden, weil ein Mensch mit Abitur, abgeschlossenem Medizinstudium, 5 Jahren Weiterbildung und 20 Jahren Berufserfahrung nicht in der Lage ist, zu erkennen, ob die Rentenversicherung oder die Krankenversicherung für den Kurantrag zuständig ist.

Es ist noch keine zwei Wochen her: Ich stelle einen Antrag auf Formular Nr. 60, den Antrag auf den Kurantrag. Ich bekomme den falschen Antrag zurück. Ich weiß, das dieser Antrag falsch ist. Die Patientin ist Rentnerin, da bezahlt die Rentenversicherung keine Kur. Ich fülle den Antrag trotzdem aus. Zwei Wochen später: Die Patientin kommt wieder in meine Praxis.

Die Krankenkasse hat ihr kommentarlos einen zweiten Antrag geschickt – den richtigen.

Ist jetzt jedem klar, womit wir unsere Zeit verbringen und warum die Kosten des Gesundheitssystems nicht in den Griff zu kriegen sind?

Quellen

Eigene Erfahrung

Rehaklinik: Ärzte füllen keine Kuranträge mehr aus

Bild: © El-Fausto auf pixelio.de

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Kürzlich bemerkte ein Kollege von mir in einer Diskussion, die beste Lösung für die Gesundheitsreform in Deutschland wäre eine Kombination aus holländischer Ausbildung und dänischem Gesundheitswesen.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich das dänische Gesundheitswesen bisher überhaupt nicht kannte. Ich habe mich also schnell hingesetzt und nachgeforscht. (Das holländische System ist mit einigermaßen vertraut, wir kommen später drauf zurück.) Und hier sind die Ergebnisse: Die Pluspunkte und die Nachteile des dänischen Gesundheitssystems aus meiner Sicht.

1.) In Dänemark gibt es nur eine Krankenkasse. Ein enormer Kostenvorteil, wie ich denke. Ich habe noch nie verstanden, warum wir 220 Stück davon in Deutschland brauchen. Jede Däne und jeder in Dänemark lebende EU-Ausländer ist automatisch krankenversichert.

2.) Das dänische Gesundheitssystem wird über Steuern finanziert. Die Finanzierung über Steuern finde ich wesentlich gerechter als die über Krankenkassenbeiträge. Somit tragen auch höhere Einkommen mehr zur Finanzierung der Krankheitskosten bei, in Deutschland werden niedrige Einkommen relativ stärker belastet. (Auf Arbeits – Einkommen müssen in Deutschland nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze (5300 Euro West, 4500 Euro Ost) Beiträge zur Krankenversicherung abgeführt werden Wer mehr verdient, kann sich entweder privat versichern oder bekommt Rabatt bei der gesetzlichen Versicherung.)

3.) Nicht jeder Arzt darf seine Praxis gründen, wo er will. Ein örtlicher Ausschuss, besetzt mit Vertretern der Gesundheitsbehörde und der Ärzte entscheidet darüber, wo sich ein Arzt niederlassen darf. Das deutsche Problem: Überversorgung in den Städten und Ärztemangel auf dem Lande existiert nicht in Dänemark. Die ärztliche Versorgung ist flächendeckend garantiert bis auf die kleinste Insel.

4.) Die Patientenakte wird ausschließlich elektronisch organisiert und ist über das Internet einsehbar. Und zwar darf nicht nur der Arzt, sondern auch der Patient in seiner Akte lesen. Bei einer Notfallbehandlung kann die Akte vom behandelnden Arzt eingesehen werden. Die Notfallbehandlung wird sofort eingetragen, der Hausarzt ist sofort informiert. Das Rezept geht auf dem gleichen Weg zur Apotheke. Hat ein anderer Arzt als der Hausarzt in die Akte geschaut, wird der Patient informiert, das reicht den Dänen als Datenschutz. Alle im Krankenhaus erhobenen Befunde, Röntgenbilder etc. sind als Link in die Akte eingefügt. Ein Klick auf den Link und das Bild ist da! Ohne Zweifel wirft diese Vorgehensweise eine gewaltige Einsparung von Kraft, Mühe und Geld ab. In Deutschland wird sich dies vermutlich nie durchsetzen lassen, die Furcht vor dem gläsernen Patienten ist zu groß.

5.) In Dänemark ist ein strenges Hausarztsystem installiert. (Fast) jeder Däne ist bei einem Hausarzt registriert. Dieser ist sein erster Ansprechpartner in allen Fragen der Gesundheit und Vorsorge. Und bei den Hausärzten werden auch 90 % aller Behandlungen abgeschlossen. 3500 niedergelassene Allgemeinmediziner, 1000 Fachärzte und 3800 Zahnärzte versorgen die rund 5,5 Millionen Dänen. Herrschten deutsche Verhältnisse im Land der Dänen, dann wäre die Zahl der Fachärzte mehr als drei mal so hoch. Außer bei den HNO- und den Augenärzten gibt es ein Zugang zum Facharzt nur über den Hausarzt. Fachärzte sind in der Regel bei den Krankenhäusern angesiedelt.

Die Dänen scheinen mit diesem System zufrieden zu sein. Die Dänen können auch eine andere Variante der Krankenversicherung mit freiem Facharztzugang wählen. Das ist etwas teurer und der Patient muss die Kosten der Behandlung vorschießen. Nur 2 % der Dänen wählen diese Art der Versicherung.

Die Medizinerausbildung an den Universitäten ist auf die Ausbildung von Hausärzten zugeschnitten. Ähnlich wie in Deutschland dauert das Medizinstudium sechs Jahre, es folgt ein Praktikum von 18 Monaten und eine Weiterbildung zum Allgemeinarzt von weiteren fünf Jahren.

6.) Die Dänen sind zufrieden mit ihrem Gesundheitssystem. Jedenfalls ist die Gesundheitsreform kein Thema in Dänemark. Keine der bestehenden Parteien stellt das bestehende System grundsätzlich in Frage, Umfragen bei Patienten zeigen gute bis sehr gute Zufriedenheit.

Apropos Zufriedenheit: Den Hausärzten geht es blendend in Dänemark. Sie haben eine 37- Stunden Woche, verdienen dabei aber fast doppelt so viel wie ihre deutschen Kollegen. Dänemark ist Ärztezuwanderungsland – vor allem schwedische Kollegen lockt der höhere Verdienst. (Die frei werdenden Stellen in Schweden werden unter anderem von deutschen Ärzten aufgefüllt.) Im Gegensatz zu Schweden, die auch eine staatliche Einheitskrankenkasse besitzen, sind die Hausärzte in Dänemark Freiberufler wie in Deutschland, in Schweden dagegen Staatsangestellte.

7.) Das dänische Gesundheitssystem arbeitet kostengünstig. Die Ausgaben für Gesundheit – gemessen in Prozentanteilen am Bruttoinlandsprodukt – liegen weltweit am höchsten in den USA, in der Schweiz und in Deutschland. Dänemark liegt hingegen unter dem EU-Durchschnitt und genau im Durchschnitt der OECD-Länder.

Nun kann man ein 5-Millionen-Land schlecht mit einem 80-Millionen-Land vergleichen, trotzdem: Es scheint, als hätten die Dänen wichtige Einsparpotenziale aufgetan, ohne die Zufriedenheit der Beteiligten zu stören.

8.) Lange Wartezeiten auf (planbare) Operationen Die Dänen müssen mitunter lange auf eine neue Hüfte warten, länger als in Deutschland jedenfalls. Allerdings kann jeder Däne jedes dänische Krankenhaus in Anspruch nehmen und alle Krankenhäuser veröffentlichen die Wartezeiten im Internet. Muss der Patient länger als einen Monat auf den operativen Eingriff warten, dann kann er ihn auf Staatskosten auch im Ausland oder in einer Privatklinik vornehmen lassen.

Privatkliniken entstehen zunehmend in Dänemark, für die Behandlung in diesen Spezialeinrichtungen kann man eine private Krankenversicherung abschließen. Viele Gesundheitspolitiker kritisieren diesen Trend: Sie werfen den Versicherungsgesellschaften vor, sie würden Privatkliniken mit Defizit betreiben, nur um die Nachfrage nach privaten Krankenversicherungen künstlich zu schaffen.

9.) Ärztemangel zeichnet sich ab. Vor allem Hausärzte auf dem Land haben Probleme, Nachfolger für ihre Praxis zu finden. Auch in Dänemark wird die Arbeit auf dem Lande für Ärzte zunehmend unattraktiver. Immer mehr Frauen studieren Medizin, wie in Deutschland sind auch in Dänemark bereits 60 % der frischgebackenen Mediziner Ärztinnen. Und die bevorzugen Teilzeitstellen oder solche in der Nähe der Stadt, wo der Ehemann arbeitet und die Kinder bessere Betreuungs- und Schulmöglichkeiten haben. Nimmt der Frauenanteil an der Medizinerschaft zu, dann muss mehr Nachwuchs her, es müssen mehr Medizinstudenten ausgebildet werden. Frauen scheiden nun mal häufiger als Männer zeitweise aus dem Berufsleben wegen Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung aus. Diese Tatsache wurde und wird sowohl von deutschen als auch von dänischen Gesundheits- und Bildungspolitikern nicht erkannt.

10.) Hohe finanzielle Patientenbeteiligung beim Zahnarzt und bei Medikamenten. Die ersten 70 Euro im Jahr für Medikamente muss der Patient selbst bezahlen. Im Vergleich zu Deutschland ist das ungünstiger für die Leichtkranken, die nur wenig Medikamente brauchen. Für die Schwerkranken mit hohem Medikamentenbedarf wäre das dänische System von Vorteil.

Für den Zahnarzt zahlt die dänische Krankenkasse nur 25 % der Rechnung, den Rest trägt der Patient.

Fazit

Das dänische Gesundheitswesen kann nicht ohne weiteres in Deutschland übernommen werden. Die Struktur in Deutschland ist über Jahrzehnte gewachsen und kann nicht in einem Kraftakt umgebogen werden. Allerdings: Es gibt vieles, was wir meines Erachtens von den Dänen lernen können: Weniger Krankenkassen und mehr Hausärzte – das spart im Gesundheitswesen!

Übrigens: Ich würde mich freuen über Kommentare von Patienten, die das dänische Gesundheitswesen von innen – als Patient oder als Gesundheitsberufler – kennen gelernt haben.

Quellen

Dirk Schnack: Hausarztpraxis in Dänemark, Schleswig Holsteinisches Ärzteblatt 1/2002

Erfahrungsbericht einer Schweizer Ärztegruppe über das dänische Gesundheitswesen

WOZ – Die Wochenzeitung, 22.2.2007: Reinhard Wolff: Beispiel Dänemark

Rheinisches Ärzteblatt 2/2004: Das dänische Gesundheitssystem

Manuskript SWR: Billiger muss nicht schlechter sein – Was Gesundheit in anderen Ländern kostet, 1.9.2004

Rheinhessische Patienteninformation: Das Gesundheitssystem Dänemarks, 12.5.2004

SPD-Bundestagsfraktion: Internationale Studie Gesundheit, 1.9.2005

Heinz Bhend, Dänemark – hast du es gut!?, Primary Care, 8/2008

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In Sachsen herrscht Ärztemangel. Die sächsische Landesregierung hat sich einiges einfallen lassen, um dem entgegen zu wirken: Österreichische Ärzte werden angeworben; Medizinstudenten bekommen Unterstützung, wenn sie sich nach dem Studium in Sachsen niederlassen.

Das alles wird wenig nützen: 40 Millionen Euro sollen 272 sächsische Arztpraxen bezahlen, weil sie zu viele Medikamente verordnet haben.

Das alles läuft unter dem Stichwort „Arzneimittelregress“. Kaum jemand in der Öffentlichkeit versteht das richtig. Der Arzneimittelregress heißt nicht, dass ein Arzt weniger Honorar erhält. Nein, es heißt, dass er für die Medikamente, die er seinen Patienten verordnet hat, mit seinem ganzen Hab und Gut haftet.

Ja, sie haben richtig verstanden: Mit seinem ganzen Hab und Gut. Die Summe, die der Arzt für ein Jahr bezahlen muss, kann um ein Vielfaches höher sein, als das, was er in diesem Jahr verdient hat. Die einzige Begrenzung: Der Umsatz (nicht Verdienst!) von einem und einem halben Jahr.

Ich habe enorme Schwierigkeiten, solche Widersprüche zu verstehen: Auf der einen Seite wird Geld verschwendet, um Medizinstudenten und ausländische Ärzte nach Sachsen zu holen – auf der anderen Seite werden bestehende Praxen in den Ruin getrieben.

In Sachsen und auch anderswo in Deutschland ist vor allem die Hausarztpraxis auf dem Land vom Aussterben bedroht. Und genau diese Praxen sind auch überdurchschnittlich oft vom Regress betroffen. Die ländliche Lage wird nicht als „Praxisbesonderheit“ gewertet. Der Landarzt muss in vielen Fällen Rezepte schreiben, weil der Weg für den Patienten zum Facharzt viel zu weit ist. Und dennoch gelten für ihn die gleichen Arzneimittelrichtgrößen wie für seinen Stadtkollegen. Wen wundert es noch, dass keiner mehr auf dem Land praktizieren will?
Quellen

Deutsches Ärzteblatt: „Arzneimittelregresse: Sächsischen Ärzten droht Insolvenz“

Sächsische Landesärztekammer zum selben Thema

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Es gibt nur wenige gute Untersuchungen, die den Drogenkonsum international vergleichen. Eine interesante Studie wurde in diesen Tagen in der Online-Fachzeitschschrift PLOS Medicine veröffentlicht.

Australische Forscher befragten 54.000 Menschen aus 17 Ländern im Auftrag der WHO danach, ob sie schon einmal Kokain, Alkohol, Marihuana oder Tabak konsumiert haben.

Erstaunlich war, dass die USA mit ihrer restriktiven Politik gegnüber illegalen Drogen weit vor den Niederlanden mit ihrer liberalen Drogenpolitik landen was den Konsum von Haschisch und Kokain angeht. 42,4 Prozent aller Amerikaner und nur 19 % aller Holländer gaben an, schon einmal einen Joint geraucht zu haben. Die Deutschen liegen mit 17,5 % noch hinter beiden.

Auch beim Kokain hält die USA mit 16,2 % den internationalen Spitzenplatz, Deutschland liegt mit 1,2 % auf den hinteren Rängen.

Auch wenn die Autoren selbst gewisse methodische Schwächen ihrer Arbeit sehen: Dass Deutschland beim Alkoholkonsum hinter der Ukraine weltweit den zweiten Platz erreicht, wundert mich nicht.

Quelle

Zusammenfassung der Studie auf PLOS Medicine, dort auch Link zum ausführlichen Text,  Englisch

Bildquelle

Pixelio.de: Cannabisblatt

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Zu heftigen Diskussionen zwischen den Gesundheitspolitikern der regierenden Koalition und den Vertretern der organisierten Ärzteschaft kam es in den letzten Tagen zum Thema Ärztezahlen in Deutschland.

Ärztestatistik 2007

Wie jedes Jahr hatte die Bundesärztekammer die Ärztestatistik für das Jahr 2007 vorgelegt. Das Ergebnis in Kürze:

  • Ende 2007 waren in Deutschland rund 414.000 Ärzte bei den Ärztekammern gemeldet, das sind 1,4 % mehr als im Vorjahr, 315.000 sind als Arzt berufstätig.
  • Rund 2400 Ärzte haben Deutschland im Jahre 2007 verlasen, 77 % davon waren Deutsche, 23 % Ausländer. Am liebsten wanderten die deutschen Ärzte in die Schweiz aus, gefolgt von Österreich und den USA.
  • Die Zahl der nach Deutschland zugewanderten ausländischen Ärzte stieg um 921 oder 4,7 % auf rund 20.000 Ärzte, die meisten kamen aus Österreich, Rumänien, Griechenland und der Slowakei, den größten Anteil am Bestand stellen die Ärzte aus der ehemaligen Sowjetunion.
  • Der Anteil der weiblichen Mitglieder des ärztlichen Berufsstandes nimmt weiter zu: 2007 zählte die Bundesärztekammer 42,4% Ärztinnen, 1996 lag ihr Anteil an der Gesamtärzteschaft nur bei 38 %.

Ulla Schmidt: „Noch nie so viele Ärzte“

Die Bundesminsterin für Gesundheit, Ulla Schmidt, rechnete in einem Brief an die Abgeordneten der Großen Koalition die Abwanderung der deutschen Ärzte ins Ausland mit der Zuwanderung ausländischer Ärzte nach Deutschland auf. Sie sieht insgesamt kein Problem mit der ärztlichen Versorgung in Deutschland, zumal die Zahl der Ärzte insgesamt so hoch liege wie noch nie.

Prof. Hoppe: „Vorhergesagter Ärztemangel längst Wirklichkeit“

Der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Hoppe, verweist in seinem Kommentar auf die Tatsache, dass in den östlichen Bundesländern jede zweite freie Arztstelle im Krankenhaus nicht mehr besetzt werden könne, in den westlichen sei es jede vierte.

„Hausärzte fehlen auf dem Land im Norden und im Osten“

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Köhler, wies vor allem auf die Überalterung der niedergelassenen Ärzteschaft und die jetzt schon bestehende Unterversorgung mit Hausärzten auf dem Lande in Nord- und Ostdeutschland hin.

Marburger Bund: „Volkswirtschaftlicher Irrsinn“

Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke, meinte, dass die Sprachprobleme einem uneingeschränkten Einsatz ausländischer Ärzte in Deutschland entgegenstünden.

„Es ist schlicht volkswirtschaftlicher Irrsinn, für ein Medizinstudium hierzulande rund 250.000 Euro an Steuergeldern aufzuwenden, um die hier teuer und sehr gut ausgebildeten Ärzte dann mit schlechten Arbeitsbedingungen ins Ausland zu vertreiben“, sagte Henke nach einer Meldung des Deutschen Ärzteblattes.

Quellen

Bundesärztekammer: Ärztestatistik 2007

Tagesspiegel: Ärzte wandern aus

Deutsches Ärzteblatt: „Marburger Bund fordert bessere Arbeitsbedingungen gegen Ärzteflucht“

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Deutsche Patienten gingen in den Jahren 2005 und 2006 nicht seltener zum Arzt als in den Jahren 2000 bis 2003. Jeder Bundesbürger besucht im Durchschnitt zehn Mal pro Jahr eine Arztpraxis, im EU-Durchschnitt 6,8 mal.

Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und die Technische Universität Berlin laut einem Bericht der Wirtschaftswoche vom 19.4.2008 durchgeführt haben.

Der Zweck der zum 1.1.2004 eingeführten Praxisgebühr ist demnach nicht erreicht worden. Mit einer Abschaffung ist dennoch nicht zu rechnen: Immerhin nehmen die gesetzlichen Krankenkassen rund 1,6 Milliarden Euro jährlich mit der Praxisgebühr ein.

Quelle

Witschaftswoche: Praxisgebühr: Erhoffte Wirkung ausgeblieben

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Je nach Verwendung fasst die Nürnberg Arena bis zu 10.200 Besucher. Musikfans bei Rockkonzerten und Zuschauer von Eishockey- oder Basketballspielen füllen normalerweise die Ränge, heute waren es annähernd 6000 von insgesamt 9000 Allgemeinärzten aus Bayern, die dem Ruf des Bayerischen Hausärzteverbands (BHÄV) gefolgt sind um hier den Ausstieg aus dem System der Kassenärztlichen Versorgung zu diskutieren. Eine gewaltige Beteiligung – wenn man an die 7000 Mitglieder des BHÄV denkt.

Sichtlich gerührt zeigte sich auch der Vorsitzende des BHÄV, Dr. Wolfgang Hoppenthaller von der gewaltigen Resonanz.

Die Würde des Hausarztberufs sei nunmehr zu verteidigen, sagte Hoppenthaller. Die Kassenärztliche Vereinigung schmiede derzeit eine Allianz mit den Krankenkassen und der Politik gegen die Hausärzte. „Wie korrupt muss ein System sein, wenn die Kliniker und Fachärzte aufgerufen werden, den Hausärzten in den Rücken zu fallen? “ fragte der Verbandschef seine Zuhörer unter Anspielung auf die Bemühungen der Bayerischen Kassenärztlichen Vereinigung den potentiellen hausärzlichen Boykott durch Krankenhäuser und Fachärzte zu konterkarieren.

„Da man uns nicht exekutieren kann, hungert man uns aus,“ fasste Hoppenthaller die gegenwärtige Situation der Hausärzte zusammen.

Im Anschluss an die Veranstaltung wurden Urnen zur (symbolischen) Rückgabe der Kassenzulassung aufgestellt. Die endgültigen Ergebnisse werden noch eine Zeit auf sich warten lassen: Erst wenn mehr als 70 % der Hausärzte in einem Regierungsbezirk ihren Zulassungsverzicht bei einem Rechtsanwalt erklärt haben, wird endgültig über den Ausstieg aus dem Kassenarztsystem beraten.

Alle Hausärzte Deutschlands beobachten voller Erwartung die Entwicklung in dem südlichen Bundesland, ich werde weiter berichten.

BR online zum Thema

Readers Edition: „Frustrierte Ärzte sind keine guten Ärzte“

Passauer Neue Presse berichtet über die Veranstaltung in Nürnberg

Nürnberger Nachrichten: „Die Arbeitssklaven der Kassen begehren auf

ddp bayern: „6000 Hausärzte protestieren in Nürnberg“

Süddeutsche Zeitung: „Sie haben uns behandelt wie Rotz am Ärmel“ – Interview mit einem Landarzt, der seine Zulassung zurückgegeben hat

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Der Bayerische Hausärzteverband (BHÄV) hat für den morgigen Mittwoch 7000 Allgemeinmediziner nach Nürnberg eingeladen.

Der Hausärzteverband ruft seine Mitglieder zum Systemausstieg auf. Die Abschaffung der Hausarztes sei von der Politik und den Krankenkassen bereits beschlossen. An die Stelle des vertrauten Arztes, der seine Patienten kennt und den seine Patienten kennen, trete der „Casemanager“ oder ein ständig wechselnder Angestellter eines Medizinischen Versorgungszentrums.

Die Gängelung durch die wachsende Bürokratie sei mittlerweile unerträglich, die Bezahlung miserabel. Hausarztpraxen seien unverkäuflich, der Nachwuchs durch die schlechten Arbeitsbedingungen abgeschreckt.

Der Ausstieg soll nach dem sog. Korbmodell ablaufen: Wenn 70 % der Mitglieder des BHÄV ihre Bereitschaft zum Zulassungsverzicht gegenüber einem Rechtsanwalt erlären, dann tritt der kollektive Austritt aus dem Kassenärztlichen System zum 1. Juli in Kraft.

Die Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) wollen allerlei juristische Daumenschrauben anlegen. Der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes, Dr. Wolfgang Hoppenthaler, ist sich aber sicher, dass die Krankenkassen nach einem Hausärzteboykott sehr schnell in Verhandlungen eintreten werden – auf  „Augenhöhe“ und nicht von oben herab wie bisher.  Noch seien die Hausärzte unverzichtbar für die Sicherstellung der medizinischen Versorgung, sagte Hoppenthaler.

Der Vorsitzende der AOK Bayerns, Helmut Platzer, sieht die Sache gelassen: Wenn die Hausärzte das Kassensystem verliessen, dann erhielten sie eben einfach kein Geld mehr. Und außerdem praktizierten in Bayern ohnehin zuviele Ärzte, die darüber hinaus 20 % mehr als ihre Kollegen in anderen Bundesländern verdienten, verkündete Platzer.

Bayerischer Hausärzteverband: Dr. Hoppenthaler spricht über die Situation der Hausärzte (Video)

Einladung des BHÄV an seine Mitglieder zur Versammlung in Nürnberg am 30.01.2008

Kankenkassen.de: Bayerns Hausärzte proben den Aufstand

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Robert Koch-Institut

Robert Koch-Institut (RKI), eine Bundesinstitution in Deutschland mit dem Ziel der Erkennung, Bekämpfung und Verhütung von Krankheiten, besonders von Infektionskrankheiten.

Das RKI mit Sitz in Berlin forscht, gibt Berichte und Ratschläge an die politisch Verantwortlichen und an Ärzte. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am RKI erstellt den Impfplan der öffentlich empfohlenen Impfungen. Das RKI wurde 1891 als Königliches Preußisches Institut für Infektionskrankheiten gegründet, um die Forschungsarbeiten von Robert Koch zu unterstützen. Das RKI gehörte organisatorisch seit 1952 zum Bundesgesundheitsamt (BGA). Das BGA wurde 1994 aufgelöst, das RKI wurde selbstständiges Bundesinstitut und übernimmt seitdem Aufgaben des BGA im Bereich Sozialmedizin und Epidemiologie.

Offizielle Homepage

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