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Posts Tagged ‘Unabhängige Patientenberatung Deutschland’

updHeute morgen konnte man es in allen Zeitungen lesen: Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) hat eine kostenlose Telefonnummer geschaltet: Unter 0800 0 117722 können Patienten hier anrufen und sich beraten lassen.

Hier kann man nach allem fragen, was mit Krankheit zu tun hat

Fragen kann man hier offensichtlich (fast) alles, was irgendwie mit Krankheit zusammenhängt. Informationen über regionale Therapieangebote erhält man hier beispielsweise oder auch Hilfe, wenn man glaubt, der behandelnde Arzt habe sich einen Kunstfehler zu Schulden kommen lassen.

Die UPD selbst gibt es schon seit zwei Jahren, sie wurde als Modellprojekt der Gesundheitsreform Anfang 2006 gestartet und wird von den Krankenkassen, also den Mitgliedsbeiträgen der Versicherten, finanziert.

Wer ist der Berater?

Leider kann man im Internetangebot nicht herausbekommen, wer eigentlich berät. „Unabhängigkeit“ und „Kompetenz“ wird versprochen. Unabhängig ist die Beratung ganz sicher von ärztlicher Kompetenz: Ärzte sind im Beratungsteam offensichtlich nicht vertreten.

Welche Qualifikation die Berater nun aber im einzelnen aufweisen, darüber schweigt sich die Website aus.

Eine Anfrage für 100 Euro ?

Billig ist die Angelegenheit auch nicht: 100. 000 Anfragen habe man in zwei Jahren bearbeitet, wurde heute stolz verkündet. 5,1 Millionen Euro kostet die UPD pro Jahr, meldet der Marburger Bund in einer Pressemitteilung schon Anfang 2006. 100.000 Anfragen für 10 Millionen Euro, das macht 100 Euro pro Anfrage – für dieses Geld betreut Ihr Hausarzt sie sechs Monate lang rund um die Uhr. Wahrscheinlich ist die UPD jetzt schon teurer geworden, auch die kostenlose Telefonnummer wird nicht umsonst zu haben sein.

Viel Kompetenz, gut verständlich, nicht fehlerfrei

Die Qualität der Telefonberatung konnte ich noch nicht testen, habe aber einige „Beratungsfälle des Monats“ und das Archiv der Pressemitteilungen durchstöbert. Dort sind viele gut verständliche und kompetente Informationen vertreten. Fehler gibt es auch: Die neu eingeführte Kindervorsorge U7a kann z.B. sowohl beim Kinderarzt als auch beim Allgemeinarzt durchgeführt werden und nicht ausschließlich beim Pädiater, wie die UPD meint.

Rufen Sie an!

Trotzdem, ich werde die UPD meinen Patienten empfehlen. Rufen Sie an, liebe Leser! Fünf Millionen Euro müssen genutzt werden (wahrscheinlich sind es noch mehr). Berichten Sie mir über Ihre Erfahrungen!

Sie vermuten einen Kunstfehler – was tun?

Übrigens: Wenn Sie vermuten, dass Ihr Arzt Sie falsch behandelt hat, suchen Sie zunächst das Gespräch mit Ihm selbst. Reden Sie ganz offen über Ihren Verdacht. Auch uns Ärzten ist es (mittlerweile) bewusst, dass wir Fehler machen. Wir wollen sogar aus unseren Fehlern lernen, oder noch besser: Aus den Fehlern anderer, bevor wir sie selbst machen.

Wenn das Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt nichts bringt, fragen Sie einen anderen. Auch Angehörige gesetzlicher Krankenkassen haben das Recht auf eine „zweite Meinung“, die Sie übrigens am besten vor einer Operation oder einer anderen riskanten Behandlung einholen sollten.

Und dann gibt es da noch die Schlichtungsstellen der Ärztekammern. Die Ärztekammer ist so etwas wie die Innung bei den KFZ-Werkstätten. Jeder Arzt ist Mitglied einer Ärztekammer. Die Ärztekammer bietet bei einem Kunstfehlerverdacht eine kostenlose und unverbindliche Begutachtung und Schlichtung an.

Beide Seiten: Arzt und Patient, müssen mit dem Schlichtungsverfahren einverstanden sein. Der Ausgang der Schlichtung lässt Ihnen den Prozessweg offen, aber die Schlichtung erspart Ihnen möglicherweise viel Geld für Rechtsanwälte, Gutachten und Gerichte.

Quellen

Unabhängige Patientenberatung Deutschland – Homepage

Marburger Bund kritisiert „Unabhängige Patientenberatung Deutschland“

Deutsches Ärzteblatt 6/2007: Patienteninformation: Guter Rat ist teuer

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