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Archive for the ‘Medizin’ Category

 

2017 könnte in Deutschland das Jahr der Masern werden . Die Zahl der Erkrankungen nimmt rapide zu: Bis zum 13. April waren bereits 368 Masernfälle gemeldet worden, im gesamten letzten Jahr waren es nur 329. Und das obwohl im Jahre 2015 die Masern in Deutschland hätten ausgerottet sein sollen. Und warum sind sie immer noch da? Weil zu wenig Kinder gegen Masern geimpft werden!

Ist es nicht besser, Masern durchzumachen?

Auf eine Art: ja! Der Schutz gegen Masern ist super gut, wenn man die Erkrankung  durchgemacht hat. (Ich spreche da aus eigener Erfahrung, ich habe als Kind selber Masern  gehabt und mich bei meinen kleinen Patienten nie angesteckt!) Andererseits: Der gute Schutz wird teuer erkauft! Bei jedem 5. Masernkind kommt es zu ernsthaften Komplikationen: Mittelohrentzündung und Lungenentzündung sind da an erster Stelle zu nennen. Ok, auch das stecken ansonsten gesunde Kinder meist ganz gut weg. Wesentlich seltener, dafür umso ernster ist eine andere Komplikation: Eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), die in 10-20% der Fälle tödlich endet, in 20-30% der Fälle zu dauerhaften Behinderungen führt. Ist es das wert?

Aber die Impfung soll doch so gefährlich sein, hört man ?

Das ist absoluter Quatsch. Ich bin 34 Jahre lang als Arzt tätig gewesen, 25 Jahre davon als Landarzt im schönen Ditzum an der Ems. In dieser Zeit habe ich unzählige Kinder gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft. Und ich habe in der ganzen Zeit nicht eine einzige ernsthafte Nebenwirkung gesehen. Klar, manchmal schwillt das Ärmchen oder Beinchen an, vielleicht entsteht auch eine kleine, heiße und rote Beule. Nach drei Tagen spricht man schon nicht mehr drüber. Und ja, manchmal war die Temperatur erhöht, vielleicht war das Kind am nächsten Tag ein bisschen quengelig, aber das kann bekanntlich viele Gründe haben. Aber sonst: Schwerwiegende Nebenwirkungen? Fehlanzeige! Diese persönliche Erfahrung darf man natürlich nicht verabsolutieren – aber diese persönliche Erfahrung wird durch die Wissenschaft gestützt. Impfnebenwirkungen sind meldepflichtig, die Auswertung der berichteten Nebenwirkungen unterstützt meinen persönlichen Eindruck voll und ganz. Hier beim Robert Koch-Institut kann man das ganz genau nachlesen.

Ganz unterschiedliche Impfraten in Deutschland

Erstaunlicherweise ist die Beteiligung an der Masernimpfung in Deutschland ganz unterschiedlich. Besonders negativ hebt sich das Land Sachsen mit Impfquoten im Kreis Görlitz von 12,1 % (für die zweite Impfung) vom Rest der Republik ab! Aber auch mein Heimatkreis, der Landkreis Leer, liegt mit 73,8 % der korrekt geimpften Kinder nur ganz knapp über dem Bundesdurchschnitt von 73,7 %, aber steht doch wesentlich schlechter da als Hamburg mit 81,1 %!

Zweimal impfen!

Man weiß heute, dass eine Impfung gegen Masern nicht ausreicht. Eine Impfung schützt zwar über 80 % aller Kinder, aber zwei Impfungen schützen  (fast) alle! Die Impfung sollte frühestens im 11. Lebensmonat beginnen, spätestens zwei Monate nach dem ersten Geburtstag sollten alle  Kinder die erste Impfung erhalten haben. Nur wenn die Kinder schon im ersten Lebensjahr in die Kinderkrippe kommen, beginnt man mit der Impfung auch schon im 9. Lebensmonat. Der Grund dafür sind die Antikörper der Mutter gegen Masern, die auf den Säugling übergehen. Diese „Leih“Antikörper sind es, die einen Erfolg der Impfung verhindern, die Impfung ist unwirksam, wenn sie zu früh erfolgt. Die zweite Impfung kann frühestens nach 4 Wochen erfolgen. Vor dem zweiten Geburtstag sollten alle Kinder geimpft sein. Wenn dann irgendwann mehr als 95 % der Kinder vorschriftsmäßig geimpft sind, dann besteht Hoffnung, dass wir die Masern durch die Impfung ausrotten können. Viel Leid könnte dadurch verhindert werden.

Erwachsene aus dem Jahrgang 1970 oder jünger nachimpfen!

Erwachsene, die 1970 geboren wurden oder jünger sind, sollten eine Auffrischimpfung erhalten, wenn sie bisher nur einmal oder gar nicht geimpft worden sind. Die Jahrgänge, die älter als der Jahrgang 1970 sind, brauchen keine Impfung, in über 95 % der Fälle haben sie die Masern bemerkt oder unbemerkt durchgemacht. Wenn der Impfausweis weg ist und niemand mehr weiß, ob der junge Mann/ die junge Frau geimpft wurden, dann sollte man ganz einfach auffrischen. Die Impfung ist viel zu gut verträglich, die Erkrankung viel zu gefährlich, als dass  man hier ein Risiko eingehen sollte.

In den USA gilt: Keine Impfung – keine Schule, auch kein Austausch

In vielen Bundesstaaten der USA werden Kinder, die nicht ausreichend geimpft sind, nicht zum Unterricht an öffentlichen Schulen zugelassen, auch am Schüleraustausch können Schüler, die nicht richtig geimpft sind, nicht teilnehmen. Ich weiß nicht, ob diese Maßnahmen auch in Deutschland angebracht wären, manchmal denke ich: Ja! Dann kommt aber wieder meine Abneigung gegen alle staatlichen Zwangsmaßnahmen durch. Ich meine, es sollte doch möglich sein, alle Menschen von der Notwendigkeit der Masernimpfung zu überzeugen.

Argumente gegen die Masernimpfung? Bitte hier eintragen!

Ich habe eine Bitte an meine Leser: Wenn Ihr der Meinung seid, eine Impfung gegen Masern wäre Quatsch, überflüssig oder gar gefährlich, dann schreibt dies bitte hier in den Kommentar. Ich verspreche, dass ich innerhalb weniger Tage darauf antworten werde, wenn Ihr mir gute Gründe nennen könnt. Und ich verspreche, ich werde nicht die Moralkeule rausholen oder mich gar lustig machen. Lasst uns diskutieren!

 

Quellen

* Hier fand ich das Bild von dem kranken Kind (Masern)
* Robert Koch-Institut: Ratgeber Masern (für Ärzte)
* Sie lesen nicht gerne, schauen aber gerne Filme? Hier werden sSie fündig – zum Thema Masernimpfung
* Steckbrief Masern – Gut verständlich!
* noch mal Robert Koch: Nebenwirkungen der Masernimpfung
* Die Ärztezeitung berichtet über Masernwelle in Deutschland
* Vacmap.de: Soviel Kinder werden in Deutschland geimpft
* Paul Ehrlich – Institut: Antworten auf Impfkritik
* noch mal Paul Ehrlich: Nebenwirkungen der Masernimpfung
* Deutsche Apothekerzeitung: Panencephalitis (nach Masern) häufiger als angenommen

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Angelina Jolie bekannte in einem Artikel in der New York Times: Ich habe mir aus Furcht vor Brustkrebs beide Brustdrüsen entfernen lassen. Die bekannte Schauspielerin leidet an einer Mutation des BRCA1-Gens, ihr Brustkrebsrisiko lag bei 80 %, ihre Mutter starb im Alter von 54 Jahren an Brustkrebs. Durch die Operation reduzierte Angelina Jolie ihr Brustkrebsrisiko auf unter 5 %.

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Zum Glück leiden nur 0,2 % aller Frauen an einer Mutation des BRCA1 oder BRCA2-Gens, die beide ein hohes Risiko für Brustkrebs bedeuten. Aber nicht nur das Risiko an Brustkrebs zu erkranken, ist erhöht, auch an Eierstockkrebs erkranken die betroffenen Frauen weitaus häufiger.

Betroffen von der Mutation sind vor allem Frauen aus Familien, in denen Brustkrebs bei jungen Frauen gehäuft auftrat, beidseitiger Brustkrebs sowie Brust- und Eierstockkrebs bei der gleichen Verwandten diagnostiziert wurde sowie Brustkrebs bei männlichen Verwandten auftrat. Frauen aus betroffenen Familien sollten mit ihrem Arzt besprechen, ob eine genetische Testung und Beratung für sie sinnvoll oder sogar notwendig ist.

Keineswegs müssen alle betroffen Frauen den Weg wählen, den Angelina Jolie vorgezeichnet hat. In 15 Zentren deutschlandweit wird ein intensiviertes Vorsorgeprogramm für Frauen angeboten, die von der Risikomutation betroffen sind. Die intensivierte Vorsorge besteht aus Selbstuntersuchungen der Brust, Tastuntersuchungen durch den Arzt, Sonografie, Kernspintomografie und Mammographie.

Leider gibt es keine vernünftige Vorsorge für den Eierstockkrebs. Hier bleibt nur die vorsorgliche Entfernung der Eierstöcke nach Abschluss der Familienplanung bei den betroffenen Frauen. Hierdurch sinkt auch das Risiko für den Brustkrebs um 50 %.

Quellen und weiterführende Links

* Uniklinik Köln: Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs

* New York Times vom 14.5.2013: Angelina Jolie: My Medical Choice

* Dtsch Arztebl Int 2011; 108(19): 323-30; DOI: 10.3238/arztebl.2011.0323: Familiäres Mamma- und Ovarialkarzinom: Neue Gene, neue Therapien, neue Konzepte

* Deutsches Ärzteblatt, Nachrichten vom 15.5.2013: Vorsorgliche bilaterale Mastektomie: Individuelle Entscheidung

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Ein interessanter Blogbeitrag von meiner Kollegin Frau Dr Zehnle über Zecken…

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„Habe ich Rheuma?“ Das ist eine häufige Frage, die Patienten in der Hausarztpraxis stellen. „Rheuma“, das ist eine ganze Gruppe von Krankheiten, bestimmt mehr als hundert verschiedene Erkrankungen gehören dazu. Verschiedene Erkrankungen mit unterschiedlichen Beschwerden, unterschiedlicher Behandlung und unterschiedlichen Prognosen für die Zukunft.

PCPVeränderungen der Fingergelenke bei RA

Wer von „Rheuma“ spricht, meint jedoch meistens die „rheumatoide Arthritis“ (RA). Die RA ist die häufigste Rheumaerkrankung.
Morgensteifigkeit, Schmerzen und Überwärmung

Sie betrifft vor allem die Gelenke, und von allen Gelenken besonders die kleinen Gelenke an den Händen und an den Füßen. Typisch ist ein symmetrischer Befall, also z.B. die Fingergrundgelenke der rechten und der linken Hand sind geschwollen, schmerzen und fühlen sich überwärmt an. Der Patient kann die betroffenen Gelenke nach dem Aufstehen erst gar nicht oder nur schlecht bewegen: Die Morgensteifigkeit ist ein wichtiges Anzeichen für die Diagnose rheumatoide Arthritis. Von den Finger- und Fußgelenken „springt“ das Rheuma zu den Knie- Schulter- und Ellenbogengelenken. Müdigkeit und Abgeschlagenheit, leichtes Fieber und Appetitlosigkeit können hinzutreten.

Rheuma, Gicht, Arthrose ….

Suchen Sie Ihren Hausarzt auf, wenn Sie über eine längere Zeit eine schmerzhafte Schwellung Ihrer Gelenke bemerken. Er wird zusätzliche Blutuntersuchungen durchführen, um die Diagnose Rheuma zu festigen. Insbesondere wird er nach Entzündungszeichen im Blut suchen: Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und CRP (C-Reaktives Protein) untersuchen. Sind diese Werte normal, spricht das gegen Rheuma.

Der Rheumafaktor (RF) im Blut ist bei 80 % der Menschen mit RA erhöht, aber auch bei 5 % der gesunden Normalbevölkerung. Etwas spezifischer sind die Antikörper gegen CCP ( Cyclische Citrullin Peptide). Sind diese erhöht, kann man mit 96 prozentiger Sicherheit davon ausgehen, dass wirklich eine RA vorliegt. (Beim Rheumafaktor trifft dies nur auf 60 bis 80 der Fälle zu.)

Die Gicht: Schmerzen im „großen Onkel“
PodagraGichtanfall der Großzehe links

Die Bestimmung der Harnsäure grenzt Rheuma von Gicht ab, obwohl es auch Gichtanfälle bei normalem Harnsäurespiegel im Blut gibt und längst nicht alle Patienten mit erhöhter Harnsäure eine Gicht haben. Typisch für eine Gicht ist eine Gelenkentzündung im Grundgelenk der Großzehe oder des Daumens, streng einseitig und nicht symmetrisch wie beim Rheuma. Gicht tritt häufig nach einem reichlichen Mahl mit viel Alkohol auf.

Psoriasisarthritis: „Befall im Strahl“

Die Psoriasarthritis ist der RA sehr ähnlich, typisch ist der Befall „im Strahl“ – so sind z.B. an einem Finger das Grund-, das Mittel- und das Endgelenk betroffen. Meistens, aber nicht immer, finden sich auch die Hauterscheinungen der Schuppenflechte (Psoriasis) am Körper des Patienten.

Lyme Arthritis: Borelliose nach einem Zeckenbiss

Die Lyme Arthritis ist eine Gelenkentzündung als Folge einer Infektion mit Borellien, z.B. nach einem Zeckenbiss. Meist ist nur ein Gelenk betroffen, am häufigsten das Kniegelenk, im Blut finden sich Antikörper gegen Borellien.

Bakterien im Gelenk

Auch andere Bakterien können ein Gelenk infizieren, z.B. Streptokokken oder Staphylokokken nach einer Punktion des Kniegelenks. Meistens ist nur ein Gelenk befallen, das Gelenk ist geschwollen und mit Flüssigkeit gefüllt. Bei der Punktion zeigt sich nicht selten Eiter.

Gelenkentzündungen bei Erkrankungen des Darms

Nach Darminfektionen z.B. mit Yersinien kommt es bisweilen zu Gelenkentzündungen, bei denen weniger die Bakterien sondern mehr das fehlgeleitete menschliche Immunsystem eine Rolle spielen. Der gleiche Mechanismus spielt eine Rolle, wenn bei chronischen Darmentzündungen wie der Colitis ulcerosa und dem Morbus Crohn die Gelenke schmerzen und anschwellen.

Röntgen, Sonografie und MRT können weitere Hinweise auf die Diagnose Rheuma geben

Neben der Vorgeschichte, den Beschwerden des Patienten und den Blutuntersuchungen kann auch das Röntgen beider Hände Antwort auf die Frage: „Habe ich Rheuma?“ geben. Besser gesagt: Im Röntgenbild sollte nichts zu sehen sein. Wenn sich im Röntgenbild Zeichen der Rheumatoiden Arthritis finden, dann handelt es sich um Spätschäden. Spätschäden, die eigentlich durch eine rechtzeitige Behandlung heute zu vermeiden sind. Spätschäden, das bedeutet teilweise oder völlige Zerstörung der Gelenkfunktion. Das Röntgenbild ist dennoch wichtig, um ein Ausgangsbild für die spätere Therapiekontrolle zu haben und um andere Gelenkkrankheiten aufzudecken, z.B. die so häufige Arthrose der Fingergelenke.

Anlaufschmerz typisch für Arthrose

Im Gegensatz zum Rheuma (der RA) klagt der Patient mit Gelenkverschleiß über stärkere Beschwerden bei und vor allem nach Belastung, also etwa ungewohnt langen Spaziergängen, heftiger Gartenarbeit etc.. Typisch ist der Anlaufschmerz – das abgenutzte Gelenk tut weh, wenn es nach einer Zeit der Ruhe wieder bewegt wird – z.B. Schmerzen in den Hüftgelenken, wenn der Patient nach einer längeren Pause im Sitzen wieder aufstehen will.

Auch das MRT oder die Sonografie der Gelenke kann zeigen, dass die Gelenkinnenhaut (Synovia) verdickt ist, was auf Entzündung und somit auf eine RA hinweist.

Quellen und weiterführende Links

1.) Rheuma online
2.) Gesundheitsinformation.de
3.) Mayo Clinic: Rheumatoid Arthritis
4.) Laborlexikon: CCP-AK
5.) Gesundheit Nordhessen: Medizinlexikon
6.) Internisten im Netz: Rheumatoide Arthritis

Bildnachweis

Gicht bei Wikimedia commons, dort auch Angaben zur Lizenz!

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Autoimmunkrankheiten sind Erkrankungen, die durch Angriffe des eigenen Immunsystems auf einzelne oder mehrere Organe entstehen. Ganz sicher gehören 15 verschiedene Erkrankungen dazu: Von der Hashimoto-Thyreoiditis (einer Entzündung der Schilddrüse) über das Gelenkrheuma im eigentlichen Sinne (die Primär Chronische Polyarthritis) bis hin zum Lupus erythematodes, der Haut, Gelenke und viele inneren Organe befällt. Bei rund 80 Krankheitsbildern wird diskutiert, ob Autoimmunphänomene diese Krankheiten ganz wesentlich prägen oder verursachen.

PCP

Durch Rheuma (PCP) deformierte Hand

Autoimmunkrankheiten sind keineswegs seltene Krankheiten: 5 bis 10 % der Bevölkerung sollen davon betroffen sein. Frauen erkranken weitaus häufiger als Männer: Bei der Schilddrüsenentzündung vom Hashimoto Typ beträgt das Verhältnis Frauen zu Männer 10:1, beim Systemischen Lupus erythematodes immer noch 9:1, auch beim klassischen Gelenkrheuma (der PCP) erkranken Frauen mehr als doppelt so oft wie Männer. Die Ursache für diese Häufung beim weiblichen Geschlecht ist unbekannt, neuere Forschungen weisen darauf hin, dass Sexualhormone die Reaktionen des Immunsystems beeinflussen.

Überhaupt ist wenig Genaues über die Ursachen der Autoimmunkrankheiten bekannt. Paul Ehrlich , deutscher Mediziner und Nobelpreisträger, sprach um 1900 vom „Horror autotoxicus“ – vom „Schrecken der Selbstvergiftung“. Er wollte damit zum Ausdruck bringen, dass der menschliche Körper niemals Antikörper gegen eigene Gewebe herstellen könnte. Später revidierte er diese Aussage teilweise, blieb aber bei der Hypothese, dass Autoantikörper niemals schädigende Wirkungen haben könnten. Heute wissen wir mehr: Fast bei jedem Menschen lassen sich Autoantikörper nachweisen und bei vielen Menschen zerstören diese Antikörper körpereigenes Gewebe und Organe, führen zu langer, chronischer Krankheit und auch zum Tod.

Die Kontrolle der Abwehr versagt

Es gibt eine Reihe von Mechanismen, die verhindern, dass Autoantikörper und eben so auto-aggressive weiße Blutkörperchen Schaden anrichten und Krankheiten hervorrufen. Im Falle der Autoimmunkrankheiten versagen diese Regulative. So weit, so gut. Aber warum diese Mechanismen versagen, das ist noch nicht geklärt.

Wir kennen jedoch einige Risikofaktoren: Über das weibliche Geschlecht sprachen wir bereits. Ein anderer Faktor ist die Vererbung. Eineiige Geschwister folgen ihrem Zwillingsbruder / ihrer Zwillingsschwester in 30 % der Fälle, wenn diese autoimmun erkrankt, zweeiige tun dies nur in 5 – 7%. Ein gewaltiger Hinweis auf die Vererblichkeit der Autoimmunkrankheiten, aber auch ein sehr deutlicher Hinweis darauf, dass auch andere Faktoren eine Rolle spielen müssen.

Risikofaktoren: Geschlecht, Medikamente, Vererbung, Viren und Bakterien

In vielen Fällen spielen Infektionen durch Viren und Bakterien eine Rolle. Vermutlich haben viele Erreger äußerliche Ähnlichkeiten mit körpereigenen Gewebestrukturen. Nach der Infektion werden anstatt der mittlerweile schon vernichteten Viren und Bakterien Körperzellen angegriffen, deren Oberfläche der Oberfläche der abgewehrten Krankheitserreger ähnelt. „Kreuzreaktivität“ wird dieses Phänomen genannt.

Viren und Bakterien verändern möglicherweise auch die Oberfläche von körpereigenen Strukturen, so dass diese dem Immunsystem plötzlich fremd erscheinen. Auf ähnliche Weise sollen bestimmte Medikamente und Umwelteinflüsse Eiweißstrukturen der Zell-Oberflächen „verfremden“.

Auch Verletzungen z.B. der Augen, der Hoden oder des Gehirns und des zentralen Nervensystems können Autoimmunerkrankungen auslösen.

Alles dieses sind lediglich vage Hinweise auf die Ursachen, das Rätsel der Entstehung von Autoimmunkrankheiten ist damit aber noch keineswegs gelöst.

Therapie

Die Standardbehandlung der Autoimmunkrankheiten besteht in der Unterdrückung der körpereigenen Abwehr durch immunsupressive Medikamente. Wir sind heute aber noch nicht in der Lage, durch Immunsupressiva gezielt die Abwehr-Zellen zu unterdrücken, die für das Autoimmungeschehen verantwortlich sind. Durch die Therapie wird also auch die körpereigene Abwehr mehr oder minder stark geschwächt.

Das Standardmedikament zur Behandlung von Autoimmunkrankheiten ist immer noch das Cortison. Cortison wirkt schnell und zuverlässig. Leider kann es aufgrund seiner Nebenwirkungen nur zeitlich begrenzt eingesetzt werden. Methotrexat hat sich in den letzten Jahren immer mehr zum Star unter den Immunsupressiva entwickelt. Der Wirkungseintritt ist nicht so schnell wie beim Cortison, es kann dafür aber über einen längeren Zeitraum gegeben werden.

Es gibt eine Vielzahl neuerer Medikamente, die aber zu einem großen Teil nur bei speziellen Autoimmunkrankheiten eingesetzt werden

Ziel der Behandlung ist die Remission, d.h. es bestehen keine Anzeichen der Krankheit mehr. Eine Remission ist nicht gleichbedeutend mit einer Heilung, es muss leider immer wieder mit einem erneuten Krankheitsschub gerechnet werden. Aber die Medikamente können in der Remission in ihrer Dosis vermindert und schließlich ganz abgesetzt werden.

Quellen und weiterführende Links

1.) Longo, Fausi, Kasper, Hauser, Jameson, Loscalzo, Deutsche Ausgabe hrsg von. M. Dietel, N. Suttorp, M. Zeitz: „Harrisons Innere Medizin„, 2012, 18. Auflage, ABC Wissenschaftsverlag, Berlin; darin im dritten Band S. 2937 – 2942: Betty Diamond und Peter E. Lipsky: „Autoimmunität und Autoimmunkrankheiten„.

2.) Deutsche Autoimmun-Stiftung

3.) Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie: „Methotrexat“

4.) Rheuma online: Autoimmunerkrankungen

5.) Wissenschaft online: Autoimmunkrankheiten

6.) Bildquelle auf Wikimedia commons: Rheumatoide Arthritis

7.) American Autoimmune Related Diseases Association: Autoimmunity: A Major Women’s Health Issue

8.) Medline Plus: Autoimmune Diseases

9.)Emerging Infectious Diseases; Volume 10, Number 11—November 2004 International Conference on Women and Infectious Diseases (ICWID) Women and Autoimmune Diseases

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Ich hatte bereits über den Bluttest bei Schwangeren auf Trisomie 21 (Down Syndrom) des Ungeborenen berichtet.

Viele Leserinnen und Leser fragten bei mir nach, wo und wann dieser Test ind Deutschland verfügbar sei und was er koste.

Jetzt kann ich diese Fragen beantworten: Die Firma Life Codexx in Konstanz bietet diesen Test für 1245,50 € an. (Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht, es ist eine Blutentnahme von 20ml erforderlich, es kommen Kosten für die Beratung und Blutentnahme hinzu.)

Außer der Trisomie 21 werden auch die Trisomie 18 und die Trisomie 13 erfaßt.

Natürlich ersetzt dieser Test nicht in jedem Fall eine Fruchtwasseruntersuchung oder eine Chorionzottenbiopsie. Neben den Trisomien 21, 18 oder 23 können diese Untersuchungen noch eine Reihe weiterer genetischer Störungen beim Ungeborenen aufdecken, etwa die angeborene Muskeldystrophie. Allerdings sind diese Untersuchungen mit einem Risiko der Fehlgeburt von 0,2 bis 1 % der Fälle verbunden.

Genetische Diagnostik bei Ungeborenen wirft natürlich eine Reihe von ethischen Fragen auf. Die Antwort darauf muß sich jedes werdende Elternpaar nach eingehender medizinischer Beratung selber geben. Die Möglichkeiten der genetischen Diagnostik vor der Geburt werden in den nächsten Jahren dramatisch zunehmen und die Fragen der Ethik dadurch immer größer werden.

Quellen

1.) LifeCodexx, deutscher Anbieter des praena® Tests

2.)Frauenklinik der Universität Tübingen zur Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese)

3.)Frauenärzte im Netz zum gleichen Thema

4.)Die Wochenzeitung „Der Freitag“ zur ethischen Problematik des neuen Tests

5.)Die Wochenzeitung „Die Zeit“ zum gleichen Thema: „Mutters Blut, Babys Gene“

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Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit – ich hatte hier und da schon mal drüber gesprochen.

Masern können sehr unangenehme Komplikationen nach sich ziehen: eine knappe Woche nach Auftreten des Hautausschlags kommt es bei 0,1 % der Erkrankten zu einer Entzündung des Gehirns (Encephalitis). 10 bis 20 % der an Masernencephalitis erkrankten Menschen sterben daran, bei 20 bis 30 % der Erkrankten bleiben lebenslange Schäden – etwa eine geistige Behinderung – zurück.

Noch schlimmer ist eine sehr seltene Komplikation der Masern, die ebenfalls mit einer Entzündung des Gehirns einhergeht, aber erst sechs bis acht Jahre nach der Masernerkrankung auftritt. Bei dieser schleichenden Entzündung des gesamten Gehirns kommt es fortschreitend zu immer weiteren Ausfällen der Gehirnfunktionen, sehr viele Patienten sterben an dieser Krankheit mit dem schwierigen Namen subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE).

Lungenentzündung Pneumonie), Mittelohrentzündung und Durchfall treten gehäuft nach Masern auf, weil rund sechs Wochen lang eine deutliche Schwächung der Abwehr vorliegt. Pneumonie und Durchfall sind Erkrankungen, an denen man in Deutschland in der Regel nicht stirbt. Ein fataler Ausgang dieser Erkrankungen ist aber auch hierzulande nicht ganz auszuschliessen, ein Krankenhausaufenthalt ist immer drin, es können Folgeschäden auftreten.

Dabei könnten die Masern auch in Deutschland und Europa längst der Vergangenheit angehören. In den USA und anderen amerikanischen Staaten ebenso wie in Skandinavien ist dieses Ziel heute schon erreicht. In Deutschland waren wir 2011 angesichts von 1500 Erkrankungen in diesem Jahr schon Anfang Dezember noch weit davon entfernt, Frankreich mit 15.000 Fällen noch viel weiter. Die 300 Fälle in den Vereinigten Staaten sind dagegen meistens aus dem Ausland eingeschleppt.

In den USA heißt es: „No vaccination – no school“ („Keine Impfung – keine Schule“). Kinder werden nicht in Gemeinschaftseinrichtungen aufgenommen, wenn sie keine Impfung nachweisen können. Man kann auch von Impfzwang sprechen – dies in einem Land, in der die individuelle Freiheit so hoch geschätzt wird wie in keinem anderen Land der Welt.

Die Masernimpfung ist sehr gut verträglich, das zeigen viele Untersuchungen und das zeigt auch meine eigene Erfahrung aus der Praxis. Etwa zwei Prozent der Impflinge entwickeln zwei Wochen nach der Impfung die sogenannten „Impfmasern“ – ein flüchtiger Hautausschlag mit leichtem Fieber und ein wenig Husten oder Schnupfen. An der Stelle, an der geimpft wurde, zeigt sich manchmal eine vorübergehende Schwellung oder Rötung. Auch Fieber tritt bei 3 bis 5 % der Geimpften auf, nur sehr selten übersteigt die Körpertemperatur 38,5 Grad.

Geimpft werden sollten alle Kleinkinder im Alter von 11 bis 14 Monaten das erste Mal, die Impfung wird noch einmal wiederholt im Alter von 15 bis 23 Monaten. An seinem zweiten Geburtstag sollte jedes Kind zwei Masernimpfungen hinter sich haben.

Dringend empfohlen wird die Impfung auch allen Erwachsenen und Jugendlichen, die nach 1970 geboren sind und noch keine oder nur eine Impfung hinter sich haben. Die gleiche Empfehlung gilt für alle aus dieser Altersgruppe, die nicht mehr genau wissen, ob sie jemals geimpft wurden oder nicht.

Der Masernimpfstoff ist ein Lebendimpfstoff. Ein Lebendimpfstoff enthält Viren, die sich noch vermehren können, die aber so abgeschwächt sind, dass sie keine Krankheit mehr erzeugen.

Wenn deutlich mehr als 90 Prozent der Bevölkerung immun gegen Masern sind, dann kann diese gefährliche Viruskrankheit ausgerottet werden. Wir liegen in Deutschland im Moment unter 80 %, es muss dringend mehr geimpft werden. Eigentlich sollten die Masern 2010 ausgerottet sein, so lautete jedenfalls ein Plan der Weltgesundheitsorganisation.

Eine Reihe unseriöser Veröffentlichungen haben leider bei vielen Eltern Vorbehalte gegen die Masernimpfung erzeugt. Der größte Skandal ereignete sich in England 1998, als der Arzt Andrew Jeremy Wakefield einen Zusammenhang zwischen Masernimpfung und Autismus behauptete. Die Studie wurde mittlerweile von der Fachzeitschrift „Lancet“ wegen ihrer vielen Mängel zurückgezogen. Ein Reporter des „British Medical Journal“ legte Anfang diesen Jahres Hinweise auf eine bewusste Fälschung vor. Wakefield wurde die Zulassung als Arzt in England entzogen.

Quellen

CDC: High Number of Reported Measles Cases in the U.S. in 2011—Linked to Outbreaks Abroad

Robert Koch-Institut

Europäische Gesundheitsbehörde zur Häufigkeit von Masern

Spiegel online: Das offizielle Ende eines Forschungsskandals

Spiegel online: Sechsjährige kämpft gegen tödliche Masern

Deutsches Ärzteblatt: BMJ: Autismusstudie war eine Fälschung

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Mythos: Jeder muss jeden Tag Stuhlgang haben

Drei Mal am Tag oder drei Mal in der Woche ist völlig normal. Wenn Sie sowieso unter Verstopfung leiden, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen, wenn der Stuhlgang zwei Wochen und länger ausbleibt. Eine plötzliche, unerwartete Verstopfung, besonders mit Bauchschmerzen, ist immer alarmierend.

© Evert Meijs, Wikimedia. commons

Mythos: Verstopfung vergiftet mich oder schafft andere gesundheitliche Probleme

Es gibt keinen Hinweis darauf, dass der Stuhl, der in Ihrem Dickdarm „geparkt“ wird, Vergiftungserscheinungen auslöst. Es gibt auch keinen Hinweis, dass dadurch andere gesundheitliche Probleme wie z.B. Dickdarmkrebs oder Ähnliches heraufbeschworen werden.

Mythos: Wenn ich verstopft bin, kann ich nicht abnehmen

Der Stuhl wird im Dickdarm aufbewahrt. Dort wird ihm lediglich Wasser entzogen, keine weiteren Nährstoffe. Die Nahrung wird also gleich gut ausgenutzt, wenn Sie drei mal am Tag oder drei Mal in der Woche zur Toilette gehen.

Mythos: Bananen stopfen

Bananen stopfen nicht. Bananen fördern die Verdauung genauso wie anderes Obst und Gemüse. Pflaumen, ob roh oder getrocknet fördern die Verdauung scheinbar besonders gut, auch Pflaumensaft. Dasselbe gilt für Tomaten und rote Beete. Stopfend wirken Kuchen und helles Brot sowie Flüssigkeitsmangel!

Mythos: Verschluckte Kaugummis führen zur Verstopfung

Da muss man schon eine ganze Menge Kaugummis schlucken, um eine Verstopfung auszulösen. Hin und wieder ein Kaugummi verschlucken schadet dem Menschen gar nicht. Das Kaugummi landet genau so in der Toilette wie alle anderen Nahrungsmittel auch.

Mythos: Den Stuhlgang aufhalten schadet nicht

Den Stuhlgang „verkneifen“ führt tatsächlich häufig zur Verstopfung. Man/Frau sollte dem verspürten Drang möglichst bald nachgeben, ein Ignorieren kann unangenehme Folgen haben. Auch eine Erziehung zur Regelmäßigkeit kann helfen: z.B. jeden Morgen nach dem Frühstück die Toilette aufsuchen, auch wenn es noch gar nicht drückt.

Verstopfung ist nur was für alte Leute

Das stimmt leider gar nicht, im Gegenteil: Besonders bei Kindern, die nicht ausreichend Vollkornbrot, Obst und Gemüse essen, nicht ausreichend trinken und sich ungern bewegen, ist Verstopfung ein häufiges Übel. Und ein häufiger Grund für unklare, manchmal heftige Bauchschmerzen!

Mythos: Blut im Stuhl hat man schon mal

Sichtbares Blut im Stuhl ist immer ein Warnzeichen. Auch wenn man Hämorrhoiden hat. Bei Blut im Stuhl sollte immer der Arzt aufgesucht werden. Blut im Stuhl kann ein Frühzeichen für Dickdarmkrebs sein. Das gilt gerade und besonders dann, wenn das Blut genau dann auftritt, wenn sich die Stuhlgangsgewohnheiten verändert haben.

Quellen und weiterführende Links

Medizininfo.de. Verstopfung

Uni Marburg: Warum ist die Banane gesund?

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Von Fieber spricht man, wenn die im After (rektal) gemessene Körpertemperatur über 38 Grad Celsius liegt. Normal liegt die Körpertemperatur beim Menschen zwischen 36 und 37 Grad, ab 37° bis etwa 38° spricht man von erhöhter Körpertemperatur.

digitales Fieberthermometer © Berthold Werner, Wikipedia

Am zuverlässigsten: Rektale Messung mit einem digitalen Fieberthermometer

Am zuverlässigsten misst man beim Kind mit einem digitalen Fieberthermometer im After. Thermometer aus Glas zerbrechen leicht und die Messung dauert lange. Ohrthermometer zeigen falsche Werte an, wenn der Gehörgang zugeschwollen oder mit Ohrenschmalz verstopft ist, beides kommt nicht so selten vor. Auch bei einer Mittelohrentzündung ist die Messung mit dem Ohrthermometer nicht zuverlässig, die Temperatur wird in diesem Fall zu hoch gemessen, während bei Ohrenschmalz die Temperatur zu niedrig bestimmt wird. Thermometer, die die Temperatur an der Stirn des Kindes messen und einfache Teststreifen, die z.B. auf die Stirn aufgeklebt werden, sind in jedem Fall unzuverlässig.

Bei älteren Kindern kommt auch die Messung im Mund (unter der Zunge) in Frage. Die Temperatur dort liegt um 0,5° niedriger als im After. Unter der Achsel sind die Messwerte viel zu unzuverlässig.

Digitale Thermometer am preisgünstigsten

Digitale Fieberthermometer sind sehr preisgünstig: Um 5 Euro, oft noch darunter, sind sie in der Drogerie erhältlich. Ohrthermometer kosten ein vielfaches: Das einzige Ohrthermometer, das von der Stiftung Warentest ein „sehr gut“ erhielt, das „Braun Thermoscan“, gibt es von 30 Euro an aufwärts.

Nachteilig bei beiden Geräten im Vergleich zu den Glasthermometern ist die Batterie, die nach einiger Zeit gewechselt werden muss. Manchmal ist der Batteriewechsel auch gar nicht möglich oder so teuer oder so umständlich, dass man lieber ein neues anschafft. (Drei bis fünf Jahre Liegezeit oder 3000 bis 5000 Messungen werden als Haltbarkeit angegeben.)

Fieber hat vermutlich einen Sinn

Fieber ist nicht sinnlos und Fieber ist nicht die Krankheit. Der Körper des Menschen benutzt Fieber, um gegen Viren oder Bakterien zu kämpfen. Viele dieser Krankheitserreger können sich bei höheren Temperaturen nicht mehr so rasch vermehren, Fresszellen steigern ihre Aktivität und Antikörper werden schneller produziert. Bei vielen Infektionskrankheiten verkürzt Fieber die Krankheitsdauer.

Wann Fieber senken?

Manchmal, bei weitem nicht immer, leiden Kinder unter ihrem Fieber. Sie sind quengelig, können nicht schlafen und vor allem: sie wollen nicht trinken. Wenn die Trinkunlust zusammen mit Fieber, Durchfall und Erbrechen auftritt, kann eine Austrocknung des Kindes die Folge sein. In allen diesen Fällen sollte eine Fiebersenkung erwogen werden.

Keinesfalls ist die Höhe des Fiebers ausschlaggebend für die Entscheidung, das Fieber zu senken. Bis 42 ° passiert meist nichts. Und 42° werden sehr, sehr selten erreicht.

Wie Fieber senken?

Als Medikamente kommen im Kindesalter Paracetamol und Ibuprofen in Betracht. Beide Medikamente sind sehr sicher, wenn man die exakte Dosierung beachtet. Beide gibt es als Saft oder als Zäpfchen. Acetylsalicalsäure sollte im Kindesalter vermieden werden wegen der seltenen, aber oft lebensbedrohlichen Entwicklung eines Rye-Syndroms.

Wadenwickel machen nur einen Sinn, wenn das Fieber nicht mehr steigt. Den Fieberanstieg erkennt man am Schüttelfrost und an den kalten Armen und Beinen – hier sollte das Kind besser zugedeckt werden. Das Fieber ist und bleibt hoch, wenn die Haut sich warm bis heiß anfühlt. Wenn das Fieber fällt, schwitzt das Kind.

Für den Wadenwickel benutzt man übrigens lauwarmes, nie kaltes Wasser. Um den Wadenwickel kommt ein trockenes Tuch. Drei Wadenwickel in der Stunde, dazwischen drei gleichlange Pausen sind ein erprobtes Schema.

Fieberkrämpfe

Fieberkrämpfe sind für die Eltern ein sehr dramatisches Ereignis. Fieberkrämpfe sind nicht so selten: 2 bis 5 % aller Kinder machen – meist im Alter von 6 Monaten bis zu 4 Jahren – einen Fieberkrampf durch. Nur bei 2 bis 5 % aller Fieberkrämpfe folgt eine Epilepsie im späteren Lebensalter. Allgemein wird eine Fiebersenkung bei vorangegangenem Fieberkrampf empfohlen, obwohl sich in mehreren Untersuchungen gezeigt hat, dass die Häufigkeit der Krämpfe dadurch nicht vermindert werden kann.

Fieberkrämpfe dauern in der Regel nur wenige Minuten. Bringen sie ihr Kind in die stabile Seitenlage, vor allem, wenn es erbricht. Wenn der Krampf sehr lange andauert, z.B. länger als 10 bis 15 Minuten, rufen sie den Notarzt. Stellen sie auf jeden Fall jedes Kind nach einem Fieberkrampf dem Arzt vor.

Antibiotika sind keine Fiebersenker

Antibiotika helfen bei Infektionen durch Bakterien. Bei Viren sind sie völlig nutzlos. Die häufigste Ursache fieberhafter Erkrankungen im Säuglings- und Kleinkindesalter sind Viren. Besonders verdächtig auf Viruserkrankungen sind begleitende Gliederschmerzen. Ein Virusinfekt ist auch anzunehmen, wenn die gründliche körperliche Untersuchung keinen Hinweis auf einen bakteriellen Infekt ergibt. Manchmal ist es notwendig, Blut oder Urin zu untersuchen, um einen bakteriellen Infekt auszuschließen.

Quellen

Patientenleitlinien.de: Fieber im Kindesalter

Medline plus: Fever

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Das Übergewicht bei Kindern in Deutschland und Europa nimmt ständig zu. In den letzten Tagen wurden einige interessante Daten der IDEFICS-Studie veröffentlicht. Die IDEFICS-Studie untersuchte die Ursachen von Übergewicht an 16224 Kindern im Alter zwischen 2 und 10 Jahren in Belgien, Schweden, Estland, Deutschland, Ungarn, Spanien, Zypern und Italien.

Lecker Tomate! © Steffi Pelz/ http://www.pixelio.de

Die dicksten Kinder leben in Italien, Spanien und Zypern, die dünnsten in Belgien, Schweden und Estland. Deutschland nimmt eine Mittelstellung ein: Rund 16 % der Kleinen bei uns waren übergewichtig oder sogar adipös (BMI über 30), in Italien waren dies 42 %. Eindeutig war der Süden Europas stärker als der Norden betroffen, das Problem existiert aber in allen Ländern Europas.

Die Forscher aus ganz Europa fanden folgende Besonderheiten heraus, wenn ie dicke mit normalgewichtigen Kindern verglichen:

1.) Kinder, die zu wenig schlafen, werden dick! Vorschulkinder, die weniger als 9 Stunden schliefen, hatten ein um 300 % erhöhtes Risiko an Übergewicht zu erkranken, schliefen sie weniger als 11 Stunden, war das Risiko immer noch um 30 % höher. Die Zeit, in der sie hätten schlafen sollen, verbrachten viele Kinder vor dem Fernseher, vor dem Computer oder vor dem Videospiel.

2.) Kinder, die sich nicht bewegen, werden dick. War allgemein bekannt, oder? Kinder werden zu mehr Bewegung angeregt, wenn das Umfeld bewegungsfreundlich ist, wenn z.B. Spiel- und Sportplätze mit dem Rad oder zu Fuß leicht erreichbar sind.

3.) Armut als Risiko für Übergewicht? Kinder aus armen Familien hatten ein um 50 % höheres Risiko als die Kinder aus besser gestellten.

4.) Viel Obst und Gemüse, wenig Süßigkeiten und wenig süße Getränke hält auch Kinder schlank! Bei Erwachsenen wissen wir es schon lange, die IDEFICS-Studie zeigt, dass dies auch für Kinder gilt. So aßen die dünnen schwedischen Kinder viel öfter rohes und gekochtes Gemüse sowie Obst als die im Durchschnitt dickeren italienischen. Die Mittelmeerdiät mit viel Obst und Gemüse ist scheinbar bei den Kindern in den Norden Europas abgewandert!

Auch das Essen vor dem Fernsehen und das Trinken süßer Limonaden und Fruchtsäfte ist ein Risiko für Übergewicht.

Übergewicht bei Kindern hat viele schwerwiegende gesundheitliche Folgen: Diabetes bei Kindern nimmt zu, ebenso Gelenkbeschwerden und Bluthochdruck. Wenn es nicht gelingt, die Adipositas-Epidemie zu stoppen, dann ist zu befürchten, dass die jetzt heranwachsende Generation die erste seit Jahrhunderten ist, die kürzer lebt als ihre Eltern.

Quellen

EUFIC: Wie man Fettleibigkeit bei Kindern vermeiden kann – Neues von der IDEFICS-Studie

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