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Posts Tagged ‘orale Antidiabetika’

Metformin ist ein Medikament in Tablettenform zur Behandlung der Zuckerkrankheit, genauer des Diabetes mellitus vom Typ II, des sog. Erwachsenendiabetes.

Das Medikament wirkt dadurch, dass es die Neubildung von Traubenzucker (Glukose) in der Leber hemmt. Weiterhin verzögert es die Aufnahme von Glukose im Darm und erhöht vermutlich die Empfindlichkeit der Zellen für Insulin. Im Gegensatz zu andern Mitteln zur Diabetesbehandlung steigert es aber nicht den Insulinspiegel im Blut, es verursacht daher auch – alleine gegeben – fast nie eine Unterzuckerung (Hypoglykämie), kann aber die Hypoglykämie durch andere Medikamente verstärken.

Metformin scheint einen appetithemmenden Effekt zu haben, die Stoffwechseleinstellung der Diabetiker wird durch die daraus folgende Gewichtsabnahme zusätzlich verbessert.

Die bisher weltweit größte und aussagekräftigste Studie zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ II ist die UKPD Studie (United Kingdom Prospective Diabetes Study). In ihr zeigte sich, dass durch Metformin vor allem bei übergewichtigen Patienten Komplikationen des Diabetes und Herzinfarkte in ihrer Häufigkeit vermindert werden und das Leben verlängert wird. Metformin ist das Mittel der Wahl bei der Behandlung des Diabetes mellitus Typ II mit Übergewicht und dabei der Therapie mit Insulin oder anderen Antidiabetika (wie z.b. dem Glibenclamid) eindeutig überlegen.

Leider gibt es für die Behandlung mit Metformin eine Reihe von Gegenanzeigen (Kontraindikationen). In erster Linie soll eine strenge Beachtung der Gegenanzeigen die seltene, aber lebensgefährliche Laktatazidose, eine Übersäuerung (Azidose) des Blutes durch Milchsäure (Laktat), verhindern. Risikofaktoren für die Laktatazidose unter Metformin sind eine veminderte Nierenfunktion sowie alle Situationen, bei denen vermehrt Milchsäure im Blut anfällt: Operationen, Fasten, Leberschäden, schwere Infektionen u.a..

Metformin wird auch zur Behandlung des Polyzystistischen Ovarsyndroms – einer hormonellen Erkrankung, die häufig zur Unfruchtbarkeit bei Frauen führt – eingesetzt.

Die Nebenwirkungen beziehen sich meist auf den Magendarmtrakt: Blähungen, Durchfall, Übelkeit treten häufig zu Beginn der Therapie auf. Sie lassen sich oft durch langsame Steigerung der Dosis vermeiden. Eine Störung des Geschmackssinns (metallischer Geschmack) verschwindet meist wieder trotz weiterer Einnahme.

Eine beginnende Laktatazidose kündigt sich mit Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen an, später treten Muskelkrämpfe und Störungen des Bewußtseins hinzu. Die Häufigkeit dieser schwerwiegenden Komplikation wird mit 0,3 pro 10.000 Patientenjahre angegeben. Das bedeutet: Wenn rund 33.000 Patienten ein Jahr lang Metformin einnehmen, kommt es einmal zu dieser Komplikation. Diese Nebenwirkung ist somit sehr selten, aber leider mit einer Sterblichkeit von 50 % belastet.

Metformin gibt es unter einer Vielzahl von Handelsnamen, das Originalpräparat heißt Glucophage®, bekannt sind Siofor®, Metformin ratiopharm® u.a.. Die Tabletten enthalten meist 500, 850 oder 1000 mg. In der Regel beginnt die Behandlung mit 500 oder 850 mg und wird im Verlauf mehrer Wochen je nach Ansprechen und Verträglichkeit bis auf 3000 mg am Tag gesteigert. Metformin sollte während oder nach den Mahlzeiten eingenommen werden.

Arzneitelegramm 3/2004

Arzneitelegramm 5/2004

Arzneitelegramm 10/1998

Diabetes-Deutschland.de: Biguanide (Metformin)

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